Lk 19, 45-48 Tempelreinigung
Inhaltsverzeichnis
Vers 45 Jesus treibt Händler aus Tempel
Lk 19,45: Und er ging in den Tempel hinein und fing an, die Verkäufer und Käufer darin hinauszutreiben.
Kompromisslosigkeit
Wenn es um die Sache Gottes und den Respekt gegenüber dem Heiligen geht, kennt Jesus keine Kompromisse.
Für ihn ist der Tempel vor allem ein Ort des Gebets und der Unterweisung im Glauben. Er brennt für den Glauben, so dass er mit harschen Worten und klaren Gesten die Integrität des Tempels verteidigt und wiederherstellt.
Denn er weiß, dass die Menschen Orte des Gebets und der Begegnung mit Gott brauchen, um dort Kraft zu schöpfen.
Simon Beike
Frage: Wo in meinem Leben braucht es heute Klarheit und Leidenschaft, um den Raum für das Heilige in mir zu schützen und zu erneuern?
Beten im Geist und in der Wahrheit: keine Routine
Dem Bericht des Evangeliums zufolge war zur Zeit Jesu aus dem Vorhof der Heiden, dem ersten Bezirk des Tempels, eine Gewerbehalle geworden. Heiliges und Unheiliges trafen dort unentwegt aufeinander. Die Verantwortlichen, die Hohepriester und die Tempelwache, drückten beide Augen zu. Jesus nicht.
Manchmal brauchen auch wir in unserem Gebetsleben etwas, was uns kräftig aufrüttelt, damit das Heilige wieder ganz zu seinem Recht kommt und das Gebet nicht nach unseren kleinlichen Vorstellungen läuft. Wir fürchten uns vor der wahren Begegnung, die uns verwandelt, und gehen deshalb mit einem Fingerhut zum Brunnen. Und dann wundern wir uns, dass wir im Herzen keine Tiefe und Weite mehr erfahren.
Wir müssen im Gebet immer bereit sein, uns der Urkraft des Meeres aussetzen: dem lebendigen Gott.
Thomas Fox
Frage: Wann habe ich mich zuletzt im Gebet wirklich der „Urkraft des Meeres“ anvertraut und Gott erlaubt, mich zu verwandeln?
Andacht von Meister Eckhart
Hierum will Gott diesen Tempel ledig [frei, leer] haben, auf dass denn auch nichts weiter darin sei als er allein.
Seht, alle die sind Kaufleute, die sich hüten vor groben Sünden und wären gern gute Leute und tun ihre guten Werke Gott zu Ehren, wie Fasten, Wachen, Beten und was es dergleichen gibt, allerhand gute Werke, und tun sie doch darum, dass ihnen unser Herr etwas dafür gebe oder dass ihnen Gott etwas dafür tue, was ihnen lieb wäre: dies sind alles Kaufleute.
Das ist im groben Sinn zu verstehen, denn sie wollen das eine um das andere geben und wollen auf solche Weise markten mit unserm Herrn. Bei solchem Handel sind sie betrogen.
Frage: Wo in mir selbst suche ich noch Lohn für mein Tun, statt einfach leer zu werden, damit Gott allein Raum findet?
Andacht der goldenen Perle
Auch ist der Tempel selbst die Seele der Gläubigen, in der wie in einer Höhle die Räuber wohnen, wenn sie verkehrte Gedanken zur Verletzung des Nächsten hervorbringt. Wenn sie aber die Seele der Gläubigen zur Vermeidung der Übel weise unterrichtet, so lehrt täglich die Wahrheit im Tempel. Goldene Perle
Vers 46 Bethaus, nicht Räuberhöhle!
Lk 19,46: Mein Haus ist ein Bethaus. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!
Problem
In diesem Aufruhr des Kaufens und Verkaufens und Feilschens und Versteigerns war Gebet unmöglich. Diejenigen, die Gottes Gegenwart suchten, wurden von genau den Leuten des Gotteshauses davon ausgeschlossen.
Acht geben auf unseren inneren Ort
Dieser innerste heilige Ort im Menschen kann verstellt sein durch allerlei Gerümpel, Geld, Besitz und weltliche Interessen.
Böse und niedrige Gedanken können in uns so sehr die Oberhand gewinnen, dass für Gott kein Platz mehr ist. Der Mensch kann unter seiner Würde leben und das Heiligste vergessen, verdrängen, ausschließen.
Wir können Gott zwar hinauswerfen. Gott aber geht nimmer in die Ferne. Wir können Gott vergessen, er vergisst uns nie. Er wartet auf uns.
Suchen wir die Stille, das Gebet und den Nächsten, denn dort lässt er sich finden.
Achte auf deine Seele, auf dass sie im Einerlei des Alltags Gott nicht vergisst.
Frage: Wo in mir selbst könnte ich Raum schaffen, damit das Göttliche wieder spürbar wird?
Die Räuberhöhle
Der Tempel, der heiligste Ort des Volkes Israel, war zu einer „Räuberhöhle” geworden: Dort, wo der Ort der Begegnung mit dem Gott Israels war, machten die Leute Geschäfte, es war laut und es ging nicht mehr um Gott, sondern ums Geld.
Durch die Taufe ist unser Herz auch ein Tempel Gottes, ein Tempel des Heiligen Geistes. Doch wenn es uns in unserem Leben nicht mehr hauptsächlich um Gott und sein Reich geht, sondern um andere Götter, dann lassen wir den Tempel Gottes zu einer Räuberhöhle verkommen.
Magda Sczuka
Frage: Wo in meinem Herzen habe ich zugelassen, dass Geschäftigkeit oder andere Götter den heiligen Raum der Begegnung mit Gott verdrängen?
Ein Haus des Gebets
Man kann es manchmal erspüren, wie sehr bestimmte Personen im Gebet verankert sind. Die Gesten, die Worte, die Taten lassen es erahnen.
Wer eine kontemplative Ader in sich spürt, der möchte gern selbst so etwas wie ein Haus des Gebets sein. Ein solches Haus führt unweigerlich andere Menschen zur Begegnung mit Gott.
Ich werde nie die Geste jenes alten Benediktinerpaters vergessen, der beim Betreten der Kapelle seinen Finger ehrfurchtsvoll auf den Mund legte, um uns, die wir noch am Reden waren, zur Stille aufzufordern.
Wie leicht fällt es uns doch, die Stille in einer Kapelle nicht ganz zu respektieren. Denken wir an das Große, das Gott von hier aus in uns und anderen bewegen will und kann!
Thomas Fox
Frage: Wie kann ich selbst zu einem Ort der Stille und Begegnung mit Gott in meinem Alltag werden?
Gespräch mit Christus
Jesus, du kennst mein Herz, das manchmal eher einer Räuberhöhle als einem Ort des Gebets ähnelt. Komm du in mein Herz! Hilf mir, alles hinauszuwerfen, was mich von dir trennt: Meine Ängste, das Misstrauen, meine falschen Ambitionen, meine Komplexe, damit du selber in mir wohnen kannst. Welche große Ehre ist das für mich, dass du in meinem Herzen zu Hause sein willst!
Vers 47 Jesus lehrt täglich
Lk 19,47: Und er lehrte täglich im Tempel; die obersten Priester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes trachteten danach, ihn umzubringen;
Der Hohepriester in uns
Die Hohepriester und die Schriftgelehrten sehen im Handeln und in der von ihnen verkannten Botschaft Jesu eine Bedrohung für ihre Macht und Stellung. Die Konsequenz: Sie trachten Jesus nach dem Leben.
Derjenige, der ihnen immer wieder den Spiegel vorhält und sie damit bloßstellt, fordert sie in dem ihnen anvertrauten Herrschaftsbereich heraus.
Gleichermaßen ruft er uns Menschen auf, uns von unseren falschen Vorstellungen und bequemen Verflachungen zu lösen und die Räuberhöhlen in uns zu beseitigen.
Simon Beike
Frage: Wo halte ich an meiner eigenen Macht, Sicherheit oder Bequemlichkeit fest – und wie kann ich mich öffnen, damit Gott in mir Raum gewinnt?
Vers 48 Volk hängt an seinen Lippen
Lk 19,48: doch sie fanden keinen Weg, wie sie es tun sollten; denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm zu.
Ein attraktiver Gott
Denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm gern zu.
Wie muss Jesus gewesen sein, wenn er auf diese Weise Menschen in seinen Bann zog und heute noch zieht!
Würden wir Jesus kennen, wie er ist, würden wir nicht mehr getrennt von ihm leben wollen.
Fälschlicherweise setzen wir unsere geistlichen Bemühungen oftmals dort an, wo WIR etwas tun müssen. Doch alles beginnt damit, Jesus zu begegnen, ihn kennenzulernen und uns, fasziniert von ihm, führen zu lassen.
Sarah Briemle
Frage: Wie offen ist mein Herz, Jesus wirklich zu begegnen und mich von seiner Gegenwart verwandeln zu lassen?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Lk 19. Kap.
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Lukas Evangelium Lk 19. Kap.