Umgang mit Schwierigkeiten aus christlicher Sicht

Inhalt
Christliche Aspekte, Gedanken und Sichtweisen auf Schwierigkeiten als Bestandteil des Lebens
1. Schwierigkeiten des Lebens
Von Geburt an gehört zum Menschsein die Mühe, so wie zum Feuer die Funken gehören. Hiob 5,7
Tatsächlich scheint das Leben häufig wie eine Serie von größeren und kleineren Schwierigkeiten. Wir alle kennen Zeiten, in denen das Leben schwer auf uns lastet. Manchmal trifft es unsere Gesundheit, manchmal Beziehungen, Arbeit oder Zukunftspläne. In solchen Momenten wird Vertrauen zur Herausforderung. Wir glauben, dass Gott da ist und doch fühlt sich der Weg schwer an. Besonders belastend ist es, wenn wir nicht nur unser eigenes Leid tragen, sondern auch das der Menschen um uns herum. Die Sorgen, die wir täglich mitnehmen, können müde machen und Zweifel säen. Gerade dann stehen wir innerlich in einer Bewährungsprobe. Doch vielleicht ist es genau dieser Ort der Erschöpfung, an dem Vertrauen neu wachsen darf – nicht, weil alles leicht wird, sondern weil Gott uns mitten im Schweren hält und begleitet.
2. Was er gekrümmt hat
Betrachte das Werk Gottes! Wer kann gerade machen, was er gekrümmt hat? Koh 7,13
Nicht jedes, aber so manches krumme Ereignis schickt uns Gott aus Liebe in unser Leben. Warum, wieso, weshalb? Das verstehen wir oft nicht oder erst später. Seine Gedanken sind nicht unsere. Bin ich in nun der Lage, Gott zu vertrauen, egal ob er das Krumme in meinem Leben begradigen wird oder nicht, ob er die Schwierigkeit auflöst oder nicht? Glaube ich völlig bedingungslos und rein, dass unser Gott ein Gott ist, der mich liebt und weiß, was das Beste für mich ist, meine Situation in seiner Hand hat? Kann Gott immer für uns sorgen (ist er souverän) und sorgt er immer für uns (ist er gut)? Kann ich überzeugt sagen: Gott ist allmächtig und vollkommen in seiner Liebe? Kann ich ihm vertrauen, auch wenn ich ihn nicht verstehe? Glaube ich? Das ist die alles entscheidende Frage! Ansonsten ist das ganze Konzept, Gott in Notlagen zu vertrauen, nur eine fromme Floskel, die den schwierigen Ereignissen des Lebens nicht standhält.
Ich glaube: Gott sorgt für uns, und er lenkt unaufhörlich, nicht nur ab und zu, alle Angelegenheiten, die unser Leben betreffen.
3. Schwierigkeiten helfen unserem Wachstum
Durch solche Bewährungsproben wird euer Glaube fest und unerschütterlich. Jak 1,3
Ein faszinierendes Ereignis ist das mühsame Schlüpfen eines Schmetterlings aus seinem Kokon. Ihm helfen? Ohne die Notwendigkeit des Kampfes zu erkennen, das Äußere des Kokons entfernen? Wenn man dies tun würde, kommt der Schmetterling zwar schnell zum Vorschein, aber mit verknitterten und verkümmerten Flügeln. Auch im Weiteren bleiben die Flügel schwach. Der Schmetterling, der in wenigen Minuten seine Flügel ausgebreitet hätte, um zu fliegen, ist nun dazu bestimmt, sein kurzes Leben krabbelnd zu verbringen. Er wird nie das wunderbare Geschöpf sein, wozu Gott ihn geschaffen hatte.
Die Schwierigkeiten des Lebens gleichen sehr dem Kokon des Schmetterlings. Gott benutzt sie, um das geistliche Muskelsystem in unserem Leben zu entwickeln.
4. Schwierigkeiten reinigen uns
So reinigt er sie, damit sie noch mehr Frucht hervorbringt. Joh 15,2
Gott gebraucht Schwierigkeiten, um unseren Griff nach Dingen, die keine echte Freude darstellen, zu lockern. Eine schwere Krankheit oder der Tod eines lieben Menschen, der Verlust von materiellen Besitz oder der Verlust unseres Ansehens, Freunde, die sich von uns abwenden, oder Träume, die an den Felsen des Versagens zerschellen, bringen uns zum Nachdenken darüber, was wirklich wichtig ist im Leben. Wir beginnen unser Leben, unsere Wünsche und Erwartungen dem souveränen Willen Gottes zu unterstellen. Wir werden mehr und mehr abhängig von Gott und richten uns auf das aus, was für die Ewigkeit zählt.
Jede Prüfung, die uns begegnet, sei sie nun groß oder klein, trägt in irgendeiner Weise zu unserem Wachstum bei. Wenn sie nicht zu etwas gut wäre, würde Gott sie nicht zulassen oder schicken.
5. Das alles geschah: Abhängigkeit von Gott
Aber das alles geschah, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten zu neuem Leben erweckt. 2 Kor 1,9
Unsere Neigung, dass wir uns auf uns selbst statt auf Gott verlassen, stellt einen Bereich unseres Lebens dar, in dem Gott ständig an uns arbeitet. Wir leben in einer Welt, die Unabhängigkeit und Selbstsicherheit anbetet. Wenn unsere eigenen Kräfte aber nicht mehr tragen, wird sichtbar, worauf wir unser Leben bauen. Selbstvertrauen ist gut, aber es reicht nicht für die tiefen Fragen des Lebens. Gott nutzt Zeiten der Schwäche, um unser Vertrauen neu auszurichten. Durch Schwierigkeiten lehrt Gott uns, dass wir uns auf ihn und nicht auf uns selbst verlassen sollen. Weg vom krampfhaften Kontrollieren, hin zum Loslassen. Dort entsteht eine andere Stärke, die nicht aus uns kommt, sondern uns geschenkt wird.
Frage: Wo lädt Gott dich gerade ein, weniger auf dich selbst und mehr auf ihn zu vertrauen?
6. Schwierigkeiten fördern Ausdauer
Mit zäher Ausdauer wollen wir auch noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten. Hebr 12,1
Ausdauer befähigt, trotz Schwierigkeiten ein Ziel zu verfolgen. Jeder von uns stößt auf unzählige Hindernisse, die uns den Mut rauben. Um das Lauf des Lebens zu laufen und erfolgreich zu beenden, müssen wir Ausdauer entwickeln. Doch wie können wir das tun? Hier ist eine Wechselwirkung entscheidend: Schwierigkeiten erzeugen Ausharren, und Ausharren befähigt uns wiederum, unseren Schwierigkeiten zu begegnen. Ein guter Vergleich dazu ist das Krafttraining: Das Heben von Gewichten erzeugt Muskeln, und je mehr sich die Muskeln entwickeln, desto größere Gewichte kann man heben.
Jeder Christ ist im Training, wird trainiert für höheren Dienst. Ist das Training schwer, dann nur auf die Zukunft sehen! Corrie ten Boom
Das christliche Leben ist eine Trainingserfahrung, und Ziel des Trainings ist es, Gott hingegebene Menschen zu werden. Gordon MacDonald
7. Gemeinschaft und Dienst
In allen Schwierigkeiten ermutigt er uns und steht uns bei, so dass wir auch andere trösten können. 2 Kor 1,3-4
Es ist gut, in Schwierigkeiten und Krisen einen Begleiter an der Seite zu haben, der Trost und Ermutigung spendet. Schwierigkeiten können so die geschwisterliche Gemeinschaft fördern. Auch wir selbst sind dazu berufen, andere in Schwierigkeiten zu begleiten. All das bewirkt, dass wir uns untereinander mehr Aufmerksamkeit schenken, sind wir doch als Christen Mitglieder am Leib Christi. Gott möchte die schwierigen Zeiten in unserem Leben dazu gebrauchen, unsere Beziehungen zu vertiefen. Er möchte ein tieferes Bewusstsein dafür schaffen, dass wir das Leben miteinander teilen, das wir in Christus haben.
8. Vertiefende Beziehung zu Gott
Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen! Hiob 42,5
Du suchst dir sicherlich keine Schwierigkeiten aus, um deine Beziehung zu Gott zu vertiefen. Vielmehr sucht Gott dich durch die Schwierigkeiten. Gott selbst führt dich mehr und mehr in eine tiefere Beziehung zu ihm. Wenn du ihn suchst, dann allein aus dem Grund, weil er dich sucht. Eines der stärksten Seile, mit dem Gott uns in eine vertrautere, persönliche Beziehung zu ihm zieht, sind Schwierigkeiten. In Krisensituationen lernen wir, uns vor seiner Souveränität zu beugen, seiner Weisheit zu vertrauen und den Trost seiner Liebe zu erfahren.
Wir wünschen oft, unsern Weg ohne Prüfungen und Schwierigkeiten gehen zu können. Aber welch ein Verlust wäre es für uns, wenn dieser Wunsch erfüllt würde! Die Gegenwart des Herrn ist nie so köstlich und erquickend, als in Zeiten der Drangsal und Not. Charles Henry Mackintosh
9. Dankbarkeit in Schwierigkeiten
Was immer auch geschieht, seid dankbar! 1 Thess 5,18
Dankbarkeit in Schwierigkeiten ist kein Widerspruch, sondern eine bewusste Entscheidung! Wenn wir in der Not den Blick heben und „Danke“ sagen verändert das unsere Perspektive. Wir schauen nicht mehr nur auf die Schwierigkeiten und nähren so unseren „Negativ-Blick“. Mehr noch: Ein dankbares Herz wird zum Ankerplatz für seinen Frieden, der unseren Verstand übersteigt. Hoffnung trägt, selbst wenn es dunkel ist. Bedenken wir: das Hauptproblem der Israeliten bei ihrem Weg und Leben in der Wüste war das wiederholte Murren, ein Ausdruck von Mißtrauen und Undankbarkeit vor dem wir uns heute auch hüten müssen in all unseren Schwierigkeiten.
Du sollst nicht in der Wüste des Murrens und Haderns herumirren, sondern in dem verheißenen Land der Zufriedenheit und Ruhe wohnen. Charles Haddon Spurgeon
10. Warum ein leidfreies Leben unmöglich ist
Ein jegliches hat seine Zeit. Koh 3,1
Wir möchten, daß es auf unserem Weg weder Schwierigkeiten noch Widerwärtigkeiten noch Plagen gäbe. Wir wünschten uns Freude ohne Rückschlag, immer Gutes ohne Böses, Gesundheit ohne Krankheit, Ruhe ohne Mühen, Frieden ohne Aufregung. Welch ein Unsinn! Man verlangt Unmögliches, denn die ungetrübte Reinheit gibt es nur im Paradies: Das Gute, das Ausruhen, die Freude, alles ist nur im Himmel ganz rein, ohne jegliche Beimischung von Unruhe und Leid. In diesem vergänglichen Leben gibt es aber nichts Gutes, dem nicht Böses auf dem Fuß folgte, keinen Reichtum ohne Sorgen, kein Ruhen ohne Plage, keine Freude ohne Leid, keine Gesundheit ohne Krankheiten. Kurzum, alles ist miteinander vermischt, es ist ein ständiges Auf und Ab, Hin und Her. Franz von Sales
11. Aktiv auf Schwierigkeiten reagieren
Denn der Geist, den Gott uns gegeben hat, macht uns nicht zaghaft, sondern er erfüllt uns mit Kraft, Liebe und Besonnenheit. 2 Tim 1,7
Ich höre oft, wie Menschen sich darüber beklagen, dass ihr Leben so schwer ist. Es stimmt: Ihre Schwierigkeiten sind real. Man kann Probleme nicht wegdiskutieren oder verdrängen. Aber es liegt immer auch an uns, ob wir uns von den Problemen bestimmen lassen oder ob wir aktiv darauf reagieren. Wir sind nicht hilflos den Schwierigkeiten ausgeliefert, die das Leben mit sich bringt. Es gibt immer einen Freiraum, in dem wir selbst das Leben in die Hand nehmen und gestalten können. Wir können nicht alles ändern. Aber wenn wir einen konkreten Weg gehen, geben wir eine Antwort auf den Stress, der uns bedrängt, auf die Kraftlosigkeit, die wir manchmal spüren, auf die Probleme, die auf uns einstürzen. Solche konkrete Wege möchte ich gerne aufzeigen. Anselm Grün
12. Vertrauen lernen
Befiehl dem Herrn deinen Weg, und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen. Ps 37,5
Um die Probleme des Lebens zu lösen, muss man der Realität in die Augen sehen. Und das ohne der Angst oder der Versuchung zum Klagen nachzugeben, denn Jesus ist immer an der Seite jedes Menschen, auch und vor allem in den schwierigsten Momenten. Das ist der erste Schritt: Wenn es Schwierigkeiten gibt, muss man sie sich genau ansehen, sie annehmen und darüber sprechen. Man darf sie niemals verstecken. Man muss das Leben so nehmen, wie es kommt, nicht so wie wir wollen, dass es kommt. Wenn es Probleme gibt, dann muss man sie angehen, und der Herr wird uns helfen, sie zu lösen. So dürfen wir keine Angst vor den Problemen haben. Jesus selbst sagt zu seinen Jüngern: Ich bin es, habt keine Angst, ich bin es! Immer.
13. Gebet als Halt in der Not
Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in Zeiten der Not. Ps 46,2
Der Mensch von heute scheint sehr selbstsicher, und doch muß er besonders in kritischen Situationen seine Ohnmacht eingestehen: Er spürt die Unfähigkeit, einzugreifen, und lebt infolgedessen in Unsicherheit und Angst. Der Schlüssel zur Bewältigung der Mühen und der persönlichen und sozialen Schwierigkeiten, nicht nur im Notfall, sondern Tag für Tag, ist das gläubige Gebet. Wer betet, verliert nicht den Mut, nicht einmal angesichts der größten Schwierigkeiten, denn er fühlt Gott an seiner Seite und findet in seinen väterlichen Armen Zuflucht, Gelassenheit und Frieden. Wenn er sich dann Gott vertrauensvoll öffnet, öffnet er sich auch dem Nächsten großmütiger. So werden wir fähiger, die Geschichte nach dem göttlichen Plan zu gestalten. Johannes Paul II
14. Schwierigkeiten prüfen den Glauben
Doch dadurch soll sich euer Glaube bewähren und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als das vergängliche Gold, das ja auch durch Feuer geprüft wird. 1 Petr 1,7
Tatsächlich wird in den Schwierigkeiten des Lebens vor allem die Qualität des Glaubens eines jeden geprüft und auf die Probe gestellt: seine Festigkeit, seine Reinheit, seine Übereinstimmung mit dem Leben.
Gebet: Herr, hilf mir, Prüfungen mit Glauben und Geduld anzunehmen. Stärke mich in Schwierigkeiten, forme meinen Charakter und stärke mein Vertrauen auf dich. Amen.
