Lk 12, 35-48 Wachsamkeit und Treue

Vers 35 Seid wachsam

Lk 12,35: Eure Lenden sollen umgürtet sein und eure Lichter brennend.

Den Gürtel nicht ablegen

Beide Symbole, umgürtete Lenden und brennende Fackeln, bedeuten die Bereitschaft, die Zeit der Gnade Gottes anzunehmen und sich darauf einzulassen.

Mit gegürteten Lenden sollten die Israeliten das Paschamahl kurz vor dem Auszug aus Ägypten zu sich nehmen. Die brennenden Lampen sollten die Dunkelheit der Nacht vertreiben – Abendmahl und Auszug fanden in der Nacht statt.

Wir sollten jederzeit bereit sein, den Herrn in allen Dingen zu finden und seiner Stimme zu folgen.
Betti Duda

Frage: Wie offen bin ich wirklich, die Zeit der göttlichen Gnade zu empfangen und mich von ihr leiten zu lassen?

Lasst eure Lampen brennen

Jesus bittet seine Jünger, wachsam zu bleiben, denn er weiß, wie schnell sie den Mut verlieren werden, wenn er sie verlässt. Solange er ihnen physisch nahe war, ging es ihrem Glauben gut, doch sobald die schwierige Zeit eintraf, in der Jesus nicht mehr ihr sichtbarer Messias war, war es selbst für die Jünger, die eine lebendige Erfahrung Jesu hatten, schwer, zu glauben.

Doch genau in dieser Nacht der Sinne bittet uns Jesus, unsere Lampen brennen zu lassen, festzuhalten an den Erfahrungen, die jeder einzelne schon haben durfte, beim Lesen in der Heiligen Schrift, dem lebendigen Wort Gottes, kurz: wachsam zu sein und auf das Kommen des Herrn zu warten.

Frage: Wie halte ich meine innere Flamme des Glaubens lebendig, auch wenn ich Jesus nicht unmittelbar spüren kann?

Umgürtete Lenden und brennende Lichter

Die Jünger sollten ihrem Herrn nicht nur in Bezug auf ihre Versorgung vertrauen, sondern auch in ständiger Erwartung seiner Wiederkunft leben. Sie sollten ihre Lenden umgürten und ihre Lampen brennend erhalten.

In östlichen Ländern wurde ein Gürtel um die Taille geschlungen, um die langen, weiten Gewänder zu halten, wenn ein Mensch schnell gehen oder laufen wollte. Die umgürtete Lende spricht von einem Auftrag, der zu erfüllen ist, die brennende Lampe kündet vom Zeugnis, das zu erhalten ist. MacDonald

Frage: Wie kannst du in deinem Alltag darauf achten, mit wachsamem Herzen und bereitem Geist für das Kommende bereit zu sein?

Andacht von Cyprian

Umgürtet müssen wir sein, damit wir nicht, wenn der Tag des Aufbruchs kommt, unvorbereitet und ungerüstet angetroffen werden.

Leuchten und strahlen lasst unser Licht in guten Werken (vgl. Mt 5,16), damit es uns aus dieser Finsternis der Welt zum Glanz der ewigen Herrlichkeit emporführe!

Lasst uns stets wachsam und vorsichtig der plötzlichen Ankunft des Herrn harren, damit, wenn er anklopft, unser Glaube wach ist und den Lohn seiner Wachsamkeit vom Herrn empfängt!

Frage: Wie bereitest du dich innerlich darauf vor, im entscheidenden Moment voller Glauben und Licht zu stehen?

Andacht von Gregor von Nyssa

Der Herr gab seinen Jüngern wichtige Ratschläge, damit ihr Geist alles Naturhaft-Irdische wie Staub abschüttele und sich zur Sehnsucht nach den übernatürlichen Wirklichkeiten erhebe.

Wenn man sich nämlich dem himmlischen Leben zuwendet, gilt es, stärker zu sein als der Schlaf und den Geist stets wachsam zu halten. Ich spreche von der Schläfrigkeit derer, die sich in Lebenslügen verstricken durch trügerische Träume von Ehre, Reichtum, Macht, Prunk, durch die Faszination der Vergnügungen, Ehrgeiz, Genusssucht, Eitelkeit und durch all das, wozu oberflächliche Menschen von ihrer Phantasie verleitet werden.

All diese Dinge vergehen mit der flüchtigen Natur der Zeit; sie gehören in den Bereich des Scheins; kaum sind sie da, verschwinden sie auch schon wieder wie die Wellen auf dem Meer. Damit unser Geist von diesen Verblendungen befreit wird, ermuntert uns der Logos – das Wort Gottes –, diesen Tiefschlaf von den Augen unserer Seele abzuschütteln, damit wir nicht dem anhangen, was keinen Bestand hat, und so von der echten Wirklichkeit abgleiten.

Deshalb mahnt er uns zur Wachsamkeit und sagt: „Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen“ (Lk 12,35). Denn ein helles Licht vor Augen vertreibt den Schlaf, und der straff gebundene Gürtel bewahrt den Leib davor, vom Schlaf überwältigt zu werden. Wer mit Mäßigung umgürtet ist, lebt im Licht eines reinen Gewissens; kindliches Vertrauen erhellt sein Leben wie eine Leuchte. Wenn wir so leben, werden wir in ein Leben eintreten, das dem der Engel gleicht.

Frage: Wie kannst du in deinem Alltag wachsam bleiben und dich von vergänglichen Versuchungen lösen, um deinem inneren Licht mehr Raum zu geben?

Vers 36 Wartet auf den Herrn

Lk 12,36: Seid Menschen gleich, die ihren Herrn erwarten, wenn er von der Hochzeit aufbrechen wird, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun.

Auf den Herrn warten

Sie sollten von allen irdischen Belastungen frei sein, sodass sie sofort, wenn der Herr anklopft, aufmachen können, ohne Ablenkung und ohne sich erst fertig machen zu müssen.

Ihre Herzen warten auf ihn, ihren Herrn, sie lieben ihn und sie warten auf ihn. Er klopft an und sie öffnen ihm sofort.

Das Warten auf die Rückkehr unseres Herrn sollte unser Herz mit großer Freude erfüllen. Wir warten nicht auf irgendeinen Herrn, sondern auf den Herrn, der für uns gegeißelt und gefoltert wurde, der für uns das schwere Kreuz auf sich genommen und uns unsere Sünden verziehen hat.

Wir warten auf die Person, die uns am meisten liebt und uns zu sich einladen will.

Wie wollen wir diese Person in Empfang nehmen, wenn sie kommt?

Frage: Wie bereitest du dein Herz darauf vor, deinem Herrn ohne Ablenkung und voller Liebe zu begegnen?

Vers 37 Treue Diener belohnt er

Lk 12,37: Glückselig sind jene Knechte, welche der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird!

Wachen

Es wacht der, welcher bei dem Anblick des wahren Lichtes die Augen der Seele geöffnet hält, welcher im Worte das bewahrt, was er glaubt, welcher von sich die Finsternis der Schläfrigkeit und Nachlässigkeit verbannt

Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten

Das Warten auf die Rückkehr unseres Herrn sollte unser Herz mit großer Freude erfüllen. Wir warten nicht auf irgendeinen Herrn, sondern auf den Herrn, der für uns gegeißelt und gefoltert wurde, der für uns das schwere Kreuz auf sich genommen und uns unsere Sünden verziehen hat.

Wir warten auf die Person, die uns am meisten liebt und uns zu sich einladen will.

Wie wollen wir diese Person in Empfang nehmen, wenn sie kommt?

Frage: Wie bereite ich mein Herz darauf vor, die Liebe zu empfangen, die über alles hinausgeht?

Wachen bedeutet Dienen

Das wahre Glück liegt darin, Diener zu sein, nicht im falschen Egoismus für sich selbst zu leben, sondern für den, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.

Dienen kann ich in der Haltung einer Maria, das heißt im liebevollen Hören auf die Stimme des Herrn, und in der Haltung Martas, indem ich meinem Nächsten konkret diene und auf seine Bedürfnisse und Nöte aufmerksam bin.

Diese Haltung des Dienens ist nichts anderes als die Nachahmung Jesu, der unsere Füße wusch und an uns genau so handeln wird, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit – er wird sich gürten, uns am Tisch Platz nehmen lassen und uns der Reihe nach bedienen.

Betti Duda

Frage: Wie kann ich heute in meinem Leben die Haltung des Dienens bewusster einnehmen und damit meinem eigenen Glück näherkommen?

Lk 12,37: Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und sie zu Tisch führen und hinzutreten und sie bedienen.

Rollentausch

Bis der Herr von der Hochzeit zurückkommt, warteten seine Knechte bereitwillig auf ihn, um auf seinen Befehl hin sofort tätig zu werden. Er ist mit ihnen so zufrieden, dass er hier die Rollen tauscht. Er gürtet sich selbst mit einem Sklavenschurz, lässt sie sich zu Tisch legen und bedient sie.

Das ist ein sehr bewegender Hinweis darauf, dass er, der in diese Welt als Knecht gekommen ist, sich in seiner Gnade herablassen wird, sein Volk in dessen himmlischer Heimat zu bedienen.

Der deutsche Bibelausleger Bengel war der Meinung, dass Vers 37 die größte Verheißung des Wortes Gottes sei. MacDonald

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die Haltung des dienenden Herzens weiterentwickeln, um anderen mit Demut und Liebe zu begegnen?

Gesegnet

Jene Diener, die auf die Rückkehr ihres Herrn achten, werden gesegnet sein. Sie sind tatsächlich so gesegnet, dass der Herr die Rollen vertauschen und ihnen dienen wird, indem er seine Lenden umgürtet und sie an den Tisch setzt und ihnen dient.

Vers 38 Wachsamkeit bringt Segen

Lk 12,38: ‭Und wenn er in der zweiten Nachtwache kommt oder in der dritten Nachtwache kommt und sie so findet, glückselig sind jene Knechte!‭

Ausdauer ist nötig

Jesus warnt uns, dass es auch die dritte Nachtwache sein kann, bis er wieder kommt. Das ist sehr spät. Wir werden müde sein. Aber umso mehr ist es wesentlich, uns gegenseitig auf dem langen Weg zu bestärken und zu stützen. Uns immer wieder neu zu motivieren und motivieren zu lassen. Ilka Haiberger

Die Begegnung mit dem Herrn

Auch wenn wir schon in unserem irdischen Leben dem Herrn auf verschiedene Weisen begegnen können, ist der Weg des Glaubens doch ein dunkler und verschleierter Weg. Wir sehen undeutlich, wie durch einen Spiegel, noch nicht von Angesicht zu Angesicht. (1 Kor 13,12)

Thomas von Aquin bittet: Lass die Schleier fallen einst in deinem Licht, dass ich selig schaue, Herr dein Angesicht.

Der Herr wünscht sich, dass das „Fallen“ der Schleier, unser Tod und Sterben, ein Moment totaler Freude für uns wird, der Moment einer lang ersehnten Begegnung, auf den wir wie die Knechte im Evangelium mit Vorfreude und wachend warten sollen.

Das Schauen „von Angesicht zu Angesicht“, diese Begegnung mit ihm, nach der er sich sehnt, danach dürfen auch wir uns mit Freude sehnen, denn: selig sind die, die da wachen und auf mich warten!

Betti Duda

Frage: Wie kannst du heute deinem Glaubensweg mit wachsender Sehnsucht und Offenheit begegnen, um die verborgene Gegenwart Gottes tiefer zu erkennen?

Das lange Warten

Jesus erzählt vom Herrn des Hauses, der vielleicht erst in der zweiten oder dritten Nachtwache kommt. Treu zu sein ist nicht leicht. Wir wissen, dass es ein Auf und Ab gibt, dass wir manchmal zwei Schritte vorwärts und einen Schritt zurück gehen.

Deshalb sollen wir uns mühen, beharrlich zu sein. Einfach ist es nicht, aber schön! Johannes Paul II. gab uns ein unvergessliches Beispiel von Beharrlichkeit.

Als wir von seinem Heimgang hörten, waren wir alle traurig. Als wir uns aber vorstellten, wie er den Herrn umarmt, den er so geliebt hat, erfüllte uns das mit Freude.

So soll unser Beispiel Zeugnis ablegen, dass wir beharrlich und treu sein wollen, bis der Herr uns zu sich heimholt.
Steven Reilly

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben beharrlich und treu bleiben, auch wenn der Weg schwer ist?

Vers 39 Hausherr schützt sich vor Dieben

Lk 12,39: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme, so würde er wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen.

Das unerwartete Kommen. Das Gleichnis vom Dieb

Diebe nutzen stets das Überraschungselement zu ihrem Vorteil. Sie erscheinen nur dann, wenn niemand mit ihnen rechnet. Wüsste man, dass ein Einbrecher kommt, bliebe man wach, träfe Vorkehrungen und ergreifte Maßnahmen.

Ganz ähnlich wird auch das Weltende eintreten, wenn Jesus erscheint. Alle werden mitten im normalen Alltag sein, ohne auch nur zu ahnen, dass plötzlich alles vorbei sein wird.

Ellen Charlotte Petermann

Frage: Wie kannst du dein Leben so gestalten, dass du jederzeit offen bist für das Unerwartete und innerlich bereit für tiefgreifende Veränderungen?

Vers 40 Menschensohn kommt überraschend

Lk 12,40: Darum seid auch ihr bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint.

Zeit des Kommens Christi ist unsicher

Jesus erzählt von einem Mann, dessen Haus in einem unbewachten Augenblick von einem Dieb durchsucht wird. Der Eindringling kam völlig unerwartet. Wäre der Hausherr gewarnt gewesen, hätte er niemals zugelassen, dass sein Zuhause durchsucht wird.

Die Lehre daraus zeigt, dass der Zeitpunkt von Christi Kommen ungewiss ist. Niemand kennt den Tag oder die Stunde seines Erscheinens. Wenn er zurückkehrt, werden jene Gläubigen, die sich auf Erden Schätze angehäuft haben, alles verlieren. Denn, wie es einmal jemand formulierte: Der Christ steht vor der Wahl, seinen Besitz loszulassen oder sich ihm hinzugeben.

Wer die Wiederkunft Christi wirklich erwartet, wird bereit sein, alles, was er besitzt, zu verkaufen und es Jesus zu Füßen zu legen.

Frage: Was hält mich davon ab, alles loszulassen und mein Leben ganz Christus anzuvertrauen?

Wenn du es nicht erwartest

Christus sagt uns aber vielmehr, dass er zu uns kommen möchte, wenn wir es nicht erwarten. Natürlich erwarten wir Gott und spitzen die Ohren für seine Inspirationen, wenn wir in der Messe sind, wenn wir beten, wenn wir über ihn sprechen – und dies tun wir zurecht.

Aber erwartest du ihn auch, wenn du deine Steuererklärung abgibst, wenn du gehetzt zur Bahn läufst, wenn du mit Freunden ein Bierchen trinkst oder wenn du gerade dabei bist, Mist zu bauen und Schuld auf dich lädst?

Was sind die Momente in deinem Leben, in denen du nicht mit Gott rechnest oder in denen du vielleicht sogar denkst, er wäre abwesend oder von dir abgewandt? Gibt es Dinge in deinem Leben, von denen du denkst, dass sie Gott egal sind?

Maria Boeselager

Frage: In welchen Augenblicken deines Alltags kannst du die Präsenz Gottes spüren, obwohl du es nicht erwartet hast?

Andacht von Carmen Gallinger

Jesus erklärt seinen Jüngern, dass keiner die Stunde kennt, in der der Menschensohn kommt. Die Tatsache, dass es nicht berechenbar ist, wann der Herr wiederkommt und wir keinen Einfluss darauf ausüben können, lässt zwei Möglichkeiten offen.

Entweder ist uns sein Kommen gleichgültig und wir leben unberührt unser Leben, oder wir nehmen es uns zu Herzen und warten mit Sehnsucht und Wachsamkeit auf ihn.

Wie viel ist mir mein Glaube zu Jesus Christus wert? Wünsche ich mir seine Gegenwart in meinem Leben zu jeder Stunde?

Frage: Wie präsent ist die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart in meinem Alltag wirklich?

Andacht von José Andrés González Fernández

Im Evangelium heißt es, dass der „Menschensohn“ kommen wird, nur wissen wir nicht, wann.

Das kann uns auch zu verstehen geben, wie Gott im geistlichen Leben zu uns kommt, uns seinen Heiligen Geist sendet und auf reale und konkrete Weise in unserem Leben präsent sein will.

Oftmals hapert es jedoch daran, dass wir für diesen Gott, der uns entgegenkommt, blind oder abgelenkt sind.

Heute lädt er uns ein und schenkt uns die Gnade, wach zu sein, aufmerksam zu sein, ihn zu erkennen, um ihn in unser Leben eintreten zu lassen.

Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, Gottes Gegenwart in meinem Leben wahrzunehmen und zuzulassen?

Andacht von Johannes Chrysostomus

Darum befiehlt Jesus seinen Jüngern zu wachen und stets bereit zu sein. Er sagt, dass er kommen wird, wenn sie es nicht erwarten, weil er möchte, dass sie allezeit kampfbereit und um Tugend bemüht sind.

Er will damit sagen: Wüssten die Menschen, wann sie sterben müssen, würden sie zu jener Stunde sicher großen Eifer zeigen. Damit sie aber nicht nur an diesem einen Tag eifrig sind, sondern jederzeit, offenbart er weder allgemein noch im Besonderen den genauen Zeitpunkt. Er will, dass sie immer in Erwartung bleiben.

Ebenso hat er das Lebensende eines jeden einzelnen im Dunkeln gelassen.

Frage: Wie kannst du in deinem Alltag eine Haltung des wachen Erwartens und der inneren Bereitschaft kultivieren?

Vers 41 Gilt das Gleichnis allen?

Lk 12,41: ‭Da sprach Petrus zu ihm: Herr, sagst du dieses Gleichnis für uns oder auch für alle?‭

Meinst du mit diesem Gleichnis nur uns?

Die Jünger haben eine Frage. Und es ist wieder einmal Petrus, der sie formuliert: Meinst du mit diesem Gleichnis nur uns? Jesu Antwort ist interessant. Er spricht gar nicht von geladenen Gästen, er spricht von einem Verwalter, der Knechte und Mägde unter sich hat.

Wir Christen haben in dieser Welt eine besondere Aufgabe, nämlich die, andere Menschen zu führen – nach dem Willen des Herrn. Wir sollen ein Vorbild für die anderen sein und sie anleiten.

Mariano Ballestrem

Frage: Wie lebe ich meine Verantwortung als Vorbild und Verwalter im Alltag, um dem Willen des Herrn gerecht zu werden?

Vers 42 Kluger Verwalter versorgt Diener

Lk 12,42: ‭Der Herr aber sprach: Wer ist wohl der treue und kluge Haushalter, den der Herr über seine Dienerschaft setzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die verordnete Speise gibt?‭

Lk 12,42: Darauf sagte der Herr Folgendes: »Woran erkennt man denn einen treuen und klugen Verwalter? Angenommen, ein Herr überträgt einem seiner Diener die Verantwortung, der ganzen Dienerschaft zur gegebenen Zeit das Essen zuzuteilen.

Andacht von G. de Koning

Wenn Jesus eine Frage stellt, geschieht das immer mit der Absicht, dass man selbst darüber nachdenkt.

Es geht daher auch nicht darum, zu wem Er spricht oder nicht spricht, es geht darum, dass Er zu mir spricht.

Die Frage ist, ob ich ein treuer und kluger Verwalter über das bin, was Er mir anvertraut hat, damit ich anderen damit diene.

Wir alle haben etwas von Ihm bekommen und müssen es verwalten (1Pet 4,10).

In diesem Dienst sind wir von Ihm abhängig.

Frage: Wie bewusst nehme ich wahr, was mir anvertraut wurde, und wie lebe ich meine Rolle als Verwalter in meinem Alltag?

Wir sind die Verwalter

Wir alle sind berufen, unser eigenes Leben zu verwalten.

Unser Leben ist ein Talent, das wir vom Herrn geschenkt bekommen haben. Diese Aufgabe gibt uns der Herr nur, weil er uns liebt und auf uns vertraut.

Er möchte uns an seinem Besitz teilhaben lassen und er vertraut uns. Doch es liegt an uns, uns dieses Vertrauens würdig zu erweisen, indem wir darauf angemessen antworten.

In diesem Punkt möchten wir die Frage betrachten: Wie verwalte ich das Talent, das Gott mir geschenkt hat? Bin ich fahrlässig, oder kümmere ich mich wirklich darum?

Jonathan Fuhr

Frage: Wie spüre ich in meinem Herzen, dass ich dem Vertrauen, das mir geschenkt wurde, gerecht werde?

Unsere Aufgabe ist es, zu dienen

Jesus lässt uns nicht allein und er zeigt uns auch, worauf es bei der Verwaltung ankommt.
Es geht darum, die Liebe des Vaters weiterzugeben.

So gut wir können, wollen wir den Herrn in den Werken der Liebe nachahmen; einen Blick haben für die Menschen, die um uns herum leben und die Liebe des Herrn brauchen.

Es geht darum, diese Liebe, die wir empfangen haben, weiterzugeben. Jesus lädt uns im Evangelium dazu ein, großzügige Geber zu sein, nichts zurückzubehalten.

Denn wenn wir uns ganz verschenken, kann uns Christus immer mehr mit seiner Liebe erfüllen.

Jonathan Fuhr

Frage: Wie kann ich heute meine Liebe so weitergeben, dass sie nicht nur andere berührt, sondern auch mein Herz tiefer mit Christus verbindet?

Vers 43-44 Treue bringt großen Lohn

‭Lk 12,43: Glückselig ist jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!

Andacht von G. de Koning

Wer so in Abhängigkeit dem Herrn dient, indem er anderen dient, den nennt Er „glückselig“. Er spricht nun zum dritten Mal das „Glückselig“ aus, diesmal über den aktiven Knecht. Es geht also nicht nur darum, dass wir warten (Vers 36) und wachen (Vers 37), sondern auch, dass wir in dem Werk, das Er uns aufgetragen hat, fleißig sind.

Andacht von Papst Franziskus

Man muss wach bleiben, man darf nicht einschlafen, man darf sich nicht ablenken lassen, nicht der inneren Trägheit nachgeben, denn auch in Situationen, in denen wir es nicht erwarten, kommt der Herr.

Augustinus sagte: „Ich habe Angst, dass der Herr vorbeigeht und ich es nicht merke“.

Bleibt wach!

Frage: Wie achtsam bist du wirklich im Moment und welche inneren Hindernisse könnten dich daran hindern, den Augenblick bewusst zu erleben?

Lk 12,44: ‭Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.‭

Vers 45-47 Böser Verwalter prügelt Diener

Lk 12,45: ‭Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen spricht: Mein Herr säumt zu kommen! und anfängt, die Knechte und die Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen.

Andacht von G. de Koning

Doch es kann auch anders gehen.
Es kann sein, dass der Verwalter sich innerlich von seinem Herrn entfremdet. Das Warten dauert ihm zu lang.

So allmählich denkt er nicht mehr an das Kommen seines Herrn. Das äußert sich im Verhältnis zu seinen Mitknechten. Statt zu dienen, fängt er an, mit harter Hand zu herrschen.

Auch in seinem persönlichen Leben läuft es dann falsch. Er fängt an, den Dingen nachzustreben, die das Leben ausmachen.

Frage: Wie spüre ich in meinem Leben, ob ich noch mit geduldiger Hingabe warte oder ob ich mich von meinen inneren Werten entferne?

‭Lk 12,46: So wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, da er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweihauen und ihm sein Teil mit den Ungläubigen geben.‭

Lk 12,47: Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte und sich nicht bereithielt und auch nicht nach seinem Willen tat, wird viele Schläge erleiden müssen.

Vers 48 Viel gegeben, viel gefordert

Lk 12,48: Wer ihn aber nicht kannte und doch tat, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge erleiden müssen. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man desto mehr fordern.

Aufgabe und Verantwortung

Wie ein Vater seinem Kind Verantwortung schenken möchte, damit es wächst und in höherem Maße am Leben teilnehmen kann, so schenkt uns der Herr das Vertrauen und die Aufgabe, dankbar mit dem Geschenk des Glaubens umzugehen.

Wie viel ist uns durch die Freundschaft mit Gott gegeben worden und mit welch hoffnungsvollem Blick dürfen wir dank der Frohen Botschaft Christi durch unser Leben gehen!

Wir sind berufen, unseren Glauben verantwortungsvoll und dankbar anderen vorzuleben.

Carmen Gallinger

Frage: Wie kann ich heute meine Verantwortung im Glauben bewusster annehmen und dadurch mein Leben und das der Menschen um mich herum bereichern?

Uns ist viel anvertraut

Die Sinnspitze des Evangeliumstextes besteht darin, dass sich die Jünger als diejenigen begreifen sollen, denen viel anvertraut und gegeben wurde und von denen entsprechend auch viel verlangt wird.

Was von ihnen verlangt wird, ist zweierlei: Ihr Schatz soll nicht im Irdischen verortet sein, sondern das Herz der Jünger soll sich ganz dem Himmel, dem anvertrauten Reich Gottes zuwenden.

Und die Jünger sollen in der steten Bereitschaft und Wachsamkeit leben, dass Gottes Reich auch auf Erden ganz sichtbar wird. Denn genau dies geschieht, wenn der Herr wiederkommt.

Frage: Wie offen ist mein Herz dafür, das Himmlische über das Irdische zu stellen und Gottes Reich in meinem Leben sichtbar werden zu lassen?