Lk 2, 36-40 Die Prophetin Anna

Vers 36 Prophetin Anna

Lk 2,36: ‭Und da war auch Hanna, eine Pro­phetin, die Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser, die war hochbetagt und hatte nach ihrer Jungfrauschaft mit ihrem Mann sieben Jahre gelebt;

Zur Person Hanna

Im Evangelium tritt Hanna auf, eine seit vielen Jahren verwitwete Frau. Der heilige Lukas beschreibt sie als Prophetin.

Es ist bezeichnend für Gott, dass er eine demütige Witwe erwählt, um seine Geburt zu verkünden, und nicht etwa eine bekannte oder angesehene Persönlichkeit des Volkes. Bis auf die heiligen drei Könige sind sämtliche Zeugen der Geburt Jesu einfache Menschen.

Hanna, die Prophetin, wartete viele Jahre auf das Erscheinen des Messias. Durch ihr Warten schuf sie Raum in ihrer Seele, sodass der Herr zu ihr sprechen konnte. Vielleicht neigen wir manchmal dazu, Gott wegen seines Schweigens zu tadeln, obwohl es oft unser eigener Lärm ist, der uns hindert, seine Stimme zu hören.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich Raum geschaffen, um die leise Stimme Gottes zu hören, und wo könnte ich noch mehr Stille zulassen?

Vers 37 Witwe dient im Tempel

Lk 2,37: ‭und sie war eine Witwe von etwa 84 Jahren; die wich nicht vom Tempel, sondern diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.

Andacht für dein Leben

  • Glaube und Gebet: Dein Vertrauen in Gott kann dir Stärke geben, wie Anna es durch ihr tägliches Gebet und Fasten tat. Verbringe regelmäßig Zeit im Gebet, um deine Verbindung zu Gott zu stärken.
  • Geduld und Ausdauer: Anna wartete viele Jahre auf die Erfüllung Gottes Versprechen. Auch du kannst Geduld üben, selbst wenn es lang dauert, bis deine Gebete beantwortet werden.

Hingabe im Dienst an Gott

Hanna ist ein großes Beispiel für Hingabe und Selbstverleugnung. Sie verbrachte ihre Tage im Tempel, betete und fastete. Ihre Lebensweise erinnert uns daran, dass der wahre Sinn des Lebens nicht in weltlichen Besitztümern oder Erlebnissen liegt, sondern in der Nähe zu Gott.

In einer Welt, die oft von Ablenkungen und Eile geprägt ist, lädt uns Hannas Beispiel ein, innezuhalten und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Beziehung zu Gott. Ihre treue Hingabe im Gebet zeigt uns, wie wichtig es ist, unsere Herzen und unseren Alltag in den Dienst Gottes zu stellen.

Peter Hemm

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Momente der Stille und Hingabe finden, um deine Verbindung zu Gott oder deinem inneren Selbst zu vertiefen?

Vers 38 Lobpreis Annas

Lk 2,38: Auch diese trat zu derselben Stunde hinzu und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung warteten in Jerusalem.

Zur Prophetin Hanna

Hanna ist Prophetin, eine weise und andächtige Frau. Ihre lange Witwenschaft, der Verehrung des Tempels gewidmet, und ihre Teilnahme am Warten auf die Erlösung Israels finden ihren Abschluss in ihrer Begegnung mit dem Kind Jesus.

Diese gottesfürchtige Frau diente Gott mit völliger Hingabe. Hannas enger Wandel mit Gott zeigte sich in ihrer Liebe zu Jesus und ihrem Wunsch, anderen von Jesus zu erzählen.

In Simeon und Hanna kommt es zur Begegnung der ganzen Erwartung Israels mit seinem Erlöser. Jesus wird als der langerwartete Messias, als Licht der Völker und Herrlichkeit Israels erkannt.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Hingabe und Liebe zu Gott so leben, dass sie andere inspiriert und Hoffnung bringt?

Über Gott sprechen

Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Hanna war so von Gott erfüllt, dass sie gar nicht anders konnte, als den anderen von Gott zu erzählen. Sie brannte so sehr für Gott und seine befreiende Botschaft, dass sie allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten, in Jesus den Messias verkündete.

Sie betrieb keinen Proselytismus, sondern strahlte auf andere aus und teilte ihnen die Wahrheit mit. Hanna sprach zu denen, die ein offenes Ohr für Gottes Botschaft hatten, und solche Menschen öffneten ihre Herzen.

Die Worte, mit denen wir über Gott zu anderen sprechen, stoßen immer auf ein offenes oder verstecktes Verlangen nach Gott.
Mathias Reimer

Frage: Welche Sehnsucht nach Gott spüre ich in mir, die ich vielleicht noch nicht laut ausgesprochen habe?

Vers 39 Rückkehr nach Nazareth

Lk 2,39: Und nachdem sie alles vollbracht hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie zurück nach Galiläa, in ihre Stadt Nazareth.

Schule von Nazaret

Das Haus von Nazaret ist eine Schule, in der man beginnt, Christi Leben zu verstehen. Es ist die Schule des Evangeliums. Hier nämlich lernen wir vor allem sehen, hören, betrachten und verstehen, welch große und geheime Kraft in dieser schlichten, demütigen und köstlichen Offenbarung des Sohnes Gottes steckt.

Nach und nach lernen wir vielleicht auch, ihm nachzufolgen. Wie gerne wäre ich wieder jung und vertraute mich dieser demütigen und doch so erhabenen Schule von Nazaret an. Was für eine Freude wäre es, nach dem Beispiel Marias mit neuem Eifer wahre Lebensweisheit und Einsicht in die göttliche Wahrheit zu erwerben!

Die Schule von Nazaret lehrt zuerst das Schweigen. Möge in uns eine große Wertschätzung des Schweigens lebendig werden. Denn in dem hektischen und allzu aufgeregten Leben von heute, in dem wir von so vielen lauten Stimmen, von Lärm und Geschrei bedrängt werden, ist das Schweigen eine bewundernswerte und notwendige Geisteshaltung.

Das Schweigen von Nazaret lehre uns, den Geist auf gute Gedanken zu lenken, auf das innere Leben zu achten und bereitwillig auf die geheimen Ratschlüsse Gottes und die Anweisung der wahren Lehrer zu hören; es lehre uns, wie notwendig und wertvoll die innere Vorbereitung ist, das Studium, die Betrachtung, die Ordnung des persönlichen geistlichen Lebens und das Gebet, das Gott allein im Verborgenen sieht.

Paul VI.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich bewusst dem Schweigen Raum geben, um Gottes leise Stimme klarer wahrzunehmen?

Vers 40 Kind wächst voller Weisheit

Lk 2,40: Das Kind aber wuchs und wurde stark im Geist, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf ihm.

Gott erfüllte das Kind mit Weisheit

Weisheit ist mit das Wertvollste, was wir in unserem Leben besitzen können: Zu wissen, was gut ist und wie wir es erreichen können.

Bei der Beschreibung des Heranwachsens Jesu klärt die Bibelstelle gleich zwei Aspekte über die Weisheit auf: Erstens, Weisheit ist nicht nur etwas für hochbetagte Menschen, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Heranwachsens. Sie zeigt sich in Kraft, Weisheit und Gnade. Zweitens, Weisheit ist vor allem ein Geschenk Gottes und kein Eigenwerk. „Gott erfüllte das Kind mit Weisheit“.

Eric Briemle

Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du die Führung oder das Geschenk von Weisheit, und wie kannst du sie bewusst annehmen?

Alltag

Die nächsten 30 Jahre im Leben Jesu, mit Ausnahme der Episode des 12jährigen Jesus im Tempel, fasst Lukas zusammen mit den Worten: "Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm."

Schnell übersehen wir, dass Jesus die meiste Zeit seines Lebens in einer ganz normalen Familie verbracht hat, mit allem, was dazugehört. Am Morgen wurde er wahrscheinlich von Maria geweckt, vielleicht hatten sie gemeinsam Morgengebete und Frühstück, anschließend Arbeit mit Josef, und so weiter. Rundum: ein ganz normaler Alltag.

Herr, du zeigst mir, dass ich nichts Außergewöhnliches brauche, um heilig zu werden. Mein tägliches, tief erneuertes "Ja" genügt.

Frage: In welchen kleinen Momenten meines Alltags kann ich mein eigenes "Ja" zu Gott bewusst leben?

30 Jahre Stille

Dreißig Jahre lang herrscht Stille im Leben Jesu – eine Stille, die jener vor seiner Geburt in Betlehem gleicht. Doch diese Stille ist keineswegs leer; sie spricht von der Tiefe und dem Geheimnis unserer Erlösung.

Später werden viele erstaunt fragen: Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? (Mt 13,55)

Die Natürlichkeit des gewöhnlichen Lebens war der Weg, den Jesus in seiner Kindheit, Jugend und Reife beschritt. In dieser Einfachheit liegt eine große Botschaft für uns: Sie lädt uns ein, die alltäglichen Dinge zu heiligen – unsere Arbeit, unsere Beziehungen und das, was uns unmittelbar umgibt.

Frage: Wie kann ich die Stille und Einfachheit in meinem Alltag bewusst wahrnehmen und daraus innere Tiefe schöpfen?