Lk 20, 9-19 Gleichnis von bösen Bauern

Vers 9 Gleichnis vom Weinberg

Lk 20,9: Er fing aber an, dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein gewisser Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und hielt sich längere Zeit außer Landes auf.

Er ging ausser Landes

Wir Christen dürfen den Weinberg, in den der Herr uns gestellt hat, nicht verlassen. Die Aufgaben innerhalb des umzäunten Bereiches müssen unsere ganze Kraft in Anspruch nehmen: Wir werden in der Kelter arbeiten, wir werden uns nach des Tages Mühe im Turm ausruhen.

Ließen wir uns von der Bequemlichkeit leiten, dann wäre es, wie wenn wir Christus entgegneten: Nun, meine Jahre gehören mir, nicht Dir; ich denke nicht daran, mich um Deinen Weinberg zu kümmern.

Josemaria

Frage: Wo in meinem Leben versuche ich, meinen eigenen „Weinberg“ zu verlassen, statt treu in dem zu bleiben, wohin Gott mich gestellt hat?

Und reiste in ein anderes Land 

Nicht indem er an einen anderen Ort ging, denn von keinem Ort kann Gott abwesend sein. Nur scheinbar geht er von dem Weinberg fort, damit den Winzer die Freiheit gegeben wird, so zu handeln, wie sie es wollen. Hieronymus

Gerufen zu wirken

Der Herr hat uns das Leben, unsere Sinne, unsere Fähigkeiten und zahllose Gnaden geschenkt; deshalb dürfen wir nicht vergessen, daß jeder von uns ein Arbeiter unter vielen anderen ist, und daß der Besitzer uns auf seinem Landgut angestellt hat, damit wir an der Aufgabe mitwirken, andere Menschen mit Nahrung zu versorgen.

Der umzäunte Bereich ist der Ort unseres Wirkens; dort müssen wir arbeiten, Tag für Tag, und so zum Werk der Erlösung beitragen.

Josemaria

Frage: Wo und wie kann ich heute in meinem eigenen „umzäunten Bereich“ zum Werk der Erlösung beitragen?

Vers 10 Pächter verprügeln Diener

Lk 20,10: Und als es Zeit war, sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben.

Früchte

Die erwarteten Früchte bestehen nur zu einem geringen Teil aus vorzeigbaren Leistungen.

Vor Gott können auch leere und gebundene Hände – wie die ans Kreuz genagelten Hände seines Sohnes – „erfüllt“ und „fruchtbar“ sein.

Vor ihm ist auch ein schweres Schicksal, eine unheilbare Krankheit, ja jedes tapfer getragene Leiden eine kostbare Frucht.

So hat jeder und jede von uns seine und ihre Art geistiger Fruchtbarkeit. Bitten wir Gott, dass er uns erkennen und vollbringen lässt, was er von uns will und erwartet.

Frage: Wo in meinem Leben könnten gerade meine Schwächen, mein Leiden oder meine Begrenzungen zu einer verborgenen Frucht werden, die Gott wirken möchte?

Vers 11-12 Zweiten Diener misshandelt

Lk 20,11: Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht. Sie aber schlugen auch diesen und beschimpften ihn und jagten ihn mit leeren Händen davon.‭

Sie aber schlugen auch diesen

Die Aussage des Verses verdeutlicht die Ablehnung und Gewalt gegenüber den Propheten Gottes durch das Volk Israel. Die Knechte symbolisieren die von Gott gesandten Propheten, die von den religiösen Führern missachtet wurden.

Das Gleichnis weist auf Gottes Geduld hin, der trotz der Ablehnung immer wieder Boten sendet. Gleichzeitig kündigt Jesus an, dass auch er, der Sohn Gottes, verworfen wird.

Der Vers ruft dazu auf, Gottes Wort anzunehmen und nicht wie die Weingärtner eigensinnig abzulehnen.

Frage: Wo in meinem Leben begegne ich Gottes Geduld – und bin ich bereit, seine Botschaft wirklich anzunehmen?

Lk 20,12: ‭Und er fuhr fort und sandte einen dritten; aber auch diesen verwundeten sie und warfen ihn hinaus.‭

Vers 13 Gutsherr sendet geliebten Sohn

Lk 20,13: Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen Sohn senden, den geliebten; wenn sie den sehen, werden sie sich vielleicht scheuen!

Ich will meinen Sohn senden

Das Gleichnis verweist auf das bevorstehende Leiden und die Kreuzigung Jesu. Es zeigt Gottes Geduld und Liebe, aber auch die Verantwortung des Menschen. Wer Gottes Sohn ablehnt, verweigert sich dem Heil. Doch für diejenigen, die ihn annehmen, öffnet sich das Reich Gottes.

Vers 14 Pächter wollen Erbe rauben

Lk 20,14: Als aber die Weingärtner diesen sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, damit das Erbgut uns gehört!

Prophezeiung

Dieses Gleichnis sagt uns, dass Jesus wusste, dass er der Sohn – der Sohn Gottes – war und dass er wusste, dass er bald getötet werden würde.

Vers 15-16 Sie töten den Sohn

Lk 20,15: Und sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun?

Reaktion des Herrn

Der Gutsbesitzer, sprich Gott, dem der ganze Weinberg, sprich Israel, gehört, schickt wiederholt Knechte, sprich Propheten, zu den Winzern, damit diese ihm den Ertrag abgeben mögen.

Die Winzer aber antworten nur mit Gewalt und Totschlag. Sie verweigern dem Gutsbesitzer nicht nur seine Früchte, schlimmer noch, sie schlagen, steinigen und töten seine Boten.

Hat nun die Güte des Gutsbesitzers ein Ende? Ist es mit der Gnade Gottes vorbei? Nein! Der Gutsbesitzer sendet seinen eigenen Sohn mit der Hoffnung, dass sie diesen achten und die Früchte bringen, die er von ihnen erwartet.

Frage: Wo in meinem Leben verweigere ich Gott noch die Früchte, die er in Liebe von mir erwartet?

Lk 20,16: ‭Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben! Als sie das hörten, sprachen sie: Das sei ferne!‭

Vers 17 Der verworfene Eckstein siegt

Lk 20,17: Er aber blickte sie an und sprach: Was bedeutet denn das, was geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden?

Der verworfene Stein

Jesus umschreibt diesen Tod mit einem neuen Bild aus dem Psalm: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden …« (Mt 21,42; Ps 118,22).

Aus dem Tod des Sohnes sprießt das Leben hervor, entsteht ein neuer Bau, ein neuer Weinberg. Er, der in Kana das Wasser in Wein verwandelte, hat sein Blut in den Wein der wahren Liebe verwandelt und verwandelt so den Wein in sein Blut.

Im Abendmahlssaal hat er seinen Tod vorweggenommen und ihn in die Selbsthingabe, in einen Akt radikaler Liebe, verwandelt. Sein Blut ist Hingabe, ist Liebe und darum der wahre Wein, den der Schöpfer erwartete.

Auf diese Weise ist Christus selbst zum Weinstock geworden, und dieser Weinstock trägt immer gute Frucht: die Gegenwart seiner Liebe zu uns, die unzerstörbar ist.
Benedikt XVI

Frage: Wo in meinem Leben darf aus etwas Verworfenem Neues, Lebendiges wachsen – getragen von der Liebe Christi?

Vers 18-19 Dieser Stein zermalmt jeden

Lk 20,18: Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen!‭

Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert

Der "Stein" symbolisiert Christus (vgl. Ps 118,22), den die Bauleute verwarfen. Wer sich an Jesus stößt und ihn ablehnt, erleidet geistlichen Schaden.

Doch wer endgültig unter sein Gericht fällt, wird völlig zermalmt – ein Bild des göttlichen Gerichts. Die Aussage betont, dass niemand Christus ignorieren kann. Jeder Mensch muss sich zu ihm positionieren: Entweder wird er zum Heil oder zum Gericht.

Diese Verse fordern zur Umkehr auf und erinnern daran, dass Christus nicht nur Retter, sondern auch Richter ist. Wer ihn annimmt, findet Leben; wer ihn verwirft, wird eines Tages von ihm gerichtet.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Christus bisher ignoriert haben, und wie könnte ich mich heute bewusst für ihn öffnen?

Lk 20,19: ‭Da suchten die obersten Priester und die Schriftgelehrten Hand an ihn zu legen in derselben Stunde; aber sie fürchteten das Volk; denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis im Blick auf sie gesagt hatte.