Lk 2, 41-52 Zwölfjähriger Jesus im Tempel

Vers 41 Passafest in Jerusalem

Lk 2,41: Und seine Eltern reisten jährlich am Passahfest nach Jerusalem.

Bezug zu Deuteronomium

Diese Gewohnheit zeigt ihre Treue zum jüdischen Gesetz (vgl. 5. Mose 16,16). Die Erwähnung des jährlichen Besuchs unterstreicht, dass Jesus in einem gläubigen, gesetzestreuen Umfeld aufwuchs. Dies legt die Grundlage für sein späteres Wirken.

Vers 42-44 Jesus als Zwölfjähriger

Lk 2,42: Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie nach dem Brauch des Festes hinauf nach Jerusalem.

Historischer Bezug

Die Teilnahme an den großen Festen wurde in Exodus 23:17 und Deuteronomium 16:16 geboten . Es war üblich, dass die Gläubigen Galiläas diese Wallfahrten zur Festzeit in großen Gruppen unternahmen.

Lk 2,43: Und als sie die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem; und Joseph und seine Mutter wussten es nicht.

Lk 2,44: Da sie aber meinten, er wäre bei den Reisegefährten, zogen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und unter den Bekannten.

Vers 45 Rückkehr nach Jerusalem

Lk 2,45: Und weil sie ihn nicht fanden, kehrten sie wieder nach Jerusalem zurück und suchten ihn.

Die geistliche Bedeutung des Suchens

Die Evangeliumsgeschichte, in der Maria und Josef Jesus verlieren und ihn nach drei Tagen verzweifelt im Tempel wiederfinden (vgl.  Lk  2,39–52), lehrt uns, dass die Gegenwart des Nächsten nicht selbstverständlich ist, sondern das Ergebnis ständiger Suche. Jeder von uns hat schon einmal jemanden oder etwas verloren, an dem er sehr hing. In diesem Moment wurde uns bewusst, wie kostbar diese Gegenwart war.

Das geschieht auch im Glaubensleben: Wir halten die Gegenwart Jesu in unserem Leben für selbstverständlich, bis wir unerwartet feststellen, dass er nicht mehr da ist, wo wir ihn zurückgelassen haben. Wir fühlen einen Verlust. In Wirklichkeit ist nicht er verloren, sondern wir sind vom Weg abgekommen. Wenn das passiert, sind wir aufgerufen, ihn vertrauensvoll zu suchen, mutig neue Wege zu beschreiten und die Welt mit neuen, hoffnungsvollen Augen zu sehen. So hören wir auf, nach einem Gott zu suchen, der uns passt, und begegnen ihm dort, wo er wohnt. Jesus zu suchen bedeutet daher, die Sicherheit unserer Überzeugungen aufzugeben und die Verantwortung der Begegnung zu übernehmen, die Gegenwart Gottes, der immer „jenseits“ ist, zu sehen und willkommen zu heißen.

Vers 46-47 Staunen über sein Verständnis

Lk 2,46: Und es geschah, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzend mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie befragte.

Lk 2,47: Es erstaunten aber alle, die ihn hörten, über sein Verständnis und seine Antworten.

Es erstaunten aber alle

Doch was ist das Staunen, was heißt es, zu erstaunen? Staunen und verwundert sein ist das Gegenteil davon, alles als selbstverständlich zu betrachten, es ist das Gegenteil davon, die uns umgebende Wirklichkeit und die Ereignisse der Geschichte nur nach unseren Kriterien zu interpretieren. Papst Franziskus

Jesus im Tempel suchen

Wenn man sucht, findet man nicht sogleich; denn nicht unter den fleischlichen Verwandten und Bekannten findet man Jesus, nicht bei denen, welche leiblich mit ihm verbunden sind.

Bei der Gesellschaft Vieler kann mein Jesus nicht gefunden werden. Lerne, wo ihn die Suchenden finden. Nicht überall, sondern im Tempel; auch du suche Jesus im Tempel Gottes.

Nach dem dritten Tage wird er im Tempel gefunden, um zu zeigen, dass er nach drei Tagen als Sieger über den Tod auferstände, da er für tot gehalten wurde, und auf dem himmlischen Thron und in göttlicher Ehre unserem Glauben erschiene.

Goldene Kette

Frage: Wo in deinem Leben könntest du heute bewusst den „Tempel“ betreten, um die Gegenwart Jesu zu suchen und zu spüren?

Fragender Jesus

Er fragte aber, nicht um zu lernen, sondern ihn durch die Frage zu unterrichten. Denn es gehört zu einer Lehre, sowohl weise zu fragen, als auch zu antworten. Goldene Kette

Vers 48 Vorwurf der Mutter

Lk 2,48: Und als sie ihn sahen, waren sie bestürzt; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!

Mit Schmerzen gesucht

Diese Angst offenbart die zentrale Stellung Jesu in der Heiligen Familie. Die Jungfrau und ihr Bräutigam hatten jenen Sohn aufgenommen, sie haben ihn behütet, und sie haben gesehen, wie er an Alter, Weisheit und Gnade in ihrer Mitte wuchs, aber vor allem wuchs er in ihren Herzen; und nach und nach nahmen ihre Zuneigung und ihr Verständnis für ihn zu.

Jene schmerzerfüllte Angst, die sie in den drei Tagen des Verlustes Jesu empfanden, sollte auch unsere Angst sein, wenn wir weit von ihm entfernt sind, wenn wir weit von Jesus entfernt sind.

Papst Franziskus

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Entfernung von Jesus am meisten, und wie kann ich seine Nähe bewusst wieder wahrnehmen?

Warum suchten sie ihn aber mit Schmerzen?

Etwa darum, dass er zu Grunde gegangen oder umhergeirrt sei? Das sei ferne; denn konnten sie den Knaben für verloren halten, von dem sie wussten, dass er der Herr sei?

So suchten auch sie Jesus mit Schmerzen und mit Furcht, er mochte sie verlassen und in den Himmel zurückgekehrt sein, von wo er, wenn er wollte, wieder herabkäme.

Es muss also der, welcher Jesus sucht, nicht nachlässig und zerstreut vorbeigehen, wie Viele suchen und nicht finden, sondern mit Schmerz und Ausdauer.

Goldene Kette

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass ich mit Schmerz und Ausdauer suchen muss, um das Wahre zu finden?

Vers 49 Im Haus meines Vaters

Lk 2,49: Warum habt ihr mich gesucht?, erwiderte Jesus. Habt ihr denn nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?

Jesus spricht das erste Mal von seinem Vater

Das ist die erste Stelle im Evangelium, wo Jesus als 12-jähriger von Gott als seinem Vater spricht, wo das Geheimnis seiner Verbindung mit dem Vater aufleuchtet.

Das ist die erste Stelle, wo das häufige Wort „muss“ fällt. Häufig wird es noch folgen, zum Beispiel zu Zachäus: „Ich muss in deinem Haus bleiben.“ (Lk 19,5) oder: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist.“ (Joh 9,4)

Im Zentrum steht: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden.“ (Joh 3,14)

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, etwas zu tun, das über mich hinausgeht, und wie kann ich dem vertrauensvoll folgen?

Das Muss Jesus

Dieses "Muss" drängt den Seelenhirten Jesus, das verlorene Schaf zu suchen. Dieses Schaf aber, das bist du und ich.

Er sucht uns nicht nur einmalig, sondern in jedem Moment, in dem uns die Wirrnisse unseres Lebens und die Kräfte dieser Welt von ihm wegziehen.

Er muss uns suchen. Das ist das Wesen und der Kern seiner Liebe.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass ich selbst wie das verlorene Schaf geführt und gehalten werde?

Vers 50 Unverständnis der Eltern

Lk 2,50: ‭Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.

Andacht für dein Leben

  • Verstehst du immer alles? Manchmal wirst du nicht alles sofort verstehen, was dir passiert. Auch Jesus hatte Momente, in denen seine Eltern ihn nicht verstanden. Du darfst trotzdem Vertrauen haben, dass alles einen Sinn hat.
  • Glaubst du an Gottes Plan? Wie Jesus wusste, dass er im Tempel sein sollte, solltest auch du auf Gott vertrauen. Auch wenn du den Weg nicht immer siehst, führt er dich zu deinem Ziel.

Vers 51 Familie zurück in Nazareth

Lk 2,51: ‭Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und ordnete sich ihnen unter. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.

Ein weites Herz

Mehrfach heißt es im Evangelium, dass Maria Worte und Ereignisse in ihrem Herzen bewahrt und bewegt. Sie hat ein weites Herz, in dem Platz für das ist, was passiert, und für den Willen Gottes. Sie nimmt die Ereignisse wahr und offenbar versteht sie diese nicht gleich. Aber sie rechnet damit, dass Gott ihr etwas zu sagen hat. Es ist eine geistliche Praxis, wahrzunehmen, was in unserem Alltag passiert und was wir dazu denken und wahrnehmen. Der Heilige Geist kann so zu uns sprechen und uns leiten. Nach dem Vorbild von Maria und Josef können wir für ihn einen Platz in unseren Herzen offenhalten. Yasemin Tobias

Das Wort Gottes muss reifen

Das Wort Gottes ist zu groß für den Augenblick, es muss immer und immer wieder bedacht, gelesen, meditiert werden. Auch wenn ich manche Worte nicht verstehe, bewahre ich sie im Herzen. Zur rechten Zeit werden sie Frucht bringen.

Neben dem Wort Gottes gibt es auch Ereignisse in unserem Leben, die wir nicht gleich oder gar nie verstehen. Akzeptiere diese Dunkelheit, vertraue und unterwerfe dich in Demut in diesem Nichtverstehen Gott.

Auch darin folgst du dem Beispiel Jesu: seine alltägliche Unterwerfung bis zu seiner Wirkungszeit unter Maria und Josef kündigt letztlich schon die Unterwerfung am Gründonnerstag an.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich dem Unverständlichen heute mit Vertrauen und Demut begegnen?

Vers 52 Jesus wächst heran

Lk 2,52: Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

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Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Lukas Evangelium Lk 2. Kap.

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