Lk 14, 7-14 Einladung zum Mahl

Vers 7-8 Gäste suchen Ehrenplätze

Lk 14,7: Er sagte aber zu den Gästen ein Gleichnis, da er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten, und sprach zu ihnen.

Sitzordnung

Zur Zeit Jesu zeigte die Sitzordnung bei einem Abendessen eine klare Reihenfolge von Prestige und Ehre. Die am meisten geehrte Person nahm einen bestimmten Platz ein, die nächst geehrte Person einen anderen, und so setzte sich die Rangordnung entlang der Reihe fort.

Eine Hochzeitsfeier galt damals als der wichtigste gesellschaftliche Anlass im jüdischen Leben. Die Sitzordnung am Tisch spiegelte nicht nur die persönliche Stellung wider, sondern auch den Platz innerhalb der Gemeinschaft.

Frage: Wie bewusst achte ich heute auf die Zeichen von Wertschätzung und Anerkennung in meinem eigenen Umfeld, und wie spiegelt sich das in meinen Beziehungen wider?

Lk 14,8: ‭Wenn du von jemand zur Hochzeit eingeladen bist, so setze dich nicht auf den obersten Platz, damit nicht etwa ein Vornehmerer als du von ihm eingeladen ist,

Vers 9 Sonst droht Beschämung

Lk 14,9: ‭und nun der, der dich und ihn eingeladen hat, kommt und zu dir sagt: Mache diesem Platz! — und du dann beschämt den letzten Platz einnehmen musst.

Setze dich nicht auf den obersten Platz,

Die Aussage betont die Gefahr von Stolz und Selbstüberschätzung. Wer sich selbst erhöht, riskiert Demütigung, während wahre Ehre von Gott kommt.

Jesus lehrt, dass Menschen sich nicht selbst in den Vordergrund drängen, sondern in Demut auf ihren Platz warten sollen. Dies gilt nicht nur für gesellschaftliche Situationen, sondern auch für das Reich Gottes: Die Letzten werden die Ersten sein (Lk 13,30).

Das Gleichnis fordert zur Bescheidenheit auf und erinnert daran, dass wahre Anerkennung nicht von Menschen, sondern von Gott kommt.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens neigst du dazu, dich selbst zu erhöhen, und wie könntest du mehr Demut üben, um Gottes Anerkennung zu suchen?

Vers 10 Setz dich nach unten

Lk 14,10: Sondern wenn du eingeladen bist, so geh hin und setze dich auf den letzten Platz, damit der, welcher dich eingeladen hat, wenn er kommt, zu dir spricht: Freund, rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tisch sitzen.

Anwendung des Gleichnis auf unser Gebetsleben

Das Gleichnis aus dem Evangelium lässt sich buchstäblich auf das Gebetsleben anwenden. Wollen wir verdienen, zur Kontemplation erhoben zu werden, müssen wir uns zuerst demütig auf den letzten Platz unter den anderen geistlichen Menschen setzen.

Auf diesem letzten Platz ist es gut, die besseren und schnelleren Mittel, um zur vollkommenen Vereinigung zu gelangen, zu ersehnen. Doch sollen wir uns vor jeder überheblichen Anstrengung hüten, sie uns selbst verschaffen zu wollen.

Frage: Wie kann ich in meinem Gebetsleben lernen, Demut zu üben, ohne den Wunsch nach spiritueller Vertiefung zu verlieren?

Faustina über die Demut

Über einer demütigen Seele stehen die Schleusen des Himmels offen und ein Meer von Gnaden strömt auf sie nieder.

Wie schön ist eine demütige Seele; aus ihrem Herzen steigt, wie aus einem Weihrauchgefäß, lieblicher Duft auf und dringt durch die Wolken bis hin zu Gott, um Sein Heiligstes Herz zu erfreuen.

Einer solchen Seele versagt Gott nichts; sie ist allmächtig, sie beeinflusst das Schicksal der ganzen Welt. Gott erhebt sie bis zu Seinem Thron.

Je mehr sie sich demütigt, umso mehr neigt sich Gott herab zu ihr. Er verfolgt sie mit Seinen Gnaden und begleitet sie jederzeit mit Seiner Allmacht.

Solche Seelen sind mit Gott am tiefsten verbunden. O Demut, verwurzele dich tief in meinem ganzen Wesen.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich bewusst Demut üben, um mich tiefer mit dem Göttlichen zu verbinden?

Jesus als Vorbild

Jesus war der vollkommene, um dieses Thema zu lehren, weil er es vollkommen erfüllte. Er ist das ultimative Beispiel für jemanden, der den höchsten Platz verdient , aber den niedrigsten Platz eingenommen hat und dem der höchste Platz gewährt wurde (Phil 2:5-11).

Gesehen zu werden ist heilsam

Nicht nur die Schönen und Reichen wollen gesehen werden – und noch viel mehr, wie die Pharisäer hier. Es ist ein grundlegendes Bedürfnis von uns allen, nicht nur äußerlich wahrgenommen, sondern auch anerkannt und angenommen zu werden.

Jesus zeigt uns, wie stark dieses Bedürfnis unser Leben beeinflusst und wie wohltuend es ist, wenn wir echte Anerkennung erfahren. Dabei geht es nicht darum, vordere Plätze, Lob oder Wertschätzung abzulehnen, wenn sie uns zustehen. Falsche Bescheidenheit oder übertriebene Demut sind hier nicht gefragt.

Vielmehr geht es darum, unsere Mitmenschen mit barmherzigen Augen zu betrachten und ihnen die Würde entgegenzubringen, die ihnen zusteht. Wie wunderbar der Gastgeber im Evangelium ist, der seinen Gast achtet und zu ihm sagt: „Mein Freund, komm in meine Nähe, du bist mir wichtig, rück weiter hinauf.“

Frage: Wie kann ich heute jemanden in meinem Leben bewusst mit der Würde und Anerkennung begegnen, die ihm oder ihr zusteht?

Andacht von Papst Franziskus

Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz.

Mit diesem Ratschlag will Jesus keine gesellschaftlichen Verhaltensnormen vorlegen, sondern eine Lehre über den Wert der Demut geben. Die Geschichte lehrt, dass Stolz, Strebertum, Eitelkeit und Prahlerei die Ursache vieler Übel sind.

Jesus lässt uns die Notwendigkeit verstehen, den letzten Platz zu wählen – das heißt, Kleinheit und Verborgenheit zu suchen: die Demut. Wenn wir vor Gott diese Haltung der Demut einnehmen, dann erhöht uns Gott. Er beugt sich über uns, um uns zu ihm zu erheben.

Vergessen wir nicht: Gott entlohnt viel großzügiger als die Menschen! Er gibt uns einen weit schöneren Platz als den, den uns die Menschen geben. Der Platz, den Gott uns gibt, ist nahe bei seinem Herzen, und sein Lohn ist das ewige Leben.

Papst Franziskus

Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du bewusst den „letzten Platz“ wählen und dich der Demut öffnen, um Gottes Nähe zu erfahren?

Vers 11 Stolze sinken, Demütige steigen

Lk 14,11: Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Gefahr der Überheblichkeit

Wie nahe liegt auch die Versuchung, sich über andere zu erheben? Wie nahe liegt die Gefahr, stolz und überheblich zu werden?

Oder von oben herab auf andere zu schauen, sie zu verachten und zu meiden?

Wie viele Probleme, Auseinandersetzungen und Streitigkeiten haben darin ihren Grund, dass sich jemand übervorteilt, nicht genügend beachtet, sich zurückgesetzt oder übergangen fühlt?

Wie viel Missgunst, Neid und Eifersucht haben hier ihre Wurzeln?

Frage: In welchen Momenten erkenne ich bei mir selbst die Tendenz, andere zu beurteilen, und wie könnte ich stattdessen Mitgefühl kultivieren?

Zur Selbsterniedrigung

Selbsterniedrigung ist Demut, ist wissen, dass ich Geschöpf bin vor dem Schöpfer, dass ich nichts aus mir selber bin und habe und dass ich immer angewiesen bin auf Gottes Barmherzigkeit.

Demut ist der Mut zur eigenen Wahrheit, Mut, sich zu sich selbst zu bekennen. Wo dieser Mut fehlt, da müssen Lüge, Prahlerei und Stolz in die Bresche springen.

Demütig ist der Mensch, der weiß, dass dieses Leben mit all seinen Möglichkeiten Geschenk ist. Demütig ist der Mensch, der noch bitten und danken kann. Demütig ist der Mensch, der weiß, wie liebe-bedürftig, gabe-bedürftig, gnade-bedürftig er ist. Das macht gütig und großzügig, liebevoll und barmherzig auch anderen gegenüber.

Aber Achtung: Wir können den niedrigen Platz wählen und sanftmütig und demütig handeln, damit andere bemerken, wie demütig wir sind. Dies ist eine subtile Form des spirituellen Stolzes, die sehr gefährlich ist.

Frage: In welchen Momenten erkenne ich bei mir selbst den feinen Unterschied zwischen wahrer Demut und dem Wunsch, Demut zur eigenen Bestätigung zu zeigen?

Wahre Demut

Jesus stellt sich im ganzen Evangelium nur ein einziges Mal explizit als Vorbild hin, als er sagte: "Lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig." (Mt 11, 29)

Auch hier möchte er uns Menschen wieder zeigen, wie wichtig diese göttliche Eigenschaft der Demut, des Sich-Erniedrigens, ist. Gott erniedrigt sich, wird Mensch und stirbt sogar am Kreuz, um die Menschen zu erlösen. Wessen könnten wir uns also vor Gott rühmen? Welchen "Ehrenplatz" könnten wir von ihm einfordern?

Erkennen wir also unsere Wahrheit als erlösungsbedürftiges Geschöpf vor Gott an und tragen wir hilfsbereit und mutig zur Erlösung unserer Mitmenschen bei. Wenn wir uns so auf dem "untersten Platz" einfinden, dann werden wir tatsächlich erhöht werden. Nicht in den Augen der Welt, aber dem Herzen nach. Denn dann sind wir Gott ein ganzes Stück ähnlicher.

Mathias Reimer

Frage: Wo in meinem Leben kann ich mehr Demut üben, um Gottes Nähe und die Liebe zu meinen Mitmenschen bewusster zu erfahren?

Das Du

Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Verstehe ich diese Worte? Verstehe ich, dass es hierbei nicht um falsche Höflichkeit geht, sondern darum, das „Du“ über das „Ich“ zu stellen, die Bedürfnisse des anderen über die eigenen?

Wann habe ich das letzte Mal meine alte Tante besucht, um mir zum wiederholten Mal ihre Geschichten anzuhören? Wann habe ich das letzte Mal auf meinen verdienten Fernsehabend verzichtet, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen?

Hier geht es nicht um Anerkennung. Die Wenigsten sehen, was eine Mutter alles aufopfert, um ihre Kinder großzuziehen, wie viel Liebe und Geduld sie ihnen schenkt, wie sie sich verschenkt. Die Wenigsten sehen, wie viel Hingabe es braucht, um seinen alten Vater zu pflegen, um bei ihm zu sein, so wie er früher für einen selbst da war.

Die großen Dinge passieren oft im Verborgenen. Es geht nicht um Ehre, die die Welt gibt, es geht um die bedingungslose Liebe. Es geht darum, über sich selbst hinauszuwachsen und sein Ego hinter sich zu lassen.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute Liebe und Hingabe zeigen, ohne auf Anerkennung zu hoffen?

Andacht von Franziskus zur Demut

Die Demut ist der Weg zum Himmel. Das lateinische Wort für Demut, humilitas, hat mit dem Humus, dem „Erdboden“, zu tun. Das ist paradox: Um nach oben, in den Himmel, zu kommen, muss man unten auf dem Boden bleiben.

Jesus lehrt: „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 14,11). Gott erhöht uns nicht wegen unserer Gaben, unseres Reichtums, unserer Fähigkeiten, sondern wegen unserer Demut. Gott ist verliebt in die Demut.

Gott erhöht die, die sich erniedrigen, die dienen.

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag mehr Demut leben, um innerlich zu wachsen und näher zu Gott zu sein?

Gespräch mit Christus

Liebster Jesus, ich diene oft nur mir selbst und meinem Ehrgeiz, du aber willst, dass ich den Wunsch habe, anderen zu dienen.

Hilf mir mehr auf das zu achten, was wirklich zählt ‐ zu lieben ‐ als auf weltliche Ehrenpreise, die nur meine Selbstsucht befriedigen wollen.

Demut verlangt Mut. Andererseits ist sie auch selbst Quelle der Stärke.

Jesus, hilf mir heute, diesen Mut aufzubringen und allein vor dir zu leben. Herr, hilf mir zu verstehen, was es bedeutet, zu lieben.

Hilf mir, mein eigenes Ich nicht so ernst zu nehmen. Schenke mir den Blick, der auf den anderen gerichtet ist, die Hände, die anderen Hilfe anbieten und das Herz, welches sich verschenkt und beschenkt werden kann.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich die Chance, mich selbst loszulassen und wirklich aus Liebe zu handeln?

Vers 12 Lade nicht Reiche ein

Lk 14,12: Er sagte aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn ein, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir vergolten wird.

Vorgehen mit Kalkül ?

Es scheint, Jesus hat ein Problem damit, dass wir in unseren Handlungen oft mit Kalkül vorgehen: Was habe ich davon? Was bringt mir das? Natürlich ist es schön, auch bei meinen Nachbarn zum Essen eingeladen zu werden – aber sollte das wirklich mein Beweggrund sein? Mariano Ballestrem

Vers 13 Lade Arme, Krüppel ein

Lk 14,13: Bitte lieber die Armen, Verkrüppelten, Gelähmten und Blinden an deinen Tisch.

Gott erwählt das Schwache

Die Hochmütigen bringt er zu Fall. Gerade als fest im Glauben stehende und verankernde Christen sollten wir uns vor der Hochmut hüten, ständig der Liebe zugeneigt.

Ich muss da immer wieder aufpassen: Sie arbeiten mit behinderten Menschen. Oh toll! Sie schreiben täglich diese christlichen Impulse. Oh toll. Was bin ich für ein toller Mensch. Und Zack, bin ich ausgeladen.

Die Demut im Sinne des Erkennens der eigentlichen Menschlichkeit ist die Eintrittskarte zum königlichen Hochzeitsmahl.

Gott sucht sich nicht den vollkommensten Menschen, um sich mit ihm zu verbinden, sondern er nimmt menschliches Wesen an, wie es ist. Bonhoeffer

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich mehr Demut üben, um die Liebe freier fließen zu lassen?

Großzügig sein

Er will uns lehren, was es heißt, großzügig zu geben. Alles Gute, das wir tun, auch dem Geringsten, zählt, denn der Lohn dafür wird groß sein im Himmelreich.

Er will uns aber lehren, großzügig zu geben, ohne Zinsen zu verlangen, denn es ist leicht, Menschen zu geben, die uns etwas zurückzahlen können. Schwieriger ist es, Mitmenschen etwas zu schenken, was sie uns nicht zurückzahlen können.

Jesus motiviert uns, alles zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Aber er selbst sagt uns, dass wir dabei nicht um unseren Lohn gebracht werden. Dieser Lohn wird nicht hier in dieser Welt oder aus etwas von dieser Welt bestehen: Er wird im Himmelreich sein.

Jedes Opfer, jeder Verzicht und jede Hingabe unsererseits ist es wert, eines Tages dafür als Belohnung jene Wohnung zu erhalten, die Jesus uns im Haus des Vaters bereitet.

João Paulo Jäger

Frage: Wie kann ich heute in meinem Leben großzügig sein, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten, und welche innere Fülle könnte mir das schenken?

Gespräch mit Christus

Herr Jesus, hilf mir, so großzügig zu sein, wie du es warst. Hilf mir, mich meinen Brüdern zu schenken, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Herr, ich möchte in jedem Menschen dein Gesicht sehen. Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Liebe zu den Menschen.

Die Freude des Schenkens

In diesem Evangelium führt uns Jesus tiefer in die Denkweise Gottes hinein. Wir hören, dass wir bedürftige Leute ohne Gegenleistung zum Essen einladen sollen. Das erscheint als anspruchsvolle Forderung, die uns einiges abverlangt.

Wenn man aber einmal mit Gottes Augen auf uns und ihn schaut, dann ist doch Gott derjenige, der uns einlädt. Er lädt uns ein zum Leben, zu jedem einzelnen Tag, und zur Speise, die er selber ist.

Wir sind die Armen und Blinden, die ihm das nie vergelten können, und Gott hat große Freude daran, uns zu beschenken.

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Wie kannst du in deinem Alltag die Einladung Gottes wahrnehmen und seine Freude am Geben für dich spüren?

Lade die Armen ein

Bewegt von der großen Not des Menschen, gab Gott ihm das Gesetz und die Propheten, nachdem er ihm das ungeschriebene Naturrecht gegeben hatte. Schließlich gab er sich selbst für das Leben der Welt dahin.

Er hat uns großzügig beschenkt mit Aposteln, Evangelisten, Lehrern, Hirten, Heilungen und Wundern. Er hat uns wieder lebendig gemacht, den Tod vernichtet, über den triumphiert, der uns besiegt hatte, uns den Bund des Vorausbildes geschenkt, den wahren Bund, die Gaben des Heiligen Geistes, das Mysterium des neuen Heils.

Gott überschüttet uns mit geistlichen Gütern, wenn wir sie nur annehmen wollen. Zögere also nicht, denen zu Hilfe zu kommen, die Hilfe brauchen. Vor allem gib dem, der dich bittet, ja noch bevor er dich bittet, und spende unermüdlich geistliche Lehre.

Hast du diese Gaben nicht, dann biete ihm wenigstens bescheidenere Dienste an: Gib ihm zu essen, biete ihm alte Kleidung an, versorge ihn mit Arzneien, verbinde seine Wunden, frage ihn nach seinem Missgeschick, lehre ihn Geduld. Nähere dich ihm ohne Angst. Fürchte nicht, dass du dir dadurch schaden oder dass du dich anstecken könntest.

Stütze dich auf den Glauben; die Nächstenliebe triumphiere über deine Scheu. Achte deine Brüder nicht gering, bleib nicht taub für ihre Rufe, geh ihnen nicht aus dem Weg. Ihr seid Glieder desselben Leibes, auch wenn er durch Unglück zerbrochen ist. Ebenso wie Gott ist auch dir der Arme anvertraut.

Gregor von Nazianz

Frage: Wie kannst du heute jemandem begegnen, der Hilfe braucht, und dabei zugleich dein eigenes Herz öffnen?

Vers 14 Gott belohnt dich dafür

Lk 14,14: So wirst du glückselig sein; denn weil sie es dir nicht vergelten können, wird es dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Wie wir Gutes tun sollten

Wir sollen also nicht unter dieser Hoffnung den Anderen Wohltaten erweisen, daß sie uns vergelten. Denn dies ist eine kalte Absicht; daher verschwindet eine solche Freundschaft umso schneller.

Wenn du aber einen Armen einlädst, so wirst du an Gott einen nie vergessenden Schuldner haben. Denn je geringer der Bruder ist, desto mehr naht sich und sucht Christus durch ihn heim; denn wer einen Großen aufnimmt, nimmt ihn oft wegen der eitlen Ehre auf.

Aber öfter wird auch der Nutzen gesucht, um durch ihn emporzukommen. Entsetzen wir uns also nicht, wenn wir keine Vergeltung für die Wohltat empfangen, sondern vielmehr, wenn wir eine empfangen; denn wenn wir sie erlangen, werden wir nicht mehr dort empfangen, sondern Gott wird dir vergelten, wenn dir der Mensch nichts vergilt.

Goldene Perle

Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du Wohltaten aus reinem Herzen geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, und wie würde sich das auf deine spirituelle Verbindung auswirken?

Die Liebe rechnet nicht

Gott rechnet nicht. Er selbst lädt zu seinem Gastmahl die ein, die nichts verdient haben und nichts vergelten können: die Armen und die Krüppel, die Lahmen und die Blinden von Vers 13 kommen im nachfolgenden Gleichnis (14,15-24) wieder vor.

Das Tun der Jünger soll das Tun Gottes widerspiegeln; Gottes eigene, selbstlos schenkende Liebe soll im Jünger sichtbar werden.

Aber steht am Ende (V. 14) nicht doch die Erwartung des Lohns? Sicher wird hier ein Lohn verheißen, aber doch nur dem, der nicht um Lohn arbeitet.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens kannst du die selbstlose Liebe Gottes wirken lassen, ohne an eine Gegenleistung zu denken?

Er will uns lehren, was es heißt, großzügig zu geben

Alles Gute, das wir tun, auch dem Geringsten, zählt, denn der Lohn dafür wird groß sein im Himmelreich. Er will uns aber lehren, großzügig zu geben, ohne Zinsen zu verlangen, denn es ist leicht, Menschen zu geben, die uns etwas zurückzahlen können. Schwieriger ist es, Mitmenschen etwas zu schenken, was sie uns nicht zurückzahlen können.

In einer so materialistischen Welt großzügig zu sein, bedeutet oft, uns selbst und unseren Egoismus überwinden zu müssen. Es ist leicht, sich nur um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern, ohne auf die Bedürfnisse unserer Brüder und Schwestern zu achten, aber die Freude am Geben ist größer als wenn man sich die Dinge nimmt, wie der Heidenapostel Paulus so schön sagte.

Der Erste, der uns ein Beispiel für die totale Selbsthingabe gibt, ist Jesus selbst, der, als er am Kreuz für uns starb, sich aus Liebe ganz hingab. Auch sollen wir lernen, was es heißt, sich jeden Tag selbst abzusterben, um unserem Nächsten zu dienen.

Frage: Wie kann ich heute eine Handlung der selbstlosen Liebe setzen, die über materielle oder sichtbare Belohnungen hinausgeht?