Lk 12, 49-53 Warnung vor Spaltungen: Auslegung und Andacht

Lk 12, 49-53 im Überblick: Dieser Impuls erklärt die Warnung vor Spaltungen in Lukas 12, 49 bis 53 Schritt für Schritt. Erfahre, welche tiefere Bedeutung in den Versen steckt und was sie für dein Glaubensleben bedeuten.

Vers 49 Ich bringe Feuer auf Erde

Lk 12,49: Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu bringen, und wie wünschte ich, es wäre schon entzündet!

Feuer auf der Erde

Der Herr Jesus wusste, dass sein Kommen auf die Erde zunächst keinen Frieden bringen würde. Zuerst musste es Spaltung, Zwietracht, Verfolgung und Blutvergießen hervorrufen.

Er kam zwar nicht mit dem erklärten Ziel, dieses Feuer auf die Erde zu werfen, doch dies war das Ergebnis oder die Auswirkung seines Kommens.

Obwohl Verfolgung und Zwistigkeiten während seines irdischen Dienstes auftraten, wurde das Herz des Menschen erst am Kreuz wirklich entlarvt.

Der Herr wusste, dass dies alles geschehen musste, und er wünschte sich, dass das Feuer der Verfolgung so bald wie nötig gegen ihn hervorbrechen würde.

MacDonald

Frage: Wie kannst du heute im Vertrauen auf Gottes Weisheit auch in Zeiten von Konflikten und Herausforderungen deinen inneren Frieden bewahren?

Andacht von Papst Franziskus

Das Feuer, von dem Jesus spricht, ist das Feuer des Heiligen Geistes, lebendige und wirksame Gegenwart in uns vom Tag unserer Taufe an.

Das Feuer ist eine schöpferische Kraft, die reinigt und erneuert. Es verbrennt jedes menschliche Elend, jeden Egoismus, jede Sünde. Es verwandelt uns von Innen her, es erneuert uns und macht uns fähig zu lieben.

Jesus wünscht, dass der Heilige Geist in unserem Herzen wie ein Feuer auflodert, denn nur vom Herzen ausgehend wird sich der Brand der göttlichen Liebe ausbreiten und das Reich Gottes vorankommen lassen können. Es geht nicht vom Kopf aus, es geht vom Herzen aus.

Deshalb will Jesus, dass das Feuer in unser Herz eintritt. Wenn wir uns vollständig dem Wirken dieses Feuers öffnen, das der Heilige Geist ist, wird er uns den Wagemut und den Eifer schenken, Jesus und seine tröstende Botschaft der Barmherzigkeit und des Heils allen zu verkünden, indem wir auf die offene See hinausfahren, ohne Ängste.

Papst Franziskus

Frage: Wie kannst du heute das Feuer des Heiligen Geistes in deinem Herzen neu entfachen, um mutig und liebevoll deinen Weg zu gehen?

Vers 50 Schwere Taufe steht bevor

Lk 12,50: Aber ich muss mich taufen lassen mit einer Taufe, und wie drängt es mich, bis sie vollbracht ist!

Eine Taufe

Jesus wurde am Anfang seines öffentlichen Lebens von Johannes getauft. Hier spricht er aber über eine andere Taufe: die seines Leidens, Sterbens und Auferstehens.

Er ist ja Mensch geworden, um uns durch Passion, Tod und Auferstehung zu erlösen. So groß war seine Liebe zu uns, dass er das herbeisehnte, obwohl seine menschliche Natur – genau wie die unsere – auch Angst vor Leiden und Tod spürte.

Wenn ich Schwierigkeiten begegne, habe ich dann eine Liebe, die mir Kraft gibt und mich vorantreibt?

Frage: Wie kann ich in meinem Leben eine Liebe kultivieren, die mich gerade in herausfordernden Zeiten trägt und transformiert?

Taufe seines Todes

Er hatte eine Taufe, womit er getauft werden musste. Das bezieht sich auf seine Taufe bis zum Tod am Kreuz. Er stand unter dem ungeheuren Zwang, ans Kreuz zu gehen, um die Erlösung für die verlorene Menschheit zu erreichen. Die Schande, das Leid und der Tod waren des Vaters Wille für ihn, und er wollte unbedingt gehorchen. MacDonald

Vers 51 Ich bringe Spaltung, keinen Frieden

Lk 12,51: Meint ihr, dass ich gekommen sei, Frieden auf Erden zu geben? Nein, sage ich euch, sondern vielmehr Entzweiung!‭

Spaltung und Entzweiung

Worauf bezieht sich der Herr, wenn er in der Version des Lukas sagt, daß er gekommen ist, um die Spaltung zu bringen, oder laut Matthäus das Schwert?

Diese Wendung Christi bedeutet, daß der Friede, den zu bringen er gekommen ist, nicht gleichbedeutend mit einfacher Abwesenheit von Konflikten ist. Im Gegenteil, der Friede Jesu Christi ist Ergebnis eines ständigen Kampfes gegen das Böse.

Der Kampf, den durchzustehen Jesus entschlossen ist, ist nicht ein Kampf gegen Menschen oder menschliche Mächte, sondern gegen den Feind Gottes und des Menschen, Satan. Wer diesem Feind widerstehen will und dabei Gott und dem Guten treu bleibt, muß notwendigerweise Verständnislosigkeiten und manchmal richtiggehenden Verfolgungen entgegentreten.

All diejenigen, die beabsichtigen, Jesus nachzufolgen und sich kompromißlos für die Wahrheit einzusetzen, müssen deshalb wissen, daß sie Widerständen begegnen werden und gegen ihren Willen Zeichen der Spaltung unter den Menschen, sogar innerhalb ihrer Familien, sein werden.

Benedikt XVI

Frage: Wie gehe ich persönlich mit den Spannungen und Konflikten um, die aus meinem Glauben und meinem Einsatz für die Wahrheit entstehen?

​Vers 52 Familien werden sich entzweien

Lk 12,52: ‭Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein, drei mit zweien und zwei mit dreien.

Friede um jeden Preis? 

Jesus korrigiert das Missverständnis einiger seiner Zuhörer. Sicher erwarteten einige, dass er den messianischen Frieden bringen würde, wo der Löwe beim Lamm liegt (s. Jes 11,6-9). Nein, dieser Friede wird erst am Ende der Zeit kommen, wenn das Himmelreich in seiner Fülle errichtet wird.

Bis dahin wird die Christenheit oft mit den Mächten dieser Welt im Konflikt sein. Wir wollen, dass die anderen uns nett finden, jedoch werden wir wegen unserer Überzeugungen mit manchen in Konflikt geraten.

Möge der Funke in unserer Seele ein Feuer sein, das stark genug ist, diese Konflikte auszutragen und nicht um eines billigen Friedens willen mit der Haltung der Welt einverstanden zu sein.
Steven Reilly

Frage: Wie kann ich in meinem Leben den Mut finden, auch gegen den Strom zu gehen und meinem inneren Glauben treu zu bleiben?

Vers 53 Generationen streiten untereinander

Lk 12,53: Der Vater wird mit dem Sohn entzweit sein und der Sohn mit dem Vater, die Mutter mit der Tochter und die Tochter mit der Mutter, die Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.‭

Klare Prioritäten

Wenn Jesus nun auf die Familie zu sprechen kommt, ist das eine Prophezeiung. Es handelt sich nicht um eine Aufforderung, das vierte Gebot, den Respekt, die Geduld, ja die Nächstenliebe über Bord zu werfen. Jesus schätzt und bestärkt die Familie, wann immer er kann.

Doch gleichzeitig weiß er sie auch einzuordnen: Die Familie soll ein Ort sein, wo man lernt, Gott und die Menschen zu lieben und mit ihnen zusammenzuleben. Wenn die Familie einen jedoch hindert, zu Gott zu kommen, sorgt das für Spaltung. Und dann kann Zwietracht entstehen zwischen Vater und Sohn, Mutter und Tochter – oder wem auch immer.

Jesus möchte das nicht, aber noch weniger möchte er, dass sich seine Freunde verbiegen; dass sie um des irdischen Friedens willen, den himmlischen Frieden opfern. Gott kommt immer zuerst, denn nur in ihm kann es wahren Frieden geben.
Mariano Ballestrem

Frage: Wo ordne ich in meinem Leben Gott und Familie ein – und wie offen ist mein Herz für den himmlischen Frieden?

Die Reaktion der Menschen auf Jesu Liebe

Das Unangenehmste dieser Passage ist die Spaltung, von der Jesus spricht. Er ist nicht gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen, sondern Spaltung. Jesus sehnt sich aber nicht nach der Spaltung. Er beschreibt nur, dass es von nun an so sein wird.

Ich verstehe das so, dass der Glaube an Jesus die Menschen sogar in den kleinsten Einheiten, in Hausgemeinschaften oder in Familien, spaltet. In einer Familie oder in einer WG wird es Menschen geben, die Jesus lieben, und Menschen, die Jesus ablehnen. Es gibt neben mir und nah an meiner Seite Menschen, die die Liebe Jesu zurückweisen. Und das lässt eine Kluft entstehen.

Frage: Wie gehst du mit der inneren Spannung um, die entsteht, wenn dein Glaube auf Ablehnung stößt – auch in deinem engsten Umfeld?