Lk 7, 11-17 Jesus erweckt Sohn einer Witwe

Vers 11-12 Einziger Sohn einer Witwe

Lk 7,11: Und es begab sich am folgenden Tag, dass er in eine Stadt namens Nain ging, und mit ihm zogen viele seiner Jünger und eine große Volksmenge.

Lk 7,12: Wie er sich aber dem Stadttor näherte, siehe, da wurde ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.

Der Tod und die Gemeinschaft

Der Tote wird aus der Stadt gebracht.

Neben der persönlichen Trauer, die sich beim Tod eines Angehörigen einstellt, wird auch immer eine bisher vorhandene Gemeinschaft erschüttert und getroffen.

Der junge Mann hatte eine persönliche Beziehung zur Mutter, aber er war für sie und andere Mitglieder der Familie und des Freundeskreises auch Teil der Gemeinschaft und Gesellschaft.

So ist das Heraustragen aus der Stadt auch ein Zeichen dafür, dass der Tod eines Menschen ein Loch in die Gesellschaft bzw. Gemeinschaft reißt.

Nikolaus Klemeyer

Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben die Kraft der Gemeinschaft – und wie trage ich selbst dazu bei, dass sie heil bleibt?

Der Tod führt zu Einsamkeit

Mit dem Kommentar, dass er der einzige Sohn einer Witwe war, wird die doppelte Einsamkeit spürbar, die hier durch den Tod entsteht. Die Witwe kann ihr nicht einfach entkommen, auch wenn viele Leute sie begleiten. Der Tod schafft eine Einsamkeit, die nicht durch die Gegenwart einer Menge ausgeglichen werden kann. Nikolaus Klemeyer 

Leben und Tod begegnen sich

Was passiert hier vor den Toren der Stadt Naïn? Es findet eine Begegnung statt zwischen einem Leichenzug, denn der einzige Sohn einer Mutter war gestorben, und einem Heilszug, der Leben spendete und aus einer großen Menschenmenge bestand, die Jesus folgte.

Diese beiden Personengruppen stoßen aufeinander. Der Tod des Sohnes hat alle innerweltliche Heilshoffnung dieser Mutter zerstört, denn, wir lesen, dass sie eine Witwe ist, und somit hat sie jetzt niemanden mehr, der für sie sorgen könnte.

Also, nicht nur seelisches Leid um den Verlust ihres geliebten Kindes, sondern auch blanke existentielle Angst dürfte sie ergriffen haben.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben Begegnungen zwischen Tod und Hoffnung – und wie vertraue ich darauf, dass daraus Neues Leben entstehen kann?

Vers 13 Mitleid Jesu: Weine nicht!

Lk 7,13: Und als sie der Herr sah, hatte er Mitleid mit ihr, und er sprach zu ihr: Weine nicht!

Lk 7,13: Als Jesus, der Herr, die Frau sah, war er von ihrem Leid tief bewegt. Weine nicht!, tröstete er sie.

Weine nicht!

Es gibt viele Gründe für Verzweiflung. Für so viele Schwierigkeiten im Leben gibt es kein menschliches Heilmittel. Besonders, wenn es um Leben und Tod geht, erlebe ich mich zu schwach, um anderen zu helfen.

Die Liebe aber, die ich im Herzen trage, leidet mit denen, die jemanden verlieren. Jesus aber bietet eine andere Sichtweise: „Weine nicht.” Seine unendliche Macht befreit uns aus tragischen, menschlichen Begrenztheiten. „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind” (Röm 8,28).

Jesus ruft mich vor allem dazu auf, zu hoffen gegen alle Hoffnung. Er handelt, er tritt als Erlöser für mich ein. Dieses „Weine nicht” hat das Gewicht eines Befehls. Wie endgültig Leiden und Tod auch erscheinen mögen, letztlich offenbart Jesus eine Leben spendende Liebe: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal” (Offb 21,4).

Die Witwe von Naïn empfängt eine unbegreifliche Gnade in ihrem Leid. Auch ich soll auf Christi Liebe zu mir und meinen Lieben vertrauen.

Shane Lambert

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass Jesus meine Hoffnung gegen alle Hoffnung aufrechterhalten möchte, und wie kann ich diese Liebe bewusst an andere weitergeben?

Weine nicht

Wenn Christus da ist, dann gibt es keinen Grund für Traurigkeit. Sogar die schlimmsten Tragödien geben uns Anlass zur Hoffnung.

Kummer entsteht aus dem Gedanken, dass wir den Schwierigkeiten des Lebens alleine gegenüberstehen und dass die Herausforderungen unsere Fähigkeiten übersteigen. Wenn Christi Anwesenheit nicht Realität wäre, dann hätten wir sicherlich oft Grund, bitterlich zu weinen.

Aber Christus ist da! Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist, der Herr ist immer bei uns, um uns Kraft zu geben.

Der junge Mann, den Christus auferweckt hat, wird irgendwann wieder sterben, aber in diesem Wunder ging es Christus darum, uns zu zeigen, dass er das Unmögliche möglich machen kann. Es ist eine Einladung, auf die Fülle des Lebens und Gottes Gnaden zu hoffen.

Robert Presutti

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die Gegenwart Christi besonders gespürt, und wie kann ich diese Erfahrung heute bewusst in meinem Alltag tragen?

Ein Gott, der mit-leidet

Der heilige Lukas zeigt uns Jesus wieder einmal von seiner ganz persönlichen Seite. Er sitzt nicht am Schreibtisch und ist mit dem „Tagesgeschäft“ der Rettung der Menschheit beschäftigt, sondern er geht zu Fuß nach Naïn.

Dort sieht er eine Mutter, die um ihr einziges Kind trauert. Sie ist auch noch Witwe. Christus empfindet Mitleid. Papst Benedikt XVI. sagte einmal, Gott kann nicht leiden, aber er kann „mit-leiden“.

Hier spüren wir das Herz Jesu. Er zeigt uns, wie wichtig jeder von uns für ihn ist. Er sieht uns und was er sieht, interessiert ihn wirklich. Was für einen tollen Gott haben wir, der mit uns mit-leidet.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich, dass Gott mit mir leidet, und wie verändert dieses Bewusstsein mein Handeln und Denken?

Ich begegne einem Menschen, der leidet

Ich versuche, ein Gefühl der Anteilnahme am Wohlergehen dieses Menschen zu empfinden und den Wunsch, dass sein Leiden aufhört oder gemildert wird. Beim Einatmen stelle ich mir vor, dass ich sein Leiden als dunkle schwarze Wolke in mich aufnehme. Beim Ausatmen stelle ich mir vor, dass aus mir Liebe, Stärke, Mut, Zuversicht und Freude zum anderen fließen. Ich nehme den Schmerz als eine dunkle Wolke wahr, die sich im strahlenden Licht meines Herzens auflöst. Ich bleibe ganz ruhig, während mein Herz Freude und Liebe ausstrahlt.

Wahre Nächstenliebe ist mehr als die Fähigkeit zum Mitleid, sie ist die Fähigkeit zur Zuneigung. Liebe zum Nächsten ist der Schlüssel zur Lösung der Probleme unserer Welt. Martin Luther King

Frage: Welche Aspekte meines Herzens könnten noch heller leuchten, um mehr Heilung und Frieden zu schenken?

Vers 14 Jüngling, steh auf!

Lk 7,14: Er ging zu der Bahre und legte seine Hand darauf. Die Träger blieben stehen. Jesus sagte zu dem Toten: Junger Mann, ich befehle dir: Steh auf!

Berührt durch Jesus

Darum aber vollbrachte er das Wunder nicht durch das Wort, sondern auch durch die Berührung der Bahre, damit du erkennest, der heilige Leib Christi bewirke das menschliche Heil. Dein er ist der Leib des Lebens und das Fleisch des allmächtigen Wortes, dessen Macht es hat.

Steh auf

Großes Mitleid bestimmt das Handeln Jesu. Er hält den Trauerzug an, indem er die Bahre berührt, und bewegt vom großen Erbarmen mit dieser Mutter beschließt er, dem Tod sozusagen Auge in Auge entgegenzutreten.

Und am Kreuz wird er ihm endgültig Auge in Auge entgegentreten. Wie zu dem verstorbenen jungen Mann sagt er allen: Ich befehle dir: Steh auf! Zu jedem von uns sagt er: Steh auf!

Gott will, dass wir aufrecht stehen. Er hat uns dazu erschaffen, aufrecht zu stehen. Daher führt das Mitleid Jesu zu jener Geste der Heilung – um uns zu heilen –, deren Schlüsselwort lautet: Steh auf! Stell dich aufrecht hin, so wie Gott dich erschaffen hat.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass ich eingeladen werde, wieder aufzustehen und aufrecht zu stehen?

Andacht von Papst Franziskus

Der Name des auferweckten Jungen wird im Evangelium nicht genannt. Das ist eine Einladung an den Leser, sich mit ihm zu identifizieren.

Jesus spricht zu dir, zu mir, zu jedem von uns, und er sagt: Steh auf! Wir wissen genau, dass auch wir Christen hinfallen und immer wieder aufstehen müssen. Nur wer gar nicht erst losgeht, fällt nicht hin, aber er kommt auch nicht voran.

Deshalb müssen wir das Eingreifen Christi akzeptieren und unseren Glauben an Gott bekennen. Der erste Schritt besteht darin, dass wir uns darauf einlassen, aufzustehen.

Das neue Leben, das er uns geben wird, wird gut und lebenswert sein, weil jemand es hält, der uns auch in Zukunft begleiten und uns niemals im Stich lassen wird. Er wird uns helfen, unser Dasein auf würdige und fruchtbare Weise zu verbringen.

Papst Franziskus

Frage: Welche kleinen Schritte kannst du heute unternehmen, um das Leben, das dir geschenkt wird, bewusster anzunehmen und zu gestalten?

Vers 15 Totenauferweckung in Nain

Lk 7,15: Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter.

Christus weckt von den Toten auf

Die Antwort Christi, die Auferweckung des Jünglings, beinhaltet mehr als die bloße Wiederherstellung seines Lebens. Mit der Auferweckung ihres Sohnes wird der Witwe wieder eine Lebensperspektive vermittelt, eine Wiedereingliederung in die Gemeinschaft und somit ein Lebensraum, in dem sie aufgehoben ist.

All das möchte Christus uns mit der Auferweckung unserer Seele vom Tod der Sünde vermitteln.

Frage: Wie kann ich heute in meinem eigenen Leben die Auferweckung und Erneuerung meiner inneren Seele spüren und zulassen?

Andacht von Augustinus

Niemand soll, sofern er Christ ist, daran zweifeln, dass auch jetzt Tote auferstehen. Gewiss, jeder Mensch hat Augen, mit denen er sehen kann, wie Tote auferstehen, so wie der Sohn jener Witwe auferstanden ist, von dem im Evangelium gerade die Rede war.

Nicht alle jedoch können die Auferstehung derer sehen, die geistlich tot sind. Dazu muss man schon innerlich auferstanden sein. Es ist ein größeres Werk, jemanden aufzuerwecken, der auf ewig leben soll, als jemanden aufzuerwecken, der doch wieder sterben muss.

Die Mutter dieses jungen Mannes, diese Witwe, war überwältigt von Freude, als sie ihren Sohn auferstehen sah. Unsere Mutter, die Kirche, freut sich ebenfalls, wenn sie täglich die geistliche Auferstehung ihrer Kinder sieht.

Der Sohn der Witwe war körperlich tot; diese aber sind seelisch tot. Man weinte über den sichtbaren Tod des ersten, aber um den unsichtbaren Tod der letzten kümmerte man sich nicht, ja, man nahm ihn nicht einmal wahr.

Der einzige, der nicht unbewegt blieb, war derjenige, der diese Toten kannte; nur jener kannte diese Toten, der ihnen das Leben wiedergeben konnte. Und wirklich: Wäre der Herr nicht gekommen, um die Toten aufzuerwecken, hätte der Apostel Paulus nicht gesagt: „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!“ (Eph 5,14).

Frage: Wo erfahre ich selbst in meinem Leben die unsichtbare Auferstehung, die Christus in meiner Seele wirkt?

Vers 16-17 Großer Prophet ist aufgestanden

Lk 7,16: Da wurden sie alle von Furcht ergriffen und priesen Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk heimgesucht!

Mögliche Fragen für mich

Es ist ja eigentlich schon ziemlich spektakulär, was die Menschenmenge zu sehen bekommt: Eine Totenauferweckung! Dennoch realisieren die Menschen nicht, dass Gott es ist, der ihnen in der Gestalt Jesu Christi begegnet und dieses Wunder wirkt.

Wie ist es mit mir? Sehe ich die vielen kleinen unscheinbaren Beweise von Gottes Anwesenheit in meinem Leben, oder erwarte ich großartige Beweise, ja eventuell sogar ein solches Wunder?

Ist nicht ein liebevoll gesprochener Satz eines Freundes, oder die unerwartet positive Wendung eines Problems auch Gottes Fügung? Erkenne ich das? Bin ich dankbar dafür, oder ist es selbstverständlich?

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Welche kleinen Zeichen göttlicher Gegenwart habe ich in meinem Alltag schon übersehen, und wie könnte ich ihnen mit bewusster Dankbarkeit begegnen?

Gott hat sein Volk besucht

Bei seiner Geburt wird der Sohn Gottes, der unsere Menschennatur angenommen hat, „Emmanuel” genannt: „Gott mit uns”.

Unser Retter wird uns gleich nicht nur im Leben und in der Gnade; er wird für uns zur Sünde und gibt sein Leben hin, um uns zu erlösen.

„Gott hat sein Volk besucht” trifft auch auf die Sünder zu: jene, die den Tod als letzte Folge der Sünde, der Erbsünde wie der persönlichen Sünden, erleiden.

Ich kann jubeln, denn Gott findet mich, wo ich bin, er heilt mich und macht mich neu für das ewige Leben.

Wenn ich so viel Liebe bekommen habe, sollte ich mit Liebe darauf antworten. Christus hat sein Leben für mich hingegeben. Christus ist mein Leben. Ich sollte die Liebe Christi zu anderen bringen; so wie ich sie erfahren habe.

Shane Lambert

Frage: Wie kann ich die Liebe, die ich selbst erfahren habe, heute bewusst weitergeben und dadurch meine eigene Spiritualität vertiefen?

Lk 7,17: Und diese Rede über ihn verbreitete sich in ganz Judäa und in der ganzen Umgegend.