Lk 10, 38-42 Maria und Marta: Auslegung und Andacht
Lk 10, 38-42 im Überblick: Eine Vers-für-Vers-Betrachtung der Begebenheit bei Maria und Marta in Lukas 10, 38 bis 42. Entdecke die Bedeutung des Abschnitts und seine Relevanz für dein persönliches Leben.
Inhaltsverzeichnis
Vers 38 Marta nimmt Jesus auf
Lk 10,38: Eine Frau namens Marta nahm ihn [Jesus] auf in ihr Haus.
Einleitende Worte
Die Geschichte von Maria und Marta kommt direkt nach dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, weil sie uns begreiflich machen will, dass Nächstenliebe ohne die Bindung an Jesus ins Leere läuft. Das ist der Kern der Erzählung.
Maria und Marta verkörpern hier zwei Seinsweisen. Das Gebet und das Tun, das Hören auf Gott und der Dienst am Nächsten, Aktion und Kontemplation. Beides gehört zum Leben, ist letztlich sogar gar nicht trennbar, wo mein Gebet zum Leben wird und mein Leben zum Gebet.
Dennoch: es geht um eine Prioritätensetzung. Wir müssen zuallererst erst Maria sein, d.h. zu Füßen des Herrn sitzen. Wir dagegen sind häufig nur die aktive Marta, abgelenkt und eingenommen durch die Aufgaben des Alltages.
So nahm die Magd den Herrn, die Kranke den Erlöser, das Geschöpf den Schöpfer auf. O die Seligen, welche Christum in ihr eigenes Haus aufzunehmen verdienten! Goldene Kette
Die Sorge des Dienstes bringe dich nicht von der Erkenntnis des himmlischen Wortes ab. Ambrosius
Frage: Wo in meinem Alltag verliere ich mich in der Aktivität, ohne wirklich bei Gott präsent zu sein?
Vers 39 Maria hört Jesus zu
Lk 10,39: Marta hatte eine Schwester, welche Maria hieß. Die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu.
Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen
Ich glaube, in diesem Evangelium geht es im Kern um eine Herzenshaltung. Können wir uns durch dieses Wort Gottes anrühren lassen, unserer Sehnsucht Raum schaffen, an Jesu Füßen sitzen zu wollen?
Maria konzentriert sich ganz auf den Herrn, sie sitzt nicht verträumt an seinen Füßen und bekommt einfach nichts anderes mehr mit. Sie fällt die Entscheidung, ganz präsent, 100% da zu sein und alles andere auf den 2. Platz zu stellen.
Bin ich bereit dazu? Ist mein Morgengebet eine Zeit, um liebend in seiner Gegenwart da zu sein oder eine Pflichterfüllung, die nur 15 min dauern soll?
Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute bewusst innehalten, um in der Gegenwart Gottes ganz präsent zu sein?
Zu Jesu Füßen sitzen
Maria setzte sich zu Füßen von Jesus. Das ist ein Akt der Demut gegenüber Jesus und in dieser Demut sollen auch wir seine Worte aufnehmen. Es ist ja nicht irgendein Wort, sondern das Wort, das im Anfang war und Gott war und Fleisch geworden ist. Zu den Füßen des Wortes soll es dich immer wieder hinziehen.
Ja, du kannst nicht tun, was er dir zugedacht hat, wenn du nicht in konkreter Verbindung mit ihm bist, wenn er dir so unentbehrlich ist, wie zum Leben das Essen, Trinken, Schlafen, Atmen. Bei all den vielen Dingen, die wir zu tun haben, vernachlässigen wir nie das Hören der Worte Jesus!
Zu Jesu Füßen zu sitzen impliziert die Bereitschaft, das anzunehmen und zu befolgen, was Jesus lehrt. Zu Jesu Füßen zu sitzen bedeutet, sich Jesus zu unterwerfen; Rebellion ist vorbei. Zu Jesu Füßen zu sitzen impliziert Glauben daran, wer Jesus ist. Zu den Füßen Jesu zu sitzen impliziert Jüngerschaft. Zu Jesu Füßen zu sitzen bedeutet Liebe.
Stellen Sie sich nicht vor, dass es eine sehr kleine, bedeutungslose Sache ist, zu Jesu Füßen zu sitzen. Es bedeutet Frieden, denn diejenigen, die sich Jesus unterwerfen, finden Frieden durch sein kostbares Blut.
Es bedeutet Heiligkeit, denn wer von Jesus lernt, lernt keine Sünde, sondern wird in schönen und guten Dingen unterwiesen.
Es bedeutet Stärke, denn die, die bei Jesus sitzen und sich von ihm nähren, sind mit seiner Stärke umgürtet; die Freude am Herrn ist ihre Stärke.
Es bedeutet Weisheit, denn diejenigen, die vom Sohn Gottes lernen, verstehen mehr als die Alten, weil sie seine Satzungen halten.
Es bedeutet Eifer, denn die Liebe zu Christus entzündet die Herzen, die davon leben, und die viel mit Jesus sind, werden wie Jesus, sodass der Eifer des Hauses des Herrn sie auffrisst.
Spurgeon
Frage: Welche Momente im Alltag laden mich ein, bewusst zu den Füßen Jesu zu sitzen und seine Gegenwart zu spüren?
Die Aufmerksamkeit des Herzens
Manchmal merke ich, wie schwer es geworden ist, still zu werden. Mein Handy piept, Nachrichten blinken auf, und schon ist mein Herz überall – nur nicht bei Gott.
Dabei ist genau das so wichtig: die Aufmerksamkeit des Herzens. Wenn ich innehalte, spüre ich, dass Gebet kein Tun ist, sondern ein Dasein. Einfach bei Gott sein. Ihn anschauen, ohne Worte. Es ist wie ein stilles Ja zu seiner Liebe.
Doch das passiert nicht zufällig – ich muss mich bewusst dafür entscheiden. Jede Minute, die ich Jesus schenke, ist ein kleiner Sieg über die Ablenkung. Bleib dran. Mit der Zeit wird aus dem stillen Dasein echte Freude. Denn wer verweilt, entdeckt: Bei Jesus zu sein, ist das Schönste überhaupt.
Frage: Wann hast du das letzte Mal einfach still vor Gott verweilt – ohne etwas zu sagen, nur um bei ihm zu sein?
Andacht von Papst Franziskus
In dieser Szene mit Maria von Bethanien zu Füßen Jesu zeigt der heilige Lukas die betende Haltung des Gläubigen, der es versteht, in der Gegenwart des Meisters zu bleiben, um ihm zuzuhören und mit ihm in Einklang zu treten.
Es geht darum, während des Tages innezuhalten, sich ein paar Minuten in der Stille zu sammeln, um Platz für den Herrn zu machen, der vorübergeht, und den Mut zu finden, abseits ein wenig mit ihm alleine zu bleiben, um dann gelassen und mit größerer Wirksamkeit zu den alltäglichen Dingen zurückzukehren.
Jesus lobt das Verhalten Marias, die „den guten Teil gewählt hat“ (V. 42), und scheint so jedem von uns zu sagen: „Lass dich nicht von den Dingen überwältigen, die zu tun sind, sondern höre zuallererst auf die Stimme des Herrn, um die Aufgaben gut zu erfüllen, die das Leben dir stellt.“
Frage: Wie kannst du heute bewusst einen Moment der Stille finden, um die Gegenwart des Herrn in deinem Alltag wahrzunehmen?
Vers 40 Marta beschwert sich
Lk 10,40: Marta aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt. Schließlich kam sie zu Jesus und fragte: Herr, siehst du nicht, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit überlässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!
Lk 10,40: Marta aber machte sich viel Arbeit damit, ihm zu dienen.
Vorbereitet sein
Jesus besucht uns bei vielen Gelegenheiten. Bei der Arbeit, in der Familie, bei unseren Freizeitaktivitäten, in der Heiligen Messe – und da besonders in der Eucharistie.
Lieber Jesus, lass mich ein guter Gastgeber sein, schenke mir ein bereites Herz und offene Ohren, wenn du zu mir kommst und mir deine Geschichte erzählen willst.
Bin ich ein guter Gastgeber? Höre ich zu? Lasse ich Jesus in mein Herz?
Richard Birnkammer
Frage: Welche Räume meines Lebens könnten offener werden, damit ich Jesus bewusster empfangen kann?
Das Problem von Marta
Es gibt viele Menschen, die in ihrem Dienst für den Herrn mürrisch und gereizt werden, wie es Martha war. Es ist leicht, auf alles zu schauen, was wir tun, und diejenigen zu kritisieren, die nicht so viel zu tun scheinen.
Aber Marthas wirkliches Problem war nicht Maria; es war Martha. Sie war abgelenkt und hatte ihre Augen von Jesus abgewandt.
Es gefällt Gott, wenn wir uns mühen, uns anstrengen, etwas gut zu machen. Die Unruhe des Geistes, grübelnde Gedanken, dagegen gefallen Gott nicht, denn der Herr möchte, dass wir mit unseren Grenzen und Schwächen Hilfe suchen bei seiner Kraft und Allmacht.
Wir sollten schlicht das tun, was in unserer Macht steht. Punkt. Wenn man sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, kann man den Rest dem überlassen, der die Macht hat, alles zu tun, was er will.
Daher Achtung: Wir dürfen uns nicht im reinen Aktivismus verlieren, sondern müssen uns in unserer Tätigkeit auch immer vom Licht des Wortes Gottes durchdringen lassen und so die wahre Nächstenliebe lernen, den wahren Dienst am anderen.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du lernen, dich mehr auf Gottes Führung zu verlassen, anstatt dich von Unruhe oder Perfektionismus treiben zu lassen?
Andacht von Spurgeon
Damit, dass Martha diente, machte sie keinen Fehler. Jeder Christ sollte im Stand der Dienstbarkeit stehen. Ich diene, sollte der Wahlspruch eines jeden Kindes aus der himmlischen Königsfamilie sein.
Auch, dass sie sich viel Arbeit machte, war nichts Unrechtes. Tun wir alles, was uns möglich ist! Kopf, Herz und Hand sollen im Dienst für den Meister Beschäftigung finden.
Es war keine Fehlleistung von Martha, emsig beschäftigt für den Meister eine Mahlzeit zuzubereiten. Sie hatte einen Sinn dafür, mit ganzem Herzen Gutes zu tun. Sie war glücklich darüber, einen so herrlichen und lieben Gast bewirten zu dürfen!
Aber sie hatte eben ihre Gedanken nur am Dienen. Es war nicht gut, dass sie sich ausschließlich viel Arbeit machte, ihm zu dienen und darüber Jesus vernachlässigte.
Spurgeon
Wir sollten Martha und Maria zugleich sein: arbeiten in Seinem Dienst und zugleich Seinen Umgang pflegen.
Frage: Wie kann ich meinen Dienst für andere so gestalten, dass ich gleichzeitig meine Verbindung zu Gott nicht vernachlässige?
Vers 41 Marta, du sorgst dich zu viel
Lk 10,41: Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles.
Jesus tadelt Marta
Jesus tadelt hier nicht den Martas Dienst am Nächsten, sondern tadelt, dass sie mit zu vielen Dingen beschäftigt ist, die sie durcheinander bringen und vom ihm als Quelle des Lebens wegziehen.
Das Tätigsein für den Nächsten wird hier nicht verurteilt, aber dein Tätigsein muss vom Geist der Kontemplation durchdrungen sein.
Es geht nicht darum, dass du dich um überhaupt nichts sorgen sollst, sondern um die Befreiung von jeglicher übertriebener Sorge und Ängstlichkeit, in die du eben dann gerätst, wenn du dich der Sache Gottes nicht annimmst.
Vinzenz Pallotti sagt: Nehmen wir uns der Sache Gottes an, dann wird auch Gott an uns denken.
Frage: Wie kann ich mein tägliches Handeln so ausrichten, dass es mich näher zu meiner inneren Quelle und zu Gott führt?
Franz von Sales zum Tadel von Marta
Seht, Marta hatte die gewiss lobenswerte Absicht, den Herrn aufmerksam zu bedienen. Trotzdem wurde sie vom göttlichen Meister getadelt, weil sie im Herrn doch mehr den Menschen sah und meinte, er gleiche den anderen, denen eine Speise, ein Gericht nicht genügt. In ihrer Aufregung suchte sie Orangen, Zitronen, Essig und alles Mögliche zusammen.
So trübte sie die erste, einfache Absicht, Gott zu lieben, durch verschiedene kleine Nebenabsichten. Deshalb tadelte sie der Herr: Marta, Marta, du sorgst und kümmerst dich um viele Dinge, obwohl „nur eines notwendig“ ist – eben das, was Maria erwählt hat und ihr nicht wird genommen werden.
Frage: Wo in meinem eigenen Leben könnte ich durch viele kleine Nebenabsichten die reine Absicht, Gott oder das Wesentliche zu lieben, aus den Augen verlieren?
Gegen Sorge und Unruhe
Bereite deine Seele jeden Morgen zur Stille vor. Achte darauf, deine Seele am Tag oft zu dieser Stille zu rufen. Sicher werden Dinge passieren, die dich ärgern. Das ist normal. Mache dir deswegen keine Vorwürfe. Nonstop gelassen geht nicht.
Unsere innere Unruhe entspringt dem Wunsch, die Ursache des Ärgers zu beseitigen. Dabei verschlimmert aber nichts so sehr das Übel wie Unruhe über den Ärger. Und häufig ist es schwer, die Ursache des Ärgers zu beseitigen.
Also, so oder so: Beruhige vor allem deinen Geist!
Frage: Welche kleinen Schritte kannst du heute unternehmen, um deine innere Stille bewusst zu bewahren, selbst wenn äußere Umstände unruhig sind?
Gegen die Atemlosigkeit
Ein Problem ist für viele in unserer schnelllebigen Zeit, dass wir vieles gleichzeitig machen müssen oder meinen zu müssen. Gerade Internet und Smartphone verführen dazu, noch mehr zu organisieren und zu planen, bzw. verplant zu werden.
Jeder scheint etwas von uns zu wollen und wir möchten niemanden enttäuschen oder das Gefühl geben, er sei für uns nicht wichtig. Und so haben wir nicht selten das Gefühl, überfordert zu sein, keine Luft mehr zu bekommen, im wahrsten Sinn des Wortes atemlos zu sein.
Durchatmen – das ist ein befreiender Begriff. Jeder verbindet ihn mit Lockerwerden, mit Ruhigwerden, mit Entspannung und Erleichterung.
Möchte ich das Gebet als Atempause erfahren? Wenn ja, dann bin ich aufgefordert, mir dafür eine Zeit zu suchen, in der ich es gut in meinen Tagesablauf integrieren kann.
Frage: Wo in meinem Alltag kann ich bewusst innehalten, durchatmen und mein inneres Gleichgewicht wiederfinden?
Das Sich-Verlieren in Tätigkeiten
Wir lassen uns von vielen Tätigkeiten vereinnahmen, die uns nicht immer zufriedenstellen. Unser Tun hat oft mit praktischen, konkreten Dingen zu tun. Wir müssen Verantwortung für zahlreiche Verpflichtungen übernehmen, Probleme lösen und Anstrengungen auf uns nehmen.
Und doch spüren wir oft, dass uns das Zuviel an Tun keine Erfüllung schenkt, sondern uns in einen Strudel zieht, der uns benommen macht, uns die Gelassenheit nimmt und uns daran hindert, das wirklich Wichtige in unserem Leben zu leben.
Dann fühlen wir uns müde und unzufrieden. Die Zeit scheint sich in tausend praktischen Dingen zu verlieren, die uns jedoch die Antwort auf den letzten Sinn unseres Daseins schuldig bleiben. Andacht von Papst Leo
Frage: Welche Tätigkeiten in meinem Leben rauben mir die Gelassenheit, und wie kann ich Raum für das schaffen, was mir wirklich Erfüllung gibt?
Vers 42 Maria wählte das Beste
Lk 10,42: Nur eines aber ist wirklich wichtig und gut! Maria hat sich für dieses eine entschieden und das kann ihr niemand mehr nehmen.
Was war das Wichtige?
In Ruhe bei Jesus verweilen und sein Wort hören! Alles andere wird vergehen, doch sein Wort ist ewig und verleiht unserem alltäglichen Tun Sinn.
Sich eng an den Herrn halten, ihn um seine Liebe bitten. Nur aus dieser Haltung sollten wir in die Welt gehen. Wer nur Gott gehört, sucht nur ihn und bleibt inmitten all der Widerwärtigkeiten des Lebens in Frieden.
So bitten wir mit den Worten von Chrysostomus: Herr, lehre uns, so zu leben, wie es uns gut tut: uns weder ständig unter die Menge zu mischen, noch die Menge immer zu meiden, sondern beides in nützlicher Weise zu tun. Wir brauchen die Gemeinschaft. Aber die Einsamkeit ist gut, wenn es Zeit ist, Gott anzurufen. Lass uns in beidem ein gutes Maß finden.
Bonhoeffer schreibt: Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.
Frage: Wie kannst du heute Momente der Stille bei Gott finden, um gestärkt und in Frieden in der Welt zu handeln?
Wichtiges vom Dringenden unterscheiden
Maria war es wichtig, zuzuhören. Wie bei Marta kommt dabei auch in mir der Gedanke schnell auf, dass Maria dadurch die Arbeit vernachlässigt. Es ist aber ratsam, nicht durch Hektik, Sorgen und Mühen das Wichtige zu vergessen.
In einer anderen Übersetzung heißt es: „Maria hat das Bessere gewählt“. Dienen ist gut, dem Herrn zuzuhören scheint jedoch noch wichtiger zu sein.
Was ist dann wohl das Beste? Denken wir darüber nach! Jesus sagt: „Nur eines ist notwendig“.
Frage: Welche Aktivitäten in meinem Leben könnten warten, damit ich dem Wesentlichen mehr Aufmerksamkeit schenke?
Franz von Sales zu diesem Wichtigen
Diese ganz einfache Liebe, die uns bei allem, was wir tun, nur auf eines hinsehen und hinzielen lässt, nämlich auf das Verlangen, Gott zu gefallen, das ist Marias Teil, das ist das eine Notwendige, das ist die Einfachheit, die mit der Liebe unzertrennlich verbunden ist, da sie nur auf Gott schaut und keinen egoistischen Nebengedanken duldet.
Andernfalls würde sie aufhören, Einfachheit zu sein, denn sie kann irgendeine Rücksicht auf Geschöpfe nicht ertragen, nur Gott findet Einlass bei ihr.
Diese ganz einfache Liebe, die uns bei allem, was wir tun, nur auf eines hinsehen und hinzielen lässt, nämlich auf das Verlangen, Gott zu gefallen, das ist Marias Teil, das ist das eine Notwendige, das ist die Einfachheit, die mit der Liebe unzertrennlich verbunden ist, da sie nur auf Gott schaut und keinen egoistischen Nebengedanken duldet.
Andernfalls würde sie aufhören, Einfachheit zu sein, denn sie kann irgendeine Rücksicht auf Geschöpfe nicht ertragen, nur Gott findet Einlass bei ihr.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich meine Handlungen ganz aus dem Wunsch heraus gestalten, Gott oder meinem höheren Selbst zu gefallen, ohne Ablenkung durch Ego oder äußere Erwartungen?
Gebet und Tätigsein
Das Gebet und das Tätigsein sind keine Gegensätze, sondern zwei Aspekte einer Liebe zu Gott. Das Tätigsein eines Betenden entspringt aus seinem Gebet. Alles, was er tut, spiegelt die Stille wider, die aus dem Gebet hervorgeht.
Bringe daher die Maria und die Marta in deiner Seele in Verbindung, indem du deine Arbeit tust und in der Welt wirkst, aber kehre oft zu Jesus zurück und sage: Mein Herr, ob ich nun laufe oder still stehe, ich gehöre ganz dir und du gehörst mir!
Ohne diese Liebe verlieren alle Tätigkeiten ihren Wert. Und diese Liebe drängt uns zum Tun. Edith Stein schreibt: Je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird, desto mehr muss er auch in diesem Sinn aus sich herausgehen, d.h. in die Welt hinein, um das göttliche Leben in sie hineinzutragen.
Theresa von Avila schreibt: Der Herr verlangt nur zwei Dinge von uns: Liebe zu ihm und zum Nächsten. Denn ob wir Gott lieben, kann man nicht wissen; aber ob wir unseren Nächsten lieben, das merkt man. Je mehr ihr hierin Fortschritt macht, umso tiefer ist eure Liebe zu Gott.
Frage: Wie spiegelt sich deine Liebe zu Gott im Handeln und in der Begegnung mit anderen wider?
Maria und Marta
Nicht nur zwei Frauen in Israel, sondern auch zwei Seelen in meiner Brust.
Die eine möchte schaffen, arbeiten, dienen, beschäftigt sein.
Die andere möchte ruhig sein, still, besinnlich, verweilend, betend.
Die eine hat als Werkzeug Hände, Füße und Mund, die andere Augen und Ohren.
Die eine möchte Gott dienen, die andere ihm lauschen.
Oft liegen beide im Widerspruch. Es lebt zu viel Marta in mir.
Eines nur ist not-wendig: Setz dich hin, werde ruhig, öffne die Ohren, um zu lauschen, schließe die Augen, ja schließe sie, um zu sehen!
Aber, wird mancher sagen, ich weiß ja nicht, wo die Füße Jesu sind, an denen Maria gesessen hat.
Setz dich hin, mehr nicht! Setz dich einfach hin wie Maria.
Seine Füße werden deinen Sitzplatz schon finden.
Heribert Arens
Frage: Welche Seite in dir – die tätige oder die hörende – braucht im Augenblick mehr Raum, um Gott nahe zu sein?
Was uns nottut
Das Wichtigste für das Heil der Welt ist es, viel zu lieben – im Leben und auch im Sterben. Aber machen wir uns da nichts vor. Eine solche Liebe hat ihren Preis. Man muss viel beten, um dahin zu kommen.
Gott vertraut das Heil anderer nämlich nicht denen an, die meinen, etwas aus eigener Kraft bewirken zu können, sondern denen, die ihn durch sich wirken lassen. Nicht den Machern – denn ihre Aktivität kann immer das unheilvolle Ferment unseres alten Menschen in sich tragen.
Sondern denen, die Gott durch sich wirken lassen, die sich wie ein weicher Handschuh der Hand des Heiligen Geistes anschmiegen. Gott in uns: Das ist es, was nottut.
Madeleine Delbrêl
Frage: Wo in meinem Leben darf ich aufhören, aus eigener Kraft zu handeln, und mich stattdessen tiefer in Gottes Wirken hineinfallen lassen?
So oft bin ich auch wie Martha
Vor lauter Gedanken um das Versorgen der Gäste, meine Aufgaben, bin ich nur mehr am Tun und Machen, bin ständig in Aktion. In dem Ganzen verliere ich den Blick auf das Wesentliche. Ich habe keine Zeit mehr für Jesus selbst, ihm zu begegnen, ihm zuzuhören.
Ich möchte vieles tun, vergesse aber das sein. Aber ich kann mich auch anders entscheiden. Ich nehme mir vor, wie Maria, in der Gegenwart Jesu zu sein, Zeit mit ihm zu verbringen. Ich möchte mir keine Sorgen machen oder unruhig werden, wenn nicht alles nach Plan verläuft. Wirklich wichtig ist die Beziehung zu Jesus. Nicht das, was ich tue, sondern was er für mich getan hat und tut.
Ich möchte Stress und Druck vermeiden, so gut wie möglich. Gott ist Mensch geworden. Er möchte mir begegnen, bei mir ankommen. Er interessiert sich nicht um die Äußerlichkeiten, ihn interessiert mein Herz. Er klopft an meine Tür. Bin ich zu Hause oder bin ich viel zu beschäftigt, um ihn hereinzulassen?
Ulrike Puintner
Frage: Wo in meinem Alltag darf Jesus ankommen, wenn ich mir bewusst Zeit für ihn nehme?
Andacht von Pater Pio
Sei nicht so auf das Beschäftigtsein Marthas bezogen, dass du darüber Marias Schweigen vergisst. Die jungfräuliche Mutter, die sowohl die eine als auch die andere Aufgabe so gut miteinander in Einklang bringt, sei für dich sanftes Vorbild und Inspiration. Pater Pio
Andacht von Charles des Foucauld
Mein Gott, wie gütig bist du, dass du deine Dienerin verteidigst, wenn ihre Schwester sie angreift! Wie gütig bist du, dass du einmal all diejenigen verteidigst, die alles aufgeben, um in deiner göttlichen Kontemplation zu leben! Wie gütig bist du, dass du erklärst, dass das einzig Notwendige und das Beste und das Lieblichste, was es auf der Welt gibt, was aus unserem Leben einen Himmel macht, deine Betrachtung, oh Jesus, ist!
Eine einzige Sache ist notwendig, oh Jesus, dich zu lieben und von Stunde zu Stunde Werke der Liebe zu tun. Eine einzige Tat in Liebe ist mehr wert als das Universum. Dir eine Tat der Liebe zu erweisen, bedeutet mehr als dir tausend Welten zu opfern.
Also hört man nicht auf, das Leben von Maria zu führen, aber man erreicht damit das von Martha, wie Jesus, dessen Kontemplation endlos war. Aber um die beiden Leben so miteinander zu verbinden, muss man lange Zeit in Einsamkeit und Stille das Leben von Maria führen. Daher ruft Gott erst die Seelen, die ihn rühmen wollen, zu äußeren Werken, nachdem er sie lange in einsamer Kontemplation verweilen ließ, in der er ihre Seele so formt und stärkt, dass sie anschließend für den Rest ihres Lebens kontemplativ bleiben können und gleichzeitig aktiv sind.
Wenn sie aktiv wären, ohne kontemplativ zu sein, würden sie ihn viel weniger rühmen; die äußeren Werke wären viel weniger wert, wie wir gesehen haben, als die rein inneren Werke. Johannes der Täufer und der Heilige Paulus sind Beispiele für dieses göttliche Verhalten. Gott führt sie zunächst in das kontemplative Leben in langer Einsamkeit, dann ruft er sie in ein aktives Leben, um sie an den sehr hohen Verdiensten der Kontemplation teilhaben zu lassen, in der sie waren, und damit sie in ihrem ganzen Leben nicht aufhören, die sehr niedrigen, aber dennoch sehr realen Verdienste des aktiven Lebens hinzuzufügen.
Das kontemplative Leben wird zum aktiven hinzugefügt, ohne es zu verlieren. Also ist das Leben von Magdalena dem von Martha überlegen, da man den großen Ruhm Gottes nicht nur durch Aktion erreichen kann und da man, um Gott sehr zu rühmen, an der Kontemplation teilhaben muss, deren Wert unvergleichlich viel höher ist.
Charles de Foucauld
Frage: Wo lade ich Gott heute ein, mich mehr ins kontemplative Leben zu rufen – und wie möchte er, dass ich dieses Geschenk in mein aktives Leben hinein strahlen lasse?
Andacht von Franz von Sales
Wissen Sie, wie ich den Ausgleich bewirken wollte?
Ich wollte, dass die hl. Marta, unsere liebe Herrin, sich an Stelle ihrer Schwester zu den Füßen unseres Herrn niederließe und ihre Schwester die restlichen Vorbereitungen für das Essen treffe; so hätten sie Arbeit und Ruhe geteilt als gute Schwestern.
Ich denke, daß unser Herr das gut befunden hätte. Unseren Herrn aber ganz allein lassen zu wollen, darin hatte sie meiner Meinung nach unrecht; denn er ist nicht in diese Welt gekommen, um in der Einsamkeit zu leben, sondern um mit den Menschenkindern zu sein.
Frage: Wo darf ich in meinem eigenen Leben neu entdecken, dass der Herr nicht Einsamkeit, sondern Gemeinschaft mit mir sucht?
Andacht von Theresia vom Kinde Jesu
Eine von Liebe entflammte Seele kann nicht untätig bleiben; gewiss sitzt sie wie die Hl. Magdalena zu Füßen Jesu, sie lauscht seinem süßen, feurigen Wort.
Sie scheint nichts zu geben und gibt doch viel mehr als Martha, die sich um viele Dinge plagt und möchte, dass ihre Schwester es ihr gleichtäte.
Nicht die Arbeiten Marthas sind es, die Jesus tadelt, diesen Arbeiten hat sich seine göttliche Mutter ihr ganzes Leben lang demütig unterzogen, da sie die Mahlzeiten der Hl. Familie zubereiten musste.
Einzig die Unrast seiner eifrigen Gastgeberin wollte Jesus zurechtweisen.
Theresia vom Kinde Jesu
Frage: Wann empfinde ich in meinem Leben Unrast – und wie kann ich mich innerlich wie Maria zu den Füßen Jesu setzen?