
Wüstenväter: Umgang mit dem Nächsten – Christliche Andacht
Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Wüstenväter: Umgang mit dem Nächsten
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1. Über die Sanftmut
Eure Sanftmut lasst alle Menschen erfahren! Phil 4:5
Einige von den Alten kamen zum Altvater Poimen und sagten zu ihm: Wenn wir beim Gottesdienst Brüder einnicken sehen, willst du, dass wir ihnen einen Stoß geben, damit sie in der Vigil wachen? Er erwiderte: Wahrlich, wenn ich einen Bruder einnicken sehe, dann leg ich seinen Kopf auf meine Knie und lasse ihn ruhen. Apophthegmata / Worte der Wüstenväter
Das Leben ist immer Entscheidung. Versuche Situationen wahrzunehmen, wo du ganz bewusst sanftmütig reagieren kannst.
2. Über Splitter und Balken
Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Mt 7:3
In einer Versammlung sprachen die Väter viel über einen Bruder, der versagt hatte. Ein Altvater aber schwieg.
Danach nahm dieser Altvater einen Sack, füllte ihn mit Sand und lud ihn auf seinen Rücken. Darauf tat er ein wenig von dem gleichen Sand in ein Körbchen und trug es vor sich her.
Als ihn die Väter fragten, was das bedeuten solle, antwortete er:
Dieser Sack mit dem vielen Sand stellt meine Sünden dar, und weil es viele sind, habe ich sie auf meinen Rücken gepackt, damit ich sie nicht anzuschauen brauche. Dies bisschen Sand hier aber sind die Versäumnisse dieses Bruders. Die halte ich mir vor Augen und wühle in ihnen.
Aber so soll man es nicht halten, sondern meine größere Sündenmenge soll mir vor Augen stehen, und ich muss über sie nachdenken und Gott bitten, dass er mir vergibt.
Apophthegmata / Worte der Wüstenväter
Frage: Welche eigenen „Säcke mit Sand“ trägst du unbewusst mit dir herum, und wie könntest du lernen, bewusst Mitgefühl für dich selbst und andere zu entwickeln?
3. Über die Vergebung
Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben. Mt 6:14
Ein Bruder hatte sich etwas zuschulden kommen lassen. Als er nun von seinen Brüdern deswegen gescholten wurde, ging er fort.
Die Brüder aber folgten ihm nach, um ihn zurückzuholen, und begannen, ihm seine Vergehen von neuem vorzuhalten. Er aber bestritt seine Schuld nicht.
Da gesellte sich ein Altvater zu ihnen, der erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Ich sah am Flussufer einen Mann bis zu den Knien im Schlamm stecken. Und als einige kamen, um ihn mit hingestreckter Hand herauszuziehen, sanken sie selbst bis zum Halse ein.
Betroffen von seinen Worten taten die Brüder Buße und riefen den, der davongegangen war, in ihre Gemeinschaft zurück.
Apophthegmata / Worte der Wüstenväter
Frage: In welchen Momenten fällt es dir schwer, Vergebung zu üben, und was könnte dir helfen, diese Offenheit in deinem eigenen Leben zu finden?
4. Über den Zorn gegen den Nächsten
Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn. Eph 4:26
Nicht zornig zu werden ist eine gute Sache. Sollte dich der Zorn aber einmal überfallen, dann darf dein Tag, der davon überschattet wurde, nicht in diesem Schatten enden.
Denn es heißt: Lass die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn. Sonst könnte es sein, dass der Schatten sich über dein Leben verbreitet.
Weshalb einen Menschen verabscheuen, wenn er dir weh getan hat? Nicht dieser Mensch ist schuldig, sondern der Teufel. Verabscheue die Krankheit, doch nicht den kranken Menschen.
Apophthegmata / Worte der Wüstenväter
Frage: Welche Schatten in deinem Leben könntest du loslassen, um Raum für Licht und Frieden zu schaffen?
5. Über die Barmherzigkeit
Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist! Lk 6:36
Ein Bruder fragte Altvater Poimen: Ist es recht, den Fall eines Mitbruders, den ich sehe, zu bedecken? Der Altvater sagte: Zu der Stunde, in der wir den Fehler unseres Mitbruders zudecken, deckt Gott auch die unseren zu. Und in der Stunde in der wie den des Bruders aufdecken, offenbart Gott auch den unsern! Apophthegmata / Worte der Wüstenväter
Vor allem aber habt innige Liebe untereinander; denn die Liebe wird eine Menge von Sünden zudecken. 1. Petr 4:8
6. Über gutes Reden
Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. Eph 4:29
Wenn ein Bruder von einem andern Übles redet vor dir, hüte dich, dich von ihm einschüchtern zu lassen und zu sagen: Ja, es ist so. Sondern entweder schweige oder sage zu ihm: Bruder, ich bin selbst verdammt und kann einen andern nicht richten. So rettest du dich selbst mit dem andern. Apophthegmata / Worte der Wüstenväter
Wir geraten häufig in Situationen, in denen ein anderer über irgendjemand etwas erzählt. Wir wissen dann oft nicht, wie wir uns verhalten sollen. Wir wollen nicht urteilen, aber auch den, der uns von anderen Menschen erzählt, nicht bloßstellen.
Die Mönche raten, entweder zu schweigen oder aber auf sich selbst zu verweisen: Ich bin selbst schwach. Ich habe den gleichen Fehler wie der andere. Ich kann nicht über andere richten. Dann beschäme ich den anderen nicht. Aber ich ermutige ihn dennoch, vom Reden über andere zu lassen.
Ich erweise mir, dem Erzähler und dem, über den gerade geredet wurde, etwas Gutes, etwas, was heilsam ist.
Anselm Grün
Frage: Wie bewusst bin ich mir meiner eigenen Urteile und wie kann ich durch Schweigen oder Selbstreflexion Harmonie in meinen Beziehungen fördern?
7. Geduld mit dem Nächsten
Ein Bruder fragte Abba Poimen: Was soll ich tun, wenn mein Bruder mich beleidigt? Der Alte sagte: Wenn dich dein Bruder in etwas beleidigt, sei du derjenige, der ihm zuvorkommt und ihm um Vergebung bittet, dann wirst du Frieden gewinnen. Worte der Wüstenväter
Wie anders klingt das als unser spontanes Denken! Meist warten wir, bis der andere sich entschuldigt.
Doch Abba Poimen lädt ein, den ersten Schritt zu gehen. Nicht, weil der andere immer im Recht wäre, sondern weil Frieden wichtiger ist als Stolz.
Wer um Vergebung bittet, schenkt Raum für Versöhnung – und entlastet sein eigenes Herz. Jesu Weg ist genau dieser: nicht zurückschlagen, sondern Schritte der Liebe gehen.
Heute kannst du dich fragen: Wo halte ich an einer Verletzung fest? Vielleicht ist es Zeit, mutig den ersten Schritt zu tun – und wahren Frieden zu finden.
Frage: Welche alte Verletzung in mir wartet darauf, dass ich ihr mit Liebe begegne und loslasse?