Lk 18, 9-14 Pharisäer und Zöllner beim Gebet

Vers 9 Warnung vor Überheblichkeit

Lk 18,9: Er sagte aber auch zu etlichen, die auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien, und die Übrigen verachteten, dieses Gleichnis.

Lk 18:9: Jesus erzählte ein weiteres Gleichnis. Er wandte sich damit besonders an die Menschen, die selbstgerecht sind und auf andere herabsehen:

Vor Gott sind wir alle gleich

Dieses Gleichnis ist besonders traurig, denn gerade die Pharisäer hätten ihren Zeitgenossen mit gutem Beispiel vorangehen sollen, wie zum Beispiel Priester oder Gottgeweihte heutzutage.

Echte Nähe zu Gott führt nie dazu, dass wir andere „verachten“, sondern im Gegenteil dazu, dass wir das Gute in jedem Menschen schätzen und das „innere Heiligtum“ – wie es die Heilige Theresia vom Kinde Jesu nennt – im Auge behalten, wo Gott in jeder Person wohnt.

Bitten wir Gott darum, dass er die Augen unseres Herzens reinigt, damit wir die anderen und uns selbst so sehen, wie er uns sieht. Er freut sich über jeden von uns (Zef 3,17).

Er freut sich auch über jeden kleinen Sieg, über jeden verlorenen Sohn oder jede verlorene Tochter – wir sind alle Sünder (vgl. 1 Joh 1,10) – die sich ihm zuwenden.

Frage: Welche kleinen Veränderungen in deinem Herzen könnten dir helfen, andere so zu sehen, wie Gott sie sieht?

Gegen Stolz und Verachtung

Weil ferner der Stolz mehr als die übrigen Leidenschaften die Seelen der Menschen peinigt, so warnt er häufiger davor. Es ist aber der Stolz die Verachtung Gottes; denn so oft jemand nicht Gott, sondern sich das Gute, das er getan, zuschreibt, was ist es anderes als eine Verleugnung Gottes?

Wegen derer also, die auf sich selbst vertrauten, aber nicht alles Gott zuschrieben, stellt er das Gleichnis auf und zeigt, dass die Gerechtigkeit jeglichen Menschen Gott nahebringt, aber der Stolz ihn in die Tiefe hinabstürzt.

Goldene Perle

Frage: In welchen Momenten erkenne ich in mir selbst Stolz, und wie kann ich mich öffnen, um das Göttliche in meinen Handlungen wahrhaft anzuerkennen?

Vers 10 Pharisäer und Zöllner beteten

Lk 18,10: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

Pharisäer und Zöllner

Der demütige Zöllner wird gerechtfertigt. Die vielen guten Werke des vorzeigefrommen Pharisäers sind dagegen wertlos.

Mit diesem Gleichnis stellt Jesus den damaligen Glauben von der Errettung auf den Kopf. Jesus erzählt es jenen Menschen, die auf sich selbst vertrauen und glauben, dass sie durch ihre guten Werke gerecht werden.

Der entscheidende Unterschied zwischen dem Pharisäer und dem Zöllner lässt sich auf einen Punkt herunterbrechen: Der Pharisäer dachte, er könnte sich Gottes Wohlwollen aus eigener Kraft erarbeiten. Der Zöllner wusste, dass er das nicht konnte.

Mache dir heute wieder bewusst, dass du dir Gottes Wohlwollen nicht verdienen kannst, durch noch so viele gute Taten. Alles ist Geschenk und Gnade.

Frage: Wo in meinem Leben versuche ich vielleicht, Gottes Gnade durch eigene Leistung zu verdienen, und wie kann ich stattdessen Vertrauen und Dankbarkeit üben?

Empor das Herz - Sursum corda! 

Zwei Männer gehen in den Tempel, um zu beten. Sie wollten also nicht zu Hause beten. Und nicht im Wald. Warum wohl?

Nun, wenn man Wichtiges mit Gott zu besprechen hat, ist es gut, einen Ort aufzusuchen, wo er anwesend ist, und wo man mit ihm alleine ist, also eine Kirche – es gibt noch einige, die offen und einladend sind.

Zu Hause kommt leicht alles Mögliche dazwischen, man hängt in den Niederungen des Alltags fest. „Sie gingen zum Tempel hinauf“ heißt es hier. Also, mit den Worten der Liturgie gesagt: „sursum corda – empor das Herz“ – aus dem Alltag zu Gott.

Beate Scheilen

Frage: Welche Orte in deinem Leben laden dich ein, dein Herz bewusst zu Gott zu erheben, und wie könntest du solche Momente noch bewusster gestalten?

Vers 11 Pharisäer dankt für Selbstgerechtigkeit

Lk 18,11: Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen.

Lk 18,11: ‭Selbstsicher stand der Pharisäer dort und betete: ›Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie andere Leute: kein Räuber, kein Betrüger, kein Ehebrecher und auch nicht wie dieser Zolleinnehmer da hinten.

Geistlicher Hochmut

Hochmut. Zwei Männer beten im Tempel. Auf den ersten Blick scheint der eine, der Pharisäer, ein gottgefälliges Leben zu führen. Er bemüht sich, nach den Geboten zu leben. Aber in den Augen Gottes reicht das nicht. Der Hochmut bringt ihn zu Fall und lässt ihn auf den Zöllner herabschauen.

Muss er sich mit dem Zöllner vergleichen, um sich vor Gott stellen zu können? Fürchtet er sich vielleicht vor dem, was er in sich entdecken könnte? Wir sehen oft die Fehler unserer Mitmenschen sehr klar, aber schauen gerne über unsere Mängel und Sünden hinweg.

Wie stehe ich vor Gott? Bemühe ich mich um eine aufrichtige Selbsterkenntnis oder beruhige ich mich damit, dass andere noch viel schlimmer sind als ich?

Frage: Welche inneren Schatten möchte ich erkennen, um wahrhaftiger und demütiger meinen Weg zu gehen?

Von anderen eine gute Meinung haben

Auch wenn´s hier und da schwer fällt, versuche von anderen immer eine gute Meinung zu haben.

Widerstehe der Neigung von anderen zu kritisch zu denken oder gar dich selber für etwas Besseres zu halten. Wir alle sind gebrechlich und fallen immer wieder auf die Nase.

Daher sei sanftmütig und barmherzig in deinem Urteil über die anderen. Du selbst willst doch auch von ihnen in deinen Schwächen getragen und ertragen werden. So tue dasselbe mit ihnen.

Mit guten Menschen im Frieden leben ist nichts Großes. Mit harten und verkehrten Menschen friedsam leben zu können, das ist eine große Gnade.

Frage: In welchen Momenten fällt es dir am schwersten, anderen barmherzig zu begegnen, und wie könntest du in diesen Momenten innerlich Ruhe finden?

Über den Nächsten nicht urteilen

Wir urteilen über den Nächsten bei jeder Gelegenheit mit unerbittlicher Strenge, uns selbst aber richten, das wollen wir niemals.

Bekämpfen wir die Ursachen, wie zum Beispiel den Stolz, der meint, sich selbst zu bestätigen und zu bewundern, indem er den anderen herabsetzt, sich an ihren Fehlern erfreut und daran, wie gut man doch selber ist. Diese Selbstgefälligkeit ist so versteckt und getarnt, dass man sie nicht entdeckt, wenn man nicht sehr gute Augen hat.

Andere wiederum denken immer nur gut von denen, die sie lieben, und nur schlecht von jenen, die sie nicht mögen. Die Liebe ist das wirksamste Heilmittel gegen das Urteilen. So musst auch du immer zugunsten des Nächsten urteilen, soweit es nur möglich ist. Hätte eine Handlung hundert Gesichter, so sollst du das schönste ansehen.

Wenn wir auch die Sünde nicht entschuldigen können, so wollen wir doch Mitleid haben und sie der noch am ehesten erträglichen Ursache zuschreiben, wie der Unwissenheit oder Schwäche.

Frage: Wie könnte sich dein Herz verändern, wenn du bewusst versuchst, in jedem Menschen das Schönste zu sehen?

Andacht von Augustinus

Wer im Vertrauen auf sich selbst stark sein will und seine Verdienste hervorhebt, der gleicht dem Pharisäer, der sich stolz darauf berief, was er von Gott empfangen hatte.

„Ich danke dir“, sagte er. Gebt acht, welche Art von Stolz uns hier begegnet! Ja, seht, wie sich der Stolz auch bei einem gerechten Menschen einschleichen kann!

Mit dem Wort: „Ich danke dir!“ bekennt er ja, dass er das, was er hat, von Gott hat. Warum war er also stolz? Nicht weil er Gott danksagte, sondern weil er sich wegen der Gaben, die er von Gott hatte, über einen anderen stellte und ihn verachtete, der hinten stand.

Doch dem war Gott nahe, denn er bekannte seine Schuld.

Frage: Wo in meinem Leben neige ich dazu, meine eigenen Gaben und Erfolge über andere zu stellen, und wie kann ich mehr Demut entwickeln, die Gott nahe ist?

Vers 12 Er fastete und spendete

Lk 18,12: Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme!

Sich nicht auf seine Taten verlassen

Das Tun des Pharisäers ist zweifelsfrei gut. Seine Irrweg besteht darin, dass er von seinen guten Taten so geblendet ist, dass er völlig übersieht, wie sehr er Gott gegenüber auf dessen Güte angewiesen bleibt.

Er hat zu viel Vertrauen in sich selbst. Um Gott zu erkennen, müssen wir immer wieder neu den Hochmut ablegen, wir hätten alles selbst in der Hand. Wir haben es nicht! Verlaß dich daher nicht auf dich selbst, setze vielmehr dein ganzes Vertrauen auf Gott.

Tu, was du tun kannst und Gott wird deinem guten Willen beistehen. Der Pharisäer redet über Äußerlichkeiten, indem er seine Taten auflistet, aber er geht nicht zum Kern, seinem Herzen. Allein danach aber verlangt es Gott in seiner Sehnsucht nach uns.

Echtes Gebet ist ein Gespräch von Herz zu Herz.

Frage: Wo in deinem Leben vertraust du zu sehr auf dich selbst und wie könntest du dein Herz offener für Gottes Führung machen?

Darstellung nach aussen

Wir können uns vorstellen, wie der Pharisäer mit beredten Worten und einem fließenden, geistlichen Stil betet; jeder, der ihn beten hörte, würde sagen, dass er ein spiritueller Mann war. Im Gegensatz dazu stellen wir uns den Steuereintreiber vor, der unbeholfen betet, mit stockenden Phrasen und Angst; aber sein Gebet gefiel Gott.

Vers 13 Zöllner bat demütig um Gnade

Lk 18,13: Der Zöllner stand von ferne, wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust.

Demut des Zöllners

Der Zöllner stand ferne. Das ist ein Zeichen der Demut. Er blieb am Rande der Tempelanlage stehen, weil er wusste, dass er es nicht verdiente, in die Gegenwart Gottes zu kommen.

Der Zöllner hatte einen gesenkten Blick, ebenso ein Zeichen der Demut.

Und das Gebet des Zöllners war kurz und knackig, dafür aber aufrichtig. Er bittet ehrlich und eindringlich um Gnade. Und diese ehrlichen, demütigen Worte erreichen das Herz Gottes.

Versuche von diesem Zöllner zu lernen: begegne Gott stets in Demut. Ich beispielsweise schätze die Geste der Verbeugung oder des Kniens, weil ich mich hier klein mache und die Ehrfurcht vor dem Großen wächst.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du bewusst Demut zeigen, um dich dem Göttlichen oder dem, was größer ist als du selbst, zu öffnen?

Demut: Ein grundlegendes Element für das Gebet.

Der Zöllner ist gerechtfertigt, nicht weil er alle richtigen Dinge getan hat, sondern weil er die Demut hat, seine eigene Sündhaftigkeit zu erkennen. Vielleicht hörte er, was der Pharisäer sagte, und es veranlasste ihn noch mehr, um Gottes Gnade zu bitten.

Eines der wichtigsten Merkmale unseres Gebets ist, dass es demütig sein muss. Wenn wir beten, müssen wir uns Gott nähern, indem wir unsere Sünden und unsere Schwachheit erkennen und die Tatsache, dass wir von ihm all das Gute, was wir haben, empfangen haben.

Dies ist es, was unser Gebet fruchtbar macht. Gott liebt ein demütiges, reuevolles Herz.
Daniel Polzer

Frage: In welchen Momenten erkenne ich meine eigene Bedürftigkeit nach Gottes Gnade, und wie verändert dies mein Herz im Gebet?

Unsere Heilsbedürftigkeit

Auch der Zöllner betet zu Gott. Seine Haltung Gott gegenüber ist jedoch eine ganz andere. Er setzt nicht auf das, was er an Gutem vorzuweisen hat und versucht auch nicht, sich ins rechte Licht zu rücken.

Er ist sich seiner Schuld und seiner Bedürftigkeit bewusst und vertraut sich ganz der Gnade und Barmherzigkeit Gottes an. Und so wird er vor Gott gerecht gemacht.

Das Vaterherz Gottes übersteigt alle unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit. Denn Gott erweist seine Gerechtigkeit in der Vergebung.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich meine eigene Bedürftigkeit anerkennen und mich der göttlichen Barmherzigkeit anvertrauen?

Begegnung mit Gott

Er stand in der Ferne, aber näherte sich Gott, und Gott betrachtete ihn von der Ferne. Denn der Herr ist erhaben und sieht auf das Niedrige herab. Und er erhob die Augen nicht zum Himmel; um angesehen zu werden, sah er nicht an. Das Gewissen drückte, die Hoffnung erhob; er schlug an seine Brust und legte sich selbst eine Strafe auf. Goldene Perle

Auf den Knien bekommst du die richtige Perspektive, um die Größe Gottes zu sehen. Jan Dobutowitsch

Andacht von Augustinus

Der Zöllner stand fern, heißt es. Doch Gott stand ihm nicht fern! Es heißt ja an anderer Stelle: „Nahe ist der Herr denen, die zerknirschten Herzens sind.“ Seht, ob der Zöllner ein zerknirschtes Herz hat, dann werdet ihr sehen, dass der Herr ihm nahe ist.

Lk 18,13: O Gott, sei mir Sünder gnädig!

Bitte um Vergebung

Der Zöllner wurde gerechtfertigt, das heißt, er wurde von seiner Schuld befreit. Davor bekannte er, dass er ein Sünder ist. Es ist sehr wichtig, diese zunächst leer dastehende Erkenntnis „Ich bin ein Sünder“ auch zu füllen.

Bei den Katholiken geschieht dies durch die heilige Beichte, in anderen Konfessionen sieht das anders aus. So oder so ist es jedoch unumgänglich, dass wir Orte und Wege für uns finden, an denen wir in uns gehen und von Zeit zu Zeit Inventur machen, um zu erkennen, wo wir gesündigt haben.

Gott vergibt nicht Schuld im Sinne einer billigen Gnade, also bedingungslos. Bedingung ist, dass wir unsere Sünden erkennen und bekennen.

Ich habe dreissig Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Sündenerkenntnis und Sündenvergebung die Hauptbotschaft des Neuen Testaments ausmacht. Sebastian Moore

Frage: Welche inneren Räume oder Rituale könntest du nutzen, um deine eigenen Fehler ehrlich zu erkennen und loszulassen?

Andacht von Augustinus

Der Zöllner gibt sich selbst die Strafe, er ist Richter über sich selbst, damit der Herr für ihn eintritt. Er straft sich, damit der Herr ihn befreit, er klagt sich an, damit der Herr ihn verteidigt.

Und so sehr verteidigt ihn der Herr, dass er das Urteil zu seinen Gunsten ausspricht: „Der Zöllner ging gerechtfertigt nach Hause, der Pharisäer nicht.“

Weil der Pharisäer nicht wusste, wohin er gekommen war, war er wie ein Kranker im Sprechzimmer des Arztes, zeigte aber seine gesunden Glieder, während er seine Wunden bedeckte.

Gott soll die Wunden bedecken, nicht du! Denn wenn du sie aus Scham verdecken willst, wird der Arzt dich nicht heilen.

Frage: Welche Wunden traust du dich heute dem Herrn anzuvertrauen, um Heilung und Befreiung zu erfahren?

Andacht von Chrysostomus

Der Zöllner hatte diese Worte sehr wohl gehört. Er hätte nun etwa so entgegnen können: Wer bist du denn, dass du es wagst, so über mich zu lästern? Woher kennst du mein Leben? Du hast nie in meiner Umgebung gelebt, du gehörst nicht zu meinen Vertrauten. Warum legst du einen solchen Hochmut an den Tag? Übrigens, wer kann denn bezeugen, dass du tatsächlich Gutes getan hast? Warum lobst du dich selbst? Was bringt dich dazu, dich derart zu rühmen?

Aber der Zöllner tat nichts dergleichen – im Gegenteil –, er warf sich nieder und sagte: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Und weil er sich demütig zeigte, wurde er gerechtfertigt.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du wie der Zöllner Demut üben und Gottes Gnade bewusst annehmen?

Vers 14 Zöllner ging gerechtfertigt heim

Lk 18,14: Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer.

Der Zöllner kehrt als Befreiter nach Hause zurück

Wir können trotz und gerade wegen unserer Sünden zu Gott gehen. Aus dieser Begegnung kehren wir als Gerechte zurück.

Das größte Hindernis in unserem Leben ist nicht unsere Schwachheit, sondern das Nichtbekennen unserer Schuld. Wie häufig tun wir Dinge, die unsere Beziehung mit Gott und unseren Mitmenschen verletzen.

Bitten wir ebenso häufig um die Gnade der Vergebung. Denn das Blut Jesu reinigt von uns von bekannten Sünden.

Das Wort "erhöht" im Folgevers ist in diesem Zusammenhang ein Synonym für die Rechtfertigung. Derjenige, der sich selbst erniedrigt, indem er seine Schuld bereut und sich Jesus Christus anvertraut, wird Gerechtigkeit erlangen.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte das Eingeständnis meiner Schuld und die Hinwendung zu Gott Heilung und Gerechtigkeit bringen?

Das Problem des Pharisäers

Der Pharisäer betrachtet seine Frömmigkeit komplett als eigene Leistung, darin liegt das Problem! Für ihn gibt es welche, die ihr Pensum vor Gott schaffen, und welche, die durchfallen und dafür verachtet werden dürfen. So sieht Gott das aber nicht!

Als Christen wissen wir: Wir sind alle schwach. Und: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Das hat der Zöllner viel besser verstanden – darum kann er gerechtfertigt nach Hause gehen.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens versuche ich, alles alleine zu schaffen, und wie würde sich mein Blick verändern, wenn ich Gottes Gnade bewusst annehme?

Andacht von Origenes

Der Pharisäer hatte vielleicht wahrheitsgemäß gesprochen, aber nach dem Urteil des Herrn war er vom Übel des Hochmuts verdorben und kam nicht als Gerechtfertigter vom Tempel herab. Ein solches Rühmen, das sich aus den Werken des Gesetzes herleitet, wird also ausgeschlossen, denn ihm fehlt die Demut des Kreuzes Christi.

Wir haben beide Personen in uns

Wir sind ein bisschen Zöllner, weil wir Sünder sind, und ein bisschen Pharisäer, weil wir anmaßend sind, selbstgerecht, Meister darin, uns nach allen Regeln der Kunst zu rechtfertigen!

Bei anderen mag das funktionieren, nicht aber bei Gott. Bei Gott funktioniert der Trick nicht.

Bitten wir um die Gnade, uns als der Barmherzigkeit bedürftig und innerlich arm zu fühlen.

Auch deshalb tut es uns gut, mit den Armen zu verkehren, damit wir uns daran erinnern, dass wir arm sind, damit wir uns daran erinnern, dass Gottes Heil nur in einem Klima innerer Armut wirkt.

Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die innere Armut, die mich für Gottes Barmherzigkeit öffnet?

Lk 18,14: Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Wer aber sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Fazit

Im Wesentlichen sah der Pharisäer das Gebet und sein geistliches Leben als einen Weg, um erhöht zu werden, während der Zöllner sich Gott in Demut näherte. Wahre Demut bedeutet, die Dinge einfach so zu sehen, wie sie sind.

Der Pharisäer betrachtete sich selbst als etwas Großes, obwohl er es nicht war, während der Zöllner sich als Sünder erkannte, der Gottes Barmherzigkeit benötigte – und dies war wahr.

Wenn du also viele gute Werke verrichtest, aber glaubst, dich daran messen zu können, verlierst du die Wirkung und den Wert des Gebetes. Trägst du hingegen in deinem Gewissen eine tausendfache Sündenlast und erkennst dich selbst als den Allerniedrigsten, wirst du vor Gott ein tiefes Zutrauen finden.

Frage: In welchen Momenten erkenne ich meine eigene Demut und öffne mich wirklich für Gottes Barmherzigkeit?

Aufstieg durch Abstieg

Um zu Gott aufzusteigen, brauchen wir den Abstieg. Um zu Gott aufzusteigen, müssen wir in uns selbst hinabsteigen.

Die Demut ist so die Grundlage des Betens. Die Demut, als Anerkennung unserer Schwäche, führt uns dazu, uns von Gott getragen zu fühlen. Seine Barmherzigkeit ist größer als unsere Fehler.

Er ist es, der uns erheben wird, nicht wir selbst. Je mehr wir in Demut herabsteigen, desto mehr wird Gott uns erhöhen.

Daher gehen wir unser Leben nicht kleinmütig an, denn das Bewusstsein, Sünder zu sein, hindert uns nicht daran, sich der großen Wirklichkeit bewusst zu sein: geliebtes Kind Gottes zu sein.

Frage: Welche Momente in meinem Leben laden mich ein, mich bewusst demütig zu zeigen, um Gottes Gegenwart tiefer zu erfahren?