Joh 5, 19-30:
Auslegung und Andacht
Einheit von Vater und Sohn

Joh 5, 19 Tun des Sohnes

Joh 5,19: ‭Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.‭

Der Sohn kann nichts aus sich selbst tun

Jesus erklärte, dass er als Gott der Sohn nichts unabhängig tut. Er war und ist dem Willen des Vaters völlig unterworfen. Diese Unterwerfung erfolgt freiwillig, nicht durch Zwang oder durch eine minderwertige Natur.

Was immer Er tut, tut auch der Sohn in gleicher Weise

Jesus erklärte, dass Sein Werk eine vollkommene Widerspiegelung des Werkes und Willens Gottes des Vaters sei. Jesus zeigte uns genau, was das Werk und der Wille Gottes ist.

Joh 5, 20 Liebe des Vaters

Joh 5,20: Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm noch größere Werke zeigen als diese, sodass ihr euch verwundern werdet.

Der Vater liebt den Sohn

Dass ‚der Vater den Sohn liebt' wurde bereits in diesem Evangelium bekräftigt (Joh 3:35)

Warum sagte er: der Vater wird dem Sohne zeigen?

Weil wir Glieder des Sohnes sind und, was wir Glieder gleichsam lernen, er gewissermaßen in seinen Gliedern lernt.

Wie lernt er in uns? Wie er in uns leidet. Wie beweisen wir, daß er in uns leidet? Aus jener Stimme vom Himmel: Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich? Ist nicht er es, der sagen wird: Wenn ihr einem aus meinen Geringste, etwas gegeben habt, so habt ihr es mir gegeben.

Also lasset uns Glück wünschen und Dank sagen, daß wir nicht bloß Christen geworden sind, sondern Christus. Verstehet ihr, fasset ihr die Gnade Gottes an uns? Staunet, freuet euch, Christus sind wir geworden. Denn wenn jener das Haupt ist, wir die Glieder, dann ist der ganze Mensch er und wir.

Frage: Wie erlebst du in deinem eigenen Leben, dass Christus in dir lernt und leidet?

Joh 5, 21 Totenauferweckung

Joh 5,21: Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

Welches sind aber jene größeren Werke?

Größere Werke als die Heilung des Gelähmten also sind die Erweckung von Toten. Wer vom Tode zum Leben hinübergegangen ist, auferstanden.

Es findet bereits jetzt eine Art Auferstehung statt: vom Tode des Unglaubens zum Leben des Glaubens. Es ist also auch dies eine Auferstehung der Toten.

Ich also habe die Worte meines Herrn gehört und geglaubt. Ich war ungläubig und bin nun gläubig geworden. Wie er mich mahnte, bin ich vom Tode zum Leben übergegangen – ich komme nicht ins Gericht, nicht wegen meines Selbstvertrauens, sondern durch seine Verheißung.

Frage: Wo erfahre ich in meinem eigenen Leben diese stille, innere Auferstehung vom Unglauben zum Vertrauen?

Joh 5, 22 Vollmacht zum Gericht

Joh 5:22: ‭Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn übergeben,

Alles Gericht hat er dem Sohn übergeben

Diese Aussage Jesu betont seine göttliche Autorität. Das Gericht, das traditionell Gott dem Vater zugeschrieben wird, ist nun dem Sohn anvertraut. Dies zeigt die enge Einheit zwischen Vater und Sohn sowie Jesu Rolle als Richter der Welt.

Durch diesen Vers wird auch verdeutlicht, dass das Heil und das endgültige Schicksal der Menschen von ihrer Beziehung zu Jesus abhängt. Wer ihn ablehnt, lehnt das göttliche Gericht ab, das Gerechtigkeit und Wahrheit bringt.

Gleichzeitig offenbart sich darin Gottes Liebe, denn Jesus richtet mit Barmherzigkeit und bietet jedem die Möglichkeit zur Umkehr und zum ewigen Leben.

Frage: Wie erlebe ich persönlich Jesu Barmherzigkeit in meinem Leben, und wie prägt sie meinen Blick auf Gottes Gerechtigkeit?

Joh 5, 23 Ehre für den Sohn

Joh 5:23: ‭damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.

Für dein Leben

  • Ehre den Sohn wie den Vater: Wenn du Jesus in deinem Leben anerkennst und respektierst, zeigst du damit auch deine Liebe und Ehre zu Gott. Dein Glaube und deine Beziehung zu ihm können durch diese Haltung gestärkt werden.
  • Versteh die Bedeutung des Lebens: Jesus zu ehren heißt, dein Leben in Übereinstimmung mit Gottes Willen zu führen. Du kannst durch deinen Alltag hindurch nach seiner Weisheit und seinen Wegen streben.

Werk des Gerichts

Jesus benutzte das Werk des Gerichts als Beispiel für eine Arbeitsteilung zwischen dem Vater und dem Sohn. Vor Gott dem Sohn werden die Menschen am Tag des Gerichts stehen. Sogar während Seines irdischen Wirkens war Jesus so etwas wie ein Richter unter den Menschen.

Den Sohn ehren

Dies war ein klarer Anspruch auf Gottheit. Wenn Jesus – der sich selbst als Sohn bezeichnete – nicht Gott wäre, dann wäre es Götzendienst, den Sohn zu ehren, so wie sie den Vater ehren.

Joh 5, 24 Übergang zum Leben

Joh 5,24: ‭Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.‭

Für dein Leben

  • Höre auf Jesus und vertraue ihm: Du wirst erleben, wie Gott dir ewiges Leben schenkt. Deine Beziehung zu ihm verändert sich und du wirst in eine neue Richtung geführt.
  • Verurteilung entfällt: Du musst dich nicht mehr von deiner Vergangenheit belasten lassen. Durch den Glauben an Jesus bist du schon jetzt aus dem Urteil entlassen und lebst in seiner Gnade.

Wer mein Wort hört und … glaubt

Damit sagt der Herr in dieser Rede zum ersten Mal, was wir tun müssen, um das Leben zu empfangen. Wir müssen glauben.

Wie können wir glauben? Indem wir hören. Der Glaube wird geweckt durch das Hören des Wortes Gottes, denn in ihm hören wir Christus selbst.

Darum müssen wir damit beginnen, dass wir hören, und dabei zusehen, dass wir recht hören.

Benedikt Peters

Frage: Wie offen ist mein Herz, wenn Gott heute zu mir spricht – bin ich bereit, wirklich zu hören?

Worte Gottes

Mit diesen Worten erhob sich Jesus weit über die Ebene eines bloßen Menschen. Denke darüber nach: Höre mein Wort und habe ewiges Leben. Das war entweder das Geschwätz eines Verrückten oder die Worte Gottes selbst. Hier ist kein neutraler Boden zu finden.

Joh 5, 25 Stimme des Sohnes

Joh 5,25: Amen, amen, ich sage euch: Die Stunde kommt und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben.

Für dein Leben

  • Glaube an Jesus: Er spricht zu dir, auch heute noch. Wenn du ihm dein Herz öffnest, wird er dich aus der geistlichen Tiefe herausholen, genauso wie er Tote lebendig gemacht hat.
  • Höre auf seine Stimme: Dein Leben kann sich verändern, wenn du wirklich auf das hörst, was er dir zu sagen hat. Es geht nicht nur um Worte, sondern um Leben, das er dir schenken möchte.

Die Stunde kommt

Diese Stunde ist keine Stunde von den zwölf Stunden des einen Tages.
Von da an, wo er sprach, bis zu dieser Zeit und bis zum Ende der Welt dauert jene eine Stunde.
Also ist sie jetzt.

Sie werden hören, d.h. sie werden gehorchen. Viele hören und glauben nicht.
Indem sie hören und nicht glauben, gehorchen sie nicht.
Die also aber gehorchen, werden leben.

Gepredigt wird Christus, das Wort Gottes, der Sohn Gottes.
Wenn also das Wort kommt und den Hörenden eingegossen wird und diese nicht bloß Hörer,
sondern auch Befolger des Wortes geworden sind, so erhebt sich die Seele von ihrem Tode zu ihrem Leben.

Wer tot war, lebe.
Es höre die Stimme des Sohnes Gottes, wer tot dalag, er stehe auf und lebe.

Frage: Wo in mir will das Wort heute Leben wecken und mich zum Aufstehen rufen?

Joh 5, 26 Leben in sich selbst

Joh 5,26: Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn verliehen, das Leben in sich selbst zu haben.

Joh 5:26: Denn in meinem Vater ist das Leben, und nach seinem Willen hat auch der Sohn dieses Leben in sich.

Der Vater hat das Leben in sich

Viele unserer Gedanken, Pläne und Umstände beeinflussen uns. Wir meinen oft, dass unser Leben nur dann gelingt, wenn… oder dass ich nur dann glücklich werden kann, wenn… und so berauben wir uns oft selbst der Freude am Leben.

Dies alles kann sehr stark und mächtig sein. Wir sind schlicht auf Gottes Hilfe angewiesen, angewiesen auf die Zuflucht zum Vater, der die eigentliche Ursache unseres Lebens ist.

Staunen wir über das Geschenk unseres Lebens. Unser Dasein hängt in jedem Augenblick ganz von Gott ab. Jede Sekunde unseres Lebens ist eine Gunst, die uns der Herr vertrauensvoll gewährt. Der Schöpfer hat sich nicht von seinem Werk zurückgezogen, sondern er wirkt weiter.

Er wirkt immer und beständig, um die Schöpfung im Sein zu erhalten. Thomas von Aquin

Frage: Wie bewusst nehme ich die Gunst und Gegenwart Gottes in meinem Alltag wahr, und wo kann ich mehr Staunen zulassen?

Ich bin das Leben

Dies sagt dir dein Heiland: Du hast nirgends hinzugehen als zu ihm. Du hast auf keinen andern Wege zu gehen als dem, der er ist.

Jetzt also währt diese Stunde und es dauert immerdar fort. Es stehen Menschen auf, die tot waren, sie gehen hinüber zum Leben, sie leben auf die Stimme des Sohnes Gottes hin, sie leben von ihm, verharrend im Glauben an ihn.

Es hat ja der Sohn Gottes das Leben, er hat, wovon die Glaubenden leben.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du den Ruf, dich ganz auf das Leben aus seiner Gegenwart einzulassen?

Joh 5, 27 Menschensohn als Richter

Joh 5,27: ‭Und er hat ihm Vollmacht gegeben, auch Gericht zu halten, weil er der Sohn des Menschen ist.‭

Weil er der Sohn des Menschen ist

Der Titel „Menschensohn“ betont seine doppelte Natur: Er ist sowohl göttlich als auch menschlich. Durch seine Menschwerdung versteht Jesus das menschliche Leben und kann ein gerechtes Urteil fällen.

Gleichzeitig weist der Vers darauf hin, dass Jesus nicht nur Retter, sondern auch Richter ist. Dies unterstreicht die Verantwortung des Menschen, sich ihm gegenüber zu positionieren.

Der Kontext zeigt, dass das Gericht nicht allein auf Verdammnis abzielt, sondern auch die Möglichkeit zur Erlösung durch den Glauben an Jesus bietet. Seine Autorität ist von Gott legitimiert und endgültig.

Frage: Wie offen bin ich, mich selbst vor Jesus zu betrachten und zu erkennen, wo ich Heilung oder Veränderung brauche?

Joh 5, 28 Wunder der Auferstehung

Joh 5,28: ‭Verwundert euch nicht darüber! Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden.

Seine Stimme hören werden

Dieser Vers spricht von der zukünftigen Auferstehung der Toten durch das Wort Christi. Jesus betont, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern dass eine Zeit kommt, in der alle Verstorbenen seine Stimme hören und auferstehen werden.

Dies bezieht sich auf das endgültige Gericht: Diejenigen, die Gutes getan haben, werden zur Auferstehung des Lebens gelangen, während die anderen zur Auferstehung des Gerichts erwachen (Joh 5,29).

Die Aussage Jesu zeigt seine göttliche Autorität über Leben und Tod und gibt Hoffnung auf ewiges Leben für die Gläubigen. Sie erinnert daran, dass unser Leben eine geistliche Dimension hat und auf die Ewigkeit ausgerichtet sein sollte.

Frage: Wie beeinflusst das Wissen um die Auferstehung dein tägliches Leben und die Entscheidungen, die du triffst?

Joh 5, 29 Gericht und Leben

Joh 5,29: ‭Sie werden hervorgehen: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.‭

Glaube und Werk

Das bedeutet nicht, dass das Heil auf guten Werken beruht, denn gerade dieses Evangelium macht immer wieder deutlich, dass Menschen in das ewige Leben eingehen, wenn sie an Jesus Christus glauben.

Aber das Leben, das sie führen, stellt den Test für den Glauben dar, zu dem sie sich bekennen.

Frage: Wie zeigt sich dein Glaube in deinem Alltag und welche inneren Prüfungen fordern dich dabei heraus?

Joh 5, 30 Gerechtes Urteil

Joh 5,30: Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen des Vaters, der mich gesandt hat.

Andacht von Benedikt XVI

In seinem vollkommenen Menschsein erfüllt Jesus Augenblick für Augenblick den Willen des Vaters. Jesus hört sein Wort und gehorcht ihm mit seinem ganzen Sein. Er kennt den Vater und hält an seinem Wort fest. Er berichtet uns vom Vater.

Jesus zeigt also, dass er der göttliche Logos ist, der sich uns hinschenkt, aber auch der wahre Mensch, der in jedem Augenblick nicht den eigenen Willen, sondern den des Vaters erfüllt. In vollkommener Weise hört er das göttliche Wort, verwirklicht es in sich selbst und teilt es uns mit.

Jesus Christus ist dieses endgültige und wirkkräftige Wort, das vom Vater ausgegangen und zu ihm zurückgekehrt ist und das in der Welt seinen Willen vollkommen verwirklicht hat.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich bewusst den Willen Gottes über meinen eigenen stellen und ihm so in tiefer Verbundenheit folgen?

Häufige Fragen zu Joh 5, 19-30

Was bedeutet Joh 5, 19-30?

Dieser Abschnitt schildert die große Rede Jesu über seine vollkommene Einheit mit dem Vater im Anschluss an die Heilung am Teich Betesda. Das Geschehen offenbart, dass der Sohn in vollkommener Abhängigkeit und Übereinstimmung mit dem Vater handelt, die göttliche Vollmacht zur Lebensweckung besitzt und als eingesetzter Richter über Leben und Tod der gesamten Menschheit entscheidet.

Wie beschreibt Jesus sein grundsätzliches Verhältnis zum Handeln des Vaters?

Jesus erklärt, dass der Sohn von sich aus nichts tun kann, sondern nur das, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn, weil der Vater den Sohn liebt und ihm alles zeigt, was er selbst tut.

Welche beiden göttlichen Prärogativen überträgt der Vater dem Sohn?

Der Vater überträgt dem Sohn die Macht, Tote lebendig zu machen, und das gesamte Gericht. So wie der Vater Tote auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.

Wie vollzieht sich die gegenwärtige Rettung aus dem Tod in das Leben?

Wer das Wort Jesu hört und dem glaubt, der ihn gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. Die Stunde ist da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören und diejenigen, die sie hören, leben werden.

Was verheißt Jesus bezüglich der zukünftigen Auferstehung aller Verstorbenen?

Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes hören und herauskommen werden: diejenigen, die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, diejenigen aber, die das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Joh 5, 1-18 Heilung am Teich Betesda
Joh 5, 31-47 Die Zeugnisse für Jesus