Lk 22, 7-20 Das letzte Abendmahl
Inhaltsverzeichnis
Vers 7 Passahlamm muss sterben
Lk 22,7: Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, an dem man das Passah schlachten musste.
Zum Passahmahl
Damit uns der Herr das himmlische Osterlamm sendete aß er das vorbildliche; er entfernte das Vorbild, damit die Wirklichkeit Platz greifen könnte. Goldene Perle
Vers 8-9 Jesus sendet Jünger
Lk 22,8: Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin, bereitet uns das Passah, damit wir es essen können!
Bereitet uns das Passah
Diese Stelle zeigt Jesu bewusste Vorbereitung auf das letzte Abendmahl. Er beauftragt zwei seiner engsten Jünger, das Passahfest vorzubereiten, ein zentrales jüdisches Fest, das an die Befreiung aus Ägypten erinnert. Damit erfüllt Jesus die jüdischen Gebote und zeigt seine Verbundenheit mit dem Volk Israel.
Gleichzeitig weist die Szene auf sein eigenes bevorstehendes Opfer hin: Er selbst wird zum wahren Passahlamm, das zur Erlösung der Menschen geopfert wird.
Die Wahl von Petrus und Johannes unterstreicht ihre besondere Rolle unter den Jüngern. Ihre Aufgabe symbolisiert Verantwortung und Glaubenstreue, denn sie folgen Jesu Anweisungen, ohne genau zu wissen, was sie erwartet.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Glaubensleben der Stimme Jesu vertrauen, auch wenn ich den Weg noch nicht klar sehe?
Lk 22,9: Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, dass wir es bereiten?
Vers 10 Folgt dem Wasserträger
Lk 22,10: Und er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt hineinkommt, so wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt; dem folgt in das Haus, wo er hineingeht,
Ungewöhnlich
Dies war ein ungewöhnlicher Anblick, denn das Tragen eines Krugs war typischerweise die Arbeit einer Frau, und im Allgemeinen trugen Männer Flüssigkeiten in Behältern aus Tierhaut. Dies wäre ein deutliches Zeichen für die Jünger.
Vers 11 Fragt nach dem Saal
LK 22,11: und sprecht zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist das Gastzimmer, in dem ich mit meinen Jüngern das Passah essen kann?
Der Meister lässt dir sagen
Diese Stelle spielt kurz vor Jesu Leiden und Tod und betont seine göttliche Autorität. Jesus weiß bereits im Voraus, wo er das Passah feiern wird, und lenkt seine Jünger dorthin. Dies zeigt seine Allwissenheit und die göttliche Fügung der Ereignisse.
Das Passahmahl selbst weist auf das kommende Abendmahl hin, in dem Jesus den neuen Bund durch sein Opfer ankündigt. Die Anfrage beim Hausherrn verdeutlicht zudem die Notwendigkeit der Gastfreundschaft und des Vertrauens.
Die Jünger müssen sich auf Jesu Wort verlassen, was ein Zeichen von Glauben ist. Diese Verse lehren uns, Gottes Führung zu vertrauen und uns auf seine Pläne einzulassen.
Frage: Wo spüre ich in meinem Leben die Einladung, Jesus zu vertrauen und mich seiner Führung hinzugeben – auch wenn ich den Weg noch nicht sehe?
Vers 12 Er zeigt großen Raum
Lk 22,12: Und jener wird euch einen großen, mit Polstern ausgelegten Obersaal zeigen; dort bereitet es zu!
Betrachte
Zuerst betrachtet die Majestät der Gottheit.
Er redet mit den Jüngern und weiß schon, was anderswo geschehen wird.
Bewundere seine Demut, denn nicht die Person des Reichen oder Mächtigen wird ausgewählt, sondern der Arme wird gesucht, und die niedrige Herberge eines Armen den geräumigen Wohnungen der Vornehmen vorgezogen.
Goldene Perle
Frage: Wo zeigt sich in meinem eigenen Leben die Demut, die Gott so sehr ehrt und sucht?
Vers 13 Alles passt, sie bereiten
Lk 22,13: Sie bereiteten das Passah.
Zur Eucharistie
Das eucharistische Opfer ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens.
Für mich persönlich ist die Sonntagsmesse mit dem Empfang des Leibes Christi der Höhepunkt der Woche, mit nichts zu vergleichen, unbeschreibbar. Hier loben und feiern wir Jesus, der zu unserem Heil gestorben und auferstanden ist.
Die Eucharistie zu vertiefen – nichts Wichtigeres gibt es. Nicht nur als Ritus, sondern als existentiellen Vorgang, der mich in meinem Innersten mehr als jede andere Sache berührt, mich verändert und verwandelt – und dadurch die Welt, in der ich lebe, verwandelt.
Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen, als ohne das heilige Messopfer. Pater Pio
Frage: Wie lasse ich die eucharistische Begegnung mit Christus mein Innerstes und dadurch auch mein Handeln in der Welt verwandeln?
Interessant
Keines der synoptischen Evangelien erwähnt ein Lamm beim Passahmahl. Dies kann daran liegen, dass sie vor dem offiziellen Pessach-Tag keine bekommen konnten. Außerdem könnte Jesus es so gewollt haben, um die Idee zu betonen, dass er das Passah-Opfer war.
Vers 14 Mahl beginnt gemeinsam
Lk 22,14: Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch und die Apostel mit ihm.
Seine Stunde
Jesus hat uns aufgetragen, in seine Stunde einzutreten.
Jesus schenkt uns Teilhabe an seiner Stunde.
In die Stunde Jesu treten wir ein bei der Verwandlung von Brot und Wein.
Die Stunde Jesu ist die Stunde, in der die Liebe siegt.
Die Stunde Jesu will unsere Stunde werden und wird es, wenn wir uns durch die Feier der heiligen Eucharistie in den Prozeß der Verwandlungen hineinziehen lassen, um die es dem Herrn geht.
Ja, die Eucharistie verwandelt uns.
Herr, verwandle mich!
Ach wie gut ist es doch, die heiligen Worte zu hören, die Gott zu unserem Herzen spricht, wenn wir uns in die Nähe seines Herzens stellen. Franz von Sales
Frage: Wie öffne ich mich der verwandelnden Liebe Christi, damit seine Stunde auch in meinem Leben Gestalt annimmt?
Vers 15 Jesu sehnlicher Wunsch
Lk 22,15: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide.
Lk 22,15: Mich hat es herzlich verlangt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide.
Das Verlangen Jesus
Das Paschamahl ist im jüdischen Glauben das Gedächtnis der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens.
Im neuen Pascha der Eucharistie, dem Opfertod Jesus, geht es um das Gedächtnis der Befreiung durch Jesus Christus aus der Knechtschaft der Sünde.
Damals in der Stunde des Abendmahls wie auch in jeder Eucharistie tritt Gott mit uns in eine Gemeinschaft, die befreit. Durch Jesu Menschwerdung, durch sein vergossenes Blut sind wir in eine ganz reale Blutsverwandtschaft mit Jesus und so mit Gott selbst hineingezogen, die wahrlich befreit.
Bitten wir den Herrn, dass wir die Grösse dieses Geheimnisses immer mehr verstehen.
Frage: Wie erlebe ich die befreiende Gemeinschaft mit Gott in meinem eigenen Leben?
Inbrünstig habe ich gewünscht
Dies war ein leidenschaftlicher Moment für Jesus.
Es war nicht so sehr, dass er sich von seinen Jüngern verabschiedete, als dass er jetzt zu dem zentralen Grund kam, warum er zu den Menschen kam: um einen neuen Bund mit den Menschen zu errichten, basierend auf seinem eigenen Opfer.
Dies war nicht der Anfang vom Ende; es war der Anfang vom Anfang.
Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich den Ruf, etwas Altes loszulassen, um Raum für einen neuen Anfang zu schaffen?
Vers 16 Letztes Mahl vor Erfüllung
Lk 22,16: Denn ich sage euch: Ich werde künftig nicht mehr davon essen, bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes.
Bis es erfüllt sein wird im Reich Gottes.
Diese Worte spricht Jesus beim letzten Abendmahl.
Er verweist darauf, dass dieses Mahl eine tiefere Bedeutung hat: Es ist nicht nur ein Abschied, sondern ein Hinweis auf das kommende Reich Gottes.
Jesus deutet das Passamahl auf seine bevorstehende Passion hin. Sein Verzicht auf das Essen symbolisiert, dass er den vollen Weg des Leidens gehen wird, bis Gottes Reich vollendet ist.
Gleichzeitig ist es eine Verheißung: Im Reich Gottes wird ein neues, endgültiges Fest gefeiert, das die Gemeinschaft mit Gott vollkommen macht. Für Christen bedeutet dies die Hoffnung auf das ewige Leben, in dem Christus erneut mit seinen Nachfolgern feiern wird.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Hoffnung auf das kommende Reich Gottes spürbar werden lassen?
Vers 17-18 Jesus dankt für Kelch
Lk 22,17: Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch!
Lk 22,17: Jesus nahm einen Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt diesen Becher und trinkt alle daraus!
Er sprach das Dankgebet
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir immer und überall zu danken. Viele Messpräfationen beginnen mit diesen Worten – und laden uns ein, in ständiger Danksagung zu leben.
So kann es uns etwa helfen, Gott schon im Voraus zu danken, noch bevor wir ihm Ja sagen in Angelegenheiten, die wir häufig noch nicht kennen.
Besonders an Tagen, an denen uns das Leben viel abverlangt und wir gefühlt den Golgotha besteigen, hilft uns die Erinnerung daran, wie Jesus selbst vorging: Er zog die Hingabe seines Lebens auf den Gründonnerstag vor und vollzog sie im Rahmen eines Danksagungsmahls.
Jedes Mal, wenn wir der Eucharistie beiwohnen, machen wir uns diese seine Haltung bewusst: Er sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, Dankbarkeit selbst in Momenten großer Herausforderung oder Unsicherheit zu leben?
Lk 22,18: Denn ich sage euch: Ich werde nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes gekommen ist.
Vers 19 Brot ist mein Leib
Lk 22,19: Dann nahm er ein Brot. Er dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen.
Er gab ihnen das Brot
Diese menschliche Urgeste des Gebens erhält im Abendmahl Jesus eine neue Tiefe. Jesus gibt nicht einfach etwas, er gibt sich selbst.
Die gebende Güte Gottes offenbart sich in ihrer ganzen Größe in jenem Moment, in dem Christus im Brot sich selbst austeilt. Dieses Brechen und Geben des Brotes bildet die elementare Mitte der Eucharistie.
In der frühen Christenheit wurde daher für die Eucharistie bewusst das Wort „Brotbrechen“ verwendet. Das Brechen und Geben des Brotes als Akt der liebenden Zuwendung zum Nächsten offenbart eine innere Dimension der Eucharistie selbst.
Die Sorge um den anderen ist nicht etwas Zusätzliches, sie ist innerster Bestandteil des Abendmahles.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag das Geben von mir selbst als Ausdruck tiefer Verbundenheit mit anderen erleben?
Lk 22,19: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Feiert dieses Mahl immer wieder und denkt daran, was ich für euch getan habe, sooft ihr dieses Brot esst!
Nach dem Empfang Christi schweige ich oft. Jean Marie Vianney schreibt zur Kommunion
Warum jetzt Menschenworte, wenn Gott zu uns spricht? Wir müssen darauf hören, was der liebe Gott zu unserem Herzen spricht.
Geht deshalb zur heiligen Kommunion, empfangt Jesus mit Liebe und Vertrauen! Lebt von Ihm, um für Ihn zu leben.
Sagt nicht, ihr wäret ihrer nicht wert. Ja, es ist wahr, ihr habt sie nicht verdient, aber ihr braucht sie.
Wenn Gott darauf gesehen hätte, ob wir ihrer würdig wären, hätte er das wunderbare Sakrament seiner Liebe niemals eingesetzt; denn niemand auf der Welt ist es wert. Er aber hat unsere Not gesehen, und notwendig ist dieses Sakrament für jeden von uns.
Frage: Wie kannst du heute bewusst die Gegenwart Gottes in deinem Herzen spüren und ihm mit Liebe begegnen?
Brot und Wein werden in sein Leib und sein Blut gewandelt
Doch die Verwandlung macht hier nicht halt. Leib und Blut Jesu Christi werden uns gegeben, damit wir verwandelt werden. Wir sind es, die durch dieses Brot des Lebens geheimnisvoll verändert werden.
Christus nährt uns, indem er uns mit sich vereint und uns in sich hineinzieht. Indem er uns alle in sich hineinzieht, werden wir untereinander eins gemacht.
Er durchdringt uns und will von uns auf die anderen übergreifen, dass seine Liebe das beherrschende Maß der Welt werde. Begreifen wir: der Empfang des Leibes Christi und das Tun der Liebe sind nicht zweierlei Dinge, sondern zutiefst eins.
Frage: In welchen Momenten spüre ich, dass die Liebe, die mich nährt, auch durch mich zu anderen fließt?
Jesus bricht das Brot
Er bricht selbst das Brot, welches er reicht, um zu zeigen, daß das Zerbrechen, das heißt das Leiden, seines Leibes nicht ohne seinen Willen geschehe.
Zweifle nicht, ob dies wahr ist, da er deutlich sagt: Dieses ist mein Leib, sondern nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf.
Denn da er die Wahrheit ist, so lügt er nicht.
Goldene Perle
Frage: Wo in meinem Leben darf ich lernen, Leiden anzunehmen, weil es Teil eines größeren, von mir nicht immer verstandenen Planes ist?
Lk 22,19: Das tut zu meinem Gedächtnis!
Wir feiern in der Messe nicht das Letzte Abendmahl im Sinne eines Nachspielens, sondern das Gedächtnis seines Opfertodes
Zur Wiederholung aufgetragen ist das, was Jesus an diesem Abend neu getan hat: das Brotbrechen, das Gebet des Segens und des Dankens und mit ihm die Worte der Verwandlung von Brot und Wein.
Es vollzieht sich dadurch, was Jesu angekündigt hat, dass er vom Kreuz her alle an sich ziehen wird.
Dieses Gedächtnis ist nicht nur ein nachahmendes Denken an das Abendmahl. Es ist Gegenwärtigsetzung des Geschehenen und darin tiefste Begegnung mit Gott.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Gegenwart Gottes bewusst wahrnehmen und das Geschehen des Abendmahls in meinem Leben lebendig werden lassen?
Dieses tut zu meinem Andenken
Dieses tat aber Christus, indem er uns zu einem größeren Freundschaftsbunde führte und seine Liebe gegen uns erklärte. Sie zeigte sich nicht nur den Sehnsüchtigen, sondern durfte auch berühren, essen, umfassen und die ganze Willensneigung erfüllen.
Lerne, auf welche Weise man den Leib Christi essen müsse: zum Andenken an den Gehorsam Christi bis zum Tode. So sollen die, die leben, nicht mehr in sich selbst leben, sondern in dem, welcher für uns gestorben und auferstanden ist (2. Kor. 5, 15).
Goldene Perle
Frage: Wie kann die Erinnerung an Christi Gehorsam in meinem eigenen Leben spürbar werden und meine Handlungen verändern?
Vers 20 Kelch ist neuer Bund
Lk 22,20: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
Alter und neuer Bund
Der alte Bund beruhte auf dem Blut geopferter Tiere und auf dem Gehorsamsversprechen Israels (Ex 24). Dieses Versprechen wurde aber immer wieder gebrochen. Auch wir brechen immer wieder unseren Gehorsam und sündigen, weil unser Eigenwille die Oberhand gewinnt.
Der neue Bund in Christi Blut und Leib ist daher nicht mehr auf diese immer brüchige Treue unseres menschlichen Wollens gegründet, sondern auf den Gehorsam des Sohnes, der gehorsam war bis in den Tod. Jesus hat deinen und meinen Ungehorsam in seinen bis in den Tod gehenden Gehorsam aufgenommen, durchlitten und überwunden.
In der Eucharistie feiern wir diesen neuen Bund, der im Gehorsam und in der Liebe des Christus gegründet ist. Bemerkenswerterweise kündigte Jesus die Einsetzung eines neuen Bundes an. Kein bloßer Mensch könnte jemals einen neuen Bund zwischen Gott und Mensch einführen, aber Jesus ist der Gottmensch. Er hat die Autorität, einen neuen Bund zu errichten, der mit Blut besiegelt ist, genauso wie der alte Bund mit Blut besiegelt wurde (Ex 24,8).
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben den Gehorsam und die Liebe Christi bewusst wahrnehmen und darauf antworten?