Joh 5, 1-18:
Auslegung und Andacht
Heilung am Teich Betesda

Joh 5, 1 Fest in Jerusalem

Joh 5,1: ‭Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.‭

Jesus geht nach Jerusalem

Wir wissen nicht, um welches Fest es sich handelte, aber es war wahrscheinlich eines der drei großen Feste, bei denen die Teilnahme erforderlich war.

Der Herr kommt zum zweiten Mal nach Jerusalem (nach 2,13 – 3,21). Beim ersten Mal ging er hinauf in den Tempel (2,13.14), beim zweiten Mal ging er zum Teich Bethesda (5,1.2).

Im Tempel sah er, wie man dort nicht Gott diente, sondern dem Mammon und damit sich selbst; beim Teich Bethesda sah er, wie die Menschen nicht Leben hatten, sondern lahm, blind und verkrüppelt, also dem Tod unterworfen sind.

Benedikt Peters

Frage: Welche Orte in meinem Leben spiegeln eher oberflächliche Verpflichtungen wider, und wo sehne ich mich nach wahrhaftigem Leben?

Joh 5, 2 Teich Betesda

Joh 5,2: In der Stadt befindet sich nicht weit vom Schaftor entfernt der Teich Betesda, wie er auf Hebräisch genannt wird. Er ist von fünf Säulenhallen umgeben.

Andacht von Augustinus

Jener Teich und jenes Wasser scheint mir das jüdische Volk bedeutet zu haben. Jenes Wasser also, d.h. jenes Volk, wurde von den fünf Büchern des Moses wie von fünf Hallen umschlossen.

Allein jene Bücher wiesen zwar auf Kranke hin, heilten sie aber nicht. Denn das Gesetz überführte die Sünder, sprach sie jedoch nicht los.

Darum machte der Buchstabe ohne die Gnade Schuldige, welche aber auf ihr Bekenntnis hin durch die Gnade befreit wurden. Die fünf Hallen sind das Gesetz.

Warum heilten die fünf Hallen die Kranken nicht? Weil, wenn das Gesetz so gegeben wäre, dass es imstande wäre zu beleben, die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetze käme.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens spüre ich den Unterschied zwischen Gesetz und Gnade, zwischen äußerer Ordnung und innerer Heilung?

Joh 5, 3 Kranke am Wasser

Joh 5,3: Viele Kranke lagen in diesen Hallen: Blinde, Gelähmte und Verkrüppelte.

Viele Kranke lagen in diesen Hallen

Der Vers betont die Hoffnung der Leidenden auf göttliches Eingreifen. Symbolisch steht der Teich für Gottes Heilung, doch ohne Jesus bleibt diese Hoffnung ungewiss.

Manche Handschriften enthalten einen Zusatz über einen Engel, der das Wasser bewegt, doch dieser fehlt in älteren Manuskripten. Die Stelle verdeutlicht, dass wahre Heilung nicht aus rituellen Handlungen, sondern durch Christus kommt.

Jesus selbst heilt später einen Mann dort und zeigt, dass er der wahre Lebensspender ist. Die Erzählung fordert dazu auf, nicht auf äußere Umstände, sondern auf Jesus als Quelle der Heilung zu vertrauen.

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich lernen, mehr auf die innere Quelle der Heilung zu vertrauen, statt auf äußere Umstände zu hoffen?

Joh 5, 4 Bewegung des Wassers

Joh 5,4: ‭Denn ein Engel stieg zu gewissen Zeiten in den Teich hinab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, der wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch geplagt war.‭

Keiner blickte auf Jesus

Eine Menge Bedürftiger war da, aber keiner von ihnen blickte auf Jesus.
Eine Blindheit war über diese Leute am Teich gekommen; da waren sie, und da war Christus, der sie heilen konnte, aber keiner von ihnen suchte ihn.

Ihre Augen waren auf das Wasser gerichtet und erwarteten, dass es aufgewühlt würde.
Sie waren so in ihren eigenen Weg vertieft, dass der wahre Weg vernachlässigt wurde.

Frage: Wie oft übersieht du im Alltag die Gegenwart des Heils, während du auf äußere Zeichen wartest?

Joh 5, 5 38 Jahre Krankheit

Joh 5,5: Einer von den Menschen, die dort lagen, war schon seit 38 Jahren krank.

Zur Wunderheilung

Das Johannesevangelium schildert uns im 5. Kapitel eine ergreifende Szene am Teich Betesda. Am Teich waren fünf Säulenhallen. In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte.

Unter ihnen befand sich ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Die Krankheit, von der er sich so gerne befreit gewünscht hätte, raubte ihm die nötige Kraft.

Der Herr fragt: Willst du gesund werden? Ja, gewiss, den Willen hatte er, doch er erklärt sein Unvermögen. Die Kraft, die ihm fehlt, sehen wir in Christus.

Jesus tritt in sein Leben. Alles ändert sich, als Jesus zu ihm sagt: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! Sofort wurde der Mann gesund.

Frage: Welche Bereiche meines Lebens warten darauf, dass ich die Kraft und den Mut finde, sie in die Hände des Göttlichen zu legen?

Joh 5, 6 Willst du gesund werden?

Joh 5,6: Als Jesus diesen daliegen sah und erfuhr, dass er schon so lange Zeit in diesem Zustand war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?

Jesus sucht die Begegnung

Jesus begegnet einem gelähmten Mann. Bemerkenswert: nicht der Kranke sieht Jesus und spricht ihn an, sondern Jesus sieht den Kranken und beginnt das Gespräch.

Überlesen wir nicht, was dies für uns bedeutet: Jesus sieht ebenso auf dich und mich und sucht die Beziehung zu uns – und zwar unabhängig davon, ob wir dies momentan ebenso tun oder einmal wieder von unzähligen anderen Dingen abgelenkt sind.

Seien wir ehrlich zu uns selbst. Wir sind wohl öfter abwesend oder verzetteln uns durch so manche kopflose Aktion. Welch tröstliche Wahrheit, dass dies unseren Herrn Jesus Christus nicht davon abhält, uns zu suchen, uns zu sehen in unseren Nöten und Sorgen.

Wir dürfen sicher sein, dass Gott uns und unseren Zustand besser sehen und einschätzen kann, als wir es selbst je bewerkstelligen könnten. Nicht der Kranke sah den Herrn, sondern der Herr war es, der ihn daliegen sah. Nicht der Kranke fragte nach dem Herrn und seiner Hilfe, sondern der Herr spricht zu ihm.

Gnade bedeutet, dass alles Gute von Gott ausgeht.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute erkennen, dass Jesus mich sieht, auch wenn ich mich selbst gerade abgelenkt oder hilflos fühle?

Joh 5, 7 Niemand hilft mir

Joh 5,7: ‭Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser bewegt wird; während ich aber selbst gehe, steigt ein anderer vor mir hinab.‭

Unglaube des Gelähmten

Ihm wird Vergebung und ewiges Leben entgegengestreckt, und er sagt dazu: Wer hilft mir aus meinen Nöten?

Aus seiner Antwort können wir ablesen, dass er zwar gerne gesund werden möchte, dass er aber keine Hoffnung auf Heilung hat, denn er erwartet seine Heilung vom Teich, in den er aber nie rechtzeitig gelangen kann, und er hofft auf Hilfe von Menschen, aber er hat keinen Menschen, der ihm hilft.

Benedikt Peters

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich Hoffnungslosigkeit, und wo könnte ich mir die Heilung schenken, die ich von außen erwarte?

Ausweichende Antwort

Auf diese klare und bestimmte Frage Jesu antwortet der Mann zunächst nicht. Anfänglich gibt er anderen die Schuld, dass er nicht geheilt wurde: „Ich habe niemanden, der…“ „Ich habe keine Freunde, die…“

Und so kann es auch uns passieren, dass Jesus uns fragt, ob wir geheilt werden wollen, und wir, statt schnell „ja" zu sagen, die Schuld darauf schieben, dass uns die nötige Unterstützung fehlt. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir so viele Jahre an dieser Krankheit gelitten haben.

Die Heilung geschieht aber nicht primär, weil uns jemand in den Teich von Bethesda tragen wird, sondern weil uns heute derjenige, der die Gesundheit selbst ist, besucht.
Br. João Paulo Jäger

Frage: Wo in meinem Leben warte ich vielleicht noch darauf, dass jemand anderes mich heilt, anstatt die heilende Gegenwart Jesu selbst zuzulassen?

Andacht von Papst Franziskus

Er war aber im Herzen krank, in der Seele; er war an Pessimismus erkrankt, er war an Traurigkeit erkrankt, er war an Überdruss (Acedia) erkrankt. Genau das ist die Krankheit dieses Mannes: Ja, ich will leben, aber … “ – er blieb dort liegen

Joh 5, 8 Steh auf und geh

Joh 5,8: Stehe auf, nimm dein Bett auf und wandle!

Für dein Leben

  • Steh auf: Lass dich nicht von Rückschlägen lähmen. Entscheide dich bewusst, aktiv zu werden und deine Herausforderungen anzupacken.
  • Nimm deine Matte: Trage deine Vergangenheit mit Würde, aber lass sie dich nicht definieren. Sie ist ein Teil deines Weges, nicht deine Bürde.

Andacht von Augustinus

Dies sind die Heilungsworte. Wie finden wir nun in diesen beiden Befehlen des Herrn die zwei Gebote der Liebe angedeutet?

Mit der Aufforderung: Nimm dein Bett, scheint er mir gesagt zu haben: Liebe deinen Nächsten. Krank trug das Bett den Gelähmten. Gesund trägt aber er das Bett. Als du krank warst, trug dich dein Nächster. Du bist gesund geworden, trage deinen Nächsten. So wirst du, o Mensch, erfüllen, was dir fehlte.

Nimm also dein Bett. Wenn du es genommen hast, bleibe nicht stehen, wandle. Indem du den Nächsten liebst und Sorge trägst um deinen Nächsten, begibst du dich auf den Weg. Wohin gehst du, als zu Gott dem Herrn, zu dem, welchen wir lieben müssen.

Denn zum Herrn sind wir noch nicht gekommen, sondern wir haben den Nächsten um uns. Trage also den, mit dem du gehst, damit du zu dem kommst, bei dem du zu bleiben verlangst. Also nimm dein Bett und wandle.

Frage: Wie trage ich heute bewusst die Menschen um mich herum, um näher zu dem zu gelangen, der mich wirklich erfüllt?

Grübeln tut uns nicht gut

Mitten in seiner Schwäche, seinem Gelähmtsein sagt Jesus diese Worte zu dem Mann. Und er steht auf und geht.

Anselm Grün deutet dies unter anderem psychologisch: Das Bett symbolisiert meine Zweifel und meine vielen Überlegungen aufgrund von Schwierigkeiten oder Schwächen. Sein Bett zu nehmen und loszugehen bedeutet dann: ich lasse die Grübeleien los. Ich denke nicht weiter darüber nach. Ich nehme all die Unsicherheiten und Hemmungen unter den Arm und gehe einfach.

Je mehr wir über die anstehende Aufgabe grübeln, desto weniger werden wir sie anpacken. Das Wort Jesu gibt uns Mut, aus uns herauszugehen und das zu wagen, was uns als Aufgabe gestellt ist.

Frage: Welche Unsicherheiten könntest du heute loslassen, um mutig einen ersten Schritt zu wagen?

Joh 5, 9 Heilung am Sabbat

Joh 5,9: Und sogleich wurde der Mann gesund und nahm sein Bett und ging weg. Es war aber an jenem Tag Sabbat

Die Heilung als Zeichen

Die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda ist ein Zeichen, und als solches verweist es auf etwas Größeres als das bloße äußerliche Geschehen. Was das Zeichen bedeutete, sagt der Herr in seinen Worten, die sich der Heilung anschließen.

Andacht von Augustinus

Mehr freuen als verwundern müssen wir uns, daß unser Herr und Erlöser Jesus Christus Mensch geworden ist, als daß Gott Göttliches unter den Menschen vollbracht hat.

Denn mehr dient zu unserem Heile das, was er wegen der Menschen geworden ist, als was er unter den Menschen getan hat, und mehr ist es, daß er die Mängel der Seelen heilte, als daß er die Schwächen der dem Tode unterworfenen Leiber heilte.

Wie anders also ist dies zu verstehen, als daß jene Macht und Güte mehr auf das abzielte, was die Seelen in seinen Taten für das ewige Heil erkennen sollten, als was die Leiber für das zeitliche Wohl erlangen sollten.

Weil Jesus es ihm gesagt hatte, stellte er keine Fragen, sondern klappte sein Lager zusammen und ging. Er tat, was ihm aufgetragen wurde, weil er an den glaubte, der sprach.

Hast du solchen Glauben an Jesus?

Frage: Wie offen bin ich bereit, meinem Glauben zu folgen, auch wenn ich den Weg noch nicht vollständig sehe?

Das Wort des Schöpfers

Gott, der Schöpfer, befahl, und was er befahl, geschah: Der Kranke stand auf, nahm sein Bett auf und ging umher.

Dem Befehlswort des Schöpfers kann sich kein Geschöpf widersetzen.

Vergessen wir nicht: Die Heilung ist ein Zeichen, ein Zeichen von der Errettung zum ewigen Leben.

So lernen wir an dieser Heilung, dass es sich in der Errettung verhält wie in der Schöpfung: Gott spricht, und es wird.

Benedikt Peters

Frage: Wie offen bin ich dafür, Gottes Worte in meinem Leben wirken zu lassen und ihnen zu vertrauen, selbst wenn ich den Weg noch nicht sehe?

Joh 5, 10-11 Jüdischer Vorwurf

Joh 5,10: ‭Nun sprachen die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat; es ist dir nicht erlaubt, die Liegematte zu tragen!‭

Es ist dir nicht erlaubt

Die religiösen Führer sehen darin jedoch einen Gesetzesbruch, da das Tragen eines Bettes am Sabbat nach der jüdischen Überlieferung als Arbeit galt. Die Verse zeigen die Spannung zwischen der heilenden Kraft Jesu und der strengen Gesetzesauslegung der Pharisäer.

Während Jesus Leben und Heilung schenkt, klammern sich die Führer an Regeln und übersehen Gottes Gnade. Die Stelle ruft dazu auf, das Gesetz im Licht göttlicher Barmherzigkeit zu verstehen und das Wirken Gottes nicht durch starre Vorschriften zu behindern.

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du mehr auf göttliche Barmherzigkeit vertrauen, anstatt dich starr an Regeln oder Erwartungen zu halten?

Joh 5,11: ‭Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm deine Liegematte und geh umher!‭

Joh 5, 12 Wer war der Mann?

Joh 5,12: ‭Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Liegematte und geh umher?‭

Wer ist der Mensch, der zu dir sagte …?

Da geht ein von einer unheilbaren Krankheit Geheilter, den die Krankheit 38 Jahre lang an sein elendes Bett gebunden hatte, durch die Gassen Jerusalems.

Man hätte erwartet, dass die Juden wissen wollten, wer ihn habe heilen können. Aber danach fragen sie nicht, sondern sie wollen nur wissen, wer die Kühnheit gehabt hatte, jemandem einen solchen Befehl zu geben: Nimm dein Bett auf und geh umher!

So sehr hatte das Judentum mit seinen unzähligen Menschengeboten das Wort Gottes zugeschüttet, dass man den Gott, der in ihm sprach, nicht mehr hörte.

Benedikt Peters

Frage: Welche alten „Gebote“ oder Gewohnheiten in meinem Leben halten mich vielleicht davon ab, die leise Stimme Gottes oder meiner inneren Wahrheit zu hören?

Joh 5, 13 Jesus entkommt der Menge

Joh 5,13: Der Geheilte wusste nicht, wer es war, denn Jesus war weggegangen, weil so viel Volk an dem Ort war.

Jesus war weg gegangen

Wir tragen den Nächsten und wandeln zu Gott, aber wir sehen den noch nicht, zu dem wir wandeln. Darum kannte auch jener Jesus noch nicht.

Dieses Geheimnis ist uns nahegelegt, weil wir an den glauben, den wir noch nicht sehen, und damit er nicht gesehen werde, verschwindet er in der Menge. Es ist schwer, in der Menge Christus zu sehen.

Eine gewisse Einsamkeit ist unserem Geiste nötig. In einer gewissen Einsamkeit der Beschauung wird er gesehen. Bei der Menge geht es geräuschvoll zu, jenes Schauen verlangt Abgeschiedenheit.

Weil der Geheilte nicht abließ, sein Bett zu tragen und zu wandeln, sah ihn Jesus nachher im Tempel. In der Menge sah er ihn nicht, im Tempel sah er ihn. Er kam also zum Herrn, er sah ihn im Tempel, er sah ihn an einem heiligen Orte.

Frage: In welchen Momenten der Stille oder Einsamkeit kann ich das Göttliche in meinem Leben besonders wahrnehmen?

Joh 5, 14 Sündige nicht mehr

Joh 5,14: Danach findet ihn Jesus im Tempel und spricht zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden. Sündige hinfort nicht mehr.

Für dein Leben

  • Erkenne deine Fehler: Du bist nicht perfekt, aber du hast die Chance, aus deinen Sünden zu lernen und es besser zu machen.
  • Nutze Gottes Vergebung: Lass dich nicht von Schuld lähmen, sondern nehme Gottes Liebe an und richte dein Leben neu aus.

Verschwinden und wieder Auffinden

Nach der Heilung verschwindet Jesus aufgrund der vielen Leute. Augustinus legt dies geistlich aus: Es ist schwer, in der Menge Christus zu sehen. Eine gewisse Einsamkeit ist nötig. In der Menge geht es geräuschvoll zu: hier ein Telefonanruf, dort will jemand etwas von einem, und so fort.

Jenes Schauen aber, das Schauen und Erkennen Jesu im Glauben, verlangt von uns Abgeschiedenheit.

Im Tempel nun trifft Jesus wieder auf den Geheilten. Wiederum Augustinus: In der Menge sah er ihn nicht, im Tempel sah er ihn. Er kam also zum Herrn, er sah ihn im Tempel, er sah ihn an einem heiligen Ort.

Frage: Wann habe ich zuletzt in der Stille Gottes Gegenwart bewusst wahrgenommen, und wie könnte ich mir solche heiligen Momente im Alltag schaffen?

Jesus fand ihn

Jesus fand ihn, weil er sich um seine geistliche Gesundheit sorgte (sündige nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres widerfahre), nicht nur seine körperliche Gesundheit. Ein Leben in Sünde zu leben ist schlimmer und wird schlimmere Folgen haben, als achtunddreißig Jahre lang verkrüppelt zu sein.

Sünde & Beziehung

Wir hören Jesus immer wieder diesen Satz sagen: Geh und sündige nicht mehr.

Warum will Jesus die Sünde nicht? Weil Sünde ein Sich-Abwenden von Gott ist. Aber Gott ist ein Gott der Beziehung. Deshalb widerspricht die Sünde zutiefst dem Wesen Gottes.

Sie widerspricht auch unserem Sein, da wir Abbild Gottes sind: nämlich Beziehungswesen. Bist du dir bewusst, dass du vor allem für Beziehung auf dieser Welt bist? Dass du durch liebevolle Beziehungen und Nähe in Freiheit dein Herz auf die Ewigkeit vorbereitest?

In dieser Vorbereitung werden wir sicher immer wieder sündigen, aber in der Vergebung durch Christus wird das Zerbrochene wieder hergestellt.

Jesus schenkt die Vergebung der Sünden. Er bringt uns in die rechte Beziehung mit Gott und so in die rechte Beziehung zu uns selbst und zu den anderen. Benedikt XVI

Frage: Wie kannst du heute bewusst die Nähe Gottes und die Kraft der Beziehung in deinem Leben spüren und gestalten?

Die Sünde ist schlimmer als jede Krankheit

Jesus trifft den Geheilten im Tempel wieder und nutzt die Gelegenheit, um ihm etwas Grundlegendes zu vermitteln:
„Jetzt bist du gesund; sündige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustößt.“

Die Sünde ist etwas viel Schlimmeres als jede körperliche Krankheit, denn sie lähmt nicht den Körper, sondern hindert die Seele daran, bei Gott Zuflucht zu suchen und ihm im täglichen Leben zu begegnen. So wie die Lähmung eine Krankheit des Körpers ist, ist die Sünde eine Krankheit der Seele, die sie schwach und müde macht.

Nur mit Jesus an unserer Seite können wir dieses Übel überwinden, das so viel Unheil über den Menschen bringt, weil es ihn von Gott entfernt.

Br. João Paulo Jäger

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass meine Seele Heilung und Nähe zu Gott braucht?

Joh 5, 15 Anzeige bei den Juden

Joh 5,15: ‭Da ging der Mensch hin und verkündete den Juden, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte.‭

Eingeschüchterter Geheilter

Die Tatsache, dass er Jesus den Behörden anzeigte, zeigte, wie eingeschüchtert der Mann von denselben religiösen Führern war.

Joh 5, 16 Verfolgung wegen Sabbat

Joh 5,16: ‭Und deshalb verfolgten die Juden Jesus und suchten ihn zu töten, weil er dies am Sabbat getan hatte.‭

Der Unglaube der Juden

Hier kommt ein ehemals Gelähmter, wird von seiner Krankheit geheilt und sagt den Juden, wer ihn geheilt hat – und dieses Wunder interessiert sie nicht.

Sie sind nur auf den Skandal fixiert, dass er am Sabbat geheilt hat.

Hätten die Juden nur einen Funken von wahrer Sehnsucht nach dem Messias gehabt, hätten sie mehr von diesem Mann wissen wollen.

Da war jemand in Jerusalem, der gerade solche Dinge tat, die man gemäß den Weissagungen der Propheten vom Messias erwartete (Jes 35,5.6).

Benedikt Peters

Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Leben, dass ich das Wunderhafte übersehe, weil ich an Äußerlichkeiten festhalte?

Joh 5, 17 Mein Vater wirkt

Joh 5:17: Aber Jesus sagte ihnen: ȊZu jeder Zeit ist mein Vater am Wirken, und ich folge nur seinem Beispiel.

Joh 5,17: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch.

Gott wirkt

Gott hört nie auf zu wirken, denn wie es die Eigenschaft des Feuers ist zu brennen und des Schnees kalt zu sein, so ist es die Eigenschaft Gottes zu wirken.

Das Wirken des Vater und des Sohnes

Der Vater und der Sohn sind bis heute noch immer am Wirken.

Zwar vollendete und vollbrachte der Sohn, als er am Kreuz starb, das ihm vom Vater aufgetragene Werk. Zum Erlösungswerk am Kreuz gibt es nichts mehr hinzuzufügen; es ist vollendet; der Grund ist gelegt.

Gott der Vater wirkt aber noch an einzelnen Menschen, indem er fortwährend Seelen zum Sohn zieht. Und der Sohn Gottes wirkt, indem er für alle, die der Vater ihm gegeben und die der Heilige Geist überführt hat, ohne Unterlass betet, damit ihr Glaube nicht aufhört und sie durch die Welt hindurchgerettet und zur Herrlichkeit geführt werden.

Frage: Wo spüre ich heute das Wirken des Vaters und des Sohnes in meinem eigenen Leben?

Andacht zu Johannes 5,17

Manchmal fragen wir uns: Wo ist Gott in all dem Chaos meines Alltags? Stress, Sorgen, Krankheit – es scheint, als ob Gott schweigt.

Doch Jesus erinnert uns: Gott ist nicht untätig. Er wirkt – ununterbrochen. Auch wenn wir es nicht sehen, trägt er uns durch.

Jesus macht deutlich: Wie der Vater, so auch der Sohn – er ist mitten im Geschehen. Kein Tag vergeht, an dem er nicht handelt, heilt, tröstet, lenkt.

In unserer Unruhe bleibt er aktiv. In unserer Schwäche bleibt er stark. Diese Zusage schenkt Trost: Du bist nie allein, nie vergessen. Gott wirkt – auch heute, auch für dich.

Frage: Wo spürst du inmitten deiner eigenen Unruhe das leise Wirken Gottes?

Gebet: Herr, öffne meine Augen für dein Wirken in meinem Leben. Stärke mein Vertrauen. Amen.

Joh 5, 18 Gottvater-Gleichheit

Joh 5,18: ‭Darum suchten die Juden nun noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleich machte.‭

Jesu Anspruch

Jesus ist im Laufe seines öffentlichen Lebens sehr zurückhaltend in der Offenbarung seiner Gottheit.

Nun kommt die Zeit, in der er sich immer offener als Sohn Gottes zu erkennen gibt und zulässt, dass sein ganzes Leben und Handeln diese Bedeutung gewinnt: Er ist der Sohn des Vaters, der gekommen ist, um den Willen des Vaters zu vollbringen.

Damit stößt Jesus auf immer größeren Widerstand. Für den jüdischen Glauben klingt das blasphemisch. Jesus weiß, dass er den Glauben seiner Zuhörer herausfordert, doch es geht ihm hier um eine zentrale Glaubenswahrheit: Gott ist Mensch geworden, um den Menschen zu erlösen.

Wer an ihn glauben möchte, muss die ganze Wahrheit über ihn annehmen. Jesus ist nicht ein Rabbi unter vielen. Er ist nicht ein Prophet mehr in der Reihe der Propheten, die im Auftrag Gottes gesprochen haben. Er ist Gott und als solcher möchte er von den Menschen aufgenommen werden, da er weiß, dass gerade dies, seine Frohe Botschaft für die Menschen ist.

Er weiß auch um das Risiko, das er durch dieses Zeugnis auf sich nimmt.
Lorli Pregel

Frage: Wie offen bin ich bereit, die göttliche Wahrheit in meinem eigenen Leben anzunehmen und ihr Raum zu geben – auch wenn sie mein Denken und Handeln herausfordert?

Andacht von Benedikt Peters

Dass Jesus das Sabbatgebot für aufgehoben erklärte, war für die Juden unerträglich; aber noch unerträglicher war ihnen das Zweite: Er nannte Gott seinen eigenen Vater, denn was der Herr damit aussagte, verstanden die Juden sehr gut: Wenn sich jemand Sohn Gottes nennt, sagt er damit, dass er Gott sei. Das sei Gotteslästerung, und darum müsse er getötet werden, wie die Juden beim Prozess gegen Jesus dem Pilatus eröffnen (19,7).
Benedikt Peters

Frage: Wie gehe ich persönlich damit um, dass Jesus sich als Sohn Gottes offenbart – löst diese Wahrheit in mir Ehrfurcht, Vertrauen oder Widerstand aus?

Häufige Fragen zu Joh 5, 1-18

Was bedeutet Joh 5, 1-18?

Dieser Abschnitt schildert die Heilung eines seit 38 Jahren gelähmten Mannes am Teich Betesda an einem Sabbat sowie die darauffolgende Auseinandersetzung mit den jüdischen Autoritäten. Das Geschehen zeigt Jesu erbarmende Initiative gegenüber den Hoffnungslosen, löst jedoch wegen des angeblichen Sabbatbruchs und Jesu Anspruch der Gottessohnschaft den tödlichen Konflikt mit seinen Gegnern aus.

Welche Notlage findet Jesus am Teich Betesda vor und wie begegnet er dem Gelähmten?

An den fünf Säulenhallen des Teiches Betesda liegt eine große Menge von Kranken, Blinden, Lahmen und Verkrüppelten. Jesus sieht dort einen Mann liegen, der seit 38 Jahren krank ist, fragt ihn, ob er gesund werden wolle, und befiehlt ihm, nachdem Dieser seine Hilflosigkeit geklagt hat: „Steh auf, nimm deine Liegematte und geh umher!“

Warum stoßen der Geheilte und Jesus auf den Widerstand der jüdischen Obrigkeit?

Da die Heilung an einem Sabbat geschieht, halten die jüdischen Autoritäten dem Geheilten entgegen, dass es nicht erlaubt sei, am Sabbat die Liegematte zu tragen. Als sie erfahren, dass Jesus die Heilung bewirkt und das Tragen befohlen hat, beginnen sie, Jesus zu verfolgen, weil er diese Tat am Sabbat vollbracht hat.

Wie begründet Jesus sein Handeln am Sabbat gegenüber seinen Anklägern?

Jesus entgegnet seinen Kritikern mit dem Satz: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch.“ Er stellt damit klar, dass das lebensspendende und heilende Handeln Gottes auch am Sabbat nicht ruht und er als Sohn in vollkommener Übereinstimmung mit dem Vater handelt.

Welche schwerwiegende Konsequenz hat die Begründung Jesu für seine gegnerischen Zuhörer?

Die jüdischen Autoritäten trachten noch viel mehr danach, ihn zu töten. Sie werfen ihm nicht nur vor, den Sabbat gebrochen zu haben, sondern auch, dass er Gott seinen eigenen Vater nannte und sich damit selbst Gott gleichstellte.

Joh 4, 43-54 Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten
Joh 5, 19-30 Die Einheit von Vater und Sohn