Lk 2, 1-7 Geburt Jesus: Auslegung und Andacht

Lk 2, 1-7 im Überblick: Lukas 2, 1 bis 7 leicht verständlich erklärt. Dieser Impuls über die Geburt Jesu hilft dir, den Bibeltext tiefgehender zu erfassen und im Alltag anzuwenden.

Vers 1 Volkszählung

Lk 2,1: In dieser Zeit befahl Kaiser Augustus, alle Bewohner des Römischen Reiches in Steuerlisten einzutragen.

Bezug zur Weltpolitik

Er nennt den römischen Kaiser Augustus. Neben dem historischen Aspekt verbirgt sich hier ein ernstes Anliegen. Kaiser Augustus war der Friedenskaiser.

Lukas stellt diesem Friedenskaiser den Friedenskönig Jesus gegenüber. Zwei Personen, zwei Wege, zwei Ziele.

Im Hintergrund schwingt die Frage mit: suchst du Glück, Erfüllung und inneren Frieden in weltlichen Dingen, die alle mitsamt vergehen werden, oder suchst du dergleichen bei Christus, der uns einen Frieden schenkt, wie ihn die Welt nicht geben kann.

Du und ich, trotz unseres Christseins, stehen immer in der Gefahr, zu sehr der Welt anzuhaften. Bedenke stets: Du bist zwar auf dieser Welt, aber du bist nicht von dieser Welt!

Frage: Wo suchst du heute deinen Frieden – in den flüchtigen Dingen dieser Welt oder in der beständigen Gegenwart Christi?

Zeitlicher Bezug

Der Evangelist Lukas bringt in der Weihnachtsgeschichte immer wieder den zeitlich-weltlichen Bezug, hier den Bezug auf den damaligen römischen Kaiser Augustus. Neben dem Aspekt der „Historik“ steckt hier noch ein tieferer spiritueller Sinn. Kaiser Augustus war damals der Friedenskaiser. Hinter den Zeilen stellt Lukas dem Friedenskaiser Augustus den Friedenskönig Jesus gegenüber.

Jesus selbst sagt im Johannes-Evangelium, dass er uns den Frieden bringt, einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann. Habe ich Frieden? Frieden mit Gott? Frieden mit mir? Was bedeutet das für mich?

Frage: Wie spüre ich den inneren Frieden, den Jesus verspricht, in meinem eigenen Leben?

​Vers 2 Erste Schätzung unter Kyrenius

Lk 2,2: Diese Erfassung war die erste und geschah, als Kyrenius Statthalter in Syrien war.

Kyrenius Statthalter

Lukas 2,2 wirft historische Fragen auf, da Kyrenius laut außerbiblischen Quellen erst um 6 n. Chr. Statthalter von Syrien wurde, während Jesu Geburt traditionell auf etwa 4 v. Chr. datiert wird.

Manche Ausleger sehen hierin einen Übersetzungs- oder Interpretationsfehler und schlagen alternative Lesarten vor, zum Beispiel, dass es sich um eine frühere, unbekannte Volkszählung handelt oder Kyrenius bereits früher in leitender Funktion tätig war.

Andere betonen, dass Lukas hier keine exakte Chronologie, sondern theologische Schwerpunkte setzt: Die Geburt Jesu wird in den Kontext weltgeschichtlicher Ereignisse gestellt, um seine Bedeutung für alle Menschen zu unterstreichen. So zeigt der Evangelist, dass Christus auch durch politische Umstände Gottes Plan erfüllt.

Frage: Wie spürst du in deinem eigenen Leben die Gegenwart Gottes, selbst wenn äußere Umstände herausfordernd oder widersprüchlich erscheinen?

Vers 3 Reise zur Volkszählung

Lk 2,3: ‭Und es zogen alle aus, um sich erfassen zu lassen, jeder in seine eigene Stadt.

Jeder in seine eigene Stadt

Die Anordnung der Schätzung diente der Steuer- und Bevölkerungsregistrierung. Sie zwang Menschen, in ihre Herkunftsstadt zu reisen, was Gottes Plan erfüllte: Der Messias sollte gemäß Micha 5,1 in Bethlehem geboren werden. So zeigt sich, dass weltliche Ereignisse Gottes Vorsehung dienen.

Vers 4-5 Josef nach Bethlehem

Lk 2,4: ‭Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war.

Historische Wahrheit ?

Früher dachte ich, die Geburtsgeschichte nach Lukas habe nur theologischen Aussagewert. Dem ist nicht so. Lukas war zwar kein direkter Augenzeuge, aber bei seinen Reisen mit Paulus war er auch in Israel selbst und hat die Apostel, Maria und andere Augenzeugen kennen gelernt.

Für mich ist dabei immer wieder beeindruckend, wie eine hochschwangere Maria die 150 km von Nazareth nach Bethlehem zurücklegte – sicher ein schwieriger Weg. Bethlehem heißt übersetzt „das Haus des Brotes“. Und hier wurde das Brot des Lebens geboren.

Immer wieder beinhaltet auch dein Lebensweg schwierige Etappen. Besinne dich dann darauf, dass dein sicheres Ziel Bethlehem sein wird und du Christus, das Lebensbrot, von Angesicht zu Angesicht sehen wirst. Gelobt sei Jesus Christus!

Die Reise von Nazareth nach Bethlehem (etwas außerhalb von Jerusalem) beträgt ungefähr 80 Meilen. Das war damals keine kurze Strecke. Es war ein erhebliches Unterfangen, das Zeit und Geld kostete.

Frage: Welche Etappen in deinem Leben könntest du bewusst als Wege sehen, die dich näher zu deinem „Bethlehem“ führen?

In Bethlehem geboren, in Nazareth empfangen

Aber auch bis zum Ende der Welt hört der Herr nicht auf, in Nazareth empfangen, in Bethlehem geboren zu werden. Jeder Zuhörer errichtet durch die Aufnahme der Blüte des Wortes in sich ein Haus des ewigen Brotes. Täglich wird er im jungfräulichen Leib, das heißt in der Seele der Gläubigen, durch den Glauben empfangen und durch die Taufe geboren.

Goldene Kette

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Raum schaffen, damit das Wort in dir täglich neu geboren wird?

Lk 2,5: Josef musste sich dort einschreiben lassen, zusammen mit seiner Verlobten Maria, die ein Kind erwartete.

​Vers 6 Geburt in Bethlehem

Lk 2,6: Es geschah aber, während sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte.

Warum wurdest Du geboren?

Warum bist Du auf dieser Erde zur Welt gekommen? War dies notwendig, um uns zu retten? Nein, ein einziges Wort von Dir, ein einziges Werk von Dir hätte uns retten können.

War es notwendig, um uns Segen zu bringen? Nein, ein einziges Werk nach Deinem Willen hätte uns mit Gnade, Licht, gutem Willen, Heiligkeit erfüllen können.

Warum also hast Du diesen Weg gewählt, in menschlicher Gestalt unter die Menschen zu kommen? Weil dies ein Akt unendlicher, nicht zu erfassender, göttlicher Liebe ist und daher Dir entspricht.

Du kamst nicht in die Welt, weil dies der einzige Weg war, die Welt an Dich zu ziehen, sondern weil dies ein Weg grenzenloser, nie dagewesener, göttlicher Liebe war.

Deshalb hast Du, der Du durch die Liebe handelst, diesen Weg gewählt.

Charles de Foucauld

Frage: Welche Formen göttlicher Liebe spürst Du in Deinem eigenen Leben, und wie könntest Du sie bewusst weitergeben?

Vers 7 Krippe statt Herberge

Lk 2,7: Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in die Krippe, weil für sie kein Raum war in der Herberge.

Andacht der goldenen Kette (1)

O der bewunderungswürdigen Beschränkung und Entäußerung, welcher sich der unterzog, der den Erdkreis umfasst!

Vom Anfang an wählt er die Armut, und ehrt sie an sich. — Denn hätte er gewollt, so hatte er erscheinen können, indem er den Himmel bewegte, die Erde erschütterte, Blitze schleuderte.

Aber nicht so kam er; denn er wollte nicht verderben, sondern erlösen, und vom Grunde den menschlichen Stolz ausrotten. Und daher wird er nicht nur ein Mensch, sondern auch ein armer Mensch, und er erwählt eine arme Mutter, welche keine Wiege hat, wohin sie das neugeborene Kind legen könnte.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du bewusst auf Macht oder Kontrolle verzichten, um tieferes Mitgefühl und echte Verbundenheit zu erfahren?

Andacht der goldenen Kette (2)

Deinetwegen ist er also schwach, an sich mächtig, deinetwegen arm, an sich reich.

Betrachte nicht das, was du siehst, sondern erkenne, dass du erlöst werdest.

Deinen Misshandlungen, Herr Jesu, verdanke ich mehr, dass ich erlöst wurde, als den Werken, dass ich erschaffen wurde.

Die Geburt wäre zwecklos, wenn nicht die Erlösung eingetreten wäre.

Frage: Welche Momente in deinem Leben lassen dich heute die tiefe Kraft der Erlösung spüren?

Andacht von Franz von Sales

O Gott, welche Verachtung und Ablehnung zeigt die Welt himmlischen Wesen und Heiligen! Und wie willig nehmen diese beiden Seelen diese Erniedrigung an!

Sie machen nichts aus sich, sie zeigen nicht ihre Vorzüge, sondern nehmen diese Zurückweisung und diese Härte ganz schlicht mit unvergleichlicher Sanftmut hin.

Ach, so elend ich bin, die kleinste Unterlassung der geringsten Ehre, die mir gebührt oder von der ich mir einbilde, dass sie mir gebühre, stört und beunruhigt mich, erregt meinen Dünkel und Stolz. Überall dränge ich mich mit aller Kraft auf die ersten Plätze.

Ach, wann werde ich die Tugend, die Geringschätzung meiner selbst und der Eitelkeiten besitzen!
Franz von Sales

Frage: Wie oft lasse ich Stolz oder Eitelkeit meine innere Ruhe stören, und wie könnte ich lernen, mich selbst und meine Wünsche mit mehr Sanftmut loszulassen?

Andacht von Benedikt XVI

Das ewige Heute Gottes ist in das vergängliche Heute dieser Welt herabgestiegen und zieht unser vergehendes Heute in Gottes immerwährendes Heute hinein.

Gott ist so groß, dass er klein werden kann. Gott ist so mächtig, dass er sich wehrlos machen kann und als wehrloses Kindlein auf uns zugeht, damit wir ihn lieben können.

Gott ist so gut, dass er auf seinen göttlichen Glanz verzichtet und in den Stall herabsteigt, damit wir ihn finden können und so seine Güte auch uns berührt, uns ansteckt, durch uns weiterwirkt.

Das ist Weihnachten. Gott ist einer von uns geworden, damit wir mit ihm sein, ihm ähnlich werden können. Er hat das Kind in der Krippe zu seinem Zeichen gewählt: So ist er. So lernen wir ihn kennen.

Benedikt XVI

Frage: In welchen Momenten meines Alltags kann ich die Gegenwart Gottes im Kleinen erkennen und wie könnte ich dadurch selbst mehr Liebe und Güte weitergeben?

In einer Futterkrippe liegt Jesus in Windeln

Nach seiner Kreuzigung wird Jesus erneut mit Leinenbinden umwickelt. Die weihnachtliche Ikonographie stellt den neugeborenen Jesus häufig in einem kleinen Sarkophag dar, um anzuzeigen, dass der Erlöser geboren wird, um zu sterben; er wird geboren, um sein Leben für alle Menschen hinzugeben.

Durch seinen Tod am Kreuz wird er die Menschheit retten. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Frage: Wie kann ich im eigenen Leben die Hingabe und Liebe spüren, die Jesus durch seinen Tod gezeigt hat?

Futterkrippe

Maria legte Jesus in eine Futterkrippe, ein Ort, an dem die Tiere ihre Nahrung finden

Ein Bild für Jesus als die wahre Speise, derer wir bedürfen. In der Eucharistie schenkt er sich uns unter der Gestalt eines kleinen Stückes Brot.

Weiter heißt es: Sie bekamen in der Herberge keinen Platz. Gott selbst kam, aber er wurde nicht aufgenommen.

Neben dem historischen Aspekt, dass in Bethlehem aufgrund der Volkszählung alle Herbergen ausgebucht waren, liegt hier auch eine tiefere Botschaft an uns: Halte immer den tiefsten Platz in deinem Herzen für Jesus frei.

Er ist die wahre und einzige Speise, die allein du brauchst.

Frage: Welchen Platz in deinem Herzen bist du bereit, täglich für Jesus frei zu halten, damit seine Gegenwart dich nährt?

Vom Stall ist nicht die Rede

Jesus wurde nicht in einem Stall geboren, wie es in den Krippendarstellungen zu sehen ist. Wahrscheinlicher ist es, dass es eine Felsgrotte war, die für die Unterbringung der Tiere genutzt wurde.

Ich war in Bethlehem und war auch in einer dieser Felsgrotten. Es war einer meiner Aha-Erlebnisse, als ich erkannte, dass von Romantik und Erhabenheit bei der Geburt Jesu Christi hier nicht zu sprechen ist. Es war wahrscheinlich dunkel, dreckig, kalt und Musik lief auch nicht im Hintergrund.

Was bedeutet das für eine Frau, in einer solchen Situation und unter solchen Umständen, ein Kind zu gebären?

Frage: Wie verändert dieses Bild der Geburt Jesu meine Vorstellung von Stärke, Vertrauen und innerer Ruhe in schwierigen Momenten meines eigenen Lebens?

Geburt im Stall

Christus wurde im dunklen, nicht unbedingt sauber glänzenden Stall geboren.

Auch wenn Christus in uns geboren wird, so sind wir dieser Stall. Auch unser Herz ist nicht rein und sauber, nicht keimfrei, oft hat sich viel belastender Müll angesammelt.

Und gerade dort, wo all der Mist in uns liegt, will Gott in uns geboren werden. Halleluja, lobe den Herrn, denn wir haben ihm eben nichts anderes anzubieten.

Die Geburt Gottes in uns können wir uns nicht durch Perfektion verdienen. Gott will in uns geboren werden, weil er uns liebt, nicht weil wir ihm etwas vorweisen können.

Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir gerade so, wie wir sind, für Christus Wohnstatt sein dürfen, der Stall, in dem er für uns und für diese Welt geboren wird.

Frage: Wo in mir bin ich bereit, Christus inmitten meiner Unvollkommenheit willkommen zu heißen?

Kein Raum in der Herberge

Irgendwie wartet die Menschheit auf Gott, auf seine Nähe. Aber wenn es so weit ist, hat sie keinen Platz für ihn. Sie ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, sie braucht allen Raum und alle Zeit so dringend für das Eigene, dass nichts für den anderen bleibt – für den Nächsten, für den Armen, für Gott.

Und je reicher die Menschen werden, desto mehr füllen sie alles mit sich selber aus. Desto weniger kann der andere hereintreten. Er kam in sein Eigentum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf.

Diese Worte gehen uns an, jeden einzelnen und die Gesellschaft als Ganze. Haben wir Zeit für den Nächsten, der mein Wort, meine Zuwendung braucht? Für den Leidenden, der Hilfe nötig hat? Für den Vertriebenen oder Heimatlosen, der Herberge sucht?

Haben wir Zeit und Raum für Gott? Kann er hereintreten in unser Leben? Findet er Raum bei uns, oder haben wir alle Räume unseres Denkens, Handelns, Lebens für uns selbst besetzt?

Benedikt XVI

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich bewusst Raum schaffen, damit Gott oder der Nächste wirklich Platz finden?