Lk 23, 26-31
Der Kreuzweg
Auslegung und Andacht

Lk 23, 26-31 im Überblick: Eine fortlaufende Erklärung der Begebenheiten auf dem Kreuzweg in Lukas 23, 26 bis 31. Verstehe die Abschnitte und ihre Relevanz für deinen Alltag.

Lk 23, 26 Simon trägt das Kreuz

Lk 23,26: Und als sie ihn hinführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten ihm das Kreuz auf, damit er es Jesus nachtrage.

Anteil am Kreuz Jesus

Nach der Geißelung wurde das Opfer gezwungen, den schweren Querbalken seines eigenen Kreuzes zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Dieser Balken wog ca. 50 kg.

Was Simon von Kyrene hier tun musste, wird zum Vorbild für uns. Im Tragen unseres oft schweren Kreuzes haben wir Anteil am Kreuz Jesu.

Dieses Kreuztragen ist nicht abgehobenes spirituelles Gefasel, sondern wird von uns allen in seinem Schmerz im ganz konkreten Leben gelebt. Zum Beispiel muss ich heute auf einer Beerdigung von einem ehemaligen Schüler Abschied nehmen, den ich sehr lieb hatte. Ich spüre den schweren Balken auf der Schulter seiner Mutter.

Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen! Pater Pio

Frage: Wo spüre ich in meinem Leben den Balken, den ich mit Christus zu tragen berufen bin – und wie kann daraus ein Weg der Liebe werden?

Hier wurde jenes Wort (Jes. 9) erfüllt: Seine Herrschaft ruht auf seiner Schulter

Die Herrschaft Christi ist aber sein Kreuz.

Wie zum Zeichen der Würde die Einen einen Stab, die Anderen einen Kopfschmuck tragen, so trägt auch der Herr das Kreuz. Und wenn du fragst, so findest du Jesus in uns auf keine andere Weise regieren als durch Abtötungen, weswegen die Genußsüchtigen Feinde des Kreuzes Christi werden.

Christus, der mit dem Kreuze beladen ist, trägt also schon als Sieger sein Siegeszeichen. Das Kreuz wird auf die Schultern gelegt, weil, mochte es Simon oder er selbst tragen, es sowohl Christus im Menschen als der Mensch in Christo trug.

Goldene Perle

Bete nicht um leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken. Theresia von Avila

Frage: Wie kann ich das Kreuz in meinem eigenen Leben nicht als Last, sondern als Zeichen der inneren Würde und Christusverbundenheit tragen?

Lk 23, 27-28 Frauen weinen laut

Lk 23,27: Es folgte ihm aber eine große Menge des Volkes, und dazu Frauen, die ihn auch beklagten und betrauerten.

Die Frauen

Das weibliche Geschlecht liebt immer die Tränen, und hat ein für das Mitleiden offenes Herz.

Lk 23,28: Da wandte sich Jesus zu ihnen und sprach: Ihr Töchter Jerusalems, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch selbst und über eure Kinder!‭

Weinende Frauen

Ihr braucht nicht zu weinen, weil Christus gestorben ist, sondern weil eure Sünden es notwendig machten, dass er starb.

Du brauchst nicht über die Kreuzigung zu weinen, sondern über deine Übertretung, denn deine Sünden haben den Erlöser an den verfluchten Baum genagelt.

Über einen sterbenden Retter zu weinen heißt, das Heilmittel zu beklagen; es wäre klüger, die Krankheit zu beklagen.

Spurgeon

Frage: Was in dir braucht heute Erlösung, damit dein Weinen zur Heilung und nicht nur zur Rührung wird?

Lk 23, 29-30 Schwere Tage kommen

Lk 23,29: ‭Denn siehe, es kommen Tage, da man sagen wird: Glückselig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben!‭

Denn siehe, es kommen Tage

Historisch deutet dies auf die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. hin. In dieser Katastrophe würden Frauen das Kinderhaben als Fluch empfinden, weil das Leid so groß wäre.

Theologisch verweist es auf endzeitliche Drangsale, in denen menschliches Leid unerträglich erscheint.

Lk 23,30: ‭Dann wird man anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns!‭

Lk 23, 31 Grünes gegen trockenes Holz

Lk 23,31: ‭Denn wenn man dies mit dem grünen Holz tut, was wird mit dem dürren geschehen?‭

Was wird mit dem dürren geschehen?

Jesus spricht hier von sich selbst als dem „grünen Holz“ – lebendig, unschuldig und gerecht –, das dennoch leidet und gekreuzigt wird.

Das „dürre Holz“ steht für das sündige, gottlose Volk, das ohne Leben in Gott ist. Wenn schon der Gerechte so schweres Leid erfährt, wie viel schlimmer wird es dann den Schuldigen ergehen?

Diese Worte deuten auf das kommende Gericht über Jerusalem hin (70 n. Chr.), aber auch auf das allgemeine Prinzip von Gottes Gerechtigkeit. Sie mahnen zur Umkehr und zum Glauben, denn wer sich von Gott abwendet, wird das volle Maß des Gerichts erfahren.

Jesu Leiden ist ein Rettungsangebot, um diesem Gericht zu entgehen.

Frage: Wo erlebst du in deinem Leben das Wirken des „grünen Holzes“ – das lebendige Handeln Gottes – mitten in Zeiten von Trockenheit oder Schuld?

Letzte Worte

Die Worte selbst sind besonders bemerkenswert, weil sie die letzte zusammenhängende Rede des Erretters vor seinem Tod darstellen. Alles, was er danach sagte, war bruchstückhaft und hauptsächlich betender Natur. Spurgeon

Häufige Fragen zu Lk 23, 26-31

Was bedeutet Lk 23, 26-31?

Dieser Abschnitt schildert den Weg Jesu zur Hinrichtungsstätte Golgatha und seine Begegnung mit den weinenden Frauen Jerusalems. Das Geschehen richtet den Blick weg vom Mitleid mit dem leidenden Messias hin zur ernsten Warnung vor dem bevorstehenden Gericht über die stadtbekannte Verwerfung des Erlösers.

Welche Rolle nimmt Simon von Zyrene auf dem Leidensweg ein?

Als sie Jesus abführen, ergreifen sie einen gewissen Simon von Zyrene, der gerade vom Feld kommt. Sie legen ihm das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus herbere.

Wie reagiert die Volksmenge und insbesondere die Frauen auf das Leiden Jesu?

Es folgt ihm eine große Menge des Volkes, darunter viele Frauen, die um ihn klagen und ihn beweinen. Sie bringen ihre tiefe Anteilnahme und Trauer über sein bitteres Schicksal zum Ausdruck.

Welche prophetische Warnung richtet Jesus an die Töchter Jerusalems?

Jesus wendet sich zu den Frauen um und spricht: „Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder!“ Er kündigt Tage an, in denen man die Unfruchtbaren preisen wird und die Menschen die Berge bitten werden, auf sie zu fallen, um dem kommenden Gericht zu entgehen.

Was bedeutet das Gleichnis vom grünen und dürren Holz?

Jesus schließt seine Rede mit der Frage: „Denn wenn man dies tut am grünen Holz, was wird am dürren geschehen?“ Wenn der Unschuldige und Lebendige bereits ein solches Leiden erfährt, um wie viel schwerer trifft das Gericht das geistlich erstorbene und schuldbeladene Volk.

Lk 23, 13-25 Verurteilung Jesu
Lk 23, 32-43 Die Kreuzigung Jesu