
Tugend der Sanftmut - Christliche Andacht
Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Tugend der Sanftmut
Inhaltsverzeichnis
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1. Zur Sanftmut
Die Sanftmütigen werden das Land erben und sich großen Friedens erfreuen. Ps 37,11
Wenn du sanftmütig sein willst, lerne zuallererst, alles, was dir geschieht, anzunehmen, ohne gleich in die Haltung des Richters zu verfallen, der verurteilt. Spiritualität, die uns hart und selbstgerecht macht, ist wertlos.
Es gibt unzählige Stellen im Evangelium, in denen Jesus verurteilt, doch bleibe stattdessen standhaft und beharrlich bei einem gütigen Auge. Dein Blick auf den anderen Menschen ist das entscheidende Moment.
Ein Mensch mit Sanftmut hat großes Verständnis für die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Menschen und kann diese annehmen. Und ja, ich weiß, dass dies bei bestimmten Personen eine echte Herausforderung ist und bleiben wird.
Fehler sind dick, wo die Sanftmut dünn ist. Englisches Sprichwort
Frage: Wie könnte es dein Leben verändern, wenn du Menschen ohne Urteil und mit voller Annahme begegnest?
2. Selig die Sanftmütigen
Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben! Mt 5,5
Vor allem müssen wir ein gutes, sanftmütiges und dem Nächsten gegenüber liebevolles Herz haben, besonders wenn er uns zur Last und zum Ekel geworden ist.
Denn dann haben wir nichts an ihm, um ihn zu lieben, sondern nur Ehrfurcht für den Heiland, welche die Liebe zweifellos umso wertvoller und würdiger macht, je reiner und freier sie von hinfälligen Beweggründen ist.
Darum: Wenn Ihre Seele in Ruhe ist, machen Sie lebendigen Gebrauch davon, indem Sie möglichst viele Akte der Sanftmut verrichten, so häufig Sie Gelegenheit dazu haben, mögen diese auch noch so gering sein.
Franz von Sales
Sanftmütig ist, wer den Nächsten und sich selbst erträgt. Juan de la Cruz
Frage: In welchen Momenten fällt es Ihnen schwer, sanftmütig zu sein, und wie könnten Sie in diesen Situationen die Liebe und Ehrfurcht für das Göttliche in sich stärken?
3. Tugend der Sanftmut
Jage aber nach Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glauben, Liebe, Geduld, Sanftmut! 1 Tim 6,11
Die Sanftmut will nun, dass man die Regungen des Zornes unterdrückt, dass man mild, herzlich und voll Güte gegen alle ist. Sprich und handle also auf möglichst sanfte Weise.
Beim ersten Gefühl des Zorns, der Ungeduld und der Entrüstung des Herzens sammle sogleich sanft deine Kräfte vor unserem Herrn, um ihn um Hilfe zu bitten.
Wenn man eine Handlung im Zorn oder aus Ungeduld begangen hat, mache den Fehler gut durch einen Akt der Sanftmut der betreffenden Person gegenüber.
Es gehört nicht viel dazu, recht sanftmütig zu sein, wenn einem nichts in die Quere kommt und die Geduld nicht auf die Probe gestellt wird. Franz von Sales
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag bewusst sanftmütig reagieren, selbst in Situationen, die mich innerlich aufwühlen?
4. Die Liebe ist sanftmütig
Hass führt zu Streit, aber Liebe sieht über Fehler hinweg. Spr 10,12
Wenn es um das Korrigieren unserer Mitmenschen geht, sind wir oft sehr schnell und sehr genau. Viel Zank und Streit ließe sich vermeiden, würden wir der Tugend der Sanftmut folgen und nicht jedes Fehlverhalten bis ins Detail benennen, sondern über manches einfach hinwegsehen.
Selbst wenn es notwendig ist, einen Fehler zu benennen, sollte unsere Zurechtweisung stets aus dem Herzen kommen und mit milden Worten erfolgen. Achte beim Tadeln darauf, den schwachen Menschen zu entschuldigen und seinen Fehler zu verkleinern.
Sanftmut beinhaltet einen behutsamen Umgang mit dem Nächsten.
Frage: Wie kannst du heute in deinen Begegnungen mehr Sanftmut und Mitgefühl einfließen lassen, anstatt gleich zu korrigieren?
5. Mildes Reden
Eine milde Antwort stillt den Zorn. Spr 15,1
Das Leben mutet uns derweilen einiges zu. Häufig hat das auch mit dem Verhalten anderer Menschen gegen uns zu tun. Verbitterung und Groll können die Folge sein.
In unserer Verantwortung und unserem Glauben aber liegt es, ob wir darin auch Lern-Lektionen für uns entdecken können, zum Beispiel indem wir unsere Unvollkommenheiten und Schwächen erkennen und annehmen lernen. Etwa, dass ich mal wieder gereizt bin aufgrund des Verhaltens einer Person.
Erkenne und nehme ich diese meine Schwächen an und darin auch mein Menschsein, stehen die Chancen gut, dass ich auch die Schwächen des anderen erkenne und annehme. Wer hart über andere urteilt, der hat seine Fehler und Schwächen nicht wirklich überwunden.
Frage: Welche Schwächen in mir könnte ich heute liebevoll erkennen und annehmen, um offener gegenüber den Schwächen anderer zu sein?
6. Zur Sanftmut
Indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragt. Eph 4,2
Der Sanftmütige gerät nie in Verwirrung, sondern taucht alle seine Worte in Demut und besiegt das Böse durch das Gute.
Behandeln Sie den Nächsten mit äußerster Sanftmut und Liebe, vor allem jene, gegen die Sie Abneigung oder Ekel empfinden.
Wenn Sie andere zurechtweisen, soll es immer mit dem Herzen und mit milden Worten geschehen. Achten Sie beim Tadeln der Fehler darauf, dass Sie in Ihrem Herzen den schwachen Menschen entschuldigen und den Fehler verkleinern; denn so wirken die Mahnungen am nachhaltigsten.
Schließlich muss man dem Nächsten gegenüber Milde bis zum Äußersten walten lassen, selbst bis zur Torheit, und darf niemals Vergeltung üben.
Franz von Sales
Der Sanftmütige sieht sehr wohl, was er selbst oder andere falsch machen, er gerät dabei jedoch nicht in Zorn, sondern sieht hinter all den Fehlern den Menschen, der viel Geduld und Liebe braucht, um sich zu verbessern.
Frage: Wie kann ich heute in meinem eigenen Leben bewusst Sanftmut und Milde praktizieren, besonders gegenüber Menschen, die mir schwerfallen?
7. Lebe milde
Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist. 2 Tim 2,24
Ich sage nicht, daß man weich und nachsichtig sein soll, wohl aber sanft und gütig. Verwenden Sie Ihre größtmögliche Sorge darauf, daß Sie inmitten der Ihren recht milde werden.
Daran sollen Sie denken, wenn Sie das Haus betreten, wenn Sie es verlassen, am Morgen, zu Mittag, ja zu jeder Stunde. Ich sage Ihnen also, daß Sie Ihre besondere Aufmerksamkeit darauf lenken sollen, sich recht sanftmütig zu verhalten.
Üben Sie kräftig Ihr Herz in der inneren und äußeren Milde und halten Sie es in Ruhe inmitten der vielfältigen Angelegenheiten, die sich ergeben. Hüten Sie sich sehr vor Übertreibung, sie ist die Pest der heiligen Frömmigkeit.
Jean de la Fontaine: Durch Sanftmut wirst du mehr gewinnen als durch Gewalt und Ungestüm.
Frage: In welchen Momenten des Alltags können Sie bewusst Sanftmut üben, ohne sich selbst oder andere zu überfordern?