Lk 6, 20-26
Seligpreisungen und Weherufe
Auslegung und Andacht
Lk 6, 20-26 im Überblick: Eine detaillierte Bibelarbeit zu den Seligpreisungen und Weherufen in Lukas 6, 20 bis 26. Erfahre, was die Aussagen des Textes für dich persönlich bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
Lk 6, 20 Seligpreisung: Die Armen
Lk 6,20: Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach.
Lk 6,20: Jesus blickte seine Jünger an und sagte
Die glückselige Leere
Die Seligpreisungen erinnern uns an eine Regel des geistlichen Lebens: Wir müssen sterben, um Früchte zu bringen. Mit anderen Worten, wir müssen uns vollständig unserer selbst entledigen, damit Gott in uns leben kann, damit er uns mit seiner Gnade erfüllt.
So wie Christus sich seiner Herrlichkeit entblößte, um ein Mensch zu werden, müssen wir uns unser selbst entledigen, um an der Gottheit teilzunehmen. Aber wie funktioniert das?
Nun, Jesus gibt uns in den Seligpreisungen Hinweise. Es handelt sich einfach darum, die Gelegenheiten zu nutzen, die mich daran erinnern, dass nicht ich es bin, der den Ton angibt. Diese Gelegenheiten sind Armut, Hunger, Trauer und Verfolgung. Sie lassen mich erkennen, dass ich allein nichts tun kann und dass die einzige Lösung darin besteht, mich in die Arme Gottes zu werfen.
Das Unglück ist also eine Schule des Vertrauens zum allmächtigen und barmherzigen Gott, dem einzigen, der mir die wahre Seligkeit bieten kann.
Benoît Terrenoir
Frage: Welche Bereiche in deinem Leben laden dich dazu ein, loszulassen und dich tiefer in Gottes Vertrauen fallen zu lassen?
Andacht von Papst Franziskus
Es ist interessant, dass Jesus, obwohl er von einer großen Menschenmenge umgeben ist, sie verkündet, indem er seine Augen auf seine Jünger richtet. Er spricht zu den Jüngern.
Die Seligpreisungen definieren in der Tat die Identität des Jüngers Jesu. Sie mögen seltsam klingen, fast unverständlich für diejenigen, die keine Jünger sind. Aber wenn wir uns fragen, wie ein Jünger Jesu aussieht, besteht die Antwort in den Seligpreisungen.
Die Seligpreisungen Jesu sind eine entscheidende Botschaft, die uns anspornt, unser Vertrauen nicht auf materielle und vergängliche Dinge zu setzen, nicht das Glück zu suchen, indem wir Blendern folgen, die uns heiße Luft verkaufen – die oftmals Verkäufer des Todes sind –, den Profis der Illusion. Wir dürfen diesen Leuten nicht folgen, denn sie können uns keine Hoffnung geben.
Der Herr hilft uns, die Augen zu öffnen, einen durchdringenderen Blick auf die Wirklichkeit zu gewinnen, von der chronischen Kurzsichtigkeit zu genesen, mit der uns der weltliche Geist ansteckt. Mit seinem paradoxen Wort rüttelt er uns auf und lässt uns erkennen, was uns wirklich bereichert, sättigt, was uns Freude und Würde schenkt. Kurz gesagt, was unserem Leben wirklich Sinn und Fülle gibt.
Frage: Welche „Seligpreisungen“ leiten mein eigenes Leben und wie offen bin ich für die Wirklichkeit, die sie mir zeigen wollen?
Die Augen Jesu
Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger. Die Augen und der Blick sagen so viel über die Seele und das Herz. Wir kennen das: Wenn wir jemanden von Herzen lieben, blicken wir ihm oder ihr gerne und lange in die Augen.
Der Blick kann aber auch unangenehm sein, und wir weichen ihm aus, wenn wir in uns oder im anderen Negatives spüren. Oder wir blicken beschämt zu Boden, wenn wir bei einem Fehler ertappt worden sind.
Betrachte jetzt den Blick Jesu und lass dich von ihm anschauen. Jesus richtet seine Augen auf seine Jünger, auf dich. Augen des tiefen Friedens; ein Blick des Verständnisses und des Mitleids; ein liebender Blick, der aufrichtet; ein Blick des Arztes, der die Krankheit heilen möchte; Augen, die sanft und gütig sind; barmherzige Augen.
Lass diesen Blick jetzt auf dir ruhen, und wenn du kannst, öffne dein Inneres ganz vor dem Herrn und „entblöße“ deine Seele, im Frieden, in der Geborgenheit dieser Liebe Jesu.
Klaus Einsle
Frage: Welche Bereiche deines Lebens darfst du heute Jesu Blick anvertrauen, um Heilung und Frieden zu erfahren?
Lk 6,20: Glückselig seid ihr Armen, denn das Reich Gottes ist euer!
Segen für die Armen
Dieser Segen für die Armen steht aus gutem Grund an erster Stelle, weil er die folgenden Gebote relativiert. Sie können nicht aus eigener Kraft erfüllt werden, sondern nur durch das Vertrauen eines Bettlers auf Gottes Macht.
Die erste Seligpreisung der Armut führten beide Evangelisten an; denn sie ist der Ordnung nach die erste und die Quelle der Tugenden, weil der, welcher das Zeitliche verachtet, das Ewige verdient. Goldene Kette
Demut der Kleinheit
Wenn ich mich in meiner Beziehung zu Gott betrachte, erkenne ich meine Kleinheit und ein Empfinden für Gottes Heiligkeit wächst. Ich sehe mich vor Gott als der, der ich bin. Ich habe keine Leistung, die mich vor Gott qualifiziert.
Damit setze ich mich nicht als Persönlichkeit herab, sondern habe den Mut, zuzugeben, dass ich mit leeren Händen vor Gott stehe. Wenn ich diese Tür nicht aufmache, bleiben alle anderen Türen verschlossen.
Wer erkennt, dass er vor Gott arm ist, der findet zur Demut. Und diese Demut ist ein Segen. Wer sich als arm vor Gott erkennt, der ist stets innerlich zur Weiterentwicklung bereit, geleitet durch seinen Willen.
Was bedeutet diese Seligpreisung konkret für mein Leben?
Frage: Wo in meinem Leben darf ich anerkennen, dass ich mit leeren Händen vor Gott stehe, um Raum für Demut und inneres Wachstum zu schaffen?
Andacht von Edeltrud Fuhr
Selig könnte auch glücklich heißen. Wann sind wir Menschen glücklich? Ist es schon der Genuss meiner Lieblingsspeise oder ein Entspannungsbad? Es kann auch der Sieg in einem Wettkampf sein oder die bestandene Prüfung. Einem anderen Menschen zu helfen und ihm eine Freude zu bereiten, kann mir ebenfalls Freude und Glück schenken.
Doch alle diese Glücksmomente haben ein Ende. Alle diese Glücksbringer stoßen an ihre Grenzen und nähren oft nur das Verlangen nach mehr.
Ein Glück, das uns nicht genommen werden kann! Das Glück, das in Gott zu finden ist, kann uns nie genommen werden. „Die Seligpreisungen entsprechen dem natürlichen Verlangen nach Glück. Dieses Verlangen geht auf Gott zurück. Er hat es in das Herz des Menschen gelegt, um ihn an sich zu ziehen, denn Gott allein vermag es zu erfüllen.“
Edeltrud Fuhr
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich ein Glück, das nicht von äußeren Umständen abhängt, sondern aus meinem Inneren oder aus meiner Verbindung zu Gott entsteht?
Selig, wer von allem leer ist und erfüllt von Mir
Selig, die arm sind im Geiste; die Armen, die nicht nur die materiellen Güter verachten – das ist der erste Schritt – sondern jene, die weitaus höher gelangen und ihre Seele von jeder Anhänglichkeit befreien, von jeder Lust, von jedem Verlangen, von jedem Streben nach etwas anderem als Mir… Diese Armut im Geiste macht die Seele vollständig leer, sowohl von der Liebe zu den materiellen Gütern, als auch von der Liebe zu nahen Menschen und von der Liebe zu sich selbst. Sie vertreibt ganz und gar alles und lässt einen völlig leeren Platz zurück, den Ich gänzlich einnehmen werde … Ich aber gebe ihnen ihre Liebe zu allem Irdischen - die sie vertrieben haben, um Mir den ganzen Platz zu geben - in göttliche Liebe verwandelt zurück… Sie haben all diese irdischen Lieben aus ihrem Herzen vertrieben, und dieses nehme Ich nun ganz und gar ein. Aber in Mir, mit Mir und durch Mich werden sie diese Dinge neu lieben: weder für sich selbst, noch aus Liebe zu den Dingen, sondern aus Liebe zu mir – das ist die geordnete Liebe. Sie werden alles Geschöpfliche meinetwegen lieben. Selig, die so arm sind im Geiste, so leer von allem, so voll von Mir! Charles de Foucauld
Lk 6, 21 Hungernde / Weinende
Lk 6,21: Glückselig seid ihr, die ihr jetzt hungert, denn ihr sollt gesättigt werden!
Hunger ist ein Bild für ein tiefe Sehnsucht
Glück hat etwas mit Sehnsucht zu tun. Entdecke deine Sehnsüchte, denn dein Leben wird davon getragen.
Wenn du das Leben mit seinen täglichen Aufgaben im Bewusstsein erfüllst, dass du von einer tief liegenden Sehnsucht geleitet wirst, dann wirst du ganz anders leben und die Dinge tun, als wenn du nur aus Pflicht, Anordnung oder Regeln heraus lebst.
In dem, was du tust, verwirklichst du Sehnsüchte, die tief in dir angelegt sind und die dich zutiefst befriedigen können. Satt werden wir, weil wir unser ganzes Leben in einem größeren Kontext zu sehen beginnen.
Das lässt uns unser Tun und Handeln als sinnerfüllt erleben. Das gibt uns eine ungeahnte innere Kraft.
Frage: Welche Sehnsucht in dir wartet darauf, endlich gelebt und erfüllt zu werden?
Der Hungrige sucht
Sie suchen nach Nahrung und hoffen, ihren Appetit zu stillen. Ihr Hunger treibt sie an und gibt ihnen einen einzigen Fokus. Jesus beschrieb die Glückseligkeit derer, die sich auf ihn und seine Gerechtigkeit konzentrieren, wie ein hungriger Mann sich auf Nahrung konzentriert.
Diese Leidenschaft ist real, genauso wie der Hunger real ist
Diese Leidenschaft ist natürlich, wie Hunger bei einem gesunden Menschen natürlich ist.
Diese Leidenschaft ist intensiv, genau wie der Hunger.
Diese Leidenschaft kann schmerzhaft sein, genau wie echter Hunger Schmerzen verursachen kann.
Diese Leidenschaft ist eine treibende Kraft, so wie der Hunger einen Menschen antreiben kann.
Diese Leidenschaft ist ein Zeichen von Gesundheit, genau wie Hunger Gesundheit zeigt.
Frage: Welche Leidenschaft in meinem Leben zeigt mir auf tiefer Ebene, dass ich wirklich lebendig und gesund bin?
Selig die Hungernden!
Jene, die hungern nach der Gerechtigkeit, nach der Herrschaft der Gerechtigkeit auf Erden, nach Meinem Reich auf Erden, nach Meiner Ehre; selig, die danach hungern, dass alle Seelen Mich verherrlichen, dass Mein Wille von allen Wesen gänzlich erfüllt werde! Habt immer diesen großen Hunger nach Gerechtigkeit, dass sie von euch und von allen Menschen vollkommen erfüllt werde! Hungert danach, dass ihr und alle Menschen den Willen Gottes ganz und gar erfüllt! Habt Hunger nach der vollkommenen Heiligkeit sowohl für euch als auch für alle Menschen! Dieser Hunger bedrängt Mein eigenes Herz! Strebt immer mehr nach diesem Hunger, nicht euretwillen oder der Menschen wegen, sondern Meinetwegen, aus Liebe zu Gott. So werdet ihr selig sein! Denn dann werdet ihr ganz mit Meinem Herzen vereint sein! Charles de Foucauld
Lk 6,21: Glückselig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen!
Glücklich, die Weinenden? Widersprüchlich?
Christsein ist Freude und Trauer. Es geht nicht um das soziologische Trauern, zum Beispiel beim Tod eines Menschen. Es geht um ein geistliches Trauern.
Geistliches Trauern folgt aus der ersten Seligpreisung. Trauer hat etwas mit Verlust zu tun. Bei der Armut im Geiste verliere ich viel, was mir lieb ist – mein Ego, meinen Stolz, meine Kontrollwünsche und vieles mehr. Trauer ist in diesem Fall gut, mehr noch: notwendig.
Abgesehen von der Tatsache, dass Gott auch gerade in den dunklen Stunden meines Lebens bei mir ist, geht es hier um etwas anderes: echte Demut, tief empfundene Trauer über meinen Zustand und den Zustand der Welt.
Und aus und in dieser Trauer empfange ich in echter Hinwendung die Liebe und den Trost Gottes. Hieraus entspringt die Freude über das Errettetsein in Christus.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens kann ich loslassen und in der Demut die tiefe Nähe Gottes erfahren?
Lk 6, 22 Gehasste und Verfolgte
Lk 6,22: Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als einen lasterhaften verwerfen um des Menschensohnes willen.
Lk 6,22: Glücklich zu preisen seid ihr, wenn ihr um des Menschensohnes willen gehasst und ausgestoßen werdet und wenn man euch um seinetwillen beschimpft und euren Namen in den Schmutz zieht.
Selig, wenn sie euch beschimpfen
Geht Jesus da nicht ein bisschen weit? Das ist doch zu viel verlangt – Beschimpfung und Verfolgung aushalten um seinetwillen. Muss das sein?
Logischerweise ja – nur wenn ich unabhängig bin von der Meinung anderer und ganz in Jesus verankert, werde ich die frohe und gute Nachricht von Gottes Liebe auch denjenigen bringen können, die vielleicht kritisch sind oder sogar gefährlich werden können.
Nur dann kann ich es wagen, meine Feinde zu lieben. Jesus richtet seine Augen auf mich. Das genügt. Auch wenn es sich anders anfühlt – bin ich bereit, das zu glauben? Bin ich bereit, fest zu vertrauen?
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die Einladung, anderen mit Liebe zu begegnen, auch wenn es herausfordernd oder unbequem ist?
Überblick
Selig die Armen, so liegt darin die Mäßigung, welche von der Sünde abhält, die Welt verachtet und das Unerlaubte nicht sucht.
In den Worten: Selig, die ihr hungert, liegt die Gerechtigkeit; denn wer hungert, hat mit dem Hungrigen Erbarmung, gibt ihm aus Erbarmung, wird durch das Wohltun gerecht, weil seine Gerechtigkeit in Ewigkeit währt.
In den Worten: selig, die ihr jetzt weinet, liegt die Klugheit, welche das Tägliche beweint und das Ewige sucht.
In den Worten: Selig werdet ihr sein, wenn euch die Menschen hassen, liegt der Starkmut; aber die, welche wegen eines Vergehens keinen Haß verdient, sondern wegen des Glaubens Verfolgung erduldet. Denn so gelangst du zur Krone des Leibes, wenn du die menschliche Gunst verachtest, aber die göttliche suchst.
Also ist mit der Mäßigung des Herzens die Reinheit, mit der Gerechtigkeit die Barmherzigkeit, mit dem Frieden die Klugheit, mit der Sanftmut die Starkmut verbunden. Die Tugenden stehen mit einander in Verbindung
Goldene Perle
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du, dass wahre Stärke darin liegt, das Göttliche über das Menschliche zu wählen?
Lk 6, 23 Freude über himmlischen Lohn
Lk 6,23: Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Einzig der Lohn im Himmel zählt
Jesus möchte, dass ich mutig den Blick zum Himmel erhebe. Er liebt mich und möchte nicht, dass meine Befindlichkeiten, Sorgen und Verletzungen mein Leben regieren.
Er wird für mich sorgen und alles einrichten. Ich soll erkennen, dass es das „Paradies auf Erden“ für mich nicht gibt.
Es geht um den Weitblick im Glauben, um mein Vertrauen, um meine ganz persönliche Beziehung zu meinem liebenden Vater, der alle Tränen abwischt und mich im Himmel in die Arme schließen will.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: In welchen Momenten spüre ich die Einladung, meinen Blick bewusst zum Himmel zu richten und dem Vertrauen in Gottes Führung Raum zu geben?
Lk 6, 24 Wehruf: Die Reichen
Lk 6,24: Aber wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euren Trost schon empfangen!
Warnung
Am Ende übermittelt uns der Evangelist Lukas aus Jesu Mund vier Weherufe, quasi das Gegenstück zu den Seligpreisungen.
Warum? Die Sätze, die wir lesen, sind wie Warnungen, denn wenn mein Leben auf Werte wie irdische Freuden, Karriere, materielle Güter und solcherlei Dinge ausgerichtet ist, muss ich aufpassen.
Mein Weg könnte dann sehr leicht in die Irre gehen. Ich sollte daher immer wieder mein Herz befragen. An wen habe ich es denn verloren? War es nicht dieser Jesus von Nazareth?
Frage: Wo in meinem Leben verliere ich mich vielleicht in äußeren Dingen, und wie kann ich mein Herz wieder bewusst auf das Wesentliche ausrichten?
Warnende Zeichen
Der Evangelist Lukas übermittelt uns nicht nur die Seligpreisungen, sondern auch ihre Gegensätze. Diese wirken wie warnende Zeichen auf unserem Lebensweg. Wenn mein Weg von diesen Gegensätzen geprägt ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und zu überlegen, wohin er langfristig führt.
Wo mein Herz ist, da ist auch mein Schatz. Es stellt sich die Frage, ob mein innerstes Verlangen auf himmlische, ewige Freuden gerichtet ist oder auf irdische, vergängliche Vergnügen.
Patrick Butler
Frage: Welche Sehnsüchte meines Herzens zeigen mir, wohin mein Weg wirklich führt?
Lk 6, 25 Wehruf: Satte und Lachende
Lk 6,25: Wehe euch, die ihr satt seid; denn ihr werdet hungern! Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen!
Leer, um mit Gott erfüllt zu werden!
Weh euch, die ihr jetzt satt seid!
Suchen wir unsere Sättigung nicht in den Dingen dieser Welt, weder in materiellen noch in geistlichen Gütern, letztlich in keinem Geschöpf, in nichts, was nicht Gott ist.
Je mehr wir leer werden von allem, was nicht Gott ist, desto mehr werden wir fähig, mit Gott erfüllt und von ihm gesättigt zu werden.
Nutzen wir die Dinge dieser Welt nur in dem Maße, wie es notwendig ist, um unsere Pflichten Gott gegenüber zu erfüllen; nur in dem Maße, wie er es uns aufträgt, nur im Hinblick auf Ihn allein, indem wir ganz leer bleiben von jeder Anhänglichkeit an irgendeines von ihnen …
Weit davon entfernt, uns an ihnen zu sättigen, wollen wir materiell von ihnen leer werden, machen wir also unser Herz vollständig und radikal leer davon; ja, radikal leer soll unser Herz sein, damit Gott es ganz erfüllen kann.
Charles de Foucauld
Frage: Welche Bereiche in meinem Leben brauche ich loszulassen, um Platz für Gottes Erfüllung in meinem Herzen zu schaffen?
Lk 6, 26 Wehruf: Bei jedermanns Lob
Lk 6,26: Wehe euch, wenn alle Leute gut von euch reden! Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
Lk 6,26: Weh euch, wenn euch alle Menschen loben.
Wehrufe
Die Reichen, die Satten, die Erfolgreichen stehen im Evangelium für Menschen, die scheinbar alles haben, die meinen, auf niemanden mehr angewiesen zu sein. Es sind Menschen, die sich selbst genügen, sich selbst zum Mittelpunkt machen und dabei andere an den Rand drängen. Sie nehmen die Not ihrer Mitmenschen nicht mehr wahr und leben gleichgültig und abgestumpft in den Tag hinein.
Frage: Wo in meinem Leben habe ich vielleicht schon verlernt, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, weil ich zu sehr auf mich selbst fokussiert bin?
Andacht von Bertalan Egervári
Reich sein, satt sein, lachen oder gelobt werden scheinen ein Problem zu sein. Soll das heißen, wir sollen nicht froh sein? Das würde nicht zum Rest seiner Botschaft passen.
Eher warnt er uns davor, nur diese Dinge zu suchen oder zu sehr an ihnen zu hängen. Die Suche nach Gott, der Dienst am Nächsten, das Wahre und Richtige tun und nach dem eigenen Gewissen handeln sind alles Dinge, die uns nicht unbedingt reich oder satt machen oder uns Lob einbringen.
Sie sind es jedoch, auf die wir unsere Anstrengungen richten sollen. Sie sind es, die uns wirklich froh machen. Reichtum und Gelächter tun uns zwar menschlich gut, sie sind aber nicht die Nahrung, die die Seele braucht. Im Zweifelsfall lenken sie uns nur von dem ab, wofür wir wirklich geschaffen sind.
Frage: Woran erkenne ich in meinem Leben, dass ich meiner Seele Nahrung gebe und nicht nur äußeren Freuden hinterherjage?
Andacht von Charles de Foucauld
Das Lob der Menschen und ihre Zuneigung könnten uns an sie binden, mein Gott, oder gar an unsere eigene Liebe. Dann hindern sie uns, uns nur an dich zu binden, nur dein Lob und deine Zuneigung zu suchen.
Du zeigst uns das als ein Gift, o du Gott der Güte, du eifersüchtiger Gott. Ja, du bist eifersüchtig, wie du uns so oft in der Heiligen Schrift sagst. Aber deine Eifersucht ist ganz anders als die der Menschen. Die Menschen sind eifersüchtig um ihrer selbst willen, aus Liebe zu sich selbst, so dass sie ihr Herz nicht verlieren und so ihr Glück verpassen.
Du aber bist unseretwegen eifersüchtig, aus Liebe zu uns, damit wir dich nicht verlieren, der allein uns glücklich machen kann. Was dich betrifft, der du grenzenlos und ewig glücklich bist, allmächtig und unser Schöpfer, du bräuchtest uns nicht. Aber du weißt, dass wir nur mit dir glücklich sein können.
Du wendest unzählige Mittel an, um unser Herz ganz für dich zu bewahren. In eifersüchtiger Sorge schiebst du alles beiseite, was daran hindern könnte ganz zu dir zu gehören. Wie bist du gut! O, welch selbstlose Eifersucht! Sie ist deiner wahrhaft würdig! Wie bist du gut!
Suchen wir also nicht das Lob der Menschen, sondern allein das Lob Gottes. Suchen wir nicht die Freundschaft der Menschen, sondern die Freundschaft Gottes. Seien wir nicht auf die Lobreden der Menschen bedacht, sondern allein auf Gott ausgerichtet. Sorgen wir uns nicht darum, was die Menschen von uns denken, sondern seien wir sorgfältig darauf bedacht, stets das zu tun, was Gott am meisten gefällt.
Frage: Wonach richte ich mein Herz wirklich aus – nach dem flüchtigen Beifall der Menschen oder nach der stillen Freude, die aus Gottes Nähe kommt?
Häufige Fragen zu Lk 6, 20-26
Was bedeutet Lk 6, 20-26?
Dieser Abschnitt bildet den Auftakt der Feldrede Jesu und stellt die vier Seligpreisungen den vier Weherufen gegenüber. Das Geschehen offenbart die Umkehrung aller weltlichen Maßstäbe im Reich Gottes, in dem den Armen, Hungrigen, Weinenden und Verfolgten das Heil zugesagt wird, während der bloße irdische Wohlstand ohne Gott in die Ausweglosigkeit führt.
An wen richten sich die Seligpreisungen und was wird ihnen zugesagt?
Jesus richtet seinen Blick auf seine Jünger und erklärt die Armen selig, denn ihnen gehört das Reich Gottes. Ebenso werden die jetzt Hungrigen, die jetzt Weinenden sowie die um des Menschensohnes willen Gehassten und Ausgestoßenen seliggepriesen, da ihre Not in Gottes neuer Welt in Fülle, Freude und großen himmlischen Lohn verwandelt wird.
Warum spricht Jesus Weherufe über die Reichen und Satten aus?
Jesus ruft den Reichen, den Satten, den Lachenden und den von allen Gelobten ein „Wehe“ zu, weil sie ihren Trost und Lohn bereits in der vergänglichen Welt empfangen haben. Wenn ihr Herz an irdischem Besitz und menschlicher Anerkennung hängt, verschließen sie sich der Segenfülle Gottes und gehen der künftigen Gottesgemeinschaft verlustig.
Wie ordnet Jesus die Verfolgung seiner Jünger historisch ein?
Jesus ermutigt seine Jünger, sich zu freuen und zu hüpfen vor Freude, wenn Menschen sie um seines Namens willen hassen und schmähen. Er erinnert sie daran, dass die Väter ihrer Verfolger mit den wahren Propheten ebenso umgegangen sind, während die falschen Propheten einst von allen gelobt wurden.
Was ist die zentrale Botschaft von Lk 6, 20-26?
Der Abschnitt zeigt, dass das Reich Gottes eine radikale Wertumkehr bringt. Wahre Glückseligkeit bemisst sich nicht nach irdischem Wohlstand, Bequemlichkeit oder Popularität, sondern nach der Gemeinschaft mit Jesus und der Hoffnung auf die Vollendung in Gott.
Lk 6, 17-19 Jesus heilt die Kranken
Lk 6, 27-38 Über die Feindesliebe