Lk 6, 27-38 Über die Feindesliebe: Auslegung und Andacht

Lk 6, 27-38 im Überblick: Schritt für Schritt durch Lukas 6, 27 bis 38. Diese Erläuterung über die Feindesliebe hilft dir, den Bibelabschnitt besser zu verstehen und im Alltag zu verankern.

Vers 27 Gebot der Feindesliebe

Lk 6,27: Liebt eure Feinde.

Wer ist nun der Feind?

Feind kommt vom althochdeutschen fiant, was Hass bedeutet. Viele von uns haben, Gott sei Dank, keinen, den sie hassen. Aber wir haben sicher Menschen, die wir nicht unbedingt mögen und die uns immer wieder herausfordern.

Feindesliebe bedeutet, immer wieder in der Kraft Gottes ein Gegengewicht zu dieser Abneigung aufzubauen. Es ist sicher mühsam, aber es geht: den anderen segnen, ihm Gutes wünschen, nicht über ihn mit Dritten lästern und vieles mehr.

Beschreiten wir diesen Weg, erfüllen wir weniger eine moralische Forderung, sondern verbinden uns dadurch vielmehr innigst mit Gott, der die Liebe ist!

Frage: Welche Menschen in deinem Leben laden dich ein, die Kraft der Liebe über Ablehnung zu setzen, und wie könntest du heute damit beginnen?

Das ist die christliche Neuheit

Das ist der christliche Unterschied: Beten und lieben. Der Herr fordert von uns den Mut einer Liebe ohne Berechnung. Wie oft haben wir seine Forderung missachtet, wenn wir uns so wie alle verhalten haben!

Und doch ist das Liebesgebot nicht eine bloße Provokation, es bildet das Herzstück des Evangeliums. Kümmere dich nicht um die Bosheit des anderen, desjenigen, der schlecht über dich denkt. Beginne hingegen, aus Liebe zu Jesus dein Herz abzurüsten. Denn wer Gott liebt, hat im Herzen keine Feinde.

Franziskus

Wenn wir unsere Feinde lieben, tauchen wir in den großen Strom der Liebe Gottes durch Jesus Christus ein. Corrie ten Boom 

Frage: Welche Mauern in deinem Herzen könntest du aus Liebe zu Gott sanft abbauen?

Andacht von Franziskus von Assisi

OK, man muss den Text von Franziskus von Assisi mehrmals lesen, er ist holprig, aber in seinem Inhalt eine tiefgehende und vor allem praktische Anleitung der Nächstenliebe:

In der Tat liebt jener seinen Feind wahrhaftig, der nicht Schmerz empfindet über das Unrecht, das der andere ihm antut, sondern um der Liebe Gottes willen innerlich brennt wegen der Sünde, die der andere seiner Seele antut. Er möge ihm in Werken Liebe erweisen.

Viele gibt es, die oft, wenn sie sündigen oder Unrecht auf sich nehmen, dem Feind oder dem Nächsten die Schuld geben. Aber so ist es nicht. Denn ein jeder hat den Feind in seiner Gewalt, seinen Leib nämlich, durch den er sündigt.

Darum: Selig jener, der einen solchen Feind, der in seine Gewalt gegeben ist, immer gefangen hält und sich weise vor ihm in Acht nimmt. Denn wenn er das tut, kann ihm kein anderer Feind schaden, sei er sichtbar oder unsichtbar.

Franziskus von Assisi

Frage: Welche inneren „Feinde“ in deinem eigenen Herzen könntest du liebevoll anerkennen und transformieren, um Raum für mehr Mitgefühl und inneren Frieden zu schaffen?

Feindesliebe

Feindesliebe bedeutet nicht, dass wir uns überlegen fühlen oder andere abwerten, die wir als „Feinde“ wahrnehmen. Wenn wir lieben, um uns selbst als großzügig oder geduldig zu inszenieren, ist das keine echte Liebe – es ist ein Urteil, das wir über andere fällen.

Wahre Feindesliebe schenkt sich ohne Hintergedanken, ohne Anspruch auf Anerkennung oder Dankbarkeit. Sie richtet nicht, sondern begegnet dem anderen auf Augenhöhe. Wenn unsere Liebe abgelehnt wird, fühlen wir uns nicht verletzt oder bestätigt, sondern bleiben in unserer Haltung der Barmherzigkeit und des Mitgefühls.

Sie ist nicht Mittel zum Selbstzweck, sondern Ausdruck eines Herzens, das sich über die eigenen Grenzen hinaus für den anderen öffnet.

Wenn Jesus uns gebietet, unsere Feinde zu lieben, so gibt er selber uns die Liebe, die er von uns fordert. Corrie ten Boom

Frage: In welchen Momenten fällt es dir schwer, Liebe ohne Erwartung zu schenken, und was würde sich ändern, wenn du es dennoch tust?

Lk 6,27: Tut Gutes denen, die euch hassen.

Tut Gutes

Ich darf nicht erwarten, dass mein Verhalten unbedingt den anderen ändert. Auch wenn ich dem anderen vergebe, vergibt dieser nicht zwangsläufig auch mir. Auch wenn ich mich überwinde und ihm Gutes tue, heißt das nicht, dass mein Gegenüber dies ebenso tut.

Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der ohne Liebe zu mir gefangen in allerlei Abneigung lebt.

Gutes tun nun bedeutet zuallererst, jedem mit Respekt zu begegnen und ihn als Mensch wahrzunehmen. Und für mich ganz wichtig: nicht mit anderen über jemanden lästern!

Die Liebe erkennt in jedem Menschen den Bruder und die Schwester und handelt eben so in geschwisterlicher Verbundenheit, unabhängig davon, ob dieser mich mag oder eben nicht.

Frage: Wie kann ich heute Liebe und Respekt zeigen, ohne an eine Gegenleistung zu denken?

Andacht von Bonhoeffer

Vom Feind ist die Rede, der Feind bleibt, ungerührt von meiner Liebe, der mir nichts vergibt, wenn ich ihm alles vergebe, der mich hasst, wenn ich ihn liebe, der mich umso mehr schmäht, je ernster ich ihm diene.

Aber nicht danach soll die Liebe fragen, ob sie erwidert wird, vielmehr sucht sie den, der ihrer bedarf. Wer aber ist der Liebe bedürftiger als der, der selbst ohne alle Liebe im Hass lebt? Wer ist also auch der Liebe würdiger als mein Feind?

Wo wird die Liebe herrlicher gepriesen als mitten unter ihren Feinden? Diese Liebe macht den Jünger sehend, dass er im Feind den Bruder erkennt, dass er an ihm handelt wie an seinem Bruder.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich lernen, Liebe auch dort zu schenken, wo sie scheinbar nicht erwidert wird?

Andacht von Charles des Foucauld

Tun wir denen Gutes, die uns hassen. Tun wir ihnen das Bestmögliche für ihre Seelen wie für ihren Körper. Beten wir für sie. Opfern wir Gott Bußwerke für sie, denn die Schrift zeigt uns überall, dass Buße untrennbar mit dem Gebet verbunden ist.

Tun wir ihnen alles Gute, das Gott und der Gehorsam uns erlauben: Gunsterweise, Dienste, Freundlichkeit, Almosen, falls sie arm sind, Pflege für die Kranken, alles, was ihnen guttut.

Gewähren wir es ihnen, sowohl um dem Wort Jesu gehorsam zu sein, als auch um sein Beispiel nachzuahmen, um seinen kranken Gliedern Gutes zu tun, um diese Seelen für Gott zu gewinnen, indem wir „Kohlen der Liebe auf ihrem Haupt anhäufen“ und „das Böse durch das Gute“, ihren Hass durch unsere Wohltaten überwinden.

Frage: Wie könnte ich im Alltag bewusst dazu beitragen, selbst denen Gutes zu tun, die mir schwerfallen?

Vers 28 Segnen und Beten für Feinde

Lk 6,28: Segnet, die euch fluchen, und betet für die, welche euch beleidigen!

Für den Feind beten

Im Gebet trete ich hin zu jedem Menschen in meinem Umfeld, mit dem ich Probleme habe. Ich trete an seine Seite, ich bin mit ihm, bei ihm und für ihn vor Gott im fürbittendem Gebet.

Ich nehme seine und meine Not auf mich und trete vor Gott für ihn ein. Dadurch wird jede seiner Verletzungen mich nur näher mit Gott und mit diesem Menschen verbinden.

Das ist immer mühevoll und kostet Überwindung, ist aber das Äußerste, wo eben die Liebe unüberwindlich wird. Die Liebe, ja die Liebe, immer wieder konkret gelebt und umgesetzt.

Frage: Wie könnte ich die Liebe in meinem Alltag so leben, dass sie Hindernisse überwindet und mein Herz zugleich öffnet?

Übung

Ich habe es mir zur Übung gemacht, sofort (!) in einer schwierigen menschlichen Begegnung, den heiligen Geist innerlich anzurufen, schlicht mit den Worten: Heiliger Geist hilf! Und er hat mir bislang immer darin geholfen, einen liebenden, segnenden und fürbittenden Blick auf den anderen zu bewahren.

Gut Sprechen

Segne diejenigen, die dich verfluchen bedeutet, dass wir gut über diejenigen sprechen müssen, die schlecht über uns sprechen.

Fürbitte: Betet für sie

Eine konkrete Form der Liebe ist die Fürbitte. Ich muss dazu nicht der beste Freund jener Menschen sein, mit denen mir die Beziehung schwerfällt. Aber ich kann für sie beten, und nicht nur für ihre Umkehr, sondern auch für ihre Anliegen, Bedürfnisse und Sorgen, dafür, dass Gott sie segnet.

Es kann sein, dass ich gerade durch das Gebet eine neue Perspektive gewinne, um diese Menschen zu betrachten.

Fällt mir jemand ein, für den ich heute besonders beten möchte?
Eva Gloserová

Frage: Welche Menschen oder Situationen möchte ich heute mit meinem Herzen und meinem Gebet verbinden, und wie verändert das meine eigene Sicht auf sie?

Vers 29 Andere Wange hinhalten

Lk 6,29: Dem, der dich auf die eine Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Hemd nicht.

Ehre kommt allein vor Gott

Mach dich nicht abhängig von der Wertschätzung des Gegenübers, sondern wertschätze den anderen bedingungslos.

Andere werden dich immer wieder gewollt oder ungewollt gering schätzend, das heißt ehrlos behandeln. Schlimmste Beleidigung war damals die Ohrfeige, da diese die Ehre angriff. Unsere Ehre aber kommt allein von Gott, so dass wir getrost auch die andere Wange hinhalten können, das heißt auf jegliches, vor allem verbales, Zurückschlagen verzichten können.

Wenn wir darüber nachdenken, wie Jesus selbst beleidigt und angegriffen wurde – als Vielfraß, Betrunkener, uneheliches Kind, Lästerer, Verrückter und Ähnliches – sehen wir, wie er dieses Prinzip selbst lebte. Folgen wir ihm darin nach.

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag lernen, die Ehre anderer bedingungslos zu achten und meine eigene in Gott verwurzelt zu sehen?

Feindesliebe und Glaube an Gott

Die Aufforderung zur Feindesliebe ist ganz tief im Glauben an Gott begründet. Wenn wir ihn Vater nennen, wenn wir das von ihm glauben und verkünden, dann muss es auch in unserem Leben gelten.

Man kann nicht Vater unser sagen und gleichzeitig die geballte Faust in der Tasche halten. Die christliche Liebe und in ihrer letzten Konsequenz auch die Feindesliebe wurzelt in der Erfahrung, dass ich selbst ganz ungeschuldet und unverdient von Gott geliebt bin.

Seitdem versteht sich christliche Liebe immer auch als Weitergabe der Liebe Gottes. Mag das Antlitz eines Menschen noch so unangenehm erscheinen, mag er noch ein so schwieriger Mensch sein, drehen Sie die Medaille um. Sie blicken direkt in das Antlitz Jesu Christi!

Frage: Wie würde sich mein Umgang mit anderen verändern, wenn ich in jedem Menschen das Antlitz Christi sehen könnte?

Vers 30 Jedem Gebenden geben

Lk 6,30: Gib aber jedem, der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück.

Tugend des Gebens

Wir helfen und tun Gutes, wo und wie es Gott für uns vorbereitet hat, jeder auf seine Art und Weise.

Wir pflegen unser Herz, damit es innerlich so groß wird, um den anderen aufzunehmen.

Wir sollen geben. Beim Geben geht es vor allem darum, mich selbst zu geben – Interesse zu zeigen, sich Zeit zu nehmen, den anderen bewusst wahrzunehmen, mitzufühlen und vieles mehr.

Dabei ist es wichtig, dies aus einer Haltung heraus zu tun, die erkannt hat, dass wir uns letztlich nicht uns selbst, sondern allein Gott gehören.

Wenn wir uns also dem anderen zuwenden und uns geben, dann geben wir schlichtweg das, was wir selbst empfangen haben: uns selbst.

Und Gott möchte, dass wir dies, eben uns selbst, jedem und ohne Ausnahme, weitergeben.

Sich selbst geben ist besser als nur geben. Mutter Teresa

Frage: Wie kann ich heute bewusst mein Herz öffnen und das, was ich von Gott empfangen habe, auf liebevolle Weise weitergeben?

Von Gott erhalten wir Alles

Was wir das Meinige und Deinige nennen, sind leere Worte. Wenn du von deinem Haus sprichst, so hast du ein Wort, das keine Bedeutung hat, gesprochen.

Denn auch die Lust, der Boden und der Kalk gehören dem Schöpfer, auch du selbst, der du das Haus gebaut hast.

Wenn aber auch der Gebrauch dir gehört, so ist er zweifelhaft, nicht nur wegen des Todes, sondern auch wegen der Veränderlichkeit der Dinge. Deine Seele wird von dir nicht besessen, und wie können die Schätze dir gehören?

Der Herr will aber, dass dieses dein gehöre, was dir für deine Brüder anvertraut wurde. Es wird aber das Deinige, wenn du es für Andere ausgeteilt hast.

Wenn du aber das, was das Deinige ist, übermäßig auf dich verwendest, so ist es schon Fremdes geworden.

Aber wegen der bösen Begierde nach Schätzen führen die Menschen vor Gericht Prozess. Dagegen sagt Christus: Und wer dir das Deinige nimmt, von dem fordere es nicht.

Frage: Wie könnte dein Leben leichter und freier werden, wenn du den Besitz nicht als dein eigenes, sondern als anvertraut für andere betrachten würdest?

Vers 31 Die Goldene Regel

Lk 6,31: Und wie ihr wollt, dass euch die Leute behandeln sollen, so behandelt auch ihr sie gleicherweise!

Goldene Regel (1)

Die Logik des „ich gebe, damit du gibst“ wird gebrochen: Ich gebe nicht, um etwas zurückzubekommen, sondern weil ich weiß, was für mich gut ist und weil ich will, dass es auch anderen gut geht.

Die goldene Regel muss ins Herz dringen, so dass sie nicht im Sinne eines Nützlichkeitsdenkens (Du gibst mir – ich gebe dir) verstanden wird, sondern zu einem Leben der Hingabe führt.

Wenn du willst, dass man dich liebt, dir hilft, dich tröstet, dich aufbaut und ermutigt, dann frage dich: Wann kannst du lieben, wem helfen, wen trösten, wen aufbauen und ermutigen – heute, hier und jetzt?

Die goldene Regel war in der Antike weit verbreitet, allerdings in negativer Form: einem anderen nichts zu tun, was man selbst nicht erfahren möchte. Jesus formuliert sie hier positiv. Diese goldene Regel treibt uns an, Gutes zu tun.

Wenn du willst, dass man dir hilft, frage dich: Wem kannst du helfen? Die goldene Regel muss ins Herz dringen, damit sie zu einem Leben der Hingabe an den anderen führt. Denn Gott hat uns als Frucht seiner unendlichen Liebe erschaffen.

Frage: Wie kann ich heute aus reiner Hingabe handeln, ohne etwas zurückzuwarten, und so die Liebe Gottes in meinem Alltag spürbar machen?

Die Goldene Regel (2)

Jesus gibt mir, was als „Goldene Regel“ bezeichnet wird: handle an anderen so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

Da ich mich natürlich selbst so liebe, dass ich mir alles Gute wünsche und dass mir ja nichts Schlechtes in den Weg kommt, ermahnt mich Jesus, dieses Wohlwollen auch auf andere zu übertragen.

Das verlangt eine Anstrengung von mir, da ich ja zum Egoismus neige.

Was kann mich aus meiner Kleinheit und Enge herausholen?

Frage: Wie kann ich heute bewusst mein Herz öffnen, um Liebe und Mitgefühl über meine eigenen Bedürfnisse hinaus fließen zu lassen?

Wir brechen dieses Gebot, wenn....

Wir brechen dieses Gebot, wenn wir das Schlimmste von anderen denken.

Wir brechen dieses Gebot, wenn wir nur mit anderen über ihre Fehler sprechen.

Wir brechen dieses Gebot, wenn wir ein ganzes Leben nur nach seinen schlimmsten Momenten beurteilen.

Wir brechen dieses Gebot, wenn wir die verborgenen Motive anderer beurteilen.

Wir brechen dieses Gebot, wenn wir über andere urteilen, ohne uns in ihren gleichen Umständen zu betrachten.

Wir brechen dieses Gebot, wenn wir über andere urteilen, ohne daran zu denken, dass wir selbst beurteilt werden.

Frage: In welchen Momenten habe ich selbst vorschnell geurteilt, und wie würde sich mein Blick verändern, wenn ich mehr Mitgefühl und Verständnis übe?

Vers 32 Liebe nur für Gegenliebe?

Lk 6,32: Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben.

Was fragt die Liebe?

Die Liebe fragt niemals danach, was ihr jemand antut, sondern allein danach, was Jesus getan hat, der die Liebe selbst ist.

Je näher wir an und in ihm leben, immer wieder und immer öfter am Tag mit ihm uns verbinden durch Stoßgebete und Ähnliches, desto gewisser überwindet unsere Liebe den Hass und jegliche Abneigung.

Es ist ja nicht unsere eigene Liebe, die hier wirkt. Sie ist ganz allein die Liebe Jesu Christi, der für alle Menschen ans Kreuz ging.

Darin macht uns die Liebe Jesus sehend, dass sie auch den Feind eingeschlossen sieht in die Liebe Gottes, dass sie den Feind unter dem Kreuz Jesu Christi sieht.

Frage: Wie könnte es dein Herz verändern, wenn du jeden Menschen, auch den, der dir feindlich begegnet, durch die Liebe Jesu betrachtest?

Vers 33 Gutes tun nur für Gegenliebe?

Lk 6,33: Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder tun dasselbe.

Was für einen Dank erwartet ihr dafür?

Jesus lehrt hier eine radikale Nächstenliebe, die über das gewöhnliche menschliche Verhalten hinausgeht. Es ist leicht, freundlich zu denen zu sein, die uns ebenfalls Gutes tun. Doch wahre Liebe zeigt sich darin, auch denen Gutes zu tun, die uns nichts zurückgeben oder uns sogar feindlich gesinnt sind.

Diese Aussage steht im Kontext der Feindesliebe (Lk 6,27-36). Jesus fordert seine Nachfolger auf, nicht nach weltlichen Maßstäben zu handeln, sondern sich an Gottes Barmherzigkeit zu orientieren. So wird Gottes Liebe sichtbar, die unabhängig von Verdiensten ist. Wer so handelt, lebt nach dem Prinzip der göttlichen Gnade und ahmt Christus nach.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich heute bewusst Liebe und Gutes tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten?

Vers 34 Leihen nur für Rückzahlung?

Lk 6,34: Und wenn ihr denen leiht, von welchen ihr wieder zu empfangen hofft, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder leihen den Sündern, um das Gleiche wieder zu empfangen.

Vers 35 Feinde lieben ohne Rückforderung

Lk 6,35: Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen; so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Lk 6,35: Ihr aber sollt gerade eure Feinde lieben!

Was ist die vollkommene Liebe?

Es ist die Liebe, die sich nicht parteiisch denen zuwendet, die uns ihre Gegenliebe schenken. Nach Bonhoeffer ist das Außerordentliche Christliche der Weg völliger Liebe, völliger Reinheit, völliger Wahrhaftigkeit, völliger Gewaltlosigkeit, die Liebe zum Feind, die Liebe zu dem, der keinen liebt und den keiner liebt.

Es ist die größte Tugend, wenn wir die, welche uns schaden wollen, mit Wohltaten überhäufen. Daher: tut Gutes, da wo ihr steht, und lebt im Blick auf das Kreuz Christi.

Denn das Außerordentliche Christliche ist die Liebe Jesu Christi selbst, die leidend und gehorsam ans Kreuz geht. Das Außerordentliche Christliche ist das Kreuz.

Frage: Wie kann ich in meinem Leben Menschen lieben, die mir schwerfallen, und welche Kraftquelle könnte mir dabei helfen?

Daher folgt: Tut Gutes

Denn wie das Wasser ein angezündetes Feuer löscht, so den Zorn die Vernunft mit Sanftmut. Denn was das Wasser dem Feuer ist, das ist die Demut und Sanftmut dem Zorne; und wie das Feuer nicht durch das Feuer gelöscht wird, so wird auch der Zorn nicht durch den Zorn beschwichtigt.

Das Leiden in der Liebe des Gekreuzigten, das ist das Außerordentliche an der christlichen Existenz.

Es ist aber die größte Tugend, wenn wir die, welche uns schaden wollen, mit Wohltaten überhäufen.

Leiht, ohne was zu erhoffen

Hier geht es anders zu als in der weltlichen Liebe.

Die weltliche Liebe ist eine Transaktion, eine Art Tauschhandel. Dieser Tauschhandel-Charakter der weltlichen Liebe ist genau das, womit wir Menschen immer wieder in Schwierigkeiten kommen. Wenn wir etwas hergeben, erwarten wir im Gegenzug, etwas zu bekommen.

Das führt dann zu Konflikten, und das ist auch die Ursache vieler Feindseligkeiten. Da kommt es dann zu Wut, Eifersucht, Abneigung und Rachegedanken. Dieses Liebes-Verständnis ist die Ursache des gesamten Chaos zwischen den Menschen.

Nouwen

Frage: Wo in meinem eigenen Lieben spüre ich noch den Wunsch nach Gegenseitigkeit – und wie könnte ich lernen, einfach zu geben?

Andacht von Nouwen

Das Hassen des Feindes kostet uns etwas. Oft erlauben wir dem Feind, Macht über uns zu haben. Ich habe in meinem eigenen Leben festgestellt, dass Menschen, die ich nicht mag, Macht über mich haben, weil ich dauernd an sie denke. Sie beschäftigen mich und haben Kontrolle über mein Denken.

Ich merke, dass ich eifersüchtig werde, voller Abneigung und rachsüchtig. Ich verliere meinen Frieden. Ich halte mich an diese Menschen als meine Feinde. Seine Feinde zu lieben, ist eine Möglichkeit, von unseren Feinden loszukommen. Wir befreien uns selbst, indem wir sie loslassen, sie lieben, uns um sie kümmern.

Etwas vom Schönsten ist es, dass wir dann, wenn wir mittels Liebe und Vergebung den Feind aus unserem Herzen entlassen, plötzlich frei dafür sind, diese grenzenlose, allumfassende Liebe Gottes in uns einfließen zu lassen. Jedes Mal, wenn wir einem Feind vergeben, werden wir ein neuer Mensch, weil wir den verärgerten Menschen in unserem Inneren loslassen, der in uns die Angst geschürt hat. Der Feind bleibt nur so lange Feind, wie wir noch nicht voll und ganz die Liebe Gottes erkannt haben.

Nouwen

Frage: Wem in meinem Leben gebe ich noch Macht über mich – und bin ich bereit, diese Macht durch Liebe und Vergebung in Freiheit zu verwandeln?

Vers 36 Seid barmherzig wie euer Vater

Lk 6,36: Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Wie auch

Oft steht in der Bibel das Wort „wie“, z.B. „wie ich euch geliebt habe“ – und eben auch an dieser Stelle.

Der Auftrag Jesu „seid barmherzig“ ist zuerst ein Auftrag des Verstehens und nicht des Handelns. Vor dem Handeln muss das „Wie“ verstanden werden.

Verstehen aber bedeutet Stehenbleiben, Bedenken, Nachsinnen, in die Tiefe zu gehen: Was ist und bedeutet denn die Barmherzigkeit des Vaters?

Jesu Auftrag hier lautet also nicht nur „sei barmherzig“, sondern auch und zuerst: Verstehe in der Tiefe, wie der Vater barmherzig ist. Dieses „Wie“ ist nie genug verstanden.

Angerührt von seiner Barmherzigkeit können auch wir Tag für Tag barmherzig mit den anderen sein.

Lass immer das Mitleid die Oberhand gewinnen, bis du in dir das Mitleid spürst, das Gott für die Welt empfindet. Isaak der Syrer

Frage: Wo und wie spüre ich selbst die Barmherzigkeit Gottes – und lasse ich sie in mir weiterwirken?

Andacht von Vinzenz von Paul

Selig jene, die den kurzen Augenblick unseres Lebens nutzen, um Erbarmen zu üben.

Barmherzigkeit ist das innerste Geheimnis Gottes. Gott schenke uns diesen Geist des Mitfühlens und Erbarmens in Fülle und halte ihn in uns lebendig.

Seien wir barmherzig, üben wir gegen alle Erbarmen, so dass uns nie ein Armer begegnet, den wir nicht trösten, so gut wir können, kein Unwissender, ohne dass wir ihm mit ein paar kurzen Worten sagen, was er braucht, um zu glauben und etwas für sein Heil zu tun.

Groß ist also das Lob der Barmherzigkeit. Denn diese Tugend macht uns Gott ähnlich.

Vinzenz von Paul

Frage: Wie kann ich heute Barmherzigkeit leben, damit sie in mir und durch mich spürbar wird?

Vers 37 Richtet nicht

Lk 6,37: Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet.

Richte nicht

Geliebter Mensch, richte weder den anderen noch dich selbst.

Gewiss verlangt die Vernunft, dass uns unsere wie die Fehler des anderen missfallen und leid tun, aber dieses Missfallen darf nicht bitter, ärgerlich und zornig sein. Ein Fehlverhalten darf und muss sogar wahrgenommen und benannt werden. Aber immer in und mit Liebe.

Wenn ich dagegen richte, schaue ich kritisch verurteilend auf den anderen wie auf mich selbst und stehe damit schon außerhalb der Liebe. Der Nächste wie auch ich selbst kann uns Liebenden jedoch niemals Gegenstand verurteilender kritischer Betrachtung sein, sondern er wie auch ich sind jederzeit der lebendige Anspruch auf unsere Liebe.

Daher: Richtet nicht!

Ein Wort von Franz von Sales ist mir hier zum treuen Begleiter geworden: wenn ich mich schon verfehle, will ich mich lieber durch zu große Milde verfehlen als durch zu große Strenge.

Wer sich selber kennt, der sieht die Fehler der Brüder nicht. Apophthegmata

Es ist ein gar großer Unterschied zwischen Sünde richten und Sünde wissen. Wissen magst du sie wohl, aber richten sollst du sie nicht. Martin Luther

Frage: Wo in meinem Herzen bin ich eingeladen, mehr Milde als Strenge walten zu lassen – gegenüber mir selbst und meinen Mitmenschen?

Wer sind wir, um über andere zu richten?

Wer richtet, erweist sich als Feind der Barmherzigkeit.

Wer dagegen großherzig ist, kann über menschliche Unzulänglichkeiten hinwegsehen.

Achte darauf, am anderen nicht jede Kleinigkeit zu kritisieren.

Meße das Verhalten des Anderen mit einem sanftmütigen Maß.

Wir sind doch nicht besser als der andere.

Oft handeln wir ebenso schlecht, aber was noch schlimmer ist, wir entschuldigen uns dabei.

Was wir von anderen auszustehen haben, fühlen wir schnell und kreiden es an.

Was aber die anderen von uns hinnehmen, das sehen wir gar nicht.

Wer sich selbst recht beurteilt, hat keinen Grund, über andere scharf zu richten.

Frage: Wann habe ich zuletzt über jemanden geurteilt, statt ihn mit dem Blick der Barmherzigkeit zu sehen – und was hat das über meinen eigenen inneren Zustand offenbart?

Lk 6,37: Verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt.

Andacht von Anselm Grün

Ob wir wollen oder nicht: Sobald wir einem Menschen begegnen, bewerten wir ihn und häufig genug folgt daraus ein Urteil. Der Grund liegt darin, dass wir uns selbst nicht kennen. Wir projizieren unsere eigenen Schattenseiten auf den andern.

Wer sich selbst erkennt, der urteilt nicht mehr über andere. Wer seine eigenen Schattenseiten sieht, der muss sie nicht mehr auf andere projizieren.

Sobald wir also merken, dass wir über jemanden urteilen, sollen wir das als Einladung nehmen, uns selbst genauer anzuschauen und besser kennen zu lernen. Wenn wir uns mit den eigenen Schattenseiten beschäftigen, sehen wir die Fehler der anderen gar nicht mehr.

Wenn ich meine Sünden betrachte, dann höre ich auf, nach den negativen Seiten des anderen zu forschen. Ich werde ihn achten und ehren und offen sein für das, was er mir sagen möchte. So wird die Begegnung für beide Seiten gut verlaufen.

Anselm Grün

Frage: Wann habe ich zuletzt gespürt, dass mein Urteil über einen anderen Menschen mir etwas über mich selbst sagen wollte – und war ich bereit, hinzuschauen?

Andacht aus der Nachfolge Christi

Oft nehmen wir es auch nicht wahr, dass wir innerlich blind sind. Oft handeln wir schlecht, aber was noch schlimmer ist, wir entschuldigen uns.

Zuweilen treibt uns Leidenschaft, wir aber nennen es Eifer. Wir tadeln Kleinigkeiten an anderen und übersehen Krebsschäden an uns.

Was wir von anderen auszustehen haben, fühlen wir schnell und kreiden es an. Was aber die anderen von uns hinnehmen, das sehen wir gar nicht.

Wer sich selbst recht und gerecht beurteilte, hätte keinen Grund, über andere scharf zu richten.

Nachfolge Christi

Frage: Wo in mir bin ich noch blind für mein eigenes Handeln – und wie kann ich lernen, mit dem Blick Christi auf mich selbst zu schauen?

Lk 6,37: Sprecht los, so werdet ihr losgesprochen werden!

Was bedeutet Vergebung?

Vergeben bedeutet nicht gutheißen, was uns zugefügt wurde. Nur wo etwas schlecht war, ist Vergebung überhaupt angebracht.

Doch solange wir nicht vergeben wollen, bleiben auch wir selbst in der Fessel verhaftet, in die uns die Sünde des anderen geschlagen hat. Und wir bleiben darin gefangen.

Es kann manchmal sehr lange dauern, bis man bereit ist, Vergebung zu schenken. Der Anfang ist gemacht, wenn der Wunsch zu vergeben in uns aufkeimt. Er holt uns aus der Passivität und löst die uns angelegte Fessel.

Wir beginnen wieder unsere Würde in Anspruch zu nehmen, die der andere verletzt hat. Wir gelangen allmählich wieder zum Eigenbesitz unserer selbst.

Achten wir auf unser Herz, dass es die Härte, die der Vergebung oft im Weg steht, überwindet.

Herzenshärte ist das Schändlichste von allem, weil sie keine Barmherzigkeit kennt, nichts von Liebe wissen will und weil sie nichts Gutes wirken kann. Hildegard von Bingen

Frage: Was in mir sehnt sich danach, frei zu werden durch das Geschenk der Vergebung?

Vers 38 Ein gutes, gedrücktes Maß

Lk 6,38: Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird man auch euch messen.

Achtung

Das darf nicht als Automatismus oder gar Tauschhandel mit Gott verstanden werden. Vielmehr soll es uns ereifern, Gottes Nachahmer zu werden.

Ein gutes, überfließendes Maß an Vergebung gibt Gott, so bemühen wir uns nachahmend dem Nächsten zu vergeben. Überreiche Hilfe lässt er uns zukommen, so bemühen wir uns, dem Nächsten zu helfen.

Aus der Haltung „Wie Gott mir, so ich dir“ gehen wir in den Tag und handeln danach. Das ist nicht immer leicht.

Stellen wir uns darum in den Strom der schenkenden Liebe Gottes, der uns die notwendige Kraft und Weisheit dazu gibt, gute Worte zu sprechen, gute Taten zu tun und zuallerserst gute Gedanken über den anderen zu denken.

Frage: Wie kann ich heute ein Stück von Gottes schenkender Liebe weitergeben – in Gedanken, Worten oder Taten?

Mit dem Maß, das Sie verwenden, wird es Ihnen zurückgemessen

Dies ist das Prinzip, auf dem Jesus das Gebot: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet aufbaut.

Gott wird uns nach dem gleichen Maß messen, das wir für andere verwenden.

Dies ist eine starke Motivation für uns, mit Liebe, Vergebung und Güte anderen gegenüber großzügig zu sein.

Wenn wir mehr von diesen Dingen von Gott wollen, sollten wir anderen mehr davon geben.

Frage: Wie kannst du heute bewusst Liebe, Vergebung oder Güte weitergeben, um auch in deinem eigenen Leben mehr davon zu erfahren?

Aufforderung Jesus

Wenn Jesus sagt, dass wir mit dem Maß gemessen werden, mit dem wir messen, dann ist das keine Drohung, sondern er unterstreicht damit die Aufforderung, großzügig zu geben.

Indem er uns daran erinnert, dass wir alles, was wir haben, von Gott erhalten haben, auch die Liebe und die Vergebung. Er führt uns vor Augen, wie sehr wir geliebt sind und wie wir alles von ihm in Fülle erhalten haben.

Genauso sollen wir es unseren Brüdern und Schwestern weitergeben. Unser Leben und unsere Werke müssen in irgendeiner Weise die Liebe, die Gott Vater zu unseren Nächsten hat, widerspiegeln.

Frage: Wie kann ich heute die Liebe, die mir geschenkt wurde, bewusst an andere weitergeben?

Der Überfluss Gottes

In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken. Allein mit Blick auf die Natur, auf die kleinen Blumen und das ganze Universum, sieht man, wie Gott im Überfluss schenkt.

Gottes Überfluss beschränkt sich nicht nur auf die Natur, sondern wird noch deutlicher in seiner „überflüssigen“ persönlichen Liebe zu den Menschen, in seinem „überflüssigen“ Tod am Kreuz.

Somit ist der Überfluss etwas zutiefst Christliches, im äußerlichen Überfluss, wie dem Barock, aber vor allem in der „überflüssigen“ Hingabe an andere, einer Hingabe, die nicht überlegt, ob es jetzt langsam genug ist.

Nicht zu vergessen, es war gerade Judas, der die Verschwendung des teuren Nardenöls anmahnte und als überflüssig kritisierte.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben darf ich die Fülle und Hingabe Gottes spüren und vielleicht selbst „überflüssig“ großzügig sein?