Lk 18, 1-8 Übers Beten: Witwe und Richter
Inhaltsverzeichnis
Vers 1 Immer beten, nie aufgeben
Lk 18,1: Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass es nötig ist, allezeit zu beten und nicht nachlässig zu werden.
Zum Gleichnis
Das Gleichnis vom Richter und der Witwe findet sich nur im Lukasevangelium. Das Gleichnis schildert eine Witwe, die nicht aufhört, für ihr Recht zu kämpfen, obwohl der Richter korrupt und untätig ist.
Die Grundaussage von diesem Gleichnis ist, dass wir alle Zeit beten sollen, eben so wie diese Witwe. Alle Zeit zu beten ist dabei nicht zu verstehen als eine Anweisung zum Dauerbeten, sondern vielmehr ein Aufruf, das Gebet als durchziehendes Moment der Existenz zu verstehen.
Der Glaube versichert uns, dass Gott unser Gebet hört und zur rechten Zeit erfüllt, auch wenn die tägliche Erfahrung diese Gewissheit immer wieder zu verneinen scheint. Dennoch: Haltet daran fest!
Wenn ich auch nur einen einzigen Tag das Gebet vernachlässige, verliere ich viel vom Feuer des Glaubens. Martin Luther
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du, dass beständiges Gebet oder inneres Vertrauen dich trägt, auch wenn die äußeren Umstände dagegen sprechen?
Andacht von Augustinus
Damit wir dieses glückselige Leben erlangen, lehrt uns Gott, der das wahre Leben ist, dass wir nicht mit vielen Worten beten sollen, etwa so, als könnten wir das Leben umso mehr erlangen, je redegewandter wir sind.
Vielmehr beten wir doch zu dem, der uns selbst gesagt hat, dass er weiß, was wir brauchen, noch bevor wir es von ihm erbitten. Man mag sich wundern, dass der Herr, der weiß, was wir brauchen, noch ehe wir ihn darum bitten, nicht will, dass wir viele Worte machen, aber dass er uns dennoch ermahnt: Man muss allezeit beten und darf davon nicht ablassen.
Frage: Wie bewusst gestaltest du deinen eigenen inneren Dialog mit Gott oder dem Leben, und spürst du dabei seine Führung schon vor deinen Worten?
Geist des Gebets
Jesus meinte nicht, dass wir beim Gebet immer die Knie gebeugt und die Augen geschlossen haben sollten; aber wir müssen immer in dem sein, was manchmal der Geist des Gebets genannt wird.
Paulus erwähnte diesen Gedanken in 1. Thessalonicher 5,17, als er schrieb: Betet ohne Unterlass.
Es ist schwer zu ermessen, wie viel Gutes ein solches ständiges Gebet tun würde und wie viel Schlechtes es uns davon abhalten würde.
Frage: Wie könnte es dein Leben verändern, wenn du diesen Geist des Gebets in jedem Moment deines Alltags lebendig hältst?
Den Mut zum Gebet nicht verlieren
Es ist leicht, im Gebet den Mut zu verlieren, weil das Gebet harte Arbeit ist, der wir allzu oft leichtfertig begegnen.
Es ist leicht, im Gebet den Mut zu verlieren, weil der Teufel das Gebet hasst. Wenn das Gebet machtlos wäre, wäre es einfach.
Es ist leicht, im Gebet den Mut zu verlieren, weil wir nicht immer von der Realität der Kraft des Gebets überzeugt sind.
Zu oft wird das Gebet zum letzten Ausweg statt zur ersten Ressource.
Frage: Wie oft vertraue ich wirklich auf die Kraft des Gebets, bevor ich andere Wege suche?
Allzeit beten?
Aber wie stelle ich das an? Ich lebe nicht im Kloster, ich habe nicht viel Zeit zum Beten! Vielleicht kann bei dieser realen Schwierigkeit eine weise spirituelle Praxis helfen, die heute etwas in Vergessenheit geraten ist, die unsere alten Menschen, vor allem die Großmütter, gut kennen: jene des sogenannten Stoßgebets.
Der Name ist ein wenig veraltet, aber die Substanz ist gut. Um was handelt es sich dabei? Um sehr kurze Gebete, die man leicht auswendig lernen kann und die wir im Laufe des Tages bei verschiedenen Aktivitäten oft wiederholen können, um auf den Herrn eingestimmt zu bleiben.
Nehmen wir einige Beispiele. Gleich nach dem Aufwachen können wir sagen: „Herr, ich danke dir und schenke dir diesen Tag“: das ist ein kleines Gebet. Dann, vor einer Tätigkeit, können wir wiederholen: „Komm, Heiliger Geist“. Und zwischen einer Sache und einer anderen können wir so beten: „Jesus, ich vertraue auf dich, Jesus, ich liebe dich“. Kleine Gebete, die uns aber in Verbindung mit dem Herrn bleiben lassen.
Papst Franziskus
Frage: Wie könnte ich heute kleine Momente finden, um das Herz kurz, aber bewusst mit dem Göttlichen zu verbinden?
Vers 2 Ein Richter fürchtete niemanden
Lk 18,2: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
Der ungerechte Richter
Die Witwe war mittellos. Aber der Richter zeigt keine Barmherzigkeit. Nach dem Gesetz hätte er es tun müssen, aber er führte kein geistliches Leben.
Für uns dient der Richter als Negativ-Spiegel für die Wichtigkeit des geistlichen Lebens. Nachlässigkeit im geistlichen Leben lässt es in unserer Seele dunkel werden.
Das beginnt sehr häufig mit der Vernachlässigung des persönlichen Gebetes. Daher betet alle Zeit, haben wir in Gott doch einen wunderbaren, gerechten und barmherzigen Richter, der uns hört und nicht überhört.
Ich konnte als Wurzel aller Schwierigkeiten die Vernachlässigung des Gebets ausmachen. Mutter Teresa
Frage: Wo könnte ich in meinem Leben das persönliche Gebet wieder neu beleben, um das Licht in meiner Seele zu nähren?
Unser Gott dagegen ist ein gerechter, wunderbarer Richter
Wir kommen zu einem Richter von perfektem, gutem Charakter.
Wir kommen zu einem Richter, der sich gerne um seine Kinder kümmert.
Wir kommen zu einem freundlichen und gütigen Richter.
Wir kommen zu einem Richter, der uns kennt.
Wir kommen zu diesem Richter mit einem Anwalt, einem Freund, der unseren Fall vor dem Richter vertreten wird.
Wir kommen zum Richter mit Versprechungen, uns Mut zu machen.
Wir kommen mit dem Recht auf ständigen Zugang zum Richter,
zu einem Richter, der ein persönliches Interesse an unserem Fall hat.
Frage: Wie verändert sich mein Vertrauen, wenn ich mir bewusst mache, dass dieser Richter mich kennt, liebt und sich persönlich um mein Leben kümmert?
Vers 3-4 Witwe forderte ihr Recht
Lk 18,3: Es war aber eine Witwe in jener Stadt; die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher!
Beharrlichkeit
Die Frau war hartnäckig. Darin ist sie uns ein Vorbild.
Bisweilen werden wir müde, zu beten, wir haben den Eindruck, daß das Gebet keinen großen Nutzen bringt für das Leben, daß es wenig wirksam ist. Daher sind wir versucht, uns in Aktivitäten zu stürzen, alle menschlichen Mittel einzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen, und wir wenden uns nicht mehr an Gott.
Wenn der Glaube von der Liebe zu Gott erfüllt ist, der als guter und gerechter Vater erkannt wird, so wird das Gebet beharrlich, eindringlich, es wird ein Seufzen des Geistes, ein Schrei der Seele, der in das Herz Gottes dringt. Auf diese Weise wird das Gebet die stärkste Kraft, die die Welt verwandelt.
Frage: Wie erlebst du die Kraft des beharrlichen Gebets in deinem eigenen Leben – und wo spürst du, dass Gott dich durch dein Rufen verwandelt?
Wir sind schnell im Beten. Doch auch schnell im Aufgeben
Das wirst du sicher auch schon erlebt haben.
Es liegt dir etwas so arg auf dem Herzen, doch nachdem du eine Weile dafür gebetet hast – und sich nichts getan hat – hast du dieses Thema wieder aufgegeben.
Diese Woche wollen wir uns wieder bewusst machen, wie wichtig es ist, dranzubleiben, und dass Gottes Schweigen oft sehr viel zu sagen hat!
Déborah Rosenkranz
Frage: Wann hast du zuletzt erlebt, dass Gottes Schweigen dich zu einem tieferen Vertrauen eingeladen hat?
Demut
Die Tugend, die viele Heilige als „Fundament“ aller Tugenden bezeichnet haben, die Demut, ist auch grundlegend für das Gebet.
Wir werden nur dann beten und Gott um seine Gnaden bitten können, wenn wir erkennen, dass wir ihrer bedürfen. Nur wenn wir wie diese Witwe uns selbst als arm und bedürftig erkennen, können wir uns Gott in Wahrhaftigkeit nähern.
Wer schon alles hat, braucht nicht zu fragen, er braucht Gott nicht. Wie oft hören wir das in unserer Kultur: „Wir brauchen Gott nicht mehr.“
Wir aber haben deutlich erkannt, dass wir Gott brauchen, dass wir ohne ihn nichts tun können, und so nähern wir uns ihm demütig im Gebet und öffnen ihm unser Herz.
José Andrés González Fernández
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Haltung der Demut vertiefen, um mich Gott im Gebet ehrlicher und offener zu nähern?
Lk 18,4: Und er wollte lange nicht; danach aber sprach er bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor keinem Menschen scheue,
Vers 5 Aus Bequemlichkeit hilft er
Lk 18,5: so will ich dennoch, weil mir diese Witwe Mühe macht, ihr Recht schaffen, damit sie nicht unaufhörlich kommt und mich plagt.
Die Erfüllung des Anliegens
Der Richter reagiert lange Zeit mit unglaublicher Kälte auf die Frau. Kein Erfolg, Gefahr der Resignation bei der Frau.
Für unser Beten: Angesichts Erfolglosigkeit oder täglicher Beschwerlichkeiten des Lebens neigt unser Herz zum Ruf: Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht? Warum zögerst du Gott? Dabei übersehen wir oft, dass gerade solche Verzögerungen uns verwandeln, uns im beharrlichen Gebet festigen.
Zuletzt nun verhilft der Richter genervt der Frau zu ihrem Recht. Wenn nun hier beharrliches Bitten erhört wurde, um wie viel sicherer müssen wir sein, die Gott beharrlich bitten, den Quell der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit. Daher dürfen wir nie verzweifeln, sondern müssen immer beharrlich im Gebet sein.
Im Licht des Glaubens bin ich stark, standhaft und beharrlich, im Licht des Glaubens hoffe ich. Katharina von Siena
Frage: Wo in meinem Leben darf ich lernen, geduldig und vertrauend im Gebet auszuharren, auch wenn die Erhörung auf sich warten lässt?
Andacht von Augustinus
Der ungerechte Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm, hörte dennoch auf die Witwe, die ihn um Hilfe anrief.
Doch er hörte mehr deshalb, weil er es leid war, als aus Liebe zur Gerechtigkeit.
Wenn der also schon jemandem Gehör schenkt, der es hasst, gebeten zu werden, um wie viel mehr erhört uns der, der uns wirklich dazu auffordert zu bitten.
Mit diesem Gleichnis fordert uns der Herr also auf, dass wir immer beten sollen und nicht aufhören.
Frage: Wie oft vertraue ich darauf, dass Gott mich hört – auch wenn die Antwort noch auf sich warten lässt?
Vers 6-7 Gott hilft seinen Erwählten
Lk 18,6: Und der Herr sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt!
Lk 18,7: Gott aber, wird er nicht seinen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, wenn er auch lange zuwartet mit ihnen?
Seinen Auserwählten Recht schaffen
Die Aussage ermutigt Gläubige, im Gebet auszuharren und auf Gottes Gerechtigkeit zu vertrauen.
Während Menschen manchmal zögern, Gerechtigkeit zu üben, wird Gott seinen Auserwählten zur rechten Zeit helfen.
Der Vers lehrt, dass Geduld im Glauben notwendig ist, aber Gott letztlich eingreifen wird.
Er ist kein ungerechter Richter, sondern ein liebender Vater, der auf das Flehen seiner Kinder hört.
Dies ist ein Aufruf zum unermüdlichen Vertrauen und Gebet.
Frage: Wie kann ich in Zeiten des Wartens mein Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit vertiefen und im Gebet standhaft bleiben?
Vers 8 Findet Jesus später Glauben?
Lk 18,8: Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht schaffen! Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden?
Jesus will, daß du nicht aufhörst zu beten
Er will, dass du an seine Wohltaten denkst, wenn du bittest. Er will, daß du durch das Gebet empfängst, was seine Güte dir mitteilen möchte. Er wird niemals denen, die ihn bitten, Wohltaten verweigern.
Betrachte schließlich, welches Glück dir zuteil wurde, im Gebet mit Gott zu reden und zu erbitten, was du ersehnst. Gott, auch wenn er mit Worten schweigt, antwortet dennoch mit Wohltaten: Er verachtet deine Bitten nicht, du belästigst ihn nicht, es sei denn, du schweigst.
Das immerwährende Beten bedeutet, nie den Kontakt zu Gott zu verlieren; im Tiefsten unseres Herzens sich immer von ihm berühren lassen und so von seinem Licht durchdrungen werden.
Frage: Wann hast du zuletzt gespürt, dass Gott auch im Schweigen zu dir spricht?
Andacht von Theodor von Mopsuestia
Wie könnt ihr dann meinen, dass er sich von denen abwendet, die sich um das Gute mühen und Eifer zeigen für das, was ihm gefällt?
Wenn er sie auch den Drangsalen und täglichen Versuchungen aussetzt, die sie gegen ihren Willen erleiden, so verlässt er sie doch nicht.
Das gilt für die Qual der Leidenschaften, aber auch für die innere, eigene Schwachheit, durch die sie sich zum Bösen hinreißen lassen, ohne es zu wollen.
Doch das Gut, das ihnen für diese Mühen verheißen ist, ist ganz und gar nicht gering. Denn Gott nimmt ihren Willen an, und er schenkt diesen Menschen seine größte Aufmerksamkeit.
Er lässt es zu, dass sie in dieser Welt Qualen und Mühen erdulden, damit sie dafür das beständige, unaussprechliche Gut erhalten.
Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Ringen das Wirken Gottes, selbst wenn ich mich schwach oder geprüft fühle?
Lk 18,8: Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden?
Wird er Glauben finden?
Das ist eine Frage, die uns nachdenklich macht, eine Frage, die einen größeren Glauben in uns erwecken will.
Denn es ist offensichtlich, dass das Gebet Ausdruck des Glaubens sein muss, andernfalls ist es kein wahres Gebet. Wenn einer nicht an die Güte Gottes glaubt, so kann er nicht auf angemessene Weise beten.
Der Glaube ist als Grundlage des Betens von wesentlicher Bedeutung. Herr, mögest du uns, wenn du zu uns kommst, mit der brennenden Lampe des Glaubens versammelt finden.
Wir glauben und legen unser Vertrauen in dich! Laß unseren Glauben wachsen!
Frage: Wie spüre ich den Glauben in meinem eigenen Leben, und wo darf er noch heller leuchten?
Andacht von Augustinus
Jesus zeigt uns, dass der Glaube die Quelle des Betens ist und dass das Wasser nicht fließen kann, wenn die Quelle versiegt ist. Um beten zu können, müssen wir glauben.
Damit der Glaube, in dem wir beten, nicht versagt, müssen wir beten. Der Glaube drückt sich im Gebet aus, und das Gebet macht den Glauben stark.
Damit der Glaube in den Versuchungen nicht versagt, spricht der Herr: Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt.
Das Evangelium ermutigt uns zum Beten und Glauben, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf den Herrn verlassen. Könnte es eine eindringlichere Mahnung zum Beten geben als das Gleichnis vom ungerechten Richter?
Frage: Wie kann ich in meinem täglichen Leben die Verbindung zwischen Glauben und Gebet spürbarer machen, damit meine innere Quelle nie versiegt?
Glaube
Es ist kein Zufall, dass Jesus seine Predigt mit diesem Wort beendet: Werde ich den Glauben auf Erden finden, wenn ich wiederkomme?
Jesus macht uns klar, dass wir viel Glauben brauchen, um die Fruchtbarkeit des Gebets zu erfahren, besonders wir, die wir in einer Welt leben, die so skeptisch und berechnend ist.
Bitten wir Jesus um den Glauben dieser armen Witwe, die sich nicht scheut, trotz aller Widrigkeiten ihre Bitten zu wiederholen.
Nähren wir uns Jesus in dem Glauben, dass er gegenwärtig ist, dass er uns zuhört, dass er weiß, was in unseren Herzen vorgeht, und dass er will, dass wir ihm unser Herz geben.
José Andrés González Fernández
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag den Glauben kultivieren, dass Jesus mein Herz hört und versteht?
Gebet und Glaube
Uns bleibt kein anderer Schluss übrig, als zu erkennen, dass Gebet und Glaube füreinander unabdingbar sind. Dass also Gebet ohne Glauben und Glaube ohne Gebet nicht existieren.
Das wiederum kann bedeuten, dass jede Handlung, die wir bewusst im Glauben tun, ein Gebet ist. Mitten in der Geschäftigkeit unseres Alltags, wenn wir zum Beispiel in Geduld und Liebe annehmen, dass die Bahn Verspätung hat, wenn wir voller Dankbarkeit schöne Momente mit Freunden genießen, wenn wir uns entscheiden, unsere Trägheit zu überwinden und anderen einen Dienst zu erweisen.
Wenn wir in all diesen Momenten auf Christus schauen, ihm begegnen und auf ihn hören, ist das ein Akt des Glaubens und deshalb auch ein stilles, inneres Gebet.
Maria Boeselager
Frage: In welchen alltäglichen Momenten könntest du heute bewusst innehalten, um im Glauben ein stilles Gebet zu leben?
Andacht von Papst Franziskus
Wir alle verspüren Augenblicke der Müdigkeit und der Entmutigung, vor allem dann, wenn unser Gebet wirkungslos zu sein scheint. Aber Jesus versichert uns: Im Gegensatz zu dem ungerechten Richter erhört Gott seine Kinder sofort, auch wenn dies nicht bedeutet, dass er es in den Zeiten und in der Weise tut, wie wir es möchten.
Das Gebet ist kein Zauberstab! Es hilft, den Glauben an Gott zu bewahren, uns ihm anzuvertrauen, auch wenn wir seinen Willen nicht verstehen.
Das Gleichnis endet mit einer Frage: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden? Und diese Frage ist eine Ermahnung an uns alle: Wir dürfen das Gebet nicht aufgeben, auch wenn ihm nicht entsprochen wird. Das Gebet bewahrt den Glauben, ohne das Gebet wankt der Glaube!
Wir wollen den Herrn um einen Glauben bitten, der zum unablässigen, beharrlichen Gebet wird, wie das der Witwe aus dem Gleichnis – um einen Glauben, der sich aus dem Wunsch nach seinem Kommen nährt.
Und im Gebet erfahren wir das Mitgefühl Gottes, der wie ein Vater seinen Kindern voll barmherziger Liebe entgegenkommt.
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben einen Glauben entwickeln, der auch in Zeiten der Stille des Himmels beharrlich und vertrauensvoll bleibt?
Andacht von Papst Franziskus
Vor allem sollten wir uns fragen: wenn der Herr heute käme, was würde er in mir, in meinem Leben, in meinem Herzen finden? Welche Prioritäten in meinem Leben würde er sehen?
Wir konzentrieren uns oft auf viele dringende, aber unnötige Dinge, wir kümmern uns und sorgen uns um viele zweitrangige Dinge; und vielleicht vernachlässigen wir, ohne es zu merken, das, was am meisten zählt, und lassen zu, dass unsere Liebe zu Gott allmählich abkühlt, nach und nach erkaltet.
Heute bietet uns Jesus die Arznei dafür an, einen lau gewordenen Glauben wieder zu erwärmen. Und um welche Arznei handelt es sich dabei? Um das Gebet. Das Gebet ist die Medizin des Glaubens, das Stärkungsmittel für die Seele. Es muss jedoch ein unablässiges Gebet sein.
Denken wir etwa an eine Pflanze, die wir im Haus haben: wir müssen sie jeden Tag regelmäßig gießen, wir können sie nicht wässern und dann wochenlang ohne Wasser lassen.
Frage: Welche kleinen täglichen Rituale könnten mein Herz heute wieder näher zu Gott führen?