Lk 22, 39-46 Jesus am Ölberg
Inhaltsverzeichnis
Vers 39 Weg zum Ölberg
Lk 22,39: Und er ging hinaus und begab sich nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch seine Jünger.
Er ging zum Ölberg, wie Er es gewohnt war
Jesus hatte in dieser Woche seine Nächte dort verbracht (Lk 21:37), und er weigerte sich, diese Routine zu ändern, obwohl er wusste, dass es bedeutete, dass Judas ihn leicht finden konnte.
Vers 40 Betet gegen Versuchung
Lk 22,40: Betet, dass ihr nicht in Versuchung kommt!
Franz von Sales zur Versuchung
Sobald du die Versuchung fühlst, mache es wie die kleinen Kinder, die sofort zu Vater und Mutter laufen. So nimm auch du deine Zuflucht zu Gott.
Bleib vor allem stets demütig und dir deiner Schwäche bewusst. Bitte Gott, dass er sich deiner erbarme und dir helfe.
Jesus selbst lehrt uns: Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Beteure, dass du der Versuchung nicht zustimmen willst, bitte Jesus um Hilfe und setze deine Beteuerung fort, solange die Versuchung anhält.
Betrachte dabei aber nicht die Versuchung, sondern den Herrn. Streite nicht mit dem Feind! Erwidere kein Wort außer dem einen, womit der Herr ihn beschämte: Zurück, Satan! Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.
Sieh aber , wie der Herr sich nicht verwirren ließ, sondern mit der Heiligen Schrift in Demut dem Bösen entgegentritt , damit du Christus so ähnlich wie möglich wirst. Chrysostomus
Frage: In welchen Momenten fällt es dir schwer, dich auf Gott zu verlassen, und wie könntest du lernen, in diesen Momenten bewusst Zuflucht bei ihm zu suchen?
Vers 41 Jesus kniet nieder
Lk 22,41: Darauf entfernte er sich von ihnen etwa einen Steinwurf weit, beugte seine Knie und betete.
Jesus wirft sich zur Erde
Das ist die Gebetshaltung der äußersten Unterwerfung unter den Willen Gottes. In diesem von der Todesangst durchdrungenen Beten Jesu nimmt er die ganze Schuld der Menschheit auf sich, er nimmt dich und mich auf sich und trägt uns zum Vater hin.
Jesus selbst ist der Hirte der Menschheit. So ist dieser Augenblick der Todesangst Jesu ein wesentliches Moment im Vorgang der Erlösung. Wir folgen seinen Spuren, wenn wir unser Ja zum Willen Gottes täglich erneuern, auch wenn es uns in bestimmten Situationen schwer fällt, ihn anzunehmen.
Daher lässt sich der, welcher unsere Leiden auf sich nahm und für uns Vermittler wurde, durch den Menschen, welchen er annahm, auf die Knie nieder und betet, um zu zeigen, dass man zur Zeit des Gebetes nicht stolz, sondern in allem demütig sein müsse, weil Gott den Stolzen widersteht, aber den Demütigen seine Gnade gibt.
Goldene Perle
Die übliche Art zu beten war damals, im Stehen zu beten. Dass Jesus niederkniete, beweist die Gewalt seines Kampfes in Gethsemane.
Frage: Wo in meinem Leben fällt es mir am schwersten, Gottes Willen anzunehmen, und wie könnte ich lernen, mich diesem Moment der Demut zu öffnen?
Andacht der goldenen Perle
Hier findest du ihn entfernt beten, damit du lernest, man müsse mit aufmerksamer Seele und ruhigem Leib mit dem erhabenen Gott reden.
Aber nicht aus Bedürfnis fremder Hilfe betete er, der die allmächtige Kraft des Vaters ist, sondern damit wir lernen, daß man bei Versuchungen nicht schlafen, sondern vielmehr dem Gebet obliegen soll.
Auch betet er allein für Alle, da er allein für Alle leiden wollte, zum Zeichen, daß sein Gebet so sehr als sein Leiden von dem unsrigen verschieden sei.
Goldene Perle
Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben den Moment finden, still und bewusst mit dem Göttlichen zu sprechen, unabhängig von äußeren Bedürfnissen?
Vers 42 Dein Wille geschehe
Lk 22,42: Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.
Der Kelch
Im Alten Testament ist ein Kelch immer wieder ein kraftvolles Bild des Zorns und des Gerichts Gottes.
Was ist hier Jesus Wille im Gegensatz zum Willen des Vaters?
Wer steht sich da gegenüber? Der Vater und der Sohn? Der Mensch Jesus und der dreifaltige Gott?
Ein Verständnis des Ineinanders von göttlichem und menschlichem Willen in der Gestalt Jesu Christi ist hier wichtig zu verstehen: zwei Naturen, eine Person.
In dem menschlichen Willen Jesu ist in ihm der ganze Widerstand der menschlichen Natur gegen Gott anwesend. Unser aller Eigensinn gegen Gott ist da. Ringend zieht Jesus diese unsere widerständige Natur in ihr eigentliches Wesen hinauf, das spricht: Nicht ich, sondern du!
Es ist die völlige Übergabe des Ich an das Du Gott Vaters.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, mein Ich liebevoll dem Du Gottes anzuvertrauen?
Die Entscheidung
Wir haben Gefühle und wir haben einen Verstand. Es ist eine Wunschvorstellung, dass diese immer miteinander im Einklang sind. Täglich erfahren wir Momente, in denen sie sich widerstreben. Dies ging Jesus in seinem vollen Menschsein ebenso. In allem war er uns gleich.
Der wohl beeindruckendste Moment ist die Nacht vor seinem Tod. Jesus betete, dass das Leiden an ihm vorübergehe. Damit drückte er sein Gefühl aus angesichts des bevorstehenden Leidens. Im Geist und Verstand aber nahm er den Tod freiwillig auf sich.
Im Kleinsten sind wir ebenso in solche Momente gestellt. Wir können zum Beispiel im Gefühl eine Person als anstrengend oder schwierig empfinden. Im Geist und Verstand und in der Kraft Gottes aber entscheiden wir uns dafür, dieser Person möglichst liebevoll zu begegnen.
Täglich also erfahren wir diese widerstrebenden Willensregungen in uns, aber nur solange, bis sich der Wille entscheidet, hin zu dem, was Gott will.
Frage: Wie kann ich heute bewusst meinen Willen mit Gottes Führung in Einklang bringen, auch wenn meine Gefühle etwas anderes sagen?
Jesus ringt mit dem Vater
Jesus ringt mit sich selbst und er ringt um uns. "Der Hirte gibt sein Leben für die Schafe." (Joh 10,11)
Jesus erleidet die Angst vor der Macht des Todes. Dies ist zunächst einfach die dem Menschen eigene Erschütterung vor der Gegenwart des Todes.
Aber bei Jesus geht es um mehr: Er sieht die schmutzige Flut aller Lüge und alles Niedrigen, die auf ihn zukommt in dem Kelch, den er trinken muss. Es ist die Erschütterung des ganz Reinen und Heiligen vor der ganzen Flut des Bösen dieser Welt, die auf ihn hereinbricht.
In diesem Ringen folgen wir ihm nach.
Frage: Welche inneren Kämpfe darf ich bewusst wahrnehmen, um näher an das zu kommen, was wirklich rein und heilig ist in meinem Leben?
Andacht von Benedikt XVI
Das ist das große Ereignis des Ölberges, der Weg, der sich im Grunde in jedem unserer Gebete verwirklichen sollte: unseren egoistischen Willen verwandeln lassen, ihn öffnen, damit er in den göttlichen Willen verwandelt wird.
Christus hat die menschliche Natur angenommen und hat auch seelisch den tiefsten Schmerz gefühlt. In diesem Drama der Todesangst, des Gegensatzes zwischen dem menschlichen Willen, nicht zu sterben, und dem göttlichen Willen, der sich dem Tod ausliefert, in diesem Drama von Getsemani verwirklicht sich das ganze menschliche Drama unserer Erlösung.
Denn in dieser Erlösung nimmt er dieses sein Menschsein mit. In der Hingabe seiner selbst wird er umgeschmolzen in eine neue Weise des Seins, in der er nun immer zugleich beim Vater und bei den Menschen ist. Das Kreuz, den Akt der Tötung, wandelt er um in einen Akt der Hingabe, der Liebe bis ans Ende.
Jesus wird freiwillig und aus Liebe zum Opfer und trägt den Schmerz der Menschheit und weigert sich, ihn abzuweisen.
Benedikt XVI
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich meinen eigenen Willen öffnen, um ihn dem göttlichen Willen anzuvertrauen?
Beten im Leiden
Durch das Gebet Jesu am Ölberg wurde Jesus der Kreuzestod nicht genommen, aber er bekam die Kraft, seinen Weg zu gehen.
Beten in der Krankheit und im Leiden heißt, auf das Wunder zu hoffen, aber es nicht erzwingen zu wollen, sondern sich in Gottes Willen zu ergeben.
Der Umgang mit Leiden ist eine Gratwanderung zwischen dem Kampf gegen das Leiden und der Annahme des Leidens. Beide Seiten verweisen auf Gottes Willen und führen zur Erkenntnis, dass ich mein Leben nicht selbst in der Hand habe. Es liegt in Gottes Hand.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, mich in schwierigen Zeiten vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen?
Das ist eine der bewegendsten und erschütterndsten Situationen im Leben Jesus
Es ist das Ringen zwischen der göttlichen und der menschlichen Seele Jesu. Im Umfeld von Getsemani und Golgota wird das menschliche Bewusstsein Jesu der härtesten Prüfung unterworfen. Es zeigt, dass Jesus kein dem Leiden gegenüber unempfindlicher Übermensch ist.
Hier ist ihm der Abgrund der Sünde und alles Bösen ins Innerste der Seele gedrungen. Hier ist er von der Erschütterung des nahen Todes berührt worden. Jesus spürt Einsamkeit und Betrübnis.
Aus dieser Situation bittet er die Jünger und auch uns: Bleibt hier und wacht mit mir!
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich die Nähe zu meiner eigenen inneren Prüfung, und wie kann ich in diesen Momenten achtsam bei mir bleiben?
Vers 43 Engel stärkt ihn
Lk 22,43: Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.
Da erschien ihm ein Engel
Theologisch betrachtet verdeutlicht die Engelerscheinung, dass Jesus trotz seiner göttlichen Natur echten Schmerz und Angst erlebte.
Der Engel bestätigt zugleich Gottes Nähe in der dunkelsten Stunde. Dies erinnert Gläubige daran, dass Gott auch in Leid und Prüfungen gegenwärtig ist.
Diese Stelle betont zudem Jesu freiwilliges Opfer. Er hätte fliehen können, doch er entschied sich bewusst für den Leidensweg, gestärkt durch göttliche Hilfe.
Dies ermutigt Christen, in schweren Zeiten auf Gottes Beistand zu vertrauen.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich Gottes Nähe spüren, selbst wenn Angst oder Schmerz mich überwältigen?
Vers 44 Todesangst, Blutschweiß
Lk 22,44: Jesus litt Todesängste und betete so eindringlich, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.
Todesangst
Wenn Jesus uns hier etwas vorspielte, war Gethsemane die schrecklichste Farce, die man sich nur denken kann. Aber das war sie nicht. Er war ganz Mensch. Gott wurde Mensch und als Mensch spürte er die Angst in ihrem ganzen Ausmaß!
Jesus hatte Todesangst. Aber die Angst Jesu ist etwas viel Radikaleres als die Angst, die jeden Menschen angesichts des Todes überfällt. Sie ist der Zusammenstoß zwischen Licht und Finsternis, zwischen Leben und Tod selber, das eigentliche Entscheidungsdrama der menschlichen Geschichte.
Dieses Drama am Ölberg müssen wir auch auf uns ganz persönlich beziehen. Auch meine Sünde war in jenem erschreckenden Kelch mitgegenwärtig.
Frage: Welche Ängste oder Schatten in deinem Leben kannst du im Licht der göttlichen Gegenwart erkennen und annehmen?
Andacht von Benedikt XVI
Wenn wir über das Drama von Getsemani nachdenken, sehen wir auch den starken Gegensatz zwischen Jesus mit seiner Angst, mit seinem Leiden und dem großen Philosophen Sokrates, der ruhig und ungestört dem Tod entgegensieht. Und das scheint das Ideal zu sein.
Wir mögen diesen Philosophen bewundern, aber die Sendung Jesu war eine andere. Seine Sendung war nicht die völlige Gleichgültigkeit und Freiheit; seine Sendung war es, unser ganzes Leiden, das ganze menschliche Drama in sich zu tragen. Und daher ist gerade diese Demütigung des Getsemani für die Sendung des Gottmenschen wesentlich.
Er trägt unser Leiden, unsere Armut in sich und verwandelt sie nach dem Willen Gottes. Und so öffnet er die Tore des Himmels, öffnet er den Himmel: Der Vorhang des Allerheiligsten, den der Mensch bislang gegen Gott verschlossen hatte, wird durch sein Leiden und seinen Gehorsam geöffnet.
Ich ermutige euch dazu, Christus während der ganzen Karwoche zu folgen, um das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung besser zu verstehen und seine große Liebe zu uns zu entdecken.
Benedikt XVI
Frage: Wie kann ich mein eigenes Leiden oder meine Ängste im Licht der Hingabe und Liebe Jesu betrachten und in meinem Leben verwandeln?
Vers 45 Jünger schlafen vor Trauer
Lk 22,45: Und als er vom Gebet aufstand und zu seinen Jüngern kam, fand er sie schlafend vor Traurigkeit.
Schläfrigkeit
Unsere geistliche Schläfrigkeit bleibt damals wie heute die Chance für die Macht des Bösen. Schläfrig werden wir, wenn unsere Seele abstumpft, wenn wir uns nicht mehr innerlich berühren lassen vom Leid des Nächsten oder vom Bösen, das Menschen einander antun. Schläfrigkeit ist eine Stumpfheit, die all dies lieber nicht wahrnehmen möchte.
Geistlich wach werden wir in der Beziehungspflege zu Gott. Ohne diese Beziehung gibt der Mensch schließlich seinem Egoismus den Vorrang gegenüber der Solidarität und der Liebe, zieht er das Materielle den Werten vor, das Haben dem Sein.
Die Stille, in der die Mystiker sich Gott nähern, ist spannungsvoll und wachsam - genau das Gegenteil von Schläfrigkeit und Träumerei. Clive Staples Lewis
Frage: Wie kann ich heute bewusst meine innere Wachheit stärken, um mehr Mitgefühl und Liebe in meinem Leben zu entfalten?
Vers 46 Steht auf und betet
Lk 22,46: Und er sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!
Schlafende Jünger
Zweimal hören wir in der Heiligen Schrift, dass Jesus drei seiner Jünger in seiner unmittelbaren Nähe haben wollte. Beim Gebet auf dem Berg Tabor und bei seinem Gebet auf dem Ölberg. Bei seiner Verklärung und in seiner Todesangst.
Und was machen die Jünger? Sie werden müde und schlafen ein!
Jesus, wecke mich aus meiner geistigen „Schläfrigkeit“ auf. Alltägliche Sorgen und Routine können mich oberflächlich und gleichgültig machen.
Komm, Heiliger Geist, und lass mich wachsam sein!
Edeltrud Fuhr
Frage: Wo in meinem Leben habe ich mich von Routine oder Sorgen so ablenken lassen, dass ich die Gegenwart Gottes kaum noch wahrnehme?