Lk 17, 20-25 Reich Gottes und Menschensohn

Vers 20 Gottes Reich kommt unsichtbar

Lk 17,20: Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte.

Schmerzhafte Sehnsucht

Die Pharisäer stellen hier die eine Frage, die alle Juden voll schmerzhafter Sehnsucht in sich tragen:
"Wann kommt denn endlich, was der Herr uns versprochen hat? Wann hört das Hoffen und Glauben endlich auf und das Anfassen und Sehen beginnt?

Kennst du das nicht auch? Diese Ungeduld, der Herr möge endlich erfüllen, was er dir versprochen hat?

Die Bibel ist bis zum Rand voll mit Versprechen, von denen jedes einzelne dir persönlich gilt, denn es ist lebendiges Wort Gottes, für dich!

Welche Versprechen hat er ganz besonders in dein Herz gelegt? Welche hast du vielleicht vergessen, oder begraben, weil es zu schmerzhaft ist, warten zu müssen?

Wo hast du dich mit dem zufriedengegeben, was die Welt dir gibt und aufgehört, mit leeren Händen auf das zu hoffen, was das Reich Gottes dir verspricht?"

Maria Boeselager

Frage: Welche Versprechen Gottes warten in deinem Herzen darauf, dass du ihnen wieder deine volle Aufmerksamkeit schenkst?

Augen des Glaubens

Der Schatz war verborgen. Die Perle musste gesucht werden. Sie fielen dem zufälligen Beobachter nicht ins Auge.

Ebenso ist es mit dem Reich Gottes, das wir nur mit den Augen des Glaubens sehen können. Dieser Glaube gründet sich auf ein Wissen und Verstehen, das unter die Oberfläche dringt und den Kern wahrnimmt.

Und dann entdecke ich, wie viel mir gegeben, geschenkt wurde in meinem Leben. Ich entdecke Gott als Schatz in der Tiefe meines Herzens.

Und dann zieht die Freude ein, die Dankbarkeit, ein Glück, das mir zum leitenden Grundgefühl wird, trotz allem anderen.

Wenn Gott auf den zweiten Platz verwiesen wird, dann habe ich die kostbare Perle gegen eine bunte Glasscherbe eingetauscht. Brennan Manning

Frage: Wo in meinem Leben liegt der verborgene Schatz, den ich nur mit dem Herzen sehen kann?

Vers 21 Es ist bereits mitten unter euch

Lk 17,21: Man wird nicht sagen: Siehe hier!, oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Andacht von Anselm Grün

Wir können es nicht sehen. Es ist innerlich. Es liegt auf der Innenseite unserer Seele. Es ist der innere Raum der Stille, den jeder Mensch in sich trägt. Oft ist dieser Raum jedoch durch den Lärm unserer Gedanken oder durch den Lärm dieser Welt zugestellt.

Im Gebet sollen wir in diesen Raum der Stille gelangen, in dem Gott in uns wohnt und herrscht. Dort, wo Gott in uns herrscht, sind wir frei. Dort haben Menschen keine Macht über uns. Ihre Ansprüche, ihre Erwartungen und ihre Urteile können in den Raum der Stille nicht eindringen. Auch unsere eigenen Selbstentwertungen, unsere Sorgen und Ängste und unsere Schuldgefühle haben dort keinen Zutritt.

Die Bitte um das Reich Gottes ist letztlich die Bitte um die mystische Erfahrung des inwendigen Reiches, des innersten Heiligtums der Seele, in dem wir eins sind mit Gott und durch ihn frei und heil und lauter und ursprünglich und echt.

Wenn dein Reich anbricht, fliehen Trauer und Jammer. Dafür kommen Leben, Friede und Freude. Gregor von Nyssa

Frage: Welche Räume der Stille trage ich in mir, und wie kann ich ihnen im Alltag bewusst begegnen?

Andacht aus der Nachfolge Christi

Schaffe also Raum für Christus und verwehre allem Übrigen den Eintritt. Ist Christus in dir, so bist du reich und hast genug. Er sorgt treu für dich in allem, dass du nicht nötig hast, auf Menschen zu rechnen. Die Menschen sind veränderlich und siechen schnell dahin. Christus bleibt in Ewigkeit, er stützt dich mächtig bis ans Ende.

Christus kommt zu dir und reicht dir seinen Trost, wenn du ihm dein Inneres zu einer würdigen Wohnung bereitest. All sein Ruhm und Glanz stammt von innen, das Innere ist seine Lust. Er weilt gern bei unserem inneren Menschen, Zwiesprache zu pflegen, zu trösten, zu befriedigen und wundersam vertraut zu sein.

Eia, gläubige Seele, richte diesem Gemahl dein Herz, so oft er zu dir kommen und in dir wohnen will.

Frage: Wie bereitest du dein Inneres, um Christus täglich als deinen ständigen Begleiter zu empfangen?

Königreich der Herzen

Die Pharisäer stellten sich das Reich Gottes wie ein "Remake" der Zeiten von König David vor. Sie erwarteten, dass Israel, statt von den Römern unterdrückt zu sein, unter einem messianischen König wieder für alle sichtbar Ansehen und Macht erlangen würde. Verständlicherweise wollten sie von Jesus wissen, wann dieser Zustand eintreten wird – vielleicht schon bald, mit Jesus als König?

Doch Jesus nimmt ihnen diese Hoffnung: Er macht deutlich, dass das Reich Gottes kein öffentlich sichtbares Königtum ist, auf das man noch warten muss. Es ist bereits Realität, jedoch unsichtbar – in den Herzen derjenigen, die an Jesus glauben und "mitten unter euch" leben.

Frage: Wie spürst du das Reich Gottes in deinem eigenen Herzen und deinem Alltag, auch wenn es äußerlich unsichtbar bleibt?

Andacht von Papst Franziskus

Das Reich Gottes ist dort, verborgen in dieser Heiligkeit des alltäglichen Lebens, dieser Heiligkeit aller Tage.
Denn das Reich Gottes ist nicht fern von uns, es ist nah. Eben das ist eines der Merkmale des Reiches Gottes: die alltägliche Nähe.

Das Reich Gottes ist demütig, wie der Same: demütig, aber groß durch die Kraft des Heiligen Geistes. Unsere Aufgabe besteht darin, es in uns wachsen zu lassen, ohne uns zu rühmen.

Zuzulassen, dass der Geist kommt, unsere Seele verwandelt und uns voranbringt in der Stille, im Frieden, in der Ruhe, in der Nähe zu Gott, zu den anderen Menschen, in der Anbetung Gottes, ohne jedes Spektakel.

Papst Franziskus

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Alltag die stille Nähe Gottes bewusst wahrnehmen und zulassen, dass sie mich verwandelt?

Vers 22 Ihr werdet Sehnsucht haben

Lk 17,22: Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen einzigen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen.‭

Lk 17,22: Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, wo ihr euch danach sehnt, auch nur einen Tag des Menschensohnes zu erleben, aber es wird euch nicht vergönnt sein.

Gegen die Ungeduld

Eine Gemeinde, die ungeduldig auf das Kommen des Menschensohnes wartet, wird zur Nüchternheit und zur Wachsamkeit gemahnt.

Zur Nüchternheit: sie soll nicht jedem Propheten glauben, der mit genauen Angaben aufwartet (Dort! Hier!); das Ereignis wird so unübersehbar sein wie der Blitz, der das ganze Himmelsgewölbe erleuchtet.

Frage: Wie bereitest du dich innerlich darauf vor, große Veränderungen bewusst und aufmerksam wahrzunehmen?

Tage des Menschensohnes

Sie strebten danach, die Tage des Menschensohnes zu erleben, eine mächtige Herrschaft, in der Christus der Höchste ist, dem die ganze Welt unterworfen ist.

Aber Christus kommt zuerst, um im Herzen einer jeden einzelnen Person zu regieren.

Glaube ich in meinem eigenen Herzen an Christus und nehme seinen Willen an? Liebe ich ihn und gebe ich mich selbst ihm ganz hin, um auf seinen Willen zu antworten? Baue ich das Reich Gottes durch mein Gebet und mein Leben in der Gnade auf?

Edward Hopkins

Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, Christus in meinem Herzen herrschen zu lassen, und welche Schritte kann ich heute unternehmen, um sein Reich in meinem Leben zu verwirklichen?

Sehnsucht nach Ihm

Jesus spricht zu seinen Jüngern von einer Zeit, in der sie sich nach dem Menschensohn sehnen werden, ihn aber nicht sehen.

Diese Sehnsucht nach dem wiederkommenden Herrn kann auch in unserem Leben lebendig sein, besonders in Momenten der Einsamkeit oder des Zweifelns.

Doch diese Sehnsucht will uns nicht entmutigen, sondern wachhalten. Sie erinnert uns daran, dass unser Leben eine ständige Vorbereitung auf die endgültige Begegnung mit Christus ist.

Frage: Wie kann ich meine eigene Sehnsucht nach Gott bewusst wahrnehmen und nähren, sodass sie mir in Zeiten der Stille oder Unsicherheit Orientierung gibt?

Vers 23 Glaubt keinen falschen Gerüchten

Lk 17,23: ‭Und sie werden zu euch sagen: Siehe hier!, oder: Siehe dort! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach!‭

Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach!‭

Jesus warnt seine Jünger davor, falschen Erwartungen oder irreführenden Zeichen nachzulaufen. In den letzten Tagen werden viele behaupten, den Messias an einem bestimmten Ort zu sehen. Doch das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen oder durch spektakuläre Erscheinungen.

Diese Warnung bleibt aktuell: Viele verkünden falsche Heilsversprechen oder spekulieren über das genaue Kommen Christi. Doch wahres Christsein bedeutet, auf Jesus allein zu vertrauen und nicht jeder Sensation nachzujagen.

Seine Wiederkunft wird unübersehbar sein – wie ein Blitz am Himmel. Bis dahin sind wir aufgerufen, im Glauben standhaft zu bleiben und nicht in Angst oder Verwirrung zu geraten.

Frage: Wie kann ich im Alltag mein Vertrauen auf das Unsichtbare stärken, ohne mich von äußeren Ereignissen verunsichern zu lassen?

Vers 24 Menschensohn kommt wie Blitz

Lk 17,24: Denn gleichwie der Blitz, der in einer Himmelsgegend erstrahlt, bis zur anderen leuchtet, so wird auch der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.

Das zweite Kommen Jesus

Denn er erscheint nicht auf der Erde wandelnd, wie ein gewöhnlicher Mensch, sondern er wird all das Unsrige erleuchten und Allen den Glanz der eigenen Gottheit zeigen.

Vers 25 Vorher muss er leiden

Lk 17,25: ‭Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.‭

Glaube und Prüfungen

Wie? Wenn das Reich Gottes hier und jetzt ist, wie gelangen wir dann hinein? Wir gelangen auf demselben Weg hinein wie unser König – durch die Tür des Leidens und der Beharrlichkeit. „Zuerst muss er vieles leiden und abgelehnt werden.”

Glaube ist kein einmaliges Annehmen. Der Glaube muss sich in den großen und kleinen Prüfungen, denen wir in unserem Leben begegnen, bewähren. Auf diese Weise können wir uns dem Glauben und dem Reich Gottes immer mehr nähern.

Wir müssen uns daran erinnern, dass es am Ende das Reich Gottes – und der König selbst – ist, der zu uns wie ein aufleuchtender Blitz am Himmel kommt.
Edward Hopkins

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Türen des Leidens und der Beharrlichkeit so durchschreiten, dass ich dem Reich Gottes näherkomme?