Lk 10, 25-37 Der barmherzige Samariter
Inhaltsverzeichnis
Vers 25 Frage nach ewigem Leben
Lk, 10,25: Und siehe, ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
Was muss ich tun?
Inmitten des Alltags, der täglichen Pflichten, Sorgen und Freuden, sehnt sich unser Herz nach mehr. In einigen Momenten spüren wir diese Sehnsucht deutlicher, in anderen weniger klar.
Doch dieses Verlangen nach einem Ort der vollkommenen Freude, Ruhe und Geborgenheit findet sich tief im Herzen eines jeden Menschen.
Obwohl der Gesetzeslehrer Jesus hier auf den Zahn fühlen will und vielleicht mit Hintergedanken an ihn herantritt, ist seine Frage durchaus berechtigt: Was muss ich tun, um ins Himmelreich zu gelangen?
Gerade in Momenten schwieriger Entscheidungen sowie im Kontakt mit Krankheit und Tod drängt sich diese Frage auf.
Frage: Welchen Raum der inneren Ruhe und Geborgenheit kannst du in deinem eigenen Leben entdecken und nähren?
Was ist ewiges Leben
Das biblische Verständnis des ewigen Lebens bezieht sich nicht unbedingt auf die Dauer des Lebens, weil jeder Mensch unsterblich ist, entweder im Himmel oder in der Hölle.
Es bezieht sich nicht auf ein Leben, das erst beginnt, wenn wir sterben.
Ewiges Leben ist eine besondere Lebensqualität; ein Leben, das von Gott kommt, und ein Leben, das wir jetzt haben können.
Frage: Wie spürst du die Qualität dieses ewigen Lebens in deinem Alltag, und welche Momente lassen dich Gottes Gegenwart besonders bewusst erleben?
Aus eigener Kraft ist es uns Menschen unmöglich, in den Himmel zu gelangen!
So viel ich mich auch anstrenge und Gott oder meine Mitmenschen liebe, ich gelange niemals an den Punkt, behaupten zu können: Jetzt habe ich mir aber den Himmel verdient.
Unsere Mitarbeit bei der Erlösung von uns selbst und von anderen ist notwendig, aber es ist und bleibt eine Mitarbeit. Wir sind nicht diejenigen, die unsere eigene Erlösung bewirken, sondern wir empfangen sie.
Was müssen wir also tun? Den Geist wirken lassen, mit ihm zusammenarbeiten, sein Wirken in unserem Leben entdecken und uns ganz auf ihn einlassen.
Peter Hemm
Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, den Geist in meinem Alltag wirken zu lassen, ohne den Drang, alles selbst kontrollieren zu müssen?
Vers 26 Was steht im Gesetz?
Lk 10,26: Und er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?
Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?
Im Zentrum dieses Evangeliums steht die Frage eines Menschen, der ehrlich nach Gott sucht. Ein Mensch, der sich danach sehnt, den Weg in die Ewigkeit zu finden, zum Leben in Fülle, zu unserem wahren Zuhause.
Jesus stellt die Gegenfrage, was denn im Gesetz stehe. Diese Gegenfrage Jesu ist 1 zu 1 auf unser Leben anzuwenden. Wenn wir brennende Fragen oder auch Zweifel haben, stellt Jesus uns diese Gegenfrage.
Denken wir darüber nach: Gibt es in der Heiligen Schrift Antwort darauf, gibt es eine ähnliche Situation in der Bibel, die mir Antwort geben kann? Habe ich mich das schon einmal gefragt und die Bibel aufgeschlagen?
Melanie Zoll
Frage: Welche brennende Frage meines Herzens könnte Jesus mir heute stellen, und wie könnte ich durch das Lesen der Schrift eine Antwort darauf entdecken?
Vers 27 Liebe Gott und deinen Nächsten
Lk 10,27: Er aber antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!
Die Gottesliebe
Die Gottesliebe hat ihren Ursprung im Wohlgefallen, das unser Herz empfindet, sobald es beim Beginn des Strebens nach Gott der göttlichen Güte gewahr wird.
Durch den Glauben betrachten wir den unfassbaren Abgrund der Vollkommenheit Gottes. Wir sehen seine Herrlichkeit entweder in der Gesamtheit aller Vollkommenheiten oder wir betrachten diese einzeln – Allmacht, Allwissenheit, Allgüte und mehr.
Durch dieses Betrachten wird unser Wille vom Wohlgefallen am höchsten Gut erfasst. Wir regen dann unser Herz an, dieses Wohlgefallen durch Akte der Zustimmung und der Freude zu bestärken.
Vermehren und verstärken wir dieses erste Wohlgefallen durch die Betätigung der Liebe.
Frage: Wie kannst du in deinem Alltag Momente erkennen, in denen dein Herz von der göttlichen Güte berührt wird, und diese bewusst nähren?
Andacht von Charles de Foucauld
Wie gütig bist du, mein Gott, dass du mir erlaubst, dich zu lieben, meine Augen zu dir zu heben, an dich zu denken, dich zum Ziel meiner Wünsche zu machen, nach dir zu streben, nur für dich zu atmen, zu dir und deiner Liebe mein ganzes Herz, meine Seele, meine Kräfte, meinen Geist zu lenken.
Welche Gnade! Welche Gunst! Aber es mir aufzutragen, es zum ersten deiner Gebote zu machen, so zum ersten, dass es alle anderen in sich umfasst. Ich soll dein einziges Gebot daraus machen, was für meine Seele die ganze Glückseligkeit ist, was für mich aus der Erde einen Himmel macht.
Welch unsägliche Güte, welch Abgrund von Güte und Liebe! Wie gütig bist du, dass du liebst, oh mein Gott, oh gütiger Gott!
Charles de Foucauld
Frage: In welchen Momenten spürst du die tiefste Güte und Liebe in deinem eigenen Leben, und wie könntest du diese Erfahrung als Geschenk weitertragen?
Lk 10,27: Auch deinen Mitmenschen sollst du so lieben wie dich selbst.
Die Nächstenliebe
In der Liebe befolgen wir nicht ein ethisches Gebot, sondern in der Liebe tauchen wir ganz in die Einheit mit Christus, der am Kreuz alle an sich zieht. Fast flehend und bittend höre ich Jesus, der spricht: Bleibt in meiner Liebe! Bleibt in meiner Liebe. Bleibt in meiner Liebe! (Joh 15:9).
In diesem In-der-Liebe-bleiben begegne ich dem anderen, schaue letztlich mit Jesus Augen auf ihn.
Frage: Wie verändert sich mein Blick auf andere, wenn ich versuche, sie mit den Augen der Liebe Christi zu sehen?
Die Liebe als das Fundament
Die Liebe ist das tragende Fundament und Ziel unseres Lebens, das einzige Ziel, das niemals aufhören wird. Ohne Liebe sind wir nichts. Liebe ist Mutter aller Tugenden. „So sind doch alle Tugenden nackt ohne die Liebe.“ (Leo der Große)
Gott ist die Quelle aller Liebe. Wir sind berufen, seine Liebe zu empfangen, zu erwidern und weiterzugeben.
Allerdings: Wenn wir versuchen, uns in der Tugend der Liebe zu üben, lernen wir vor allem eines, nämlich dass wir häufig scheitern. Dennoch üben wir uns ein Leben lang in der Liebe. Unsere ganze Askese zielt darauf ab, dass wir fähig werden, den Nächsten zu lieben.
Der Wille Gottes ist es, dass wir lieben. Dort, wo wir lieben, ist das Reich Gottes.
Frage: Wie öffne ich mein Herz heute bewusst, um Liebe zu empfangen, zu schenken und tiefer zu spüren?
Vers 28 Tu das, so lebst du
Lk 10,28: Er sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!
Jesu Antwort ist schlicht und berührend.
Handle danach, und du wirst leben. Wenn du Gott und den Nächsten mit ganzem Herzen liebst, wird dich diese Lebensweise zum Leben in Fülle führen. Du wirst leben – für immer. Melanie Zoll
Vers 29 Wer ist mein Nächster?
Lk 10,29: Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
Wer ist mein Nächster?
Es ist doch eigentlich logisch, wer mein Nächster ist, nämlich derjenige, der mir nahe ist.
Es mag logisch sein, aber Jesus stellt den Gesetzeslehrer nicht bloß – er nimmt die Frage ernst und führt den Fragesteller und uns alle in die Weite.
Er nimmt kein Wort des Gesetzes weg, sondern erfüllt das Gesetz; er führt es in eine Weite, die vor Ihm nicht existierte.
Melanie Zoll
Frage: Wie kann ich die Menschen in meiner Nähe mit derselben Weite und Aufmerksamkeit wahrnehmen, die Jesus uns vorgelebt hat?
Vers 30 Mann fällt unter Räuber
Lk 10,30: Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber. Die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen ihn halb tot liegen, so wie er war. Lk 10:30
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter hat zwei Ebenen
In der ersten Ebene sind wir der Not leidende Mensch, und Jesus begegnet uns in der Person des barmherzigen Samariters, der uns bedingungslos liebt. Welche Not hast du momentan?
In der zweiten Ebene sind wir der barmherzige Samariter, der dem Menschen in Not hilft. Wir alle begegnen notleidenden Menschen auf vielfältige Art und Weise: körperliche oder psychische Leiden, Trauernde, Mutlose und viele mehr.
Aber Vorsicht! Es geht nicht um ein moralisches „Sei ja ein guter Mensch und hilf“. Nein, vielmehr: In der Zuwendung zum Nächsten begegnen wir dem Herrn selbst. Es ist Gottesbegegnung! Und der Herr wird uns selbst führen, wo und wie diese Begegnungen stattfinden sollen.
Frage: In welchen Momenten öffnest du dein Herz bewusst für Gottes Gegenwart durch das Helfen anderer?
Ein Mensch
Es war nämlich von der ganzen Menschheit die Rede. Denn unter diesem Menschen versteht man selbst den Adam im menschlichen Geschlecht.
Jerusalem ist die Stadt des Friedens, jenes himmlische, von dessen Seligkeit er herabfiel.
Jericho bedeutet Mond und bezeichnet unsere Sterblichkeit, weil der Mensch geboren wird, wächst, altert und stirbt.
Thomas von Aquin (Goldene Kette)
Frage: Welche Aspekte meiner eigenen Lebensreise spiegeln das Zusammenspiel von Sterblichkeit und spiritueller Sehnsucht wider?
Vers 31 Priester geht achtlos vorbei
Lk 10,31: Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber.
Ging er auf der anderen Seite vorüber
Jesus kritisiert hier eine oberflächliche Frömmigkeit, die nicht zur echten Barmherzigkeit führt. Der Priester, der eigentlich Gottes Willen kennen sollte, handelt entgegen dem Gebot der Liebe.
Die Botschaft für uns heute: Glaube darf nicht nur aus Ritualen bestehen, sondern muss sich in tätiger Nächstenliebe zeigen. Gottes Liebe zeigt sich nicht nur in Gebeten, sondern besonders im Einsatz für Bedürftige – selbst wenn es Opfer verlangt.
Frage: Wie kann ich in meinem Alltag meine Liebe zu Gott durch konkrete Taten der Barmherzigkeit sichtbar machen?
Vers 32 Levit geht ebenso vorbei
Lk 10,32: Ebenso kam auch ein Levit, der in der Gegend war, sah ihn und ging auf der anderen Seite vorüber.
Priester und Levit
Der Priester und der Levit, beides Menschen des Tempelkultes, hatten kein Mitgefühl mit dem Menschen in Not. Gerade von ihnen hätte man es ja erwarten können. Oder sie hatten einfach keine Zeit.
Auch wir stehen stets in der Gefahr, Heuchler zu sein, zwar viel zu beten, aber für den Notleidenden kein sehendes Herz zu haben. Du kannst die ganze Bibel und die ganze Theologie kennen, aber aus dem Wissen folgt nicht automatisch das Lieben.
Es geht vielmehr um ein sehendes Herz. Dieses Herz sieht, wo Liebe not tut, und handelt danach. Das Programm des Christen ist das sehende Herz. Es gibt keinen wahren Gottesdienst, wenn er nicht zum Dienst am Nächsten wird.
Augustinus sagt: Die Liebe hat Hände, um zu helfen, sie hat Füße, um zu den Armen und Notleidenden zu eilen. Sie hat Ohren, um die Bitten und Rufe der Elenden zu hören. Vor allem aber hat sie ein Herz, das lieben und segnen kann.
Frage: Wo in meinem Alltag könnte mein Herz sehender sein und wo ruft es heute nach Liebe?
Wenn wir nach der Liebe handeln, setzen wir Gott an die erste Stelle
Beim Gleichnis, das uns Jesus hier erzählt, ist es allzu einfach, die verschiedenen Personen in gut und böse einzuteilen. Da haben wir den Samariter auf der einen Seite sowie den Priester und den Leviten auf der anderen.
Das Leben eines Priesters und eines Leviten war dem Dienst Gottes geweiht. Sie kümmerten sich um die Opfer im Tempel, eine Aufgabe, zu der sie von Gott selbst freigestellt worden waren. Vielleicht waren sie gerade unterwegs, um diesem Dienst an Gott nachzugehen. Sie waren dabei, das ausdrücklich von Gott an sie gerichtete Gebot zu erfüllen. Da gilt es keine Zeit zu verlieren!
Gott an erster Stelle, selbst wenn da ein armer, ausgeraubter Mann am Wegrand liegt. Jesus zeigt uns, dass wir Gott immer die erste Stelle in unserem Leben geben, wenn wir aus Liebe handeln. Jesus möchte von uns ein Herz, das offen ist für die Eingebungen des Heiligen Geistes, der uns immer wieder Möglichkeiten zur Liebe aufzeigt.
Peter Hemm
Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich für die Hinweise des Heiligen Geistes, die mir täglich Gelegenheiten zur Liebe zeigen?
Vers 33 Samariter hat Mitleid
Lk 10,33: Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen.
Bedeutung des Erbarmens
Er hatte Erbarmen. Die anderen beiden sahen, aber ihre Herzen blieben verschlossen.
Formen wir unser Denken der Logik Christi um, welche die Logik der Liebe ist. Gott ist Liebe und ihm zu huldigen heißt, den Brüdern und Schwestern mit aufrichtiger und großherziger Liebe zu dienen.
Es geht um die Universalität der Liebe, die sich dem Bedürftigen zuwendet, dem man zufällig begegnet, wer immer er auch sei. Das sind seltenst heroische große Taten, sondern die Aufgabe ist es, am gegebenen Ort das sachlich im Blick auf die Wirklichkeit Notwendige zu tun und dieses wirklich zu tun.
Das ist das Band der Liebe, die uns verbindet (i.A. an Benedikt XVI). Und ich stimme Bonhoeffer zu, wenn er schreibt: Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.
Für wen bist du heute etwas?
Frage: Wo könntest du in deinem Alltag kleine Akte der Liebe setzen, die für andere eine große Bedeutung haben?
Andacht von Papst Franziskus
Mitgefühl haben können: das ist der Schlüssel. Das ist unser Schlüssel.
Wenn du vor einer bedürftigen Person kein Mitleid hast, wenn es dein Herz nicht rührt, dann stimmt etwas nicht. Sei vorsichtig, seien wir vorsichtig. Lassen wir uns nicht von egoistischer Unempfindlichkeit mitreißen.
Die Fähigkeit zum Mitleid ist zum Prüfstein des Christen geworden, mehr noch: der Lehre Jesu. Jesus selbst ist das Mitleid des Vaters für uns.
Frage: Wie kann ich heute bewusst mein Herz für das Leid anderer öffnen und das Mitgefühl leben, das Jesus vorgelebt hat?
Vers 34 Verbindet Wunden, pflegt ihn
Lk 10,34: Er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.
Bilder in dem Gleichnis
Der Verwundete ist der Mensch, also du und ich. Dieser Verwundete war auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho. Jericho steht für das Leben in der Welt, Jerusalem für das himmlische Paradies. Du und ich sind in unserem Leben immer unterwegs zwischen Jericho und Jerusalem.
Bei diesem Unterwegssein in unserem Leben werden wir verwundet und angegriffen. Dafür stehen die Räuber, welche in deinem Leben vielgestaltig sind. Der Priester und der Levit, die am Verletzten vorübergehen, stehen für das Gesetz, das uns nicht erlösen oder helfen kann.
Frage: Welche "Räuber" begegnen dir in deinem Leben, und wie könntest du Heilung auf deinem Weg zwischen Jericho und Jerusalem finden?
Jesus ist der Samariter
Unter diesem Samaritaner wollte sich unser Herr Jesus Christus verstanden wissen; denn Samaritaner heißt Wächter, und von ihm heißt es (Ps. 20): Er wird nicht schlummern und nicht schlafen.
Auch dieser Samaritaner ging diesen Weg herab; denn wer steigt vom Himmel herab, als der Menschensohn, der im Himmel ist?
Der barmherzige Samariter ist nun Jesus selbst. Er versorgt und heilt deine Wunden. Er goss Wein und Öl in die Wunden. Dieser Wein aber ist das Blut seines Leidens und das Öl der Vergebung.
Dann hebt er dich auf sein Lasttier. Das Lasttier ist sein Fleisch, seine Menschwerdung. Auf das Lasttier gelegt werden heißt also: an die Menschwerdung Christi selbst glauben.
Frage: Wo in meinem Leben brauche ich heute Heilung und Vergebung, um mich dem barmherzigen Samariter anzuvertrauen?
Jesus als der barmherzige Samariter
Jesus hat uns selbst vorgelebt, was es heißt, barmherzig zu handeln. In der Erzählung vom barmherzigen Samariter können wir ein Bild von Jesu Heilswirken an uns Menschen sehen:
Der Mann, der überfallen wurde, ging weg von Jerusalem, der Heiligen Stadt. Die Sünde entfernt uns Menschen immer wieder von Gott und lässt uns arm und verletzt zurück.
Der Samariter hingegen war in der Fremde unterwegs. Jesus kam vom Himmel herab auf die Erde, um uns Menschen zu erlösen. Öl und Wein sollen die Wunden heilen. Jesus gießt durch die Sakramente seine Gnade in unsere verletzten Herzen und heilt unsere Seelen.
Jesus bringt uns in seine Herberge, die Kirche, und bezahlt an unserer Statt für alle Schulden. Das alles ganz ohne Bedingung und Gegenleistung!
Mathias Reimer
Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute Jesu Barmherzigkeit besonders erfahren oder weitergeben?
Vers 35 Bezahlt die Herberge im Voraus
Lk 10, 35: Und am anderen Tag, als er fortzog, gab er dem Wirt zwei Denare und sprach zu ihm: Verpflege ihn! Und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Bilder in der Erzählung
Er bringt dich in die Herberge. Die Herberge ist die Gemeinde des Herrn, die uns alle zu Brüder und Schwestern macht.
Der Samariter spricht davon, dass er wieder zur Herberge zurückkehren wird. Das aber ist die Wiederkunft Jesu, auf die wir sehnsuchtsvoll warten.
Selig jener Wirt, welcher die Wunden des Nächsten pflegen kann. Selig Jener, zu dem Jesus sagt: Was du darüber verwendest, werde ich dir bei meiner Rückkehr bezahlen.
Wann aber kehrst du zurück, o Herr, als am Tage des Gerichtes? Denn obschon du immer überall bist, und obwohl du in unserer Mitte bist, von uns doch nicht gesehen wirst, so wird es doch eine Zeit geben, wo dich jedes Fleisch zurückkehren fleht.
Du wirst also den Seligen, denen du schuldig bist, das Schuldige geben. Möchten wir doch würdige Schuldner sein, um das Empfangene bezahlen zu können!
Goldene Kette
Frage: Welche Wunden in dir selbst oder bei anderen bist du bereit zu pflegen, damit du die Rückkehr des Herrn in deinem Leben bewusster wahrnimmst?
Vers 36-37 Anwendung des Gleichnisses
Lk 10,36: Welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist?
Lk 10,37: Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat! Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso!
Handle ebenso
Die Art und Weise, wie der barmherzige Samariter für den Verletzten sorgte, entspricht der Art und Weise, wie Gott Sünder liebt. Das ist nicht nur Minimalfürsorge, sondern eine vollkommene Hingabe.
Jesus ist die lebendige Verkörperung der vollkommenen, grenzenlosen hingebenden Liebe Gottes, die göttliche Barmherzigkeit. Jesus hat sich zu uns niedergebeugt, er hat sich zu unserem Diener gemacht, und so hat er uns gerettet, damit auch wir einander lieben können, wie er uns geliebt hat, auf dieselbe Weise.
Wir alle sind aufgerufen, seinen Weg, seinen Spuren nachzufolgen. Wie verhält sich dein Herz gegen den Nächsten? Liebst du ihn herzlich und aus Liebe zu Gott?
Um dies zu erkennen, stelle dir bestimmte unangenehme, mürrische Menschen vor. An solchen übt man bestimmt die Liebe zu Gott im Nächsten; mehr noch bei Menschen, die uns durch Wort und Tat Böses zugefügt haben.
Das bedeutet nicht, jedem Bedarf nachzulaufen, der sich stellen könnte. Schließlich hat der Samariter kein Krankenhaus für unglückliche Reisende eingerichtet. Aber es bedeutet eine Sorge um die, die vor uns liegen, sowohl in sozialen als auch in spirituellen Nöten.
Die Welt wäre ein veränderter Ort, wenn jeder Christ sich um die Sorgen kümmern würde, die vor ihm liegen.
Frage: Wie könntest du heute jemandem begegnen, der dir schwerfällt, und dabei Gottes Liebe sichtbar werden lassen?
Hoher Maßstab
Natürlich sollen wir uns den barmherzigen Samariter als Vorbild nehmen. Dennoch erhebt das Gleichnis einen so hohen Maßstab der Nächstenliebe, an dem wir zweifelsohne immer wieder scheitern.
Jesus beschreibt hier eine außergewöhnliche Liebe, die keine Grenzen kennt. Somit vermittelt uns das Gleichnis auch dies, dass wir aus uns selbst niemals gerecht werden können, weil wir der Nachahmung des Samariters niemals vollkommen gerecht werden können.
Wir erkennen, dass wir auf die Gnade und Vergebung Gottes voll angewiesen sind.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens spürst du am deutlichsten, dass du selbst Liebe oder Vergebung nur empfangen kannst, und nicht vollkommen geben?
Bereit sein, sich unterbrechen zu lassen
Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich durchkreuzen, indem er uns Menschen mit ihren Ansprüchen und Bitten über den Weg schickt.
Wir können dann an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages, wie der Priester an dem unter die Räuber Gefallenen vorüberging.
Wir gehen dann an dem sichtbar in unserem Leben aufgerichteten Kreuzeszeichen vorüber, das uns zeigen will, dass nicht unser Weg, sondern Gottes Weg gilt.
Bonhoeffer
Frage: Wo in meinem Alltag könnte ich Gottes Unterbrechungen bewusst wahrnehmen und offen annehmen?