Lk 4, 22-30 Ablehnung Jesu in Nazaret

Vers 22 Staunen und Zweifel

Lk 4,22: Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen, und sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs?

Jesus, der Sohn Josefs

Jesus war bekannt als der Zimmermann, der das Handwerk von seinem Vater Josef erlernt hatte. Alle kannten ihn. Doch wie gut kannten sie ihn wirklich?

Wie viele Freunde haben sich die Zeit genommen, um dem heranwachsenden Jesus zuzuhören?

Die Menschen aus Nazaret kannten alle möglichen Geschichten über Jesus, erinnerten sich noch an unzählige Begebenheiten aus Jesu Leben, doch von echten Freunden aus Nazaret hören wir hier nichts.

Frage: Wer begleitet mich wirklich auf meinem Lebensweg, und wie bewusst nehme ich die Menschen wahr, die mich spirituell und menschlich bereichern?

Vers 23 Arzt, hilf dir selbst

Lk 4,23: Die großen Taten, von denen wir gehört haben, dass sie in Kapernaum geschahen, tue sie auch hier in deiner Vaterstadt!

Neid in Nazareth

Statt dankbar zu sein, dass Jesus in ihrer Stadt 30 Jahre aufwuchs, blickten die Leute aus Nazareth neidisch und fordernd auf seine großen Taten in Kapernaum. Ihr Herz wurde dadurch verdunkelt. Dies ist uns zur Mahnung überliefert.

Hüten wir uns vor jeder Art von Neid. Das beste Heilmittel gegen den Neid ist der dankbare Blick auf das, was einem selbst geschenkt wurde. Die Heilung vom Gefühl des Neides besteht darin, Zufriedenheit in Gott zu finden.

Lenke also stets deinen Blick auf das, wofür du dankbar sein kannst. Diese Dankbarkeit als innere Haltung führt zu innerem Frieden. Rituale können dabei sehr hilfreich sein, in dieser Haltung der Dankbarkeit zu wachsen.

Beispiel meinerseits: Direkt nach dem Aufstehen gehe ich an das Kreuz, verneige mich und küsse es mit einer Haltung der Ehrfurcht und Dankbarkeit, dass Jesus heute bei mir ist.

Frage: Welche kleinen Momente in deinem Alltag kannst du heute bewusst wahrnehmen und in Dankbarkeit halten, um dein Herz zu öffnen?

Vers 24 Kein Prophet daheim geehrt

Lk 4,24: Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet ist anerkannt in seinem Vaterland.

Zeichen des Widerspruchs

Bei all der Größe und Freude des ersten Aufbruchs von Jesu Wirken hast du doch schon in der Synagoge von Nazareth die Wahrheit des Wortes vom “Zeichen des Widerspruchs” erfahren müssen (vgl. Lk 4, 28ff).

So hast du die wachsende Macht der Feindseligkeit und der Ablehnung erlebt, die sich immer mehr um Jesus zusammenbraute, bis zur Stunde des Kreuzes hin, in der du den Retter der Welt, den Erben Davids, den Sohn Gottes als Gescheiterten, zum Spott Ausgestellten zwischen Verbrechern sterben sehen musstest.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Momente der Ablehnung oder des Widerstands als Teil eines tieferen, heilvollen Weges erkennen?

Jesus, der Prophet

Wir sehen in diesem Evangelium, wie Jesus die Menschen lehrt, ihnen das Wort Gottes vorträgt und es ihnen erklärt. Er bringt die frohe Botschaft der Erlösung und der Befreiung.

Er reiht sich in die Linie der Propheten mit ein, indem er sich mit Elija und Elischa vergleicht. Sein kraftvolles Auftreten, die Autorität, die er ausstrahlt, und die Überzeugung in seiner Stimme erinnern an die geschichtsträchtigen Ereignisse im Leben der großen Propheten.

Ja, ein Prophet ist nicht bloß ein Geschichtenerzähler. Er berührt die Herzen, weist auf Kommendes hin und drängt zu einer Entscheidung: Lasse ich mich auf eine tiefere Begegnung mit diesem Propheten und auf den damit verbundenen Sinnes- und Lebenswandel ein?

Frage: Welche Botschaft von Jesus spricht mich heute besonders an, und wie kann ich sie in meinem eigenen Leben spürbar werden lassen?

Vers 25-26 Elia und die Witwe

Lk 4,25: ‭In Wahrheit aber sage ich euch: Es waren viele Witwen in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate lang verschlossen war, da eine große Hungersnot entstand im ganzen Land;

Lk 4,26: ‭und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt, sondern nur zu einer Witwe nach Zarpat bei Zidon.

Zu einer Witwe nach Zarpat

Elia wurde nicht zu einer israelitischen Witwe gesandt, sondern zu einer Fremden, was die Zuhörer empörte. Diese Stelle betont Gottes Souveränität und erinnert daran, dass seine Hilfe nicht an menschliche Erwartungen gebunden ist. Sie fordert heraus, festgefahrene Vorstellungen von Erwählung und Segnung zu überdenken.

Zudem unterstreicht sie, dass Glaube und Gehorsam wichtiger sind als ethnische oder religiöse Zugehörigkeit. Jesu Botschaft weist somit bereits auf die universale Ausbreitung des Evangeliums hin, was die Ablehnung in Nazareth erklärt.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich offener für Hilfe und Segen sein, jenseits meiner gewohnten Vorstellungen und Erwartungen?

Vers 27 Elisa und Naaman

Lk 4,27: ‭Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa; aber keiner von ihnen wurde gereinigt, sondern nur Naeman, der Syrer.

Die Witwe und der Feldherr

In diesen zwei sehr unterschiedlichen Personen aus dem Alten Testament sehen wir, wie der Herr in Menschen wirkt, die im Leid auf das Wort des Herrn vertrauen. Auch wenn es unerwartet und auf andere Weise geschieht, als sie es sich vielleicht vorgestellt hatten, entscheiden sie sich letztlich doch, einen Schritt nach vorn zu wagen und nach dem zu handeln, was ihnen gesagt wurde.

Was können wir von diesen beiden Beispielen, die Jesus uns hier gibt, lernen?

Jutta Spörl

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich den Ruf Gottes, auch dann zu vertrauen und zu handeln, wenn der Weg unklar oder herausfordernd erscheint?

Offenheit, Demut, Risiko

Mit den Beispielen des Syrers Naaman und der Witwe von Sarepta gibt uns Jesus weitere Hinweise. Was könnte an den beiden so besonders gewesen sein? Besonders gläubig war zumindest Naaman sicherlich nicht, er war kein Jude. Wir können nur vermuten, dass beide ein tugendhaftes Leben geführt haben.

Was jedoch beiden gemeinsam ist, war ihre Bereitschaft, einiges auf sich zu nehmen. Naaman unternahm eine weite Reise, hinein ins Ungewisse, und ließ sich auch darauf ein, etwas scheinbar Sinnloses zu tun, nämlich sich siebenmal im Fluss zu waschen. Die Witwe war bereit, ihre letzten Lebensmittelreserven aufzugeben, um einem Fremden ein gutes Werk zu tun.

All das zieht den Segen Gottes herab, was aber nicht immer gleich nach außen offensichtlich wird. In jedem Fall gehören Offenheit für Gott und seine mysteriösen Wege, Demut und Risikobereitschaft dazu, so zu handeln.

Frage: Welche Schritte der Demut oder des Vertrauens könntest du in deinem eigenen Leben wagen, um offen für unerwartete Segnungen zu sein?

Vers 28 Zorn in der Synagoge

Lk 4,28: ‭Da wurden alle in der Synagoge voll Zorn, als sie dies hörten.

Entrüstung

Die Leute aus Nazaret empörten sich über Jesus, weil er sie darauf hinweist, dass Gott im Lauf der Geschichte seine Gunst den Heiden erwies und nicht nur den Juden.

Sie sind empört, weil sie sich ganz auf ihr jüdisches Erbe und die Verheißungen, welche Gott den Patriarchen geschenkt hatte, verlassen haben.

Weil sie Juden sind, meinen sie, dass Gott sie gegenüber den Heiden bevorzugen müsse.

Auch wir können diesen Fehler begehen. Wir meinen vielleicht, weil wir einer bestimmten Organisation angehören oder weil wir eine bestimmte Stellung haben, dass Gott uns mehr beachten müsse.

Daniel Polzer

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens neige ich dazu zu erwarten, dass Gott mich bevorzugt, und wie kann ich lernen, seine Gunst in allen Menschen zu erkennen?

Beispiel aus dem alten Testament

Das Beispiel aus dem AT erinnert daran, dass Gott sich nicht nur den Nahen, seinem erwählten Volk, zuwendet, sondern auch den Fernen, denen, die bisher nicht an ihn glauben. Ebenso ist die Sendung Jesu. Niemand schließt er aus. Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes gilt allen.

Menschen, die wir oft für unwürdig und vielleicht seltsam halten, sind oft Empfänger von Gottes wunderbarer Kraft. Das sollten wir uns gerade dann bewusst machen, wenn wir jemanden begegnen, mit dem wir irgendwie gar nicht können.

Das passt den Leuten in Nazareth gar nicht. Sie werden zornig. Jesus versuchte nicht in erster Linie, Seiner Zuhörerschaft zu gefallen, und Er benutzte ihre Zustimmung nicht als Maßstab für Seinen Erfolg.

Der zunächst große Auftritt Jesu endet mit einem gnadenlosen Abgang. „Hosanna“ und „Kreuzige ihn“ liegen oft nah beieinander.

Frage: In welchen Momenten habe ich selbst erlebt, dass Gottes Liebe auch dort wirkte, wo ich es nicht erwartet hätte?

Andacht von Papst Franziskus

Alle beide empfingen Propheten: die erste Elija, der zweite Elischa. Aber es war kein einfacher Empfang, er ging durch viele Prüfungen.

Die Witwe nahm Elija trotz der Hungersnot auf, und obwohl der Prophet verfolgt wurde (vgl. 1 Kön 17,7-16), war er ein aus politisch-religiösen Gründen Verfolgter.

Naaman hingegen akzeptierte, obwohl er ein Mann von sehr hohem Rang war, die Aufforderung des Propheten Elischa, die ihn dazu brachte, sich zu erniedrigen und sieben Mal in einem Fluss zu baden (vgl. 2 Kön 5,1-14), als wäre er ein unwissendes Kind.

Kurzum, die Witwe und Naaman empfingen bzw. akzeptierten mit Willigkeit und Demut. Der Weg, Gott willkommen zu heißen, besteht darin, immer verfügbar zu sein, ihn willkommen zu heißen und demütig zu sein. Das ist der Weg des Glaubens: Verfügbarkeit und Demut.

Die Witwe und Naaman haben die Wege Gottes und seiner Propheten nicht abgelehnt; sie waren fügsam, nicht starr und verschlossen.

Frage: Wie offen bin ich innerlich für die leisen Wege Gottes in meinem Alltag, und wo könnte Demut mein Herz weiten?

Vers 29 Am Abgrund der Stadt

Lk 4,29: ‭Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen.

Um ihn hinabzustürzen

Jesus hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Gott auch Heiden segnet (Lk 4,25–27), was den Stolz der Zuhörer verletzte. Ihre Wut entspringt einer Verweigerung, Gottes Gnade über die Grenzen Israels hinaus anzuerkennen.

Der Versuch, ihn zu töten, ist ein Vorgriff auf das spätere Kreuz. Doch Jesus entzieht sich, weil seine Stunde noch nicht gekommen ist.

Der Vers verdeutlicht die Spannung zwischen Gottes universaler Liebe und menschlichem Widerstand.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, Gottes Gnade auch über meine eigenen Grenzen und Vorstellungen hinaus anzunehmen?

Vers 30 Jesus geht mitten hindurch

Lk 4,30: ‭Er aber ging mitten durch sie hindurch und zog weiter.

Er schritt durch die Menge hindurch

Der Höhepunkt des Lebens Jesu ist das Kreuz. Das ist der Moment, in dem er das ultimative Opfer bringt, sein Leben hingibt, um uns zu erlösen. Daher ist es auch für uns ein Synonym für Opfer geworden.

Wie Jesus nach dem Besuch in der Synagoge behandelt wird, ist bereits ein Hinweis auf das Kreuz. Die Menschen wollen ihn töten, und damit erfüllt sich die Prophezeiung. Doch Jesu Stunde ist noch nicht gekommen. Der Geist entzieht ihn ihrem Zugriff und führt ihn durch die Menge hindurch.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du, dass du geführt wirst, auch wenn äußere Umstände bedrohlich oder schwierig erscheinen?

Souveränität Jesus

Wir leben allein für Gott. Machen wir uns daher nicht abhängig vom Lob und der Bewunderung anderer. Hat dies unser Heiland doch auch nicht getan.

Anerkennung und Ablehnung liegen oft nah beieinander. Vertrauen wir stattdessen in allem uns dem liebenden Herzen Jesus an und glauben wir fest daran, dass ihm alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde.

Das hier geschilderte Bild des durch die wütende Menge souverän schreitenden Jesus lässt eben dieses Wesen Jesus aufleuchten: seine göttliche Macht und Souveränität. Wenn Jesus souverän durch die Volksmenge hindurchschreitet und ungehindert weggeht, dann blitzt sogar schon die Auferstehung auf. Die gekreuzigte Liebe ist stärker als der Tod.

Frage: Wie kann ich mein Vertrauen auf Gottes Liebe stärken, auch wenn ich Ablehnung oder Kritik erfahre?

Du gibst uns eine Lektion in Sachen Mut

Mit welchem Mut sprichst du mit den Juden von Nazareth. Ihre Wut hielt dich nicht davon ab, ihnen in strengen Worten zu sagen, was du zu sagen hattest.

Mit welchem Mut begegnetest du ihren Beleidigungen, ihren Drohungen, ihrer Gewalt und der Todesgefahr, dort, egal wo du hinkamst.

Du hast uns auch die Liebe zur Erniedrigung gelehrt: Wenn du so verachtet, so zurückgestoßen, so verfolgt wurdest, du, unser Gott, unser Geliebter, mit welcher Liebe und Bereitwilligkeit müssen wir jede Verachtung, jede Gewalt, jede Verfolgung empfangen und ersehnen, um dir ähnlich zu sein, oh mein geliebter Jesus.

Frage: Wie bereit bist du, in deinem eigenen Leben Liebe und Geduld zu üben, selbst gegenüber denen, die dich ablehnen oder verletzen?