Joh 6, 52-59:
Auslegung und Andacht
Jesu Fleisch und Blut als Speise
Inhaltsverzeichnis
Joh 6, 52 Streit: Wie Fleisch essen?
Joh 6,52: Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?
Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
Die Leute sind offenkundig über Jesu Worte bezüglich seines Fleisches erstaunt, wenn nicht sogar geschockt. Er muss es aber todernst meinen, denn, anstatt seine Worte abzuschwächen oder richtigzustellen, besteht er darauf.
Ich selbst messe diesen Worten Jesu vielleicht nicht immer genug Bedeutung bei. Da bietet es sich an, ihn zu fragen, warum sie ihm so wichtig sind.
Was dachte sich Jesus dabei, als er entschied, in der Eucharistie bis zum Ende der Welt gegenwärtig zu sein?
Frage: Welche Bedeutung könnte es für mein eigenes Leben und meinen Glauben haben, dass Jesus so nahe bei uns sein möchte?
Wie kann er?
Wenn wir ehrlich sind, ist die Skepsis, die Ablehnung und die Wut der Juden bei dieser Begebenheit nur allzu verständlich. Spricht Jesus hier davon, dass er selbst gegessen werden soll? Ist das wortwörtlich gemeint?
Die vielleicht schockierende, sicher aber überraschende Antwort ist: Ja, das ist wörtlich gemeint. Allerdings auch wieder anders, als es die Juden damals verstanden haben und vielleicht auch nur verstehen konnten.
Felix Honekamp
Frage: Wie offen bin ich dafür, spirituelle Wahrheiten jenseits meiner gewohnten Vorstellungen zu erleben?
Joh 6, 53 Fleisch essen, Blut trinken
Joh 6,53: Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
Für dein Leben
- Bedeutung des Lebens durch Christus: Jesus spricht davon, dass du sein Fleisch essen und sein Blut trinken musst, um ewiges Leben zu haben. Das bedeutet, dass du dich tief mit ihm verbinden sollst, durch den Glauben und das Sakrament der Eucharistie. Es geht darum, seine Gegenwart in deinem Leben zu erkennen und zu leben.
- Verwandlung im Glauben: Durch die Eucharistie empfängst du Christus und lässt dich von ihm verändern. Du nimmst sein Leben in dich auf und wirst gestärkt, deinem täglichen Leben mit Liebe und Hingabe zu begegnen.
Amen, Amen
Nachdruck. Wenn Jesus etwas sehr Wichtiges sagen will, dann leitet er es oft mit den Worten "Amen, amen" ein. Und da die Botschaft besonders wichtig ist, wiederholt er sie gleich sieben Mal.
Um ewiges Leben zu haben, müssen wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken. Nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn es viele seiner Nachfolger verstört, hält er daran fest. Er nimmt nichts zurück, er verwässert seine Botschaft nicht.
Jeder seiner Zuhörer hat genau verstanden, dass Jesus nicht nur symbolisch von Fleisch und Blut gesprochen hat, sondern dass er es buchstäblich meint, wirklich von seinem Fleisch und Blut spricht.
Wenngleich dies eine zentrale Botschaft unseres Herrn ist, zwingt er niemanden, sie anzunehmen, sondern lässt die Menschen in aller Freiheit entscheiden, ob sie ihm noch nachfolgen wollen. Das ist wahre Liebe, die nicht drängt, die nicht zwingt, die sich vor der Autonomie des Menschen verneigt.
Georg Rota
Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, die Liebe Gottes anzunehmen, ohne Bedingungen oder Erwartungen an mich selbst zu stellen?
Andacht von Raphaela Kloiber
Wenn wir jeden Sonntag den empfangen, der das Leben selbst ist und der sogar den Tod bezwungen hat, dann sind wir Christen dazu berufen, mit einer ewigen Osterfreude zu leben, die voll Hoffnung und Enthusiasmus ist.
Eine Hoffnung und Freude, die nicht von unseren täglichen Umständen abhängen, sondern tiefer gehen. Wir sind dazu berufen, lebendig und froh zu leben, denn wir haben den im Herzen, der das Leben selbst ist.
Diese Freude und Hoffnung sind nicht etwas, was wir für uns selbst behalten, sondern sie sollen zu allen Menschen gelangen. Wir Christen sind berufen, die Osterfreude an alle Menschen weiterzugeben und dadurch das Reich Gottes und seine Liebe zu verbreiten.
Frage: Wie kann ich die Osterfreude, die ich in mir spüre, bewusst in meinem Alltag und im Umgang mit anderen lebendig werden lassen?
Joh 6, 54 Auferweckung am Jüngsten Tag
Joh 6,54: Nur wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ihn werde ich am letzten Tag auferwecken.
Wahrhaftiges Blut und wahrhaftiges Fleisch
Wenn Jesus davon spricht, dass wir sein Blut trinken und sein Fleisch essen, übersteigt das unseren Verstand, wie es den Verstand der Jünger völlig überstiegen hat.
Thomas von Aquin schrieb schon: "Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann."
Der Verstand wehrt sich, doch die Seele begreift, wenn sie sich darauf einlässt, auf das, was der höhere Verstand ihr offenbart hat. Der Glaube ist hier keine Fantasie, sondern die Tür zur tieferen Wahrheit.
Lassen wir uns von neuem darauf ein, das Geheimnis der Eucharistie zu durchdringen. Dahinter steht ein Bund, ein ewiges Versprechen, das er mit seinem eigenen Blut besiegelt. Welchen Beweis könnte ich noch von Gott erbitten, um zu glauben, dass er es ernst mit uns meint?
Frage: Wie offen bin ich dafür, dass mein Herz mehr erkennt als mein Verstand, wenn es um die tieferen Wahrheiten des Glaubens geht?
Joh 6, 55 Wahre Speise, wahrer Trank
Joh 6,55: Mein Leib ist die wahre Nahrung und mein Blut der Leben spendende Trank.
Joh 6, 56 Bleiben in Christus
Joh 6,56: Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
Er in mir und ich in ihm
Die Erklärungen Jesu weisen auf die tiefere Bedeutung dieses "Essens" hin: Wir können und sollen eins mit Jesus werden. Er möchte in uns sein, und wir sollen in ihm sein.
Es gibt keine Beschreibung, die eine größere innere wie äußere Verbundenheit ausdrückt. Selbst der beste Freund, ein Mensch, den ich liebe, bleibt doch immer auch der andere. Jesus und ich aber, wir sollen eins sein.
Ich soll werden wie er, damit er auch wie ich und in mir sein kann. Die schockierende Aufforderung, seinen Leib zu essen, ist damit nichts anderes als ein göttliches Angebot, ihm gleich zu werden, die Chance, ihm gleich werden zu können.
Frage: In welchen Momenten spüre ich die Einladung, eins mit dem Göttlichen zu sein, und wie kann ich diese Verbindung bewusst vertiefen?
Andacht von Benedikt XVI
Wir brauchen dieses Brot, um die Mühen und die Erschöpfung der Reise zu bewältigen.
Der Sonntag, Tag des Herrn, ist die beste Gelegenheit, um aus ihm, dem Herrn des Lebens, Kraft zu schöpfen.
Das Sonntagsgebot ist also keine von außen auferlegte Verpflichtung, keine Last auf unseren Schultern.
Im Gegenteil, an der sonntäglichen Meßfeier teilzunehmen, sich vom eucharistischen Brot zu nähren und die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern in Christus zu erfahren, ist für den Christen ein Bedürfnis, eine Freude. So kann der Christ die nötige Kraft finden für den Weg, den wir jede Woche zurücklegen müssen.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Kraft des Sonntags spüren und sie auf meine Woche übertragen?
Er in mir
Wenn wir uns an Jesu Wort halten und sein Fleisch essen und sein Blut trinken, schenkt er uns diese unglaubliche Verheißung.
Dann nämlich bleibe ich in ihm und er in mir. Dann bin ich vereint mit dem ewigen, allmächtigen, allgegenwärtigen Schöpfer und darf ihn in meinem Herzen tragen.
Und weil er "der Weg, die Wahrheit und das Leben ist" (Joh 14,6), habe ich durch seine Gegenwart in meinem Herzen Leben, ewiges Leben.
Und weil "[s]ein Reich nicht von dieser Welt [ist]" (Joh 18,36), erwartet uns das ewige Leben nicht hier auf Erden, sondern in seinem Vaterhaus.
Frage: Wie spürst du persönlich die Gegenwart Gottes in deinem Herzen und wie verändert sie dein tägliches Leben?
Joh 6, 57 Leben durch den Vater
Joh 6,57: Ich lebe durch die Kraft Gottes, des lebendigen Vaters, der mich gesandt hat. Ebenso wird jeder, der meinen Leib isst, durch mich leben.
Leben durch den Sohn
Jesus betont hier die enge Verbindung zwischen ihm, dem Vater und den Gläubigen. Der „lebendige Vater“ ist die Quelle allen Lebens, und Jesus empfängt sein Leben von ihm. Ebenso werden die Gläubigen durch die geistliche Gemeinschaft mit Jesus leben.
Das „Essen“ Jesu bezieht sich auf den Glauben an ihn und die Annahme seines Opfers. Es weist auf das Abendmahl hin, aber auch auf eine tiefe, existenzielle Gemeinschaft mit Christus. Wer ihn in sich aufnimmt, empfängt das wahre Leben – nicht nur physisch, sondern ewig. Dieses Leben ist ein Geschenk Gottes durch Christus.
Frage: Wie kann ich im Alltag bewusst diese tiefe Gemeinschaft mit Christus erfahren und sein Leben in mir wirken lassen?
Joh 6, 58 Ewiges Leben durch dies Brot
Joh 6,58: Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; es ist nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben, und sind gestorben; wer dieses Brot isst, der wird leben in Ewigkeit!
Joh 6, 59 Rede in Kapernaum
Joh 6,59: Dies sprach er, als er in der Synagoge von Kapernaum lehrte.
Häufige Fragen zu Joh 6, 52-59
Was bedeutet Joh 6, 52-59?
Dieser Abschnitt bildet den zugespitzten Höhepunkt der Brotrede in der Synagoge von Kapernaum. Das Geschehen konkretisiert das Speisen von Jesu Fleisch und das Trinken seines Blutes als Voraussetzung für das ewige Leben und offenbart die innige Wesensgemeinschaft zwischen dem Gläubigen, dem Sohn und dem Vater.
Welcher Streit bricht unter den jüdischen Zuhörern über die Worte Jesu aus?
Die jüdischen Zuhörer geraten in eine heftige Auseinandersetzung untereinander und fragen verständnislos, wie dieser Mensch ihnen sein Fleisch zu essen geben könne. Die Vorstellung des Essens von menschlichem Fleisch verstößt gegen ihre religiösen Konzepte und Speisegesetze.
Wie verschärft Jesus seine Aussage bezüglich des Essens seines Fleisches und Trinkens seines Blutes?
Jesus schwächt seine Worte nicht ab, sondern unterstreicht mit einem feierlichen Satz, dass man das Fleisch des Menschensohnes essen und sein Blut trinken muss, um das Leben in sich zu haben. Wer sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und Jesus wird ihn am Letzten Tag auferwecken, da sein Fleisch wahrhaftige Speise und sein Blut wahrhaftiger Trank ist.
Welche geistliche Auswirkung hat der Genuss dieser Speise auf das Verhältnis zwischen Jesus und dem Gläubigen?
Jesus erklärt, dass derjenige, der sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, in ihm bleibt und er in ihm. Wie der lebendige Vater Jesus gesandt hat und Jesus durch den Vater lebt, so wird auch der, welcher Jesus isst, durch ihn leben.
An welchem Ort gipfelt diese Lehre Jesu über das wahre Brot vom Himmel?
Jesus fasst zusammen, dass dies das Brot ist, das aus dem Himmel herabgekommen ist – ganz anders als das Manna, das die Väter aßen und dennoch starben. Wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit; diese Dinge sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kapernaum lehrte.
Joh 6, 36-51 Das Brot vom Himmel
Joh 6, 60-71 Entscheidung für oder gegen Jesus