Lk 13, 10-17
Jesus heilt verkrüppelte Frau
Auslegung und Andacht
Lk 13, 10-17 im Überblick: Eine detaillierte Erklärung zu Lukas 13, 10 bis 17. Lerne die Aussagen über die Heilung der verkrüppelten Frau besser kennen und ziehe wertvolle Erkenntnisse für dein Leben.
Inhaltsverzeichnis
Lk 13, 10-11 Seit 18 Jahren verkrümmte Frau
Lk 13,10: Er lehrte aber in einer der Synagogen am Sabbat.
Lk 13,11: Da war eine Frau, die seit 18 Jahren einen Geist der Krankheit hatte, und sie war verkrümmt und konnte sich gar nicht aufrichten.
Jesus sieht eine kranke Frau
Ihre Krankheit kann man auch symbolhaft verstehen als Bild des Menschen, der durch die Sünde und den Einfluss unreiner Geister vor Gott nicht mehr aufrecht stehen kann und wie in sich selbst verkrümmt ist, das heißt, er sieht nur noch sich.
Die Frau bittet Jesus nicht um Heilung – vielleicht weiß sie gar nicht, wer er ist, da ihr Horizont so eingeschränkt ist. So geht es vielen Menschen.
Frage: Wo in meinem Leben fühle ich mich eingeengt oder verkrümmt, und wie könnte ich den Blick wieder über mich hinaus öffnen?
Bild des Gebeugtseins
Sie war gebeugt und konnte nicht emporschauen, weil sie vergeblich den Ruf hörte: Erhebt eure Herzen.
Denn jeder Sünder, der an das Irdische denkt und das Himmlische nicht sucht, vermag nicht emporzublicken. Wer seinen niedrigen Begierden folgt, wird von der Geradheit seines Zustandes oder seiner Seele gekrümmt.
Goldene Kette
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich, dass ich mich selbst durch meine Wünsche niederhalte, und wie kann ich mich öffnen, um das Höhere zu erkennen?
Lk 13, 12 Jesus sieht und ruft sie
Lk 13,12: Als nun Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, du bist erlöst von deiner Krankheit!
Ein Herz, das von Mitleid bewegt wird.
Seit achtzehn Jahren leidet die Frau, die Jesus heilt. Trotz dieser langen Zeit des Schmerzes hält sie an ihrem Glauben fest und geht am Sabbat in die Synagoge. Gerade durch ihre Anwesenheit dort bekommt sie die Möglichkeit, von Jesus zu sich gerufen zu werden.
Sicherlich mischen sich in ihrem Glauben auch Hilflosigkeit und Verzweiflung. Dennoch zeigt sich die Kraft ihres Vertrauens, die sie in dieser schweren Situation trägt. Jesus jedoch wird von tiefstem Mitleid bewegt; es drängt ihn, dieser Frau zu helfen. Sein Kommen in die Welt hat den Zweck, die Menschen zu erlösen.
Frage: Welche kleinen oder großen Momente des Glaubens tragen dich in Zeiten der Hilflosigkeit und des Schmerzes?
Frau, du bist erlöst
Es war ein völlig unerwartetes Wunder. Die Frau hatte nicht darum gebeten. Vielleicht hatte sie geahnt, dass Jesus in ihr Dorf kommen würde, und tat deshalb ihr Möglichstes, um in der Synagoge einen Platz zu finden, an dem sie ins Blickfeld des Meisters geriet.
Außerdem machte sie sich nicht durch Rufe auf sich aufmerksam wie andere, die auch geheilt worden waren, sondern blieb still. Jesus aber bemerkte nicht nur ihre Anwesenheit, sondern erkannte auch ihr Innerstes, ihr brennendes Verlangen nach Befreiung, und vertrieb die Krankheit mit nur einem Wort: Du bist erlöst.
Jesus lehrt uns auf diese Weise, dass Erbarmen die Antwort Gottes auf den Schmerz der Welt ist.
Die Geschichte der gebeugten Frau wiederholt sich bis heute. Wo immer jemand leidet, kann er den Trost der Gegenwart Christi erfahren, der mit dem Wunsch auf ihn blickt, seinen Schmerz auf sich zu nehmen.
Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich nach dieser stillen, heilenden Berührung Gottes?
Lk 13, 13 Handauflegung bringt Heilung
Lk 13,13: Und er legte ihr die Hände auf, und sie wurde sogleich wieder gerade und pries Gott.
Vier Möglichkeiten, den anderen aufzurichten
Lukas erzählt in der Heilung der gekrümmten Frau vier Bedingungen, damit der andere sich aufrichten kann:
Wir sehen ihn an und schenken ihm Ansehen.
Wir sprechen ihn an, wir sprechen mit ihm auf gleicher Augenhöhe, anstatt auf ihn einzureden.
Wir sprechen ihm etwas zu, was wir an Gutem in ihm sehen.
Wir berühren ihn, damit er mit sich selbst in Berührung kommt. Wir berühren nicht nur mit den Händen. Wir können den anderen auch durch Worte berühren, so dass er mit der eigenen Kraft in Berührung kommt.
Frage: In welchen Momenten habe ich selbst erlebt, dass echte Aufmerksamkeit und Berührung – sei es durch Worte oder Gesten – mich aufrichten und meine innere Kraft wecken konnten?
Heilende Hände
Jesus legt der leidenden Frau die Hände auf. Diese schöne Geste ist leider in der Kirche nicht mehr weit verbreitet. Es ist eine heilige und heilende Geste.
Jede liebevoll gereichte Hand, jedes Streicheln, Umarmen, Händereichen und Auflegen ist wohltuend und tröstend. Jeder Mensch braucht spürbare Nähe. Das zeigt sich besonders deutlich in der Familie, vor allem bei Kindern, die die Nähe der Eltern suchen und die leitende Hand als Sicherheit brauchen, um ins Leben zu gehen.
Wie oft haben wir schon erlebt, dass es hilft, einfach eine Hand zu spüren. Schenken wir unsere Hand, damit sie heilsam und segensreich wird für andere.
Frage: Wann habe ich zuletzt bewusst jemandem meine Hand gereicht, um Trost oder Halt zu schenken, und wie hat sich das angefühlt?
Lk 13, 14-17 Jesus tadelt Heuchelei
Lk 13,14: Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und er ergriff das Wort und sprach zu der Volksmenge: Es sind sechs Tage, an denen man arbeiten soll; an diesen kommt und lasst euch heilen, und nicht am Sabbattag!
Motivationen und Rechtfertigung
Im Evangelium begegnen wir einem Mann mit einem verschlossenen Herzen. Er hält starr am Gesetz fest, achtet auf seine Rechte und Pflichten, auf alles, was seiner Kontrolle unterliegt. So erfüllt er zwar seine Aufgabe als Synagogenvorsteher genau, doch ohne Liebe.
Statt dass sein Handeln zu einem Dienst am Haus Gottes wird, dient es seinem eigenen Egoismus. Er lebt die Tradition und unterstützt die Institution, ohne zu bedenken, für wen die Tradition eigentlich da ist und wem die Institution dienen soll. Sie existieren nicht für sich selbst, sondern sind dazu da, Menschen zu Gott zu führen.
Für unseren Mann jedoch stehen andere Werte an erster Stelle.
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich Tradition oder Pflicht hinterfragen, um wieder mit Herz und Liebe zu handeln?
Lk 13,15: Der Herr nun antwortete ihm und sprach: Du Heuchler, löst nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe und führt ihn zur Tränke?
Lk 13,16: Diese aber, eine Tochter Abrahams, die der Satan, siehe, schon 18 Jahre gebunden hielt, sollte sie nicht von dieser Bindung gelöst werden am Sabbattag?
Lk 13,17: Und als er das sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt; und die ganze Menge freute sich über all die herrlichen Taten, die durch ihn geschahen.
Häufige Fragen zu Lk 13, 10-17
Was bedeutet Lk 13, 10-17?
Dieser Abschnitt schildert die Heilung einer seit achtzehn Jahren verkrümmten Frau durch Jesus an einem Sabbat in einer Synagoge. Das Geschehen deckt die Gesetzlichkeit der religiösen Obrigkeit auf und offenbart, dass das Gebot der Nächstenliebe und die Befreiung des Menschen aus den Fesseln des Bösen das wahre Wesen des Sabbats ausmachen.
Welches Leiden hat die Frau und wie heilt Jesus sie?
Eine Frau ist seit achtzehn Jahren von einem Geist der Krankheit geplagt, völlig gekrümmt und außerstande, sich aufzurichten. Als Jesus sie sieht, ruft er sie zu sich, spricht ihr die Befreiung von ihrem Leiden zu, legt ihr die Hände auf, und sogleich richtet sie sich auf und preist Gott.
Warum rüstet der Synagogenvorsteher gegen die Heilung und wie reagiert er?
Der Synagogenvorsteher ist ungehalten darüber, dass Jesus am Sabbat heilt, und sagt zur Volksmenge, dass es sechs Tage gebe, an denen man arbeiten solle; an diesen solle man kommen und sich heilen lassen, nicht aber am Sabbattag.
Wie entlarvt Jesus die Heuchelei des Synagogenvorstehers?
Jesus nennt ihn und die Umstehenden Heucheler und verweist auf ihre eigene Alltagspraxis: Jeder löst am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe und führt ihn zur Tränke. Um wie viel mehr musste diese Tochter Abrahams, die der Satan achtzehn Jahre gebunden hielt, am Tag des Sabbats von dieser Fessel gelöst werden.
Was ist die zentrale Botschaft von Lk 13, 10-17?
Der Abschnitt zeigt, dass der Sabbat von Gott als ein Tag des Heils, der Wiederherstellung und der Befreiung zum Leben gestiftet wurde. Die Gegner Jesu werden durch sein Wort beschämt, während das ganze Volk sich über all die herrlichen Taten freut, die durch ihn geschehen.
Lk 13, 1-9 Umkehr und Fruchtbringen
Lk 13, 18-21 Gleichnisse vom Reich Gottes