Lk 6, 39-45 Rechtes Sehen und gutes Herz

Vers 39 Blinder leitet Blinden

Lk 6,39: Er sagte ihnen aber ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in die Grube fallen?

Werden nicht beide in die Grube fallen?

Ein Blinder kann einen anderen Blinden nicht sicher leiten, selbst wenn er es mit den besten Absichten versucht. Wer selbst nicht sieht, braucht jemanden mit einem klaren Blick, der den Weg kennt.

Wissen und Einsicht entstehen allerdings nicht von selbst – sogar der Heilige Geist, der uns beisteht, stützt sich darauf, dass wir uns auf unsere Sendung vorbereiten. Der Horizont des Glaubens, der uns befähigt, andere mit Weisheit zu führen, wird durch beständige Bildung erweitert.

Bildung ist keine spontane Erscheinung, sondern das Ergebnis von Zeit, Fleiß und Hingabe. Wir sollten uns den Wunsch bewahren, unseren Glauben immer tiefer zu ergründen.

Diese Offenheit setzt eine Haltung der Demut voraus, denn wahre Weisheit erkennt an, dass sie niemals ausgelernt hat. Wir sind keine vollendeten Meister, sondern stets Lernende. Ein guter Lehrer bleibt immer Schüler, und der beste Führer ist derjenige, der sich selbst führen lässt.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich mich heute noch bewusst von einem klaren Blick leiten lassen, um innerlich zu wachsen?

Kann ein Blinder einen Blinden führen?

Wenn also Christus nicht richtet, warum richtest du? Denn er kam nicht, die Welt zu richten, sondern sich über sie zu erbarmen. Wenn du einen Anderen richtest, und selbst dessen schuldig bist, bist du nicht einem Blinden ähnlich, der einen Blinden führt? Goldene Kette

Vers 40 Jünger steht nicht über Meister

Lk 6,40: Der Jünger ist nicht über seinem Meister; jeder aber, der vollendet ist, wird so sein wie sein Meister.

Der Jünger ist nicht über seinem Meister

Diese Aussage Jesu betont das Prinzip der Nachfolge und des Lernens. Ein Schüler kann seinen Lehrer nicht übertreffen, sondern nur von ihm lernen und sich ihm angleichen. Im geistlichen Sinne bedeutet dies, dass Nachfolger Christi sich nach seinem Vorbild ausrichten sollen.

Vollkommenheit besteht nicht in Überlegenheit, sondern in der Übereinstimmung mit dem Meister. Jesus fordert seine Jünger auf, sich in Demut und Gehorsam schulen zu lassen. Dies gilt besonders für Leiter in der Gemeinde: Sie sollen sich selbst als Lernende begreifen.

Erst durch diesen Reifungsprozess können sie Christus ähnlich werden. Diese Lehre ermutigt zur stetigen persönlichen und geistlichen Entwicklung.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Demut und Lernbereitschaft üben, um dem Vorbild Christi näher zu kommen?

Vers 41 Splitter und Balken im Auge

Lk 6,41: Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?

Balken und Splitter

Oft ist es gerade so, dass mir die Fehler und Schwächen der anderen sehr schnell auffallen. Darin liegt eine große Gefahr und es lenkt mich von meiner eigenen Umkehr ab.

Komm, Heiliger Geist, und zeige mir meine Halbheiten, Sünden und Schwächen. Lass mich mit deiner Hilfe zuerst bei mir „aufräumen“.

Dann verändert sich auch mein Blick auf meinen Nächsten. Ich werde achtsamer und dankbarer.

Edeltrud Fuhr

Frage: Welche eigenen Schwächen oder blinden Flecken könnte ich heute mit offenem Herzen betrachten, um meinen Blick auf andere liebevoller zu gestalten?

Adleraugen der Kritik

Mit Kritik sind wir meist schnell bei der Hand gegenüber dem Nächsten. Da sieht man mit Adleraugen, was die anderen falsch machen und was schief läuft.

Für die eigenen Fehler fehlt oft jede Einsicht. Ehrliche Selbstprüfung und ernsthafte Umkehr ist angesagt. Sich an der eigenen Nase fassen. Bei sich selbst anfangen.

Wissen: während ich mit dem Finger auf andere zeige, zielen gleichzeitig drei Finger der Hand immer auf mich selbst.

Frage: In welchen Momenten fällt es mir am schwersten, ehrlich auf mich selbst zu schauen, und was könnte passieren, wenn ich es trotzdem tue?

Falsche Toleranz

Jesus zeigt, dass wir im Allgemeinen viel toleranter gegenüber unserer eigenen Sünde sind als gegenüber der Sünde anderer. Jesus benutzte diese übertriebenen, humorvollen Bilder, um seine Botschaft leichter verständlich und einprägsamer zu machen.

Vers 42 Heuchler, zieh erst Balken heraus

Lk 6,42: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, halt, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist, während du doch den Balken in deinem Auge nicht siehst? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der im Auge deines Bruders ist!

Den Splitter entfernen

Dann kannst du versuchen, den Splitter deines Bruders herauszuziehen. Wie geht das? Ganz gewiss nicht mit einer moralisierenden Anklage. Um jemanden zur Umkehr zu bewegen, ist es notwendig, den anderen von Herzen zu lieben.

Vertraue auf Gott und überlasse diese Situation ganz seinem Willen. Bitte um Gottes Segen für diesen Menschen. Lass alles negative Reden über diese Person und schau, wie du selbst ein lebendiges Vorbild sein kannst. Glaube, dass Gott stärker ist.

Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben mehr Liebe und Geduld zeigen, anstatt zu urteilen oder zu kritisieren?

Zur demütigen Selbsterkenntnis

Die Selbsterkenntnis scheint die schwierigste von allen zu sein. Denn nicht nur das Auge, das auf äußere Dinge schaut, versäumt es, sich selbst zu betrachten, sondern auch unser Verstand, der zwar schnell die Sünde eines anderen erkennt, ist langsam darin, die eigenen Fehler zu erkennen. Basilius

Andacht von Augustinus

Wenn wir tadeln oder korrigieren müssen, sollten wir peinlich genau darauf achten, uns die folgende Frage zu stellen: Haben wir diesen Fehler noch nie begangen? Sind wir davon geheilt?

Und selbst wenn wir ihn nie begangen haben, so sollten wir daran denken, dass wir Menschen sind und dass wir ihn hätten begehen können.

Wenn wir ihn aber in der Vergangenheit begangen haben, sollten wir uns unserer Gebrechlichkeit erinnern, damit Wohlwollen und nicht Hass uns den Vorwurf oder Tadel diktieren. Ob der Schuldige nun besser oder schlechter wird – denn der Ausgang ist ungewiss –, so sind wir zumindest sicher, dass unser Blick rein geblieben ist.

Doch wenn wir bei der Gewissenserforschung in uns denselben Fehler entdecken, den wir zu korrigieren vorgeben, sollten wir, anstatt ihn zu tadeln, mit dem Schuldigen weinen. Wir sollten ihn nicht auffordern, uns zu gehorchen, sondern unsere Bemühungen zu teilen.

Augustinus

Frage: Wie kann ich heute mit meinem eigenen inneren Fehlverhalten so umgehen, dass Mitgefühl und Verständnis, statt Schuldgefühle und Selbstkritik, meinen Weg leiten?

Vers 43 Baum und seine Frucht

Lk 6,43: Denn es gibt keinen guten Baum, der schlechte Frucht bringt, noch einen schlechten Baum, der gute Frucht bringt.

Gegen die Trägheit

Wenn du aber dieses hörst, so ergib dich nicht der Trägheit. Denn der Baum bewegt sich von Natur aus, du aber hast einen freien Willen, und jeder unfruchtbare Baum ist für etwas bestimmt, du aber bist zu dem Tugendwerke geschaffen.

Vers 44 Erkennung an der Frucht

Lk 6,44: Jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt; denn von Dornen sammelt man keine Feigen, und vom Dornbusch liest man keine Trauben.

Worauf es wirklich ankommt

Die Dinge dieser Welt sind vergänglich. Heute kaufen wir ein neues Auto, in ein paar Jahren steht es auf dem Schrottplatz. Was bleibt bei all dem?

Jesus lädt uns ein, gute Früchte zu bringen, Früchte, die bleiben, Früchte für die Ewigkeit. Das sind unsere guten Taten, die wir aus Liebe zu Gott und zum Nächsten vollbringen.

Das ist das aufmunternde Wort, das geduldige Zuhören, die großzügige Unterstützung, das mutige Zeugnis oder das stille Gebet.

Raphael Ballestrem

Frage: Welche kleinen Taten des Herzens könntest du heute tun, die Spuren für die Ewigkeit hinterlassen?

Vers 45 Schatz des Herzens fließt über

Lk 6,45: Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz seines Herzens das Böse hervor; denn wovon sein Herz voll ist, davon redet sein Mund.

Was im Inneren, dafür steht das Herz, ist, dass bricht sich auch nach außen Bahn.

Wo das Gute im Inneren ist, kommt Gutes heraus und wo Böses im Inneren verankert ist, kommt Böses heraus. Denn: Das Herz ist nicht unbegrenzt aufnahmefähig, irgendwann muss heraus, was drinnen ist.

Unsere Worte offenbaren unser Herz

Wenn es einen guten Schatz im Herzen gibt, wird es sich zeigen; wenn böse , wird sich das auch mit der Zeit zeigen. Unsere Worte sagen mehr über uns aus, als wir denken , und offenbaren, dass manche gute Menschen und manche böse Menschen sind.

Wir müssen unser Herz befragen

Jesus wählt hier an dieser Bibelstelle wieder lebensnahe Beispiele, die für die Menschen damals gut zu verstehen waren. Er spricht von guten und schlechten Bäumen und Früchten, vom Dornenstrauch, der garantiert keine Trauben trägt.

Dann spricht er von unseren Herzen. Wie sieht es darin aus? Habe ich ein geduldiges, liebevolles Herz? Ist meine Seele gesund und stark, so solide wie der gute Baum? Oder ist mein Leben geprägt von den Wellen des Eigensinns, des Stolzes und der Streitsucht?

Wenn ich mich ändern und gute Früchte für das Reich Gottes bringen möchte, dann muss ich ganz tief in meinem Inneren damit beginnen, etwas zu verändern, das Übel bei der Wurzel packen und es ausreißen. Ich muss mich von den Sakramenten heilen lassen und durch sie immer wieder mein Leben von Grund auf neu gestalten.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Welche „Früchte“ meines Lebens möchte ich heute bewusst pflegen, damit mein Herz stark und gesund wird?