Lk 16, 19-31 Der Reiche und Lazarus
Inhaltsverzeichnis
Vers 19-20 Lazarus hungert vor Tür
Lk 16,19: Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbare Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
Lk 16,20: Es war aber ein Armer namens Lazarus, der lag vor dessen Tür voller Geschwüre
Das Gleichnis beginnt mit einer Vorstellung der beiden Hauptfiguren
Der namenlose Reiche, der ein religiöser Jude war, kein Heide, der Gott nicht kannte, und zweitens Lazarus, der mittellose Arme, gelähmt und unfähig, sich zu bewegen, daher auch die Geschwüre. Nach damaliger Auffassung war dieses Leid ein Beweis dafür, dass Lazarus von Gott verflucht war.
Dem ist nicht so. Lazarus erhält in diesem Gleichnis deshalb einen Namen, weil er geehrt werden soll. Sein Name bedeutet: Gott ist Hilfe! Wer von allen vergessen ist, den vergißt Gott nicht. Wer in den Augen der Menschen nichts wert ist, ist wertvoll in den Augen des Herrn.
Gibt es in meinem Leben auch Ähnlichkeiten mit Lazarus? Worin besteht meine größte Not? Wie nehme ich sie an? Kann ich sie ertragen? Halte ich fest am Gottvertrauen oder treibt es mich immer wieder zur Verzweiflung?
Hier sind zwei Männer, und Tag für Tag ist nicht der Abstand von zwanzig Metern zwischen ihnen, doch eine Entfernung wie das Meer trennt die beiden.
Frage: Welche verborgene Not in meinem Leben ruft nach der stillen Gegenwart Gottes, und wie kann ich sie mit Vertrauen annehmen?
Unaufmerksamer reicher Mann
Von dem reichen Mann, dessen Name hier nicht genannt wird, erfahren wir nicht, in welchem Verhältnis er zu Lazarus stand. Jesus erwähnt in dem Gleichnis nicht, ob er ihn vielleicht direkt schlecht behandelt, ihn zum Beispiel wegen seiner Bettelei weggeschickt oder gar beschimpft haben mag. Er hat ihn „nur“ nicht beachtet.
Ich komme nicht umhin: Dieses Bild beunruhigt mich, wenn ich daran denke, wie oft ich anderen Menschen nicht helfe, selbst wenn ich sehe, dass sie hilfsbedürftig sind. Auf Unkenntnis kann sich der Reiche nicht berufen – das werde ich auch nicht tun können.
Felix Honekamp
Frage: Wie achtsam bin ich im Alltag gegenüber den stillen Nöten der Menschen um mich herum, und welche kleinen Gesten könnten mein Herz und ihr Leben berühren?
Vers 21 Hunde lecken Wunden
Lk 16,21: Er hoffte, seinen Hunger wenigstens mit den Abfällen aus der Küche des Reichen stillen zu können. Aber es kamen nur die Hunde und beleckten seine offenen Wunden.
Öffne dem anderen die Tür deines Herzens
Jeder Mensch, der uns entgegenkommt, ist ein Geschenk und verdient Aufnahme, Achtung und Liebe. In jedem von ihnen können wir das Antlitz Christi erkennen.
Jeder von uns hat seine Lazarusse um sich herum. Erkenne, wer dies ist. Gebe auf ihn acht. Erkenne seine Bedürfnisse. Wünsche ihm Gutes. Das Gute ist das, was das Leben fördert.
Erkenne stets die Gefahr der Verhärtung des Herzens, die blind macht für die Leiden anderer. Niemals dürfen wir unfähig sein, Mitleid mit den Leidenden zu empfinden.
Gibt es solche armen Lazarusse in meinem Leben, denen ich täglich begegne? Was ist deren größte Not, materiell, moralisch und geistig gesehen?
Frage: Wie kann ich heute einem Menschen in Not begegnen und sein Leben durch Aufmerksamkeit, Mitgefühl oder Liebe ein kleines Stück heller machen?
Vers 22 Beide Männer sterben
Lk 16,22: Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben.
Worauf es ankommt
Eines Tages ist die Zeit abgelaufen. Das Dasein hier auf Erden endet. Das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit ist wichtig, denn nur dann werden wir unser Leben wahrhaft in den Blick nehmen. Nur wer weiß, dass seine Zeit vorbei geht, kann erspüren, worauf es ankommt. "Ihr sollt imstande sein zu erkennen, worauf es ankommt!" (Phil 1,10)
Unsere Haltung hier immer wieder zu überdenken und im Herrn selber das zu erkennen, worauf es allein ankommt, das ist unser Lebensziel: "Wer aber nach dem Herrn fragt, weiß, worauf es ankommt." (Spr 28,5)
Leben wir mit offenen Augen und Herzen für den Herrn, denn er begegnet uns täglich auf vielerlei Art und Weise.
Frage: Wie bewusst lebe ich im Hier und Jetzt, um das Wesentliche in meinem Leben zu erkennen und dem Spirituellen Raum zu geben?
Vers 23 Reicher leidet Qualen
Lk 16,23: Und als er im Totenreich seine Augen erhob, da er Qualen litt, sieht er den Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
Der Tod der beiden Männer
Damals starb der Reiche nach dem Leib, aber seine Seele war früher gestorben. Denn er tat nichts mit den Werken der Seele, weil seine ganze Liebe gegen den Nächsten erlosch und noch lebloser als der Leib war.
Im Angesicht des Todes bedeutet aller weltlicher Reichtum nichts. Da zählt nur noch die Liebe allein. Nur sie dauert ewig.
Erkennen wir die Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit unseres kurzen Lebens! Jeder Tag ist wertvoll! Es liegt an uns, dem Weg zu folgen, den Gott uns gezeigt hat, um zum Leben zu gelangen, und dieser Weg ist die Liebe, nicht verstanden als Gefühl, sondern als Dienst an den anderen in der Liebe Christi.
Der Himmel ist nicht erreichbar für den Reichen, weil er nur für sich lebte und sich nicht um den Nächsten kümmerte. Der Begriff Abrahams Schoß kommt nur hier in der Bibel vor. Im Talmud wird dieser Begriff für den Himmel verwendet.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Liebe so leben, dass sie mein Herz und die Welt um mich herum wirklich berührt?
Andacht von Augustinus
Wurde dieser Arme nur wegen seiner Armut von den Engeln empfangen? Und wurde der Reiche nur wegen seines Reichtums qualvollen Schmerzen ausgeliefert?
Nein, lasst es uns richtig verstehen: Es ist die Demut, die im Armen geehrt, und der Stolz, der im Reichen verurteilt wurde. Hier ist, in Kürze, der Beweis dafür, dass es nicht der Reichtum, sondern der Stolz war, der dem Reichen die Strafe einbrachte.
Der Arme wurde also in Abrahams Schoß getragen; die Schrift sagt aber von Abraham, dass er viel Gold und Silber besaß und auf Erden reich war (Gen 13,2). Wenn jeder Reiche in die Unterwelt kommt: wie konnte Abraham dann den Armen in seinem Schoß aufnehmen?
Das geschah, weil Abraham inmitten seines Reichtums arm, demütig, ehrerbietig und alle Weisungen Gottes gehorsam war. Er erachtete seinen Reichtum für so gering, dass er, als Gott es von ihm verlangte, einwilligte, als Opfer seinen Sohn darzubringen, dem er seinen Reichtum zugedacht hatte (Gen 22,4).
Lernt also, arm und bedürftig zu sein, ob ihr nun auf dieser Welt Besitz habt oder nicht. Denn es gibt Bettler, die voller Stolz sind, und Reiche, die ihre Sünden bekennen.
„Gott tritt den Stolzen entgegen“, ob sie nun seidene Kleider oder Lumpen tragen; „den Demütigen aber schenkt er seine Gnade“ (Jak 4,6), ob sie nun die Güter dieser Welt besitzen oder nicht.
Gott schaut ins Innere: dort wägt er ab, dort prüft er.
Augustinus
Frage: Wo in meinem Leben erkenne ich Stolz oder Demut, und wie kann ich mein Herz so öffnen, dass göttliche Gnade hindurchströmen kann?
Der Glauben der beiden Männer
Wir sollten nicht glauben, dass Lazarus durch seine Armut gerettet wurde, genauso wenig wie wir glauben sollten, dass der reiche Mann durch seinen Reichtum verdammt wurde.
Lazarus muss eine wahre Glaubensbeziehung mit dem wahren Gott gehabt haben, und der reiche Mann hatte das nicht.
Ihre Lebensumstände haben diesen Glauben erleichtert oder erschwert, aber nicht geschaffen.
Frage: Welche Rolle spielen äußere Umstände in meinem eigenen Glaubensleben, und wie kann ich meine Beziehung zu Gott unabhängig davon vertiefen?
Vers 24-27 Bitte um Abkühlung
Lk 16,24: Vater Abraham, rief der Reiche laut, hab Mitleid mit mir! Schick mir doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!
Der Egoismus des Reichen
Selbst jetzt noch geht es dem Reichen nur um sich. Der Egoismus ist weiter in seiner Seele.
Ich bitte Jesus, dass er mein Herz vor dieser Unempfindlichkeit und Gleichgültigkeit bewahren möge, die den Reichen erst an diesen Ort gebracht hat. Ich bitte Jesus, dass er mich ungebrochen in der Liebe lehrt.
Alles, was aus Liebe geschieht, bringt reiche Frucht. Gut handelt, wer mehr der Gemeinschaft als seinem Eigenwillen dient. Gut handelt, wer die Liebe nicht nur auf die uns lieben Menschen anwendet, sondern sie im Geiste Jesus auf alle Menschen ausweitet, die ihm begegnen.
Wer die vollkommene Liebe sucht, der sucht in keiner Sache sich selbst, sondern hat in allem nur Gottes Ehre im Auge.
Herr, ich bitte dich um ein empfindsames Herz für die Not der Mitmenschen und um die Fähigkeit zum Teilen.
Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich für die Not anderer, und wo könnte ich heute bewusst Liebe und Mitgefühl weitergeben?
Lk 16,25: Abraham erwiderte: Mein Sohn, erinnere dich! Du hast in deinem Leben alles gehabt, Lazarus hatte nichts. Jetzt geht es ihm gut und du musst leiden.
Lk 16,26: Und zu alledem ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, sodass die, welche von hier zu euch hinübersteigen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen.
Lk 16,27: Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters sendest—
Vers 28 Fünf Brüder retten
Lk 16,28: denn ich habe fünf Brüder—, dass er sie warnt, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen!
Der Reiche denkt weiter nur an die Seinen
Die Abwendung vom Nächsten macht für Gott blind.
Die Nächstenliebe dagegen ist ein Weg, um Gott zu begegnen. Wahre Liebe strebt nach Reinheit, bei der wir versuchen, alle ichbezogenen Motive loszulassen.
Selbst Jesus lieben wir allein um seinetwillen und nicht wegen seiner Gaben, die er uns schenkt und bisweilen in seinem göttlichen Willen vorenthält. Würden wir nur nach diesen Gaben und nach dem Nutzen unseres Glaubens Ausschau halten, so wollen wir nur den Lohn für unseren Glauben und zeigen damit, dass wir uns selbst mehr lieben als Jesus.
Oh, die reine Liebe zu Jesus, die kein Eigennutz und keine Eigenliebe trübt, wie viel vermag sie!
Frage: Wie kann ich heute meine Liebe so ausrichten, dass sie frei von Eigennutz ist und mich näher zu Gott führt?
Vers 29-30 Sie haben die Propheten
Lk 16,29: Abraham spricht zu ihm: Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören!
Bedeutung der Heiligen Schrift
Diese Aussage betont die Bedeutung der Heiligen Schrift als Wegweiser zum Heil. Der reiche Mann bittet darum, dass sein verstorbener Bruder durch eine Erscheinung gewarnt wird, doch Abraham weist darauf hin, dass Gottes Offenbarung bereits in der Schrift vorhanden ist.
Die Botschaft ist klar: Es braucht keine übernatürlichen Zeichen, um zur Umkehr zu gelangen – das Wort Gottes ist ausreichend. Wer nicht auf Mose und die Propheten hört, wird auch durch ein Wunder nicht überzeugt.
Dieser Vers mahnt zur Wachsamkeit und zur Annahme von Gottes Wort im Leben.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens habe ich die Stimme Gottes vielleicht überhört, obwohl sie mir durch die Schrift bereits begegnet ist?
Lk 16,30: Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun!
Vers 31 Wer nicht hört, glaubt nie
Lk 16,31: Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten auferstände!
Der Weg des Glaubens
Das letzte Gericht, so heißt es in der Enzyklika Spe Salvi von Papst em. Benedikt, ist ein Grund zur Hoffnung, da wir in Jesus einen barmherzigen Richter haben.
So soll uns diese Bibelstelle keine Angst machen, sondern uns ermutigen, das Zeugnis Mose, der Propheten und die Auferstehung Jesu gläubig anzunehmen. Sie soll uns ermutigen, Tag für Tag Gott zu sagen: "Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!"
Es geht nicht so sehr darum, viel Gutes zu besitzen, sondern viel Gutes zu tun. Unsere Entscheidung und unser Weg zum Himmel beginnt heute. Denn, wenn du nicht so lebst, wie du glaubst, wirst du so glauben, wie du lebst.
Nutzen wir die Gelegenheit der Fastenzeit, unser Leben wieder mehr vom Glauben leiten und durchdringen zu lassen.
Mathias Reimer
Frage: Welche Schritte kann ich heute unternehmen, um meinem Glauben mehr Raum in meinem Alltag zu geben und mein Leben bewusst von Gottes Willen durchdringen zu lassen?
Wer Ohren hat, der höre!
Ein wichtiger Punkt dieses Gleichnisses ist die Taubheit gegenüber Gottes Wort, das er auf vielerlei Weise zu uns spricht. Im Alten Testament durch Moses und die Propheten, durch Arme und Bedürftige wie Lazarus und schließlich durch den auferstandenen Christus.
Es geht darum, mit einem hörenden Herz zu leben, das Gottes Worte wahrnimmt und daraus heraus glaubt. Glaube ist hier ein Geschenk, weil er aus dem Wort Gottes entspringt, und zugleich eine Entscheidung, weil wir frei sind, zu hören.
So höre heute das Wort Gottes und glaube daran. Es kann ein verhärtetes Herz wieder zum Leben erwecken und es von seiner Blindheit heilen.
Ich erinnere mich heute an ein Wort Gottes, dass besonders stark in meinem Leben gewirkt hat.
Frage: Wie offen ist mein Herz heute für die leisen Stimmen Gottes in meinem Leben?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Lk 16. Kap.
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Lukas Evangelium Lk 16. Kap.