Lk 4, 14-21 Jesu Auftreten in Nazaret
Inhaltsverzeichnis
Vers 14-15 In der Kraft des Geistes weiter
Lk 4,14: Jesus kehrte in der Kraft des Geistes zurück nach Galiläa.
Kraft des Geistes
Jesus stützt sich auf die Kraft des Geistes Gottes, der Ihm hilft und Ihn dazu befähigt, seinen Dienst zu beginnen. Auch wir werden dazu aufgefordert, nicht in eigener Kraft zu dienen, sondern in der Kraft, die Gott uns gibt.
Unsere Schwächen sind Gottes Gelegenheiten. Unsere Kraft entspringt seiner Gnade. Anerkenne vor Gott demütig deine Schwachheit, so wird Gott seine Kraft über dir wohnen lassen dort, wo du im Leben stehst mit all den Fragen und Anforderungen.
Es ist so wichtig und unerlässlich, jeden Morgen, wenn wir vom Schlaf ins Leben zurückkehren, um die Kraft des Geistes zu bitten.
Lebe im Vertrauen auf Christus, unter der Leitung des Heiligen Geistes, in Kraft, die Gott dir darreicht. John Piper
Frage: Wie kann ich heute bewusst meine Schwäche vor Gott anerkennen, um Raum für seine Kraft in meinem Leben zu schaffen?
Vom Heiligen Geist geleitet
Das Evangelium hebt hervor, dass Jesus vom Heiligen Geist geleitet wurde – dem Geist, der eine zentrale Rolle im Werk unserer Erlösung und Heiligung spielt.
Es ist beeindruckend, wie oft die Heilige Schrift die Rolle des Heiligen Geistes im Leben Jesu hervorhebt: Jesus ging, vom Geist geführt, in die Wüste (Lk 4,1) und kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück (Lk 4,14).
Auch wir sind eingeladen, unser Leben im Rhythmus des Beistands zu führen, den der Geist schenkt.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich die Führung des Heiligen Geistes besonders, und wie kann ich mich ihm bewusster anvertrauen?
Lk 4,15: Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von allen gepriesen.
In den Synagogen
Wie Lukas berichtet, lehrte Jesus in den Synagogen (Lk 4,15). Der Herr knüpfte an die Offenbarungen des Alten Testaments an, ist aber gleichzeitig, wie das II. Vatikanische Konzil erklärte „der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist“4. Diese Verbindung aus Vertrautem und Neuem erfüllte seine Zuhörer mit Hoffnung, sodass Lukas festhält: Und er wurde von allen gepriesen.
Mein Gott, wie bist du gut!
Du bist Mensch geworden! Du, Gott, hast einen Körper und eine menschliche Seele angenommen und bist gekommen, um sichtbar unter uns zu wohnen, dich mit den Menschen zu unterhalten und mit ihnen zu leben wie einer von ihnen.
Und warum? Aus Güte, aus lauter Güte für die Menschen, um sie zu retten und sie zu heiligen. Du hättest sie durch Millionen anderer Mittel retten und heiligen können. Ein einziger Akt deines Willens hätte ausgereicht, um sie heiliger und liebender als Seraphen zu machen.
Warum? Kann man ein solches Geheimnis ergründen? Was sicher ist: du bist der Gott der Liebe: Deus caritas est. Gott ist die Liebe.
Um deine Geschöpfe zu retten, hast du unter Abermillionen von Mitteln dasjenige gewählt, das dich am meisten kostete.
Frage: Wie kann ich in meinem Leben die Liebe so wählen, dass sie mich selbst etwas kostet, aber anderen Heil und Freude bringt?
Vers 16 In Nazaret am Sabbat
Lk 4,16: Er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen.
Jesus kommt nach Nazaret
Wir haben es alle schon erlebt: Mit fremden Leuten über den Glauben und Gott zu sprechen, das geht ja noch irgendwie. Aber mit der eigenen Familie, den Menschen, die mich gut kennen, da ist es manchmal schon besonders schwierig oder peinlich.
Jesus kam nach Nazaret. Dort kannte ihn jeder von früher. Er war der Junge, der in der Schreinerei arbeitete. Er war der nette Junge aus der Synagoge. Er hatte Cousins und Verwandte dort. Er war einfach gut bekannt.
Und trotzdem kommt er in sein Dorf und spricht mit aller Offenheit über Gott. Da steckt viel innere Überzeugung in ihm, von der auch wir lernen können.
Klaus Einsle
Frage: Welche innere Überzeugung könnte mich dazu befähigen, offen über meinen Glauben zu sprechen, auch gegenüber denen, die mich am besten kennen?
Beginn am Sabbat
Auch fing er trefflich am Sabbat an, um sich als den Schöpfer zu erweisen, welcher ein Werk an das andere fügt, und das Wert fortsetzt, das er früher schon angefangen hatte.
Wie ein Baumeister, welcher ein Haus ausbessern will, das alte Gebäude nicht vom Grunde aus, sondern von dem Dache an abzutragen anfangt, so daß er zuerst die Hand anlegt, wo er zuletzt aufgehört hatte.
Goldene Perle
Frage: Welche „Dächer“ in deinem Leben könntest du behutsam erneuern, ohne das Fundament zu erschüttern?
Vers 17 Jesaja-Rolle gereicht
Lk 4,17: Und es wurde ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gegeben; und als er die Buchrolle aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben steht:
Jesaja-Stelle
Origenes bemerkte, dass es kein Zufall war, dass Jesus diese Stelle wählte, sondern dass auch dies von der Vorsehung Gottes bestimmt wurde. Mit dieser Lesung eröffnet Jesus seine öffentliche Verkündigung, indem er sich unter den Willen des Vaters stellt und seinen Auftrag kundtut, die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden.
Auch wir sind aufgerufen, den Impulsen Gottes treu zu folgen – die wir im Gebet, in der Lesung des Evangeliums oder in den kleinen Momenten des Alltags empfangen, in denen er zu uns spricht.
Frage: In welchen Momenten meines Alltags spüre ich die leise Führung Gottes, und wie kann ich ihr mutig folgen?
Vers 18 Geist des Herrn auf mir
Lk 4,18: Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden.
Der Geist des Herrn ruht auf mir
Natürlich ruht der Geist des Herrn auf Jesus. Das verwundert nicht. Aber gleichzeitig ist dies auch etwas, was der Herr von uns sagen will.
Durch die Taufe und in noch größerer Fülle durch den Empfang der Firmung liegt der Geist des Herrn auf uns. Manchmal sind wir uns dessen nicht bewusst. Doch dieses fehlende Bewusstsein hemmt den Geist, er kann dann nicht frei wirken.
Dann bin ich auch blind für all die Dinge, die er mich sehen lassen will.
Mariano Ballestrem
Frage: Wie bewusst spüre ich den Geist in meinem Leben und wo lasse ich vielleicht zu, dass seine Wirkung durch Unachtsamkeit gebremst wird?
Jesus kommt zu meiner Armut
Was ist jetzt meine größte Armut? Er kommt zu meinen Gebundenheiten. Was ist mein Gefängnis? Er kommt zu meiner Blindheit. Was ist meine größte Finsternis? Er kommt zu meinen Bedrängnissen. Was bedrängt mein Inneres? Er bringt mir Seine Gnade. Nach welcher Gnade sehne ich mich? P. Wons
Lk 4,18: Er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen.
Für dein Leben
- Sei offen für Heilung: Erkenne, wo du gebrochen bist, und lass dich von Gottes Geist berühren, um Freiheit und innere Heilung zu erfahren.
- Trage Hoffnung weiter: Nutze deine Gaben, um Menschen in Not beizustehen, sie aufzurichten und ihnen die frohe Botschaft von Gottes Liebe zu bringen.
Das ist ein Schlüsseltext für die Botschaft und das Wirken Jesu
Gesandt wurde er, um dies zu tun. Gesandt sind wir, um ihm darin nachzufolgen.
Also: Wo begegne ich heute Menschen mit einem zerbrochenen Herz und kann dort mit deiner Hilfe heilend wirken?
Wo begegne ich heute Menschen, die in sich selbst und ihren Lebensmustern gefangen sind, und kann dort mit deiner Hilfe befreiend wirken?
Wo begegne ich heute blinden Menschen, die nicht mehr weiterwissen, und kann mit deiner Hilfe ihnen einen Lichtblick geben?
Wo begegne ich heute zerschlagenen Menschen und kann schlicht und einfach ihnen helfen?
Wo, Herr? Wo, Herr? Mit deiner Hilfe: lass es mich erkennen.
Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute Heilung, Freiheit oder Licht schenken, selbst wenn es nur ein kleiner Schritt ist?
Bezug auf mich selbst
Worunter immer dein Herz leidet, lege es Jesus zu Füßen. Wo immer du keinen Weg weiter weisst, gefangen innerlich und durch äussere Umstände, wende dich an ihn, der dich zur Freiheit beruft. Er nimmt uns an die Hand und begleitet uns auf dem bestimmten Weg. Er öffnet uns die Augen, die so oft trüb oder gar blind sind.
Den Armen das Evangelium predigen
Die Sünde macht arm, und der Messias bringt den Armen eine gute Nachricht.
Die gebrochenen Herzen zu heilen: Sünde bricht Herzen, und der Messias hat gute Nachrichten für die gebrochenen Herzen.
Den Gefangenen die Freiheit zu verkünden: Die Sünde macht die Menschen gefangen und versklavt sie, und der Messias kommt, um sie zu befreien.
Wiederherstellung des Augenlichts für Blinde: Die Sünde macht uns blind, und der Messias kommt, um unsere geistige und moralische Blindheit zu heilen.
Um die Unterdrückten in Freiheit zu setzen: Die Sünde unterdrückt ihre Opfer, und der Messias kommt, um den Unterdrückten Freiheit zu bringen.
Frage: Welche Art von innerer Freiheit sehnst du am meisten in deinem eigenen Leben, und wie könntest du dem Raum dafür öffnen?
Er befreit die Gefangenen
Niemand außer dem Herrn Jesus kann den Gefangenen Erlösung bringen. Wahre Freiheit kommt allein von Ihm.
Der Satan versucht alle List und Gewalt aufzuwenden, um uns aufs Neue zu Sklaven zu machen, aber es gelingt ihm nicht, denn der Herr ist mit uns. Vor wem sollten wir uns fürchten?
Die Welt mit ihren Versuchungen kann versuchen, uns zu verführen, aber der für uns ist, ist mächtiger als alle, die gegen uns sind.
Die Ränke unseres eigenen trügerischen Herzens bringen uns vielleicht in Verlegenheit und Gefahr, aber der, der das gute Werk in uns angefangen hat, wird es auch vollenden.
So beweise sich unsere Freiheit darin, dass wir Gott mit Dank und Freude dienen. „Ich bin Dein Knecht, Deiner Magd Sohn. Du hast meine Bande zerrissen. (Psalm 116,16).
Herr, was willst Du, dass ich tun soll?“ – Spurgeon
Frage: Wo in meinem Leben brauche ich heute die Freiheit, die allein Jesus schenken kann, und wie kann ich Ihm dafür vertrauensvoll dienen?
Vers 19 Das Gnadenjahr verkünden
Lk 4,19: Ich verkünde ihnen ein Jahr, in dem der Herr seine Gnade zeigt.
Gnadenjahr
Der Prophet Jesaja hatte angekündigt, dass der Messias ein universelles Gnadenjahr mit sich bringen wird, in dem alle Menschen frei werden (Jes 61,2).
Christus selbst bezeugt, dass dies nun in ihm Wirklichkeit geworden ist. In ihm ist endgültig und für immer Zeit des Erbarmens, Zeit der Gnade. Diese Gnade durchdringt und verwandelt alles in unserem Leben.
Bonhoeffer beschreibt die Gnade mit eindrücklichen Worten: Eine Stimme befiehlt, spring hinüber, ich nehme dich auf; ich halte dich fest; ich strecke meine Hand aus, nun wag dein Leben daran, verlass dich auf mich, und auf nichts anderes. Meine Gnade genügt dir; ich bin die Liebe, ich habe dich bei deinem Namen gerufen.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute der Gnade vertrauen und mich von ihr halten lassen?
Vers 20 Aller Augen fixiert
Lk 4,20: Und er rollte die Buchrolle zusammen und gab sie dem Diener wieder und setzte sich, und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Alle Augen waren auf ihn gerichtet
Es war ein intensiver Moment, voller Erwartung und Spannung. Seine Landsleute, die ihn seit seiner Kindheit kannten, hatten von seinen Wundern, Heilungen und lehrreichen Worten gehört – und nun wollten sie selbst erleben, ob diese Berichte wahr waren.
Vielleicht war ihre Haltung gemischt: Neugier, Hoffnung, aber auch Skepsis. Doch Jesu Worte übertrafen alles, was sie erwartet hatten: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Frage: Welche Worte oder Erfahrungen in deinem Leben haben dich tief berührt und dein Verständnis von Hoffnung oder Glauben verändert?
Vers 21 Heute Wort erfüllt
Lk 4,21: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!
Heute
Das alles gilt nicht für irgendwann einmal, sondern erfüllt sich jetzt, heute. Dieses Heute bei Lukas erschüttert mich jedes Mal von Neuem: Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, lautet die frohe Kunde der Engel an die Hirten von Bethlehem.
Heute ist diesem Hause Heil widerfahren!, sagt Jesus dem Oberzöllner Zachäus zu.
Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein!, verspricht Jesus dem Schächer am Kreuz.
Ein ungeheurer Anspruch steckt dahinter. Heute! Mit mir, in mir!
Frage: Wie kann ich das "Heute" in meinem eigenen Leben spüren und offen für die Gegenwart des Heils sein?
Heute hat sich das Wort erfüllt
Jesus sagt, dass sich das Wort erfüllt hat. Dabei hat er noch gar nichts gesagt oder getan. Einfach durch seine Anwesenheit hat sich das Wort schon erfüllt.
Die weitere Rede Jesu ist im Evangelium nicht übermittelt, der Evangelist hielt es nicht für notwendig. Denn das Wort der Entlassung und Befreiung, das gerade verlesen worden war, hat sich schon erfüllt – weil der Herr da ist und sein Geist wirken kann.
Wenn wir im Alltag als getaufte und gefirmte Christen leben, dann ist das eine Erfüllung dieser Prophezeiung. Jesus wirkt dann durch uns und befreit und erlöst uns und unsere Mitmenschen.
Mariano Ballestrem
Frage: Wie kann ich heute bewusst Raum für die Gegenwart Jesu in meinem Leben schaffen, sodass sein Geist durch mich wirken kann?
Andacht von Papst Franziskus
Dieses vom Herrn gesprochene Wort verweist auf ein Heute, das sich durch alle Zeitalter zieht und immer gültig bleibt. Das Wort Gottes ist immer heute. Ein Heute beginnt: wenn du das Wort Gottes liest, dann beginnt in deiner Seele ein Heute, wenn du es richtig verstehst. Papst Franziskus