Lk 13, 22-30 Der enge Weg zum Reich Gottes: Auslegung und Andacht

Lk 13, 22-30 im Überblick: Lukas 13, 22 bis 30 leicht verständlich erklärt. Dieser Impuls über den engen Weg zum Reich Gottes hilft dir, den Bibeltext tiefgehender zu erfassen und im Alltag anzuwenden.

Vers 22 Wanderung nach Jerusalem

Lk 13,22: ‭Und er zog durch Städte und Dörfer und lehrte und setzte seine Reise nach Jerusalem fort.‭

Setzte seine Reise nach Jerusalem fort.‭

Lukas 13,22 berichtet, dass Jesus „durch Städte und Dörfer zog und lehrte und auf dem Weg nach Jerusalem war“. Diese Stelle betont, dass Jesu Wirken ein bewusstes Unterwegssein ist – nicht nur geografisch, sondern auch geistlich. Seine Reise nach Jerusalem symbolisiert seinen Weg zum Kreuz, der Gottes Heilsplan erfüllt.

Durch seine Lehre auf dem Weg zeigt Jesus, dass das Reich Gottes allen offensteht, aber eine Entscheidung erfordert. Der Kontext des folgenden Abschnitts (Lk 13,23–30) unterstreicht die Dringlichkeit dieser Entscheidung: Der Zugang zum Heil ist nicht selbstverständlich.

Für Gläubige bedeutet dies: Der Weg mit Jesus erfordert Nachfolge und Umkehr. Jesu Reise ist ein Bild für den Lebensweg des Christen – ein fortwährendes Lernen und Wachsen im Glauben.

Frage: Welche inneren Wege bist du bereit zu gehen, um dem Ruf Jesu in deinem Leben zu folgen?

Vers 23 Werden nur wenige gerettet?

Lk 13,23: ‭Es sprach aber einer zu ihm: Herr, sind es wenige, die errettet werden? Er aber sprach zu ihnen:‭

Die Stunde ist gekommen

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er weiß, dass seine Stunde bald gekommen ist. Die Frage nach der Rettung der Menschen liegt in der Luft.

"Sind es nur wenige, die gerettet werden?"

Wir wissen nicht, ob der namenlose Mann diese Frage aus Sorge um die anderen Menschen gestellt hat oder aus der eigenen Angst heraus, verloren gehen zu können.

Wie sieht es bei mir aus? Beunruhigt mich der stetige Glaubensverfall in unserem Land? Brennt in meinem Herzen die Sorge um all die Menschen, die die Liebe Gottes noch nicht erfahren haben?

Edeltrud Fuhr

Frage: Welche Gedanken und Gefühle in mir selbst lassen mich nach der Rettung der Menschen fragen, und wie kann ich mein Herz mehr für die Liebe Gottes öffnen?

Eine Frage, die uns alle bewegt

Die Frage spiegelt eine Sorge wider, die wir wohl alle kennen: Ist das Heil nur für eine kleine, auserwählte Gruppe bestimmt? Werde ich dazugehören? Ist mein Leben, so wie ich es führe, ausreichend, um in das Reich Gottes zu gelangen?

Jesus scheint den Unterton zu verstehen, seine Antwort ist jedoch keineswegs beruhigend. Im Gegenteil, sie bestätigt unsere Bedenken: Bemüht euch mit allen Kräften!

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Gottes Ruf folgen, ohne mich von der Angst leiten zu lassen, nicht genug zu sein?

Eine Frage, die beunruhigt

Das ist eine Frage, die beunruhigen kann: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?” Jesus gibt keine direkte Antwort; stattdessen gibt er einen Rat. Es hat fast den Anschein, als ob er der Frage ausweicht, als ob die Antwort nur entmutigen würde.

Er will Mut machen, gleichzeitig betont er aber die Schwierigkeit, Erfolg zu haben. „Bemüht euch mit allen Kräften”, sagt er, „durch das enge Tor zu gelangen.”

„Bemüht euch mit allen Kräften” ist der Schlüsselsatz, denn das Tor ist eng und es erfordert größte Anstrengung, hindurchzugelangen.

James Swanson

Frage: Wo in deinem Leben spürst du die Notwendigkeit, mit allen Kräften auf dein „enges Tor“ zuzugehen, und welche Schritte kannst du bewusst setzen, um diesen Weg zu gehen?

Vers 24 Nutzt die enge Tür

Lk 13,24: Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen! Denn viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und es nicht können.

Lk 13,24: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.

Jesus ist die enge Pforte

Sehe ich Jesus Christus vorangehen, Schritt für Schritt, sehe ich allein auf ihn und folge ihm, Schritt für Schritt, so werde ich bewahrt.

Jesus selbst ist der schmale Weg und das enge Tor. Es geht nicht um ein großes religiöses Regelwerk, sondern um die intime Eins-zu-Eins-Beziehung zu Christus, durch die ich nur hineintreten kann, wenn ich alles zurücklasse, was mich an diese Welt bindet – Stolz, Geld, Egoismus und all das, was mein Herz fesselt.

Aus dieser Gefangenschaft des eigenen Ichs hat uns der Herr befreit.

Frage: Wo in meinem Leben halte ich noch an Dingen fest, die mich von einer tieferen Verbindung zu Christus abhalten?

Bemühet euch

Denn wenn die Anstrengung der Seele nicht groß wird, wird die Woge der Welt nicht besiegt, wodurch die Seele immer abwärts gezogen wird.

Da der Weg eng ist, erfordert es Anstrengung und Zielstrebigkeit, ihn zu betreten. Ein enges Tor impliziert auch, dass wir keine unnötigen Dinge mitnehmen können.

Deshalb müssen wir uns bemühen (das Wort ist wörtlich „quälen“), um diese Dinge beiseite zu legen und hineinzukommen.

Frage: Welche inneren Lasten könntest du loslassen, um deiner Seele mehr Raum zur Entfaltung zu geben?

Mit allen Kräften

Das griechische Verb hinter dieser Aufforderung – agonizesthe – bedeutet eigentlich „kämpfen“ und zwar besonders im sportlichen Wettkampf. Kämpft (wie in einem Wettkampf), hineinzugehen durch die enge Tür.

Das Ziel des Wettkampfes ist also der Eingang durch die enge Tür. Wem das gelingt, der hat den Sieg errungen. Um diesen Sieg zu erlangen, braucht es den Eifer und die Wettkampfstärke des sportlichen Kämpfers.

Die Einheitsübersetzung ist hier etwas blass, aber der griechische Text redet wirklich vom „stark sein“ und bleibt damit im sportlichen Bildfeld.

Im Bildfeld der Lehre Jesu verbindet sich die Enge der Tür mit der Begrenztheit der Zeit. Zeit ist Frist. Es gibt ein „zu spät“. Darin liegen Ernst und Verantwortung der Existenz. Und Jesus fordert uns eindringlich auf, auf diesen Ernst mit dem Einsatz unserer ganzen Existenz zu antworten.

Martin Brüske

Frage: Wie bewusst setze ich meine Zeit und meine Kraft ein, um den „engen Durchgang“ meines Lebens mit voller Präsenz zu meistern?

Andacht von Papst Franziskus

Es geht darum, bereits jetzt durch den richtigen Durchgang zu gehen, und dieser richtige Durchgang ist für alle, aber er ist eng. Das ist das Problem.

Jesus will uns nicht täuschen, indem er sagt: „Ja, bleibt schön ruhig, das ist einfach, es gibt eine schöne Autobahn und am Ende eine große Tür…“

Nicht das sagt er uns: Er spricht von der engen Tür. Er erzählt uns die Dinge so, wie sie sind: Der Durchgang ist eng.

In welchem Sinne? In dem Sinne, dass man Gott und seinen Nächsten lieben muss, um gerettet zu werden, und das ist nicht bequem!

Es ist eine „enge Tür“, denn das ist anspruchsvoll. Die Liebe ist immer anspruchsvoll, sie erfordert Engagement, mehr noch: Anstrengung, das heißt einen entschlossenen und ausdauernden Willen, nach dem Evangelium zu leben.

Der heilige Paulus nennt es „den guten Kampf des Glaubens“ (1 Tim 6,12). Die Anstrengung ist jeden Tag notwendig, den ganzen Tag über, um Gott und die anderen zu lieben.

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass die Liebe zu Gott und den Mitmenschen mich herausfordert, und wie kann ich diesen „engen Durchgang“ bewusst annehmen?

Andacht von Papst Benedikt XVI

Alle können in das Leben eintreten, aber für alle ist die Tür eng. Es gibt keine Privilegierten. Der Durchgang zum ewigen Leben ist für alle offen, aber er ist eng, weil anspruchsvoll; er erfordert Einsatz, Opferwillen, Abtötung des eigenen Egoismus.

Wie an den letzten Sonntagen fordert uns das Evangelium erneut dazu auf, die Zukunft in Betracht zu ziehen, die uns erwartet und auf die wir uns während unserer Pilgerreise auf Erden vorbereiten müssen.

Das Heil, das Jesus gewirkt hat, ist universal. Er ist der einzige Erlöser und lädt uns alle zum Festmahl des ewigen Lebens. Dies aber unter der einen, einzigen und gleichen Bedingung, sich anzustrengen, ihm nachzufolgen und dabei, wie er es getan hat, sein Kreuz auf sich zu nehmen und das Leben dem Dienst an den Schwestern und Brüdern zu weihen.

Frage: Welche inneren Schritte könnte ich heute gehen, um meinem eigenen Lebensweg bewusster im Dienst und in Hingabe zu gestalten?

Vers 25 Hausherr schließt die Tür

Lk 13,25: Wenn einmal der Hausherr aufgestanden ist und die Türe verschlossen hat, dann werdet ihr anfangen, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, Herr, tue uns auf! Dann wird er antworten und zu euch sagen: Ich weiß nicht, woher ihr seid!

Lk 13,25: Hat der Hausherr erst einmal das Tor verschlossen, werdet ihr draußen stehen. Soviel ihr dann auch klopft und bettelt: ›Herr, mach uns doch auf!‹ – es ist umsonst! Er wird euch antworten: ›Was wollt ihr von mir? Ich kenne euch nicht!

Bei Jesus sein

Jesus ist ganz klar in seinen Worten: Wer nicht beim Hausherrn ist, solange dieser noch die Tür geöffnet hat, kann nicht in den Himmel gelangen.

Bei der ständigen Suche nach dem Herrn, mit dem Ziel, bei ihm zu sein, nimmt der Weg in die ewige Freude Gestalt an.

Wer sich aber einmal in seiner Gegenwart befindet, wird nie ausgesperrt von Liebe, Freude, Erfüllung.

Seine Gegenwart müssen wir suchen.
Peter Hemm

Frage: In welchen Momenten spüre ich die Gegenwart des Herrn am stärksten, und wie kann ich diese Momente im Alltag bewusst suchen?

Die Tür ist zu

Wenn eine Tür zu bleibt, dann ist das meistens die Quittung für eine Vorgeschichte. Hier in diesem Gleichnis ist es Gott selbst, der sich uns entzieht. Darf er das eigentlich? Müsste Gott uns nicht aufnehmen?

Gott ist sehr pädagogisch. Er lässt die Tür einen kleinen Spaltbreit offen, gibt uns einen Blick hinein und hält uns den Spiegel vor. Denn er antwortet auf unsere Frage, warum wir nicht eingelassen werden: Wen wir sehen, wenn wir durch den Spalt schauen, sind die Menschen, die uns vielleicht nie wirklich interessiert haben, die wir abgewiesen haben und für die wir keine Zeit hatten.

Eines ist klar: Gott würde für uns die Tür öffnen, wenn wir uns wandeln würden, nicht mehr zu spät kämen, nicht nur mit uns selbst beschäftigt wären, wenn wir uns um unsere Nächsten kümmern und für sie interessieren würden.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Welche „Spalte“ in deinem eigenen Leben zeigen dir heute, welche Menschen oder Momente mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge von dir brauchen?

Kennen und Beziehung

Natürlich kannte Jesus sie in gewisser Weise; Er wusste, wer sie waren und kannte ihr Leben. Er kannte sie jedoch nicht im Sinne von Beziehung, von der lebendigen Verbindung des Glaubens. Seine Worte betonen die Wichtigkeit der Beziehung.

Beziehung mit Jesus

Jesus macht uns klar, dass es nicht genügt, ihn nur oberflächlich zu kennen, ein vages Bild von ihm und seiner Lehre zu haben, um in das Himmelreich zu gelangen, und lädt uns so gewissermaßen ein, eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen, ein Leben des Gebetes zu führen, aus der Anonymität der Masse herauszutreten.

Sucht ihn voller Sehnsucht, sucht ihn in euch selbst mit aller Kraft. Wenn ihr auf diese Weise zielstrebig vorgeht, kann ich euch versichern, dass ihr ihn bereits gefunden und begonnen habt, Umgang mit ihm zu haben, ihn zu lieben und euer Gespräch im Himmel zu führen. Josefmaria

Vers 26 Ausreden helfen dann nicht

Lk 13,26: ‭Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unseren Gassen hast du gelehrt!‭

Wissen ist nicht gleich Erfahrung

"Wir haben mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt.” Wie kann Christus sagen, dass er uns nicht kennt?

Auch wenn wir täglich die heilige Messe besuchen und ihn in der Eucharistie empfangen, heißt das nicht schon automatisch, dass wir Christus als Person und Freund kennengelernt haben.

Wir müssen mit Menschen vorsichtig sein, die viel über Christus sprechen, aber die wenig mit ihm sprechen. Wer die Lehren der Kirche kennt und sie auswendig zitieren kann, hat sein Herz und seinen Willen nicht automatisch von diesem Wissen durchdringen und verwandeln lassen.

Christus zu kennen bedeutet nicht notwendig, dass wir ihn auch erfahren haben. Kenne ich Christus so gut wie mich selbst? Kenne ich Christus so gut wie meine Freunde? Welche Art von Wissen habe ich von Christus?

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag Christus nicht nur kennen, sondern auch wirklich erleben und in meinem Herzen spüren?

Vers 27 Ich kenne euch nicht

Lk 13,27: ‭Und er wird antworten: Ich sage euch: Ich weiß nicht, woher ihr seid; weicht alle von mir, ihr Übeltäter!‭

Andacht von Anselm Grün

Hier schildert uns Jesus nicht die Strenge Gottes, sondern die Struktur unseres Lebens. Wir leben oft außerhalb unseres Hauses. Wir haben zu uns gar keinen Zutritt und beschäftigen uns nur mit der äußeren Wirklichkeit.

Dabei pflegen wir keinen schlechten Umgang, haben sogar mit Christus selbst zu tun, essen und trinken mit ihm. Er lehrt auf unseren Straßen. Wir gehen zur Eucharistie und hören die Lehre Jesu. Aber alles bleibt außerhalb unseres Hauses.

Wenn wir lange genug außerhalb unseres Hauses gelebt haben, dann kann es sein, dass wir eines Tages vor verschlossenen Türen stehen. Wenn sich unser Herz so verhärtet hat, dass wir keinen Zutritt mehr zu ihm finden, dann wird unser Leben ein »Heulen und Zähneknirschen« sein, dann werden wir schmerzlich spüren, dass wir an uns vorbeigelebt haben, dass wir überhaupt nicht gelebt haben, dass wir abgeschnitten sind von unserer inneren Welt, von unserem Haus, in dem wir daheim sein könnten.

Frage: Wo in meinem Leben habe ich die Türen zu meinem inneren Haus verschlossen, und wie könnte ich den Weg zurück zu mir selbst finden?

Vers 28 Heulen und Zähneklappern draußen

Lk 13,28: ‭Da wird das Heulen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes seht, euch selbst aber hinausgestoßen!‭

Harte, aber hoffnungsvolle Worte

Diese Worte wirken hart und bedrückend, enthalten aber zugleich einen Funken Hoffnung, denn Jesus nennt hier auch Menschen, die den Weg durch die enge Pforte gefunden und das Heil erlangt haben.

Und es sind keine unbekannten Gestalten – wir kennen ihre Geschichte aus der Heiligen Schrift und wissen, dass sie nicht fehlerfrei waren. Auch sie hatten Schwächen, wie wir. Jesus macht uns also deutlich, dass Schwachheit kein Hindernis ist für den Zugang zum Himmelreich.

Das Leben der Geretteten zeigt uns, wie der Weg der Heiligkeit aussieht: Es geht nicht darum, ein fehlerloses Leben zu führen, sondern darum zuzulassen, dass die göttliche Barmherzigkeit uns dabei unterstützt, Jesus Christus immer ähnlicher zu werden.

Frage: Wo in meinem Leben darf ich die göttliche Barmherzigkeit bewusst einladen, um mehr dem Vorbild Christi zu folgen?

Heulen und Zähneknirschen

Heute hört man vielerorts, Hölle, Teufel und Ähnliches gebe es überhaupt nicht. Das seien alles überholte Vorstellungen eines strafenden Gottes, wie er im Alten Testament geschildert wird.

Interessant ist jedoch, dass ausgerechnet im Neuen Testament Jesus mehr über die Hölle sagt, als alle anderen Gestalten aus der Bibel. Trotzdem bringt er keine Drohbotschaft. Nein, er warnt aus Liebe.

Wer sein Kind energisch von den Gleisen reißt, erscheint vielleicht auf den ersten Blick grob. Sieht man aber im nächsten Moment einen Zug vorbeirasen, versteht man ein solches Handeln.

Das Gegenteil ist der Fall: Lieblos wäre es, nichts zu tun.
Bertalan Egervári

Frage: In welchen Momenten erkenne ich, dass liebevolle Führung auch dort notwendig ist, wo es zunächst streng oder unangenehm erscheint?

Andacht von Anselm Grün

Die Hölle ist für viele Theologen kein Thema mehr. Wie sollen wir angemessen von der Hölle reden?

Für mich gilt: Wir müssen an der Spannung festhalten. Es gibt die Möglichkeit der Hölle, auch wenn diese letztlich niemandem zu wünschen ist. Es gibt die Möglichkeit des Scheiterns, des Sich-endgültig-Verschließens gegenüber Gott. Nicht Gott wird uns in die Hölle werfen, sondern wir werden uns selbst die Hölle schaffen, wenn wir uns im Tod gegenüber Gott verschließen und das Angebot seines Heils ablehnen.

Auf der anderen Seite dürfen wir als Christen hoffen, dass die Liebe Gottes auch über die letzte Bosheit der Sünder siegt und ihn zur Hingabe an Gott aufbricht. Aber dieser Aufbruch wird nicht ohne Schmerz erfolgen, wie es uns die Lehre vom Fegfeuer zeigt.

Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die Balance zwischen dem Widerstand gegen Gott und der Hoffnung auf seine befreiende Liebe?

Vers 29 Menschen kommen von überall

Lk 13,29: ‭Und sie werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, und zu Tisch sitzen im Reich Gottes.‭

Und sie werden kommen

Diese Aussage Jesu betont die universelle Einladung Gottes. Das Reich Gottes ist nicht auf eine bestimmte Gruppe oder Nation beschränkt, sondern offen für Menschen aus allen Himmelsrichtungen – ein Hinweis auf die Heidenmission und Gottes Gnade für alle Völker.

Zugleich ist es eine Mahnung an jene, die sich ihrer Erwählung sicher wähnen: Nicht Herkunft oder Tradition zählen, sondern der lebendige Glaube und die Annahme von Gottes Einladung. Wer sich zu Gott wendet, wird Teil seines Reiches.

Dieses Wort fordert heraus: Bin ich bereit, Gottes Ruf zu folgen, unabhängig von Herkunft oder bisherigen Vorstellungen?

Frage: Wie offen bin ich in meinem Leben für Gottes Einladung jenseits meiner gewohnten Vorstellungen und Grenzen?

Vers 30 Letzte werden Erste sein

Lk 13,30: ‭Und siehe, es sind Letzte, die werden Erste sein; und es sind Erste, die werden Letzte sein.‭

Erste, die Letzte sein werden

Jesus spricht hier vor allem die Pharisäer an, die meinten, durch ihren nach außen getragenen Glauben Gott zu gefallen, ein gutes Leben zu führen und besser als andere zu sein. Auch sie haben die Lehre Jesu gehört. Sie wussten sogar besser als alle anderen, was der Gott Israels an und durch Abraham, Isaak, Jakob und den Propheten bewirkt hat.

Dennoch haben sie sich im Inneren nicht geändert und Jesus nicht in ihr Leben gelassen. Deshalb haben zwei Gruppen von "Letzten" bei Gott den Vorrang:

Zum einen diejenigen, die tatsächlich versuchen, Jünger Jesu zu sein und dafür Opfer, Entbehrungen oder Schmähungen auf sich nehmen.

Zum anderen diejenigen, die Gott mit aufrichtigem Herzen suchen, ihn vielleicht noch nicht kennen oder in mancherlei Abhängigkeiten verstrickt sind.

"Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden" (Jer 29,13-14). Dann lässt sich Gott mit all seiner Barmherzigkeit, Liebe und Vergebung finden.

Mathias Reimer

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens lasse ich Gott wirklich zu und wo halte ich noch Abstand, obwohl ich sein Wirken spüre?