Lk 11, 37-54 Kritik an Pharisäern und Gesetzeslehrern
Inhaltsverzeichnis
Vers 37 Pharisäer lädt Jesus ein
Lk 11,37: Und während er redete, bat ihn ein gewisser Pharisäer, bei ihm zu Mittag zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch.
Zum Abschnitt Lk 11,37-54
In Lukas 11,37-54 kritisiert Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten für ihre Heuchelei. Während sie äußerlich Reinheit betonen, sind ihre Herzen voller Gier und Bosheit.
Jesus betont, dass wahre Reinheit von innen kommt und fordert Barmherzigkeit statt äußerlicher Perfektion. Er verurteilt die religiösen Führer dafür, dass sie Lasten auf andere legen, ohne selbst Hilfe zu leisten, und dass sie sich der wahren Erkenntnis Gottes verweigern.
Diese Worte machen deutlich, dass Gott nicht nur äußere Frömmigkeit, sondern innere Aufrichtigkeit verlangt. Die Passage warnt vor religiösem Formalismus ohne Liebe und Gerechtigkeit. Jesu deutliche Worte führen zu Feindschaft der Pharisäer, die nach einem Weg suchen, ihn zu Fall zu bringen.
Frage: Wo in meinem eigenen Leben könnte äußere Perfektion die innere Aufrichtigkeit überdecken, und wie kann ich Barmherzigkeit und Liebe mehr Raum geben?
Vers 38 Pharisäer wundert sich
Lk 11,38: Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, dass er sich vor dem Mittagsmahl nicht gewaschen hatte.
Er war verwundert
Jesus, wie oft bin ich wie der Pharisäer verwundert. Ich bin auf das fixiert, was mich meine Kultur gelehrt hat, was man mir beigebracht hat, wie man sich zu verhalten hat. Viele Glaubenssätze und Regeln habe ich unreflektiert übernommen.
Wie oft schaue ich nur auf das Äußere und meist mehr noch auf das Äußere des Anderen. Betet der Gegenüber genauso andächtig den Rosenkranz, bleibt die Kirchenbanknachbarin bis zum letzten Orgelton andächtig sitzen, sind alle zur Feier der heiligen Messe angemessen und würdig gekleidet?
Doch letztlich bist du, Gott, so ganz anders. Dir geht es nicht um Äußerlichkeiten oder einen Gesetzes-Glauben. Dir geht es um unser Inneres, letztlich darum, dass wir Liebende werden und sind.
Frage: Wie kann ich mein Herz so öffnen, dass es mehr auf das Innere als auf Äußerlichkeiten achtet und so der Liebe Gottes Raum gibt?
Vers 39 Ihr reinigt nur außen
Lk 11,39: Da sprach der Herr zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit.
Reinheit des Herzens
Reinheit und Sauberkeit sind sehr wichtig und heute wird viel Energie und Einsatz in die Sauberkeit von Luft, Häusern, Autos, Kleidung usw. gesteckt. Es geht Jesus aber darum, dass wir in unserem Leben an erster Stelle die Reinheit unseres Herzens suchen und so eine rechte Ordnung hergestellt wird. Bettina Duda
Vers 40 Gott schuf auch innen
Lk 11,40: Ihr Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere schuf, auch das Innere gemacht?
Hat er nicht auch das Innere geschaffen?
Gott möchte, dass wir ihm als Erstes unser Herz schenken. Er weiß noch besser als wir, dass wir ihm damit ein armes, verletztes und kleines Herz schenken. Aber genau das möchte er.
Er möchte nicht unsere großen äußeren Werke und Taten, sondern dieses kleine, arme Herz. Das ist viel mehr und oft viel schwerer, weil es dann unser Innerstes ist, was wir ihm geben: unseren Willen, unsere ganze Liebeskraft.
Wie großzügig bin ich, ihm mein Herz zu schenken?
Frage: Welche Teile meines Innersten halte ich zurück, und wie könnte ich sie in Liebe öffnen?
Andacht von Papst Franziskus
Das sind keine schönen Worte. Jesus sprach klar, er war kein Heuchler. Er sprach klar. Und so sagt er: „Aber warum schaut ihr auf das Äußere? Schaut nach innen, was dort ist.“
Ein andermal hatte er ihnen schon gesagt: „Ihr seid wie weißgetünchte Gräber.“ Ein tolles Kompliment: von außen schön aussehend, alle perfekt… ganz perfekt… Innen aber voller Fäulnis, also voller Raffsucht, Bosheit.
Jesus unterscheidet zwischen Schein und der inneren Wirklichkeit: diese Herren sind die „Lehrer des Scheins“: immer perfekt, immer. Doch im Innern, was ist dort?
Papst Franziskus
Frage: Was in meinem Inneren könnte verborgen sein, das nach Licht, Heilung oder Wahrheit ruft?
Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen?
Jesus kritisiert den Pharisäer recht heftig, wie auch an anderen Stellen. Es geht ihm nämlich um einen wesentlichen Punkt, der auch mich auf besondere Weise betrifft.
Das Äußere ist wichtig und ich muss dafür Rechenschaft ablegen, aber noch mehr zählt vor Gott die innere Haltung, das Herz.
Hier kann ich mich fragen, inwieweit meinen guten Taten – meine Arbeit, Rosenkränze, Wallfahrten, Spenden – auch der rechten inneren Einstellung entspringen.
Frage: Wie bewusst ist mir mein Herz bei meinen guten Taten, und wie kann ich es öffnen, um wahrhaftige Absichten zu kultivieren?
Ihr Unverständigen!
Jesus spricht klar, ja hart. Zu den Menschen, die dachten, dass sie es besonders gut machen. Eine Warnung für uns. Verlassen wir uns nicht auf die religiösen Äußerlichkeiten.
Nur weil ich beispielsweise Kommunionhelfer, Lektorin, Religionslehrer oder Pastoralreferentin bin, bin ich nicht automatisch ein liebender Christ und ein würdiger Nachfolger Christi.
Werden wir verständige und liebende Christen. Laden wir unser Herz ein, beim Herrn und bei den Menschen zu sein.
Jan Burghardt
Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, mein Herz beim Herrn und bei den Menschen zu halten, jenseits äußerlicher Rollen und Pflichten?
Vers 41 Gebt Almosen, alles wird rein
Lk 11,41: Gebt nur von dem, was darin ist, Almosen, siehe, so ist euch alles rein!
Lk 11,41: Gebt das, was in euren Bechern und Schüsseln ist, den Armen, dann seid ihr auch vor Gott rein!
Heilmittel der Barmherzigkeit
Du siehst, welch ein Heilmittel! Es reinigt uns die Barmherzigkeit. Der Barmherzige ermahnt zur Barmherzigkeit, und weil er die, welche er um einen großen Preis loskaufte, erhalten will, lehrt er, dass die nach der Taufe Wiederbefleckten wieder gereinigt werden können.
Er sagt aber: Gebet Almosen, nicht: Ungerechtigkeit; denn das Almosen ist von jeder Ungerechtigkeit frei. Dieses macht Alles rein und ist vorzüglicher als Fasten.
Denn wie ein Arzt, welcher häufig Verwundete heilt, leicht mit den Schwachheiten der Nächsten Mitleiden hat: so werden auch wir, wenn wir den Armen zu Hilfe kommen, leicht das Gegenwärtige verachten und uns zum Himmel erheben. Nicht schwer ist also das Heilmittel der Barmherzigkeit, da man sie für alle Wunden brauchen kann.
Frage: Welche Wunden in deinem eigenen Leben könnten durch Barmherzigkeit geheilt werden?
Gebot der Liebe
Die Liebe deckt viele Sünden zu. Damit wiederholt der heilige Petrus die Worte Christi: Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein.
Das Gebot der Liebe ist das wichtigste aller Gebote des Herrn. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten ist zugleich die Quelle und der Höhepunkt des Gesetzes des Alten und des Neuen Bundes.
Ein Leben nach diesen beiden wichtigsten Geboten reinigt unsere Herzen und hält sie sauber – die Innenseite des Bechers. Wenn also Christus sagt, lieber Almosen zu geben, dann fordert er damit die Pharisäer auf, ihre Nächsten zu lieben. Dann werden ihre Herzen rein sein.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich erlebt, dass Liebe meine eigenen inneren Räume gereinigt und geöffnet hat?
Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir, dass du von mir keine großen Werke verlangst, sondern mein Herz. Hilf mir dabei, auch die kleinsten Dinge mit der größten Liebe zu tun.
Vorsatz: Ich möchte heute selbst die kleinsten Kleinigkeiten mit großer Liebe tun und dabei im Herzen sagen Für dich, Jesus.
Vers 42 Wehe wegen falschem Verzehnten
Lk 11,42: Wehe euch, ihr Pharisäer! Sogar von Küchenkräutern wie Minze und Raute und auch von allen anderen Gewürzen gebt ihr Gott den zehnten Teil. Aber das, was viel wichtiger wäre – Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott –, ist euch gleichgültig. Doch gerade darum geht es hier: das Wesentliche tun und das andere nicht unterlassen.
Warnung an die Pharisäer
Jene zogen von allen ihren Früchten den zehnten Teil ab und gaben Almosen, was nicht leicht ein Christ tut. Sie verspotteten ihn also, da er zu ihnen dieses sagte als zu Menschen, die gleichsam nicht Almosen gäben.
Da er als Gott dieses wusste, setzte er hinzu: Doch wehe euch Pharisäern, weil ihr die Krausemünze, die Weinraute und jegliches Gemüse verzehntet, aber die Gerechtigkeit und die Liebe Gottes übertretet.
Dieses heißt also nicht Almosen geben; denn Almosen geben heißt Barmherzigkeit üben.
Die Pharisäer waren in ihrem äußerlichen Gehorsam so vorsichtig, dass sie buchstäblich den Zehnten von ihren Kräutergärten abgaben, Samen und Blätter zählten und ein Zehntel von jedem Gott gaben.
Frage: Welche kleinen Gesten der Barmherzigkeit könntest du heute in deinem Leben bewusst leben, um die Liebe Gottes zu erfahren und weiterzugeben?
Am größten ist die Liebe
Was bringt es den Pharisäern oder uns, den Zehnten von Minze usw. zu geben, viel zu tun und die Gesetze zu befolgen, aber das Wichtigste zu vergessen, die Liebe?
Den Himmel können wir uns nicht durch unsere Anstrengung verdienen oder gar erkaufen. Wir können uns das ewige Leben nur schenken lassen und Gott möchte es jedem Menschen schenken.
Der Dreh- und Angelpunkt dieses Lebens ist die wahre Liebe, die wir bei ihm finden und lernen. Deswegen fordert Jesus uns damals und heute mit hart scheinenden Worten heraus.
Bettina Duda
Frage: Wie offen bin ich dafür, die wahre Liebe Gottes in meinem Alltag spürbar werden zu lassen, jenseits von Regeln und Anstrengung?
Die Gerechtigkeit aber und die Liebe zu Gott vergesst ihr
Wieder eine aus Liebe gegebene Erklärung Jesu. Und er spricht energisch, weil die Menschen so sicher sind, richtig zu handeln. Die ganze religiöse Kultur sagt es ihnen so.
Kann es auch bei uns, in unserem Leben solches geben? Dass wir nur das Äußere erfüllen, uns innerlich aber längst von Gott und der Lehre der Kirche verabschiedet haben?
Jesus sagt, dass wir beides tun sollen, den Zehnten geben und für das Recht und die Barmherzigkeit in Liebe eintreten.
Jan Burghardt
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens handle ich vielleicht nur äußerlich richtig, ohne dass mein Herz wirklich dabei ist?
Vers 43 Wehe euch wegen Ehrenplätzen
Lk 11,43: Wehe euch Pharisäern, dass ihr den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten liebt!
Ablegen der Eitelkeit
Jesus will, dass wir die Eitelkeit ablegen und nicht mehr nach dem Scheine Haschen sollten, als nach der wahren Wirklichkeit, was damals die Pharisäer taten.
Vers 44 Ihr seid wie verdeckte Gräber
Lk 11,44: Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr wie die unkenntlich gewordenen Gräber seid, über welche die Leute dahingehen, ohne es zu wissen!
Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr sieht
Sind wir nicht auch wie Gräber, die man nicht mehr sieht? Merken unsere Mitmenschen, dass wir für Christus und seine heilige katholische Kirche und die Lehre der Kirche brennen?
Oder wollen wir uns lieber verstecken, wegducken, nicht auffallen und Teile der Lehre der Kirche leugnen, vielleicht gar verdrehen, relativieren und bewusst falsch wiedergeben?
Ist es uns peinlich, dass wir uns als Katholiken zu Gott, Jesus, dem Heiligen Geist, der Gottesmutter Maria und der Lehre der Kirche bekennen?
Jan Burghardt
Frage: In welchen Momenten spüre ich wirklich den Mut, meinen Glauben offen zu leben, und wann tendiere ich dazu, mich zu verstecken?
Kein verborgenes Grab sein
Was meint Jesus, wenn er sagt, sie seien wie verborgene Gräber, über die die Leute hinwegschreiten, ohne es zu merken?
Er meint damit alle versteckten Sünden. Nicht nur die Pharisäer, auch wir neigen dazu, uns eine „weiße Weste“ anzuziehen, Sünden und Fehler zu verbergen, uns ganz rein und perfekt zu zeigen – während doch niemand sagen kann, er sei ohne Sünde.
So werden auch wir zu unsichtbaren Gräbern. Manchmal aus Angst vor Schuld, manchmal aus Scham.
Wir dürfen vor Gott schuldig sein, uns eingestehen, dass wir es sind, und uns erlösen lassen.
Bettina Duda
Frage: Welche verborgenen Anteile in mir sehne ich mich, mutig vor Gott zu zeigen, um Heilung zu erfahren?
Vers 45 Gesetzesexperte fühlt sich beleidigt
Lk 11,45: Da antwortete einer der Gesetzesgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du auch uns!
Worte an die Gesetzeslehrer
In Mt 23 stehen sieben Wehrufe, die sich gegen Schriftgelehrte (Gesetzeslehrer) und Pharisäer gemeinsam richten. Lukas hat drei Wehrufe gegen die Pharisäer und drei gegen die Schriftgelehrten. Nicht alle Pharisäer waren Gesetzeslehrer, aber die wichtigsten Gesetzeslehrer gehörten der pharisäischen Richtung an.
In diesen Kreisen legte man größten Wert auf gewissenhafte Beobachtung des mosaischen Gesetzes; bis in die letzten Kleinigkeiten war das Leben von den Vorschriften des Gesetzes bzw. der Gesetzeslehrer geregelt. Schließlich wurde das Gesetz zum Selbstzweck, über dem man oft genug den eigentlichen Gotteswillen, dessen Ausdruck das Gesetz war, vergaß: die Gerechtigkeit und die Liebe (V. 42).
Wo aber diese fehlen, wird alle Gesetzestreue zur leeren Formel. Für Jesus waren Gesetz und Liebe keine Gegensätze: die Liebe - sie allein - erfüllt das Gesetz.
Frage: Wie könntest du in deinem eigenen Leben prüfen, ob deine Handlungen eher der Liebe oder nur äußerlicher Pflichterfüllung dienen?
Vers 46-47 Wehe euch wegen Lasten
Lk 11,46: Er aber sprach: Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr ladet den Menschen unerträgliche Bürden auf, und ihr selbst rührt die Bürden nicht mit einem Finger an.
Ihr ladet den Menschen unerträgliche Lasten auf
Oft denken wir, die Lasten, die uns Gott auferlegt, sind schwer. Doch dies ist eine Lüge.
Die Lasten der Welt und unser Egoismus machen uns müde. Die Pflichten, die uns nicht von Gott, sondern von anderen aufgebürdet werden, machen uns kraftlos.
Die Gebote Gottes hingegen machen uns frei. Wenn unser Blick rein und unbelastet ist, erkennen wir: Sie sind leicht zu halten und führen uns zum ewigen Leben. Sie bedeuten keinen Verzicht, sondern Fülle. Sie führen uns zu Gott und lassen uns in seiner Liebe bleiben.
Glaube ich das?
Jan Burghardt
Frage: Wann habe ich zuletzt erfahren, dass mich Gottes Weg nicht beschwert, sondern in eine tiefere Freiheit führt?
Worte der goldenen Kette
So oft also ein Lehrer tut, was er lehrt, erhebt er die Last und stellt sich selbst zum Beispiel hin.
Wenn er aber nichts von dem tut, was er lehrt, so scheint es denen, welche seine Lehre empfangen, eine schwere Last zu sein, gleichsam als ob sie selbst vom Lehrer nicht getragen werden könnte.
Denn wie ein wenig Sauerteig eine ganze Masse von Mehl durchdringt, so beraubt die Heuchelei die Seele der ganzen Lauterkeit und Wahrheit der Tugenden.
Frage: Wo in meinem Leben klaffen meine Worte und mein Handeln auseinander – und wie kann ich mehr Wahrheit in beides bringen?
Einer trage des anderen Last
Ein weiteres „Weh euch“ ergeht an die Gesetzeslehrer, die anderen kaum tragbare Lasten aufladen, aber selber „keinen Finger rühren“.
Ein vom Heiligen Geist erfüllter Mensch trägt in Demut seine Kreuze und hat keine Angst davor, auch anderen ein Simon von Cyrene zu sein.
Ein wahrer Jünger Jesu fühlt mit denen, die unter ihrer Last fallen und ist bereit zu helfen, etwas von sich und sogar sich selbst zu opfern, ohne zu urteilen.
Er hat ein Herz nach dem Herzen Gottes, er schaut mit den Augen Gottes und dafür braucht es Demut.
Bettina Duda
Frage: Wo lade ich anderen vielleicht unbemerkt Lasten auf, anstatt ihnen beizustehen – und wie kann ich mein Herz mehr demütig für Gottes Blick öffnen?
Lk 11,47: Wehe euch, dass ihr die Grabmäler der Propheten baut! Eure Väter aber haben sie getötet.
Vers 48 Ihr billigt Taten der Väter
Lk 11,48: So bestätigt ihr also die Taten eurer Väter und habt Wohlgefallen daran; denn jene haben sie getötet, ihr aber baut ihre Grabmäler.
Geschieht euch recht!
Man könnte eine gewisse Genugtuung verspüren, wenn „die da“, die Pharisäer, von Jesus mit harten Worten gerügt werden.
Oft erwische ich mich dabei, selber die Rolle Jesu zu übernehmen, mich über andere zu erheben und sie in die Schranken weisen zu müssen. Dabei vergesse ich aber etwas sehr Entscheidendes: die Herzenshaltung.
Bevor ich wieder die Neigung verspüre, verurteilen zu wollen, sollte ich mich fragen, ob ich diese Person wirklich liebe, gerade das Beste für sie suche und ob ich bereit wäre, mich für sie hinzugeben. Christus ist für alle gestorben, auch für die Pharisäer.
Bettina Duda
Frage: Wo in mir gibt es noch Anteile, die lieber richten als lieben – und wie kann ich Christus in meinem Herzen mehr Raum geben, damit Liebe vor Urteil tritt?
Vers 49-51 Gott sendet Propheten, sie töten
Lk 11,49: Deshalb hat die Weisheit Gottes auch gesagt: ›Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen schicken; einige von ihnen werden sie umbringen, andere verfolgen.
Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden
In der Erlösungsgeschichte sehen wir immer wieder, wie Gott uns Menschen seinen Willen und die Wahrheit offenbaren will. Das ist ihm offenbar sehr wichtig. Man sieht es daran, dass er es sogar dann noch tut, wenn mehrere seiner Propheten vehement abgelehnt und verfolgt werden.
Jetzt ist ein Moment, Gott für sein unermüdliches, geduldiges Streben nach unserem Heil zu danken – denn im Grunde sieht meine eigene Lebensgeschichte ja genauso aus.
Valentin Schmidts
Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Leben Gottes geduldiges Wirken und seine Offenbarung der Wahrheit?
Lk 11,50: Darum wird diese Generation zur Rechenschaft gezogen für den Mord an allen Propheten, und zwar seit Gründung der Welt,
Lk 11,51: angefangen bei Abel bis hin zu Secharja, der zwischen dem Brandopferaltar und dem Haus Gottes umgebracht wurde.
Lk 11,51: vom Blut Abels an bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Tempel umkam. Ja, ich sage euch, es wird gefordert werden von diesem Geschlecht!
Bis zum Blut des Zacharias
Hier erfahren wir einer apokryphen Tradition aus dem Protoevangelium des Jakobus nach etwas über den Tod des Vaters von Johannes (dem Täufer). Anderen Auslegungen nach handelt es sich um den letzten Mord, der im letzten Buch des jüdischen Bibelkanons berichtet wird (2. Chr 24,20-22).
In jedem Fall zeigt uns Jesu Ausspruch, wie hart der Kampf um das Evangelium ist. Der Kampf betrifft nicht nur Jesus, nein, auch seine Familie und sein Umfeld sind davon massiv betroffen. Alle, die ihm folgen, werden angegriffen werden.
Angegriffen werden wegen unserer Treue zu Christus und zur Lehre der römisch-katholischen Kirche ist immer auch ein gutes Zeichen. Nämlich auf dem richtigen Weg zu sein, den schon die Apostel vor uns gegangen sind.
Jan Burghardt
Frage: Wie erlebst du in deinem eigenen Leben den „Kampf um das Evangelium“ – und wo spürst du darin die Nähe Christi?
Vers 52 Erkenntnis-Schlüssel weggenommen
Lk 11,52: Wehe euch, ihr Gesetzeslehrer! Denn durch eure Lehren verhindert ihr, dass die Menschen den Schlüssel finden, der die Tür zur Wahrheit öffnet. Ihr selbst seid nicht durch diese Tür gegangen, und ihr versperrt auch noch allen den Weg, die hineinwollen.
Lk 11,52: Wehe euch Gesetzesgelehrten, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen! Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, welche hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert!
Weh euch!
Der Ausruf Jesu „Weh euch!“ drückt den tiefen Schmerz Jesu aus, wenn er auf verschlossene und harte Herzen trifft, wie auch in anderen Momenten: „Weh euch, ihr Reichen (…)“.
Das Griechische uai oder Hebräische oj, hoj sind Ausrufe des Schmerzes. Diese Worte sind an jeden von uns gerichtet: Wenn wir unser Herz verhärten, unser Herz der Liebe Jesu verschließen, wenn wir verurteilen, wenn wir selbstgerecht werden und uns sättigen an falschen Dingen, blind werden der Not unseres Nächsten gegenüber.
Der Schmerz Jesu entspringt der reinen und tiefen Liebe, die er zu uns hat.
Frage: Wo in meinem Leben verschließe ich vielleicht mein Herz für die Liebe Jesu – und wie kann ich mich seiner heilenden Zärtlichkeit neu öffnen?
Wehe meiner Seele, wenn der Herr nicht in ihr wohnt
Wehe der Seele, wenn der Herr nicht mehr in ihr lebt und mit seiner Stimme die bösen Tiere nicht mehr verscheucht!
Wehe dem Haus, wenn der Herr nicht mehr in ihm wohnt!
Wehe der Erde, wenn der Bauer fehlt, der sie bebaut.
Wehe dem Schiff ohne Steuermann, denn es wird auf den tobenden Wogen des Meeres dahingetrieben und geht zugrunde.
Wehe der Seele, wenn in ihr der wahre Steuermann Christus fehlt. Sie treibt auf dem bitteren Meer der Finsternis dahin, wird von den Wogen der Leidenschaften geschüttelt, vom Gewittersturm der bösen Geister bedrängt und geht schließlich unter.
Sie ist öde, voll Dornen und Disteln, und am Ende erwartet sie statt der Ernte verzehrendes Feuer. Wenn der Herr, Christus, nicht mehr in ihr wohnt, ist sie erfüllt vom Modergeruch der Leidenschaften, eine Behausung des Bösen.
Makarios
Frage: Wo spüre ich in mir die Gegenwart – oder das Fehlen – des göttlichen Steuermanns?
Ihr habt den Schlüssel zur Tür der Erkenntnis weggenommen
Welcher ist denn der Schlüssel, der die Tür zur Erkenntnis öffnet?
Beim Wort Erkenntnis höre ich in der Bibel immer das "Erkennen" mit, mit dem die körperlich-geistliche Liebe zwischen Mann und Frau beschrieben wird. Erkennen in diesem Sinn heißt, eine Person, die mein Wesen ergänzt, so zu lieben, dass ich mit ihr eins werde.
Das heißt, mit ihr Zeit zu verbringen, mit ihr zu reden, sie anzuschauen, bei ihr zu sitzen, auf intime Weise mit ihr zu verkehren. Gott will sich von uns genauso berühren lassen! Der Schlüssel dazu ist das Gebet. Ein Gebet, in dem wir Gott berühren.
Diese Art von Gebet braucht Zeit, eine stille Kammer, Vertrauen, Geduld, die Bitte um Gottes Nähe und die Umarmung des Heiligen Geistes. Dann können auch Worte helfen. Dann können die Sakramente in Fülle wirken. Das ist zunächst schwierig, wird dann aber immer einfacher.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Gebet eine tiefere, berührende Beziehung zu Gott wachsen lassen?
Andacht von MacDonald
Schließlich beschuldigt der Herr Jesus die Gesetzesgelehrten, dass sie den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen hätten, d. h. dass sie den Menschen das Wort Gottes vorenthalten hätten.
Obwohl sie sich nach außen hin zur Schrifttreue bekannten, weigerten sie sich jedoch hartnäckig, den Einen anzunehmen, von dem die Schrift spricht, und sie hinderten andere daran, zu Christus zu kommen.
Sie wollten ihn selbst nicht haben, und sie waren auch dagegen, dass andere ihn annahmen.
Frage: Wo in meinem Leben halte ich – bewusst oder unbewusst – andere oder mich selbst davon ab, Christus wirklich zu begegnen?
Vers 53-54 Heftiger Widerstand
Lk 11,53: Als Jesus das Haus wieder verließ, setzten ihm die Gesetzeslehrer und die Pharisäer mit vielen Fragen hart zu.
Lk 11,54: Sie lauerten darauf, ihn bei einer verfänglichen Äußerung zu ertappen.
Sie lauerten ihm auf
Die Welt meint es oft nicht gut mit den Christen. Und auch in der Kirche ist viel Falschheit, Verlogenheit oder Vereinsmeierei. Teils geht es nur um Macht und Eitelkeiten und nicht um die Liebe zu Christus und den Menschen.
Distanzieren wir uns von solchen inneren Haltungen. Relativieren wir Jesu Aussagen nicht. Seien wir Apostel, auch wenn es uns etwas kostet.
Äußern wir uns, auch wenn es Ansehen, den erhofften Job oder die nächste Gehaltserhöhung kosten sollte. Verkünden wir das Evangelium, ob gelegen oder ungelegen.
Seien wir mutig, stehen wir mit Christus unter dem Kreuz und geben wir mutig Zeugnis von unserem Glauben.
Jan Burghardt
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich mutiger sein, um meinen Glauben authentisch zu leben und Liebe zu zeigen, auch wenn es unbequem ist?
Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Lk 11. Kap.
Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigt zum Lukas Evangelium Lk 11. Kap.