Lk 17, 1-6 Von Vergebung und Glaube
Inhaltsverzeichnis
Vers 1 Verführung ist unvermeidlich
Lk 17,1: Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß nicht Ärgernisse kommen; weh aber dem, durch welchen sie kommen!
Lk 17,1: Jesus sagte zu seinen Jüngern: Es wird immer Verführungen geben, doch wehe dem, der daran schuld ist.
Über Versuchungen
Aber warum müssen wir uns mit Versuchungen auseinandersetzen?
Weil es unseren Glauben und unsere geistlichen Muskeln stärkt.
Wenn wir der Versuchung nicht standhalten müssten, wüssten wir nie, wie stark wir geistlich überhaupt sind.
Um geistlich stark zu werden, ist es wichtig, alle möglichen Prüfungen zu bestehen, große und kleine.
Frage: Welche inneren Stärken entdecke ich in mir selbst, wenn ich Versuchungen und Herausforderungen bewusst begegne?
Gebet: Gott, danke, dass du mir zeigst, wie ich die Kraft entwickeln kann, um den Versuchungen des Feindes zu widerstehen. Ich werde mich sofort an die Bibel halten, wenn Versuchungen kommen, und ihnen mit deiner Wahrheit begegnen. Joyce Meyer
Versuchungen
Jeder Mensch ist Versuchungen ausgesetzt, seit Adam und Eva. Versuchungen sind feinsinnig, listig, wohlschmeckend, sinnlich, alles Glück versprechend, nutzen die Schwachheit eines Menschen aus, manchmal sind sie auch plump, und vieles mehr.
Die Versuchung steht im Gegensatz zum Glauben. Die Versucher handeln oft nur in ihrem eigenen Interesse.
Jesus ruft uns auf, uns selbst zu prüfen, ob wir nicht in dem einen oder anderen Fall, als Versucher gehandelt haben.
Anton Stehmer
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich heute achtsam prüfen, ob ich selbst unbewusst Versucher war, und wie kann ich mit mehr Bewusstsein handeln?
Vers 2 Verführer büßen bitterlich
Lk 17,2: Es wäre für ihn besser, wenn ein großer Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde, als dass er einem dieser Kleinen einen Anstoß zur Sünde gibt.
Er will sagen
Es müssen zwar Ärgernisse kommen. Doch ist es nicht notwendig, daß ihr zu Grunde geht, wenn ihr gesündigt habt, wie die Schafe bei der Ankunft des Wolfes nicht zu Grunde gehen müssen, wenn der Hirt wacht
Vers 3 Warne Sünder, vergib ihnen
Lk 17,3: Habt acht auf euch selbst! Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so weise ihn zurecht und wenn es ihn reut, so vergib ihm.
Zurechtweisen von Geschwistern
Wenn jemand gegen dich sündigt, solltest du nicht so tun, als wäre es nie geschehen. Du musst diesen verliebten Bruder zurechtweisen. Weise ihn zwischen dir und ihm allein zurecht. Denn es nützt mehr eine freundliche Zurechtweisung, als eine stürmische Anklage.
Wegweiser sein
Sündigen heißt im Griechischen hamartanein, das bedeutet, den Weg zu verfehlen. Wer seinen Weg verfehlt, der braucht jemanden, der ihm den Weg zeigt, einen Wegweiser.
Der Wegweiser stellt sich nicht über den anderen. Er begleitet ihn ein Stück weit, damit er den Weg zu seinem Ziel findet. Es geht nicht um ein Gefälle: Ich bin nicht der Besserwisser und auch nicht der Tugendsamere. Ich bin genauso auf dem Weg wie der Irrende. Und auch ich kann mich auf meinem Weg verirren. Dann brauche auch ich Menschen, die mir den Weg zeigen.
Nun gibt es freilich verschiedene Motivationen, dem Mitmenschen einen Fehler vorzuhalten. Nicht selten geschieht es aus Kritiksucht, Groll oder Rechthaberei. Das wäre dann verkehrt! Zurechtweisung fällt nicht leicht, besonders bei Menschen, die uns sehr vertraut sind. Sie sollte immer in Bescheidenheit und ohne Zorn geschehen. Aufgepasst – nicht hochmütig sein!
Eine sanfte, gütige Zurechtweisung ist auch eine Form gelebter Nächstenliebe.
Frage: Wie kann ich heute jemandem auf meinem Weg helfen, ohne mich über ihn zu stellen?
Aus welchem Grund verbesserst du deinen Nächsten?
Weil dir die Sünde, die er gegen dich beging, wehtut? Das soll nicht sein! Wenn du es nur aus Liebe zu dir selbst tust, tust du nichts Gutes; handelst du aber aus Liebe zu ihm, dann tust du sehr gut.
Unser Herr mahnt uns, nicht gegenseitig über unsere Sünden hinwegzusehen. Er verlangt aber nicht, dass du nach etwas suchst, was du tadeln kannst, sondern dass du siehst, was du verbessern kannst.
Wir sollen nämlich in Liebe zurechtweisen, und nicht, weil wir begierig sind, dem anderen zu schaden, sondern weil wir ihn besser machen wollen. Wenn du darin nachlässig bist, dann bist du schlechter als der, den du zurechtweisen sollst.
Augustinus
Frage: Wie kannst du in deinem Leben liebevoller darauf achten, anderen zu helfen, sich zu verbessern, ohne dass Ego oder Groll dich leiten?
Störungen ansprechen
Lerne, Störungen in den verschiedenen Lebensbereichen rechtzeitig anzusprechen und zu klären, um so Konflikten vorzubeugen.
Wir können deswegen ausbrennen, weil wir Dingen zu lange ihren Lauf gelassen haben. Ergebnis ist oft eine Scheinharmonie, und der schwellende Konflikt schlägt später umso stärker zurück.
Lösungsorientiertes Denken ist da mein Lieblingswort. Häufig ist es meine eigene Überzeugung, dass eine Lösung unmöglich erscheint. Glaube dennoch an eine Lösung.
Der Weg dahin geht nur über echte und klare Kommunikation, ob nun im Beruf, in der Beziehung oder sonstwo, und über das Gebet zum heiligen Geist um Lenkung. Atme in mir, heiliger Geist!
Frage: Welche Bereiche meines Lebens lasse ich noch unangesprochen, obwohl eine offene Kommunikation Heilung und Klarheit bringen könnte?
Vers 4 Vergib auch siebenmal täglich
Lk 17,4: Und wenn er siebenmal am Tag gegen dich sündigte und siebenmal am Tag wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben.
Sieben mal
Durch die Siebenzahl wird für die Vergebung keine Grenze gesetzt, sondern befohlen, entweder alle Sünden zu vergeben oder immer dem Reumütigen zu verzeihen
Prozess der Vergebung
Einander gerne vergeben ist nicht leicht, vor allem, wenn wir eine schwere Beleidigung erlitten haben. Manche Menschen tragen anderen das Leben lang erlittene Kränkungen nach und werden dabei selbst krank.
Vieles kann uns beleidigen, uns Leid zufügen. Es kann ein kränkendes Wort sein, das alte Wunden in uns aufreißt. Jeder von uns hat seine empfindliche Stelle. Beleidigen kann auch ein Übergehen sein, wenn der andere uns gar nicht beachtet.
Viele fühlen sich mit dem Verzeihen überfordert. Seien wir uns im Klaren: nur in und mit Gottes Kraft ist uns das möglich. Und es ist oft ein langer Weg.
Seien wir uns auch bewusst: Wenn wir uns dem Weg der Vergebung komplett verweigern, gehen wir daran selbst kaputt. Wenn wir Vergebung dagegen richtig verstehen, ist sie nicht nur ein Werk der Barmherzigkeit dem Beleidiger gegenüber, sondern auch uns selbst gegenüber. Sie tut uns selbst gut.
Frage: Welche alte Kränkung in dir wartet darauf, dass du ihr mit Vergebung begegnen kannst, um inneren Frieden zu finden?
Massloses Vergeben
Bei der Vergebung geht es nicht um sentimentales Gutmenschentum, sondern um Leben und Tod. Darum sollen wir nach Jesus maßlos vergeben. Nicht dass wir dann als ach so tolle Menschen vor ihm dastehen und dadurch Gottes Lob und Anerkennung erwarten, sondern weil wir selbst uns aus den Fesseln der Verurteilung lösen und in der Vergebung unseren Frieden finden.
„Wo aber Vergebung ist, da ist Leben“ (Luther).
Jesus sagt nicht, dass Vergebung einfach ist und mal kurz und eben schnell geht. Der Weg zum Leben ist bisweilen eng und steinig. Lass dir vergeben und vergebe. Lebe!
Frage: Wo in deinem Leben hält dich das Festhalten an Verletzungen zurück, und wie könnte Vergebung dich befreien?
Reue ist eine Voraussetzung für Vergebung
Wer keine Erkenntnis der Schuld hat, der zeigt auch keine Reue. Wer keine Reue zeigt, dem kann auch nicht vergeben werden.
Das deutsche Wort Reue meint ursprünglich, traurig und betrübt zu sein, und beschreibt somit den seelischen Schmerz über etwas, das wir getan oder unterlassen haben, verbunden mit dem Vorsatz, es zukünftig besser zu machen – also Buße zu tun.
Reue bedeutet eine Veränderung des Herzens und die bewusste Entscheidung, umzukehren. Es geht nicht um eine oberflächliche oder vorübergehende Umkehr, sondern um einen geistlichen Weg, der die Haltungen des Gewissens in der Tiefe betrifft und einen aufrichtigen Vorsatz zur Besserung verlangt.
In wahrer Reue und in einem demütigen Herzen erst wird die Hoffnung auf Verzeihung geboren.
Die Reue ist innerlich im Herzen. Thomas von Aquin
Frage: Welche Momente in deinem Leben fordern dich dazu auf, dein Herz zu verändern und wirklich umzukehren?
Was machen wir mit jemandem, der nie bereut hat?
Verzeihen wir ihnen? Selbst wenn die Beziehung nicht wiederhergestellt werden kann, weil kein gemeinsamer Geist erreicht wird, können wir uns immer noch dafür entscheiden, ihnen unsererseits zu vergeben und auf ein Werk Gottes in ihrem Leben für die Wiederherstellung der Beziehung zu warten.
Frage: Wie könnte die Entscheidung zu vergeben dein eigenes Herz öffnen und Heilung in deinem Leben ermöglichen?
Bedeutung der Vergebung
Jesus, wir sind so schnell darin, jemanden beim Namen zu nennen und zu beschuldigen, so schnell darin, zu verurteilen, so anfällig dafür, an einem Groll, den wir gegen eine andere Person hegen, festzuhalten, auch wenn die Geschehnisse schon lange zurückliegen.
Lehre uns, zu vergeben, Vater, wie du uns vergeben hast!
Maria Boeselager
Frage: Welche alten Grollgedanken halte ich noch fest, die ich bereit wäre, heute loszulassen?
Dem Bruder, der Schwester vergeben
Es ist nicht einfach, dem Nächsten zu vergeben. Noch schwieriger wird es, wenn sich die Sünde wiederholt, trotz aller Ermahnung, Bitten und Flehen. Und dann wiederholt zu vertrauen, trotz aller Enttäuschungen, bringt einen an Grenzen.
Doch Gott vergibt auch dann noch, selbst wenn ich siebzig Mal siebenmal zu ihm käme und um Vergebung bäte. Wie oft haben wir Gott schon enttäuscht? Wenn uns nun Gott so viele Male vergibt und uns immer wieder vertraut, warum sollten wir nicht unserem Bruder, unserer Schwester, wiederholt vergeben? Warum sollten wir nicht immer wieder Vertrauen schenken?
Wenn wir Gottes große vergebende Liebe zu uns selbst erkennen, haben wir einen Grund, um wirklich vergeben zu können, uns selbst und dem Nächsten.
Anton Stehmer
Frage: Wie kann ich heute in meinem eigenen Leben die Kraft finden, jemandem oder mir selbst wirklich zu vergeben?
Für die anderen
Der Herr ruft uns deutlich zur Vergebung auf. Wenn uns jemand verletzt oder verärgert, sollen wir ihm vergeben.
Jesus, wir sind so schnell darin, jemanden beim Namen zu nennen und zu beschuldigen, so schnell darin, zu verurteilen, so anfällig dafür, an einem Groll, den wir gegen eine andere Person hegen, festzuhalten, auch wenn die Geschehnisse schon lange zurückliegen.
Lehre uns, zu vergeben, Vater, wie du uns vergeben hast!
Und ich frage mich: Würde ich mich selbst als einen vergebenden Menschen bezeichnen? Weiß ich, was mich daran hindert, zu vergeben? Gibt es jemanden, der mir besonders in den Sinn kommt?
Bring all dies zu Jesus. Und frage dich: Um welche Gnade/welchen Segen möchtest du Jesus in dieser Frage der Vergebung bitten?
Frage: Welche inneren Blockaden darf ich loslassen, um wahre Vergebung zu erfahren und Frieden in meinem Herzen zu finden?
Vers 5 Apostel fordern mehr Glauben
Lk 17,5: Hilf uns, dass unser Glaube größer wird!
Lk 17,5: Und die Apostel sprachen zum Herrn: Stärke unseren Glauben!
Stärke unseren Glauben
Bei dieser Gelegenheit waren die Jünger äußerst scharfsinnig. Sie erkannten, dass ein großer Glaube an Gott erforderlich ist, um mit Menschen auf diese vergebende, nicht beleidigende Weise auszukommen.
Dieses Werk, jedes Vergehen eines jeden Menschen zu vergeben, und das fortwährend, erschien sogar den Jüngern selbst so schwierig, dass sie einsahen, dass sie ohne ein außerordentliches Maß an Glauben niemals in der Lage sein würden, dieses Gebot zu halten.
Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben einen Moment der Vergebung finden, der dein Herz wirklich erweitert und deinen Glauben stärkt?
Den Glauben stärken
Die Jünger baten Jesus: Stärke unseren Glauben!
Daraufhin erzählte er ihnen das Gleichnis vom Senfkorn. Wenn ihr Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könnten sie einen Maulbeerbaum entwurzeln und versetzen. Es würde geschehen. Glaube hat tatsächlich die Macht zu wirken.
In Versuchungen bestehen, anderen vergeben, Widrigkeiten begegnen, den festverwurzelten Maulbeerbaum verpflanzen – vielleicht ein Bild für eine Person oder eine Kultur, die in ihren Positionen verhärtet ist – das alles sind Gelegenheiten, um im Glauben stark zu werden.
Jesus sagt, dass selbst ein kleiner Glaube schon Wirkung hat. Das ist eine großartige Perspektive!
Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du deinem kleinen Glauben mehr Raum geben, um Großes zu bewirken?
Andacht von Faustina
Innig bitte ich den Herrn, meinen Glauben zu stärken, um mich im grauen Alltag nicht von menschlichen Stimmungen leiten zu lassen, sondern vom Geist.
Ich will im Geiste des Glaubens leben. Alles, was auf mich zukommt, nehme ich als Gabe des liebenden Willens Gottes an, der aufrichtig mein Glück will.
So nehme ich alles, was Gott mir sendet, ergeben und dankbar an.
Frage: Wie kann ich im Alltag die Stimme des Geistes klarer wahrnehmen und meinem Glauben mehr Raum geben?
Vers 6 Senfkorn-Glaube versetzt Bäume
Lk 17,6: Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.
Glaube wie ein Senfkorn
Wenn die Apostel um eine Stärkung im Glauben bitten und Jesus ihnen mangelnden Glauben vorwirft, möchte er sie darauf hinweisen, zunächst an ihrem eigenen Glauben zu arbeiten. Sie scheinen hier eher auf einen äußeren Impuls zu hoffen, anstatt sich auf die eigene innere Entwicklung zu konzentrieren.
Es ist weniger der Glaube an Gott, der hier zu fehlen scheint, als der Glaube an die Vollmacht und Kraft, die ihnen durch Jesus selbst anvertraut wurde und die sie nach ihrer Aussendung bereits genutzt haben.
In letzter Konsequenz sagt dies auch etwas über ihr Vertrauen in Jesus Christus aus. Jesus kritisiert ihren mangelnden Glauben an die ihnen übertragene Vollmacht und die falsche Selbsteinschätzung, sie würden etwas sicher besitzen, das nur noch von außen verstärkt werden müsse.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens vertraue ich mehr auf äußere Bestätigung als auf die Kraft, die mir bereits innewohnt?
Andacht von Papst Franziskus
Der Glaube, der mit dem Senfkorn vergleichbar ist, ist ein Glaube, der nicht stolz und selbstbewusst daherkommt. Es ist ein Glaube, der in seiner Demut ein großes Bedürfnis nach Gott verspürt und sich in seiner Kleinheit mit vollem Vertrauen ihm hingibt.
Es ist der Glaube, der uns dazu befähigt, hoffnungsvoll auf die verschiedenen Wechselfälle des Lebens zu schauen, der uns hilft, auch die Niederlagen und das Leiden hinzunehmen, im Bewusstsein, dass das Böse niemals das letzte Wort hat und haben wird.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich mich selbst loslassen und mein Vertrauen ganz auf etwas Größeres richten?
Der Maulbeerbaum
Laut Geldenhuys galten die Wurzeln des Maulbeerbaums als außergewöhnlich stark. Es wurde angenommen, dass dieser Baum sechshundert Jahre lang verwurzelt bleiben könnte.
Vielleicht tragen auch Sie Unversöhnlichkeit und Bitterkeit in sich, die tief verwurzelt sind; es kann wie bei einem dieser Bäume sein, die ihre starken Wurzeln tief in die Erde schicken.
Doch durch den Glauben kann Jesus diese Wurzeln lösen. Sie können an der Wurzel gepackt und ins Meer gepflanzt werden, sodass Heilung und Freiheit möglich werden.
Frage: Welche tief verwurzelten Gefühle oder Gedanken in mir dürfen durch Glauben und Vertrauen losgelassen werden, um Raum für Heilung zu schaffen?