Lk 23, 44-49 Der Tod Jesu
Vers 44 Finsternis bricht ein
Lk 23,44: Es war aber um die sechste Stunde, und eine Finsternis kam über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
Inhaltsverzeichnis
Finsternis
Diese dreistündige Dunkelheit symbolisiert Gottes Gericht und Trauer über den Tod seines Sohnes. Sie erinnert an die Finsternis während der zehnten Plage in Ägypten (2. Mose 10,21–22), ein Zeichen göttlichen Eingreifens.
Zudem verweist sie auf die prophetische Ankündigung in Amos 8,9, dass Gott zur Mittagszeit die Sonne verdunkeln wird. Theologisch steht die Finsternis für die Trennung Jesu von Gott, als er die Sünden der Welt auf sich nahm.
Es ist ein Moment tiefster Not, aber zugleich der Beginn der Erlösung.
Frage: Welche Momente in deinem Leben empfindest du als dunkle Zeiten, und wie könntest du darin eine Einladung zur inneren Transformation oder spirituellen Erkenntnis erkennen?
Vers 45 Tempelvorhang reißt
Lk 23,45: Und die Sonne wurde verfinstert, und der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei.
Das Zerreißen des Schleiers des Tempels bedeutete mindestens zweierlei
Erst jetzt hat der Mensch durch das Kreuz freien Zugang zum Gnadenthron.
Zweitens sollte niemand jemals wieder daran denken, dass Gott in Tempeln wohnt, die mit Händen gemacht wurden.
Matthäus 27:51 stellt fest, dass der Tempel von oben bis unten zerrissen wurde.
Gott hat es vom Himmel gerissen, anstatt dass der Mensch es von der Erde gerissen hat.
Frage: Wie verändert sich dein eigenes Verständnis von Nähe zu Gott, wenn du darüber nachdenkst, dass sein Zugang nicht an Orte oder Mauern gebunden ist?
Vers 46 Jesus stirbt im Gebet
Lk 23,46: Und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist! Mit diesen Worten starb er.
Das ist sein letztes Gebet
Könnte es doch unser eigenes sein! Nicht nur das Gebet im letzten Moment unseres Lebens, sondern das eines jeden Augenblicks:
Mein Vater, ich begebe mich in deine Hände. Mein Vater, ich vertraue mich dir an. Mein Vater, ich überlasse mich dir. Mein Vater, mache mit mir, was dir gefällt.
Was immer du mit mir tust, ich danke dir dafür. Ich danke dir für alles. Ich bin zu allem bereit, nehme alles an, danke dir für alles, wenn nur dein Wille, mein Gott, an mir geschieht, an allen, denen dein Herz in Liebe zugeneigt ist.
Ich möchte nichts anderes, mein Gott. Ich lege meine Seele in deine Hände, ich überlasse sie dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich dich liebe und weil meine Liebe mich dazu drängt, mich an dich zu verschenken, mich ohne Maß in deine Hände zu geben.
Ich gebe mich in deine Hände, mit unendlichem Vertrauen, denn du bist mein Vater.
Charles de Foucauld
Frage: Wie gelingt es mir, mich im Vertrauen auf Gott immer wieder neu hinzugeben – auch dann, wenn ich nicht verstehe, wohin der Weg führt?
Wir müssen es ebenso machen, sei es, daß wir leiden oder uns freuen, wir müssen wiederholen
Mein Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist, mache mit ihm alles, was dir gefallen mag. So müssen wir uns vom göttlichen Willen führen lassen, ohne uns je von unserem eigenen Willen einnehmen zu lassen.
Unser Herr liebt mit zärtlicher Liebe jene, die so glücklich sind, sich vollkommen seiner väterlichen Sorge zu überlassen, die sich von seiner göttlichen Vorsehung leiten lassen, wie es ihm gefällt. Sie sind überzeugt, daß uns von diesem väterlichen und sehr liebenswürdigen Herzen nichts geschickt werden kann und daß es nichts über uns kommen lassen wird, woraus es uns nicht Gutes ziehen ließe, wenn wir nur unser ganzes Vertrauen auf ihn setzen und aufrichtig sagen: In deine Hände empfehle ich meinen Geist; und nicht nur meinen Geist, sondern meine Seele, meinen Leib und alles, was ich habe, auf daß du damit verfährst, wie es dir gefallen wird.
Frage: Wie bereitest du dein Herz darauf vor, dich vollkommen dem göttlichen Willen anzuvertrauen und innerlich loszulassen?
Gott scheitert nicht
Er scheitert ständig, aber gerade darum scheitert er nicht, denn er macht daraus neue Möglichkeiten größeren Erbarmens, und seine Phantasie ist unerschöpflich.
Er scheitert nicht, weil er immer neue Weisen findet, zu den Menschen zu gehen und sein großes Haus weiter zu öffnen, daß es ganz voll werde.
Er scheitert nicht, weil er nicht davor zurückschreckt, die Menschen zu drängen, daß sie kommen und sich an seinen Tisch setzen sollen, das Mahl der Armen einzunehmen, in dem die köstliche Gabe, Gott selbst, geschenkt wird.
Gott scheitert nicht, auch heute nicht. Selbst, wenn wir so viel Nein erleben, dürfen wir es wissen. Aus dieser ganzen Gottesgeschichte, von Adam an, können wir erkennen: Er scheitert nicht.
Auch heute wird er neue Wege finden, Menschen zu rufen, und möchte uns als seine Boten und Diener dabei haben.
Frage: Welche Möglichkeiten des Mitwirkens sehe ich für mich, um Gottes Wege der Barmherzigkeit heute lebendig werden zu lassen?
Jesus am Kreuz
Ich überlege vor allem, wer der ist, der so hangend erhöht ist, und sehe durch die Inschrift, daß es Jesus von Nazaret, der König der Juden, ist.
Ist das also, sage ich, der große Jesus, der so viele Wunder gewirkt, sein ganzes Leben gepredigt und Akte der Tugend gemacht hat? Ist das der Sohn des ewigen Gottes, der der Herr des Himmels und der Erde ist? Und wieso hängt er nun am Kreuz? Konnte er nicht auf tausend ehrenhaftere Arten sterben, die sanfter und erträglicher sind, wenn er schon sterben wollte?
Man muß wohl sagen, daß dieser Tod eine bestimmte verborgene Schönheit besitzt, da er vom Sohn Gottes selbst gewählt wurde. Welcher Bewunderung wird oder kann dieses Wunder würdig sein?
Ich betrachte die Haltung des Erlösers, an der ich höchste Güte und Sanftmut sehe. Seine Augen sind durch die Schmerzen keineswegs getrübt und durch die Kränkungen nicht erzürnt. O wie gütig ist dieses Lamm! Wer wird mir die Gnade geben, daß ich inmitten von Mühen und Kränkungen ebenso sein kann?
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Momente von Schmerz oder Ungerechtigkeit mit derselben Sanftmut und Güte begegnen, die hier beschrieben wird?
Andacht von Franz von Sales
Jesus übergab am Kreuz seinen Geist seinem Vater. Damit zeigte er, dass er genug Kraft und Atem hatte, um nicht zu sterben, aber auch soviel Liebe, um nicht länger leben zu können, ohne durch seinen Tod jene zu beleben, die sonst unmöglich dem Tod ausweichen, noch zum wahren Leben gelangen konnten.
Daher war der Tod unseres Erlösers ein wahres Opfer, und zwar ein Ganzopfer, das er selbst seinem Vater für unsere Erlösung dargebracht hat.
Denn, wenn auch die Peinen und Leiden seiner Passion so groß und stark waren, dass jeder andere Mensch daran gestorben wäre, so wäre Jesus doch nicht daran gestorben, wenn er nicht gewollt hätte und wenn das Feuer seiner unendlichen Liebe nicht sein Leben verzehrt hätte.
Franz von Sales
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Kraft und Liebe, die größer ist als Angst und Schmerz, und wie könntest du diese in deinem Alltag weiter entfalten?
Vers 47 Hauptmann preist Gott
Lk 23,47: Als aber der Hauptmann sah, was geschah, pries er Gott und sprach: Wahrlich, dieser Mensch war gerecht!
Dieser Mensch war gerecht
Diese Aussage verdeutlicht, dass selbst ein heidnischer Soldat erkannte, dass Jesus unschuldig war. In der parallelen Stelle (Mt 27,54) bekennt der Hauptmann sogar: „Wahrlich, dieser war Gottes Sohn!“
Dieses Bekenntnis zeigt, dass Jesu göttliche Identität über seinen Tod hinaus offenbar wurde. Der Hauptmann erkannte Gottes Handeln in Jesu Sterben – sei es durch das Erdbeben, die Finsternis oder Jesu Verhalten am Kreuz. Sein Wort ist ein Zeugnis für Jesu Gerechtigkeit und seine göttliche Sohnschaft, die sich in seinem Opfertod offenbarte.
Frage: Welche Ereignisse oder Erfahrungen in deinem eigenen Leben lassen dich die Gegenwart Gottes besonders deutlich spüren?
Vers 48-49 Volk geht betroffen heim
Lk 23,48: Und die ganzen Scharen, die herbeigekommen waren zu diesem Schauspiel — als sie sahen, was geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten zurück.
Alles an mich ziehen
Jetzt aber schien sich zu verwirklichen, was der Herr gesagt hatte: Wenn ich erhöht sein werde, werde ich Alles an mich ziehen.
Denn da er am Kreuz erhöht war, zog er den Räuber und Hauptmann, aber auch einige Juden an sich, von welchen es heißt: Und das ganze Volk, das zugleich bei diesem Vorgang anwesend war und sah, was geschah, schlug an seine Brust.
Goldene Perle
Frage: Welche inneren Veränderungen spüre ich, wenn ich bewusst wahrnehme, wie das Göttliche mich in meinem Leben anzieht?
Lk 23,49: Es standen aber alle, die ihn kannten, weit entfernt, auch die Frauen, die ihm von Galiläa her nachgefolgt waren; und sie sahen dies.