Lk 11, 27-28 Gottes Wort hörend bewahren

Vers 27 Frau preist Jesu Mutter

Lk 11,27: Es geschah aber, als er dies redete, da erhob eine Frau aus der Volksmenge die Stimme und sprach zu ihm: Glückselig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast!

Selig die Frau, deren Leib dich getragen! 

Was die Frau gesagt hat, war richtig. Die Mutter Jesu verdient es, geehrt zu werden.

Maria war im Plan Gottes keine „Leihmutter“, so als ob sie sich des Kindes zu entledigen gehabt hätte oder ihr Dienst nur ein äußerlicher gewesen wäre. Nein, nein, nein!

Maria ist wahre Mutter Jesu, Mutter des Sohnes Gottes. Nur durch ihr „Ja“ konnte Gott Mensch werden.

Jesus und Maria sind ein Fleisch und ein Blut. Jesus ist wahrer Sohn Marias, damals, heute und in Ewigkeit.

Anton Stehmer

Frage: Wie offen bin ich in meinem eigenen Leben dafür, Gottes Plan mit einem ehrlichen „Ja“ anzunehmen?

Ein Lob in den höchsten Tönen

Die stärkste Seligpreisung – indogermanisch bedeutet Seligkeit „Glück“ und „Heil“ – , die eine Frau aussprechen kann, ist doch wohl, die Mutter dessen selig zu preisen, der den gerade Angesprochenen und Gepriesenen zur Welt gebracht und aufgezogen hat.

Aus Ergriffenheit über Jesu Worte ruft diese Frau daher aus der Menge. Man kann hierin einen gewissen Anklang an Elisabeths Ausruf beim Besuch Mariens hören: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen und die Frucht deines Leibes“, so Christoph Kunkel.

Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben die Quelle von Segen und Wertschätzung für diejenigen anerkennen, die dich geformt und begleitet haben?

Vers 28 Selig sind Gottes Hörer

Lk 11,28: Er aber sprach: Glückselig sind vielmehr die, die Gottes Wort hören und es bewahren!

Glückselig

Wer Jesus begegnet und sein Wort hört, empfängt eine neue Fähigkeit zur Freude, eine neue Freiheit zum Wort. Das hat die Frau erfahren, die auf einmal nicht mehr schweigen konnte und die Mutter Jesu glücklich preisen musste. Die Ehrung der Mutter gilt in Wirklichkeit Jesus selbst. Seine Antwort ist keine Zurückweisung, sondern eine Klarstellung, und zwar nach zwei Richtungen:

1. Maria ist glücklich zu preisen nicht schon deshalb, weil sie die leibliche Mutter Jesu ist, sondern weil sie zu denen gehört, „die das Wort Gottes hören und es befolgen“;

2. Maria ist die vollkommene Hörerin des Wortes, aber sie ist nicht die einzige; alle, die das Wort Gottes hören und es befolgen, haben Gemeinschaft mit Jesus, und sie alle sind glücklich zu preisen. Erzabtei Beuron

Selig, die das Wort Gottes aufnehmen

Es ist das Verdienst der Jungfrau Maria, Christus in ihrem Schoß empfangen zu haben, doch steht es allen Erwählten zu, ihn mit Liebe in ihrem Herzen zu tragen.

Selig, ja überselig ist die Frau, die Jesus neun Monate lang in ihrem Leib getragen hat (vgl. Lk 11,27). Selig aber sind auch wir, wenn wir darauf achten, ihn unablässig in unserem Herzen zu tragen.

Sicherlich war die Empfängnis Christi im Schoß Mariens ein großes Wunder, aber es ist kein geringeres Wunder, dass er Gast in unserem Herzen wird. Das ist die Bedeutung des Zeugnisses von Johannes: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten“ (Offb 3,20).

[…] Auch hier, meine Brüder, sollten wir bedenken, welche Würde wir haben und welche Ähnlichkeit mit Maria. Die Jungfrau empfing Christus in ihrem leiblichen Schoß, und wir tragen ihn im Schoß unseres Herzens. Maria hat Christus genährt, indem sie ihm die Milch ihrer Brüste gab, und wir können ihm das vielfältige Mahl guter Taten anbieten, das ihm so köstlich mundet.

Petrus Damiani

Frage: Wie offen ist mein Herz für die stille Gegenwart Christi, die in mir Wohnung nehmen will?

Andacht aus der goldenen Kette

Durch diese Antwort verschmähte er nicht die Mutter, sondern zeigte, dass ihr die Geburt nichts genützt hätte, wenn sie nicht sehr gut und gläubig gewesen wäre.

Wenn übrigens Maria es nichts nützte, ohne die Tugenden der Seele, da Christus von ihr geboren wurde, so kann es umso weniger uns etwas nützen, wenn wir einen tugendhaften Vater, oder eine tugendhafte Mutter, oder einen tugendhaften Sohn haben, aber seine Tugend nicht besitzen.

Frage: In welchem Maß lebe ich selbst aus dem Geist der Tugend, anstatt mich nur auf die Güte anderer zu stützen?

Maria, die zweimal Selige

Maria ist zwar selig, weil sie Jesus in ihrem Leib getragen und ihn an ihrer Brust genährt hat.
Aber noch seliger ist sie, weil sie das Wort Gottes gehört und befolgt hat.

Vom ersten Augenblick an hat sie an dieses Wort, das ihr vom Engel verkündigt wurde, geglaubt.
Und so hat in ihrem Leib das ewige Wort Gottes Fleisch angenommen.

Ich kann Christus zwar nicht in meinem Leib so tragen, wie ihn Maria während ihrer Schwangerschaft getragen hat,
wenn ich aber das Wort Gottes befolge, trage ich dieses Wort als unvergänglichen Samen in mir, der langsam reift.

Herr, lass dein Wort in mir wachsen bis zum ewigen Leben!
Benoît Terrenoir

Frage: Wie kann ich heute das Wort Gottes in mir tragen und wachsen lassen – so wie Maria es in ihrem Herzen bewahrt hat?