Lk 2, 8-20 Verkündigung an die Hirten

Vers 8 Hirten auf dem Feld

Lk 2,8: In der gleichen Nacht hielten ein paar Hirten draußen auf dem freien Feld Wache bei ihren Herden

Historischer Hintergrund

Der Jerusalemer Tempel bezog seine Tiere für die Opfer aus der Gegend von Bethlehem, was ca. 12 km von Jerusalem entfernt liegt. Daher waren in dieser Gegend viele Hirten das ganze Jahr über.

Gott lüftet den Schleier seiner Verborgenheit als erstes vor den ganz Geringen, vor Menschen, die in der großen Gesellschaft eher verachtet waren: den Hirten. Es sind nicht hohe, angesehene Personen, Priester, Schriftgelehrte etc., die den neugeborenen Messias zuerst begrüßen, sondern einfache Hirten.

Neben der Historizität spielt sich hier tiefster Aussageinhalt wider. Gott ist ein Gott der einfachen, demütigen Menschen, und wenn wir uns ihm so nähern, verschließt er sich uns nicht.

Frage: Wie kann ich in meinem Leben Raum für Demut schaffen, um Gottes Gegenwart bewusst zu erfahren?

Gott ist ein Gott der Schwachen, Armen und Kranken

Darum: Freut euch – in eurer Mitte ist der Herr.

Denn: Wir sind die Schwachen, die aus der Kraft Gottes leben, du und ich sind die Armen, die in Christus reich beschenkt werden, wir alle sind die Kranken, die nur eines Arztes bedürfen: Jesus Christus.

Das Wunder aller Wunder, dass Gott das Niedrige liebt! Wo die Menschen sagen: verloren, da sagt er gefunden, wo die Menschen sagen gerichtet, da sagt er gerettet, wo die Menschen sagen: Nein, da sagt er: Ja!

Frage: Wo in meinem Leben darf ich heute das „Ja“ Gottes hören, auch wenn alles andere nach „Nein“ aussieht?

Vers 9 Engel des Herrn erscheint

Lk 2,9;13: Die Hirten erschraken sehr. Auf einmal waren sie von unzähligen Engeln umgeben, die Gott lobten.

Ohne die Engel hätten die Hirten Jesus nicht erkannt

Sei dir gewiss: Gott schickt auch dir Engel, die dir helfen, Jesus in deinem Alltag zu entdecken.

Allerdings musst du wie die Hirten wachsam sein, ansprechbar für Gott, dein Herz öffnen für ihn, der die Weisheit selbst ist und sich schenkt.

Deine Wachheit sei Bereitschaft zum Hören und zum Aufbrechen. "Ihr müsst immer wachsam und bereit sein!" (Mk 13:37)

Christus ist immer der Kommende. Gott ist immer gegenwärtig. Wir sind es, die abwesend sind!

Frage: Wie kannst du heute dein Herz öffnen, um die Gegenwart Gottes in den kleinen Momenten deines Alltags wahrzunehmen?

Vers 10 Verkündigung großer Freude

Lk 2,10: Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll.

Andacht für dein Leben

  • Vertraue: Die Botschaft „Fürchtet euch nicht!“ fordert dich auf, deine Ängste loszulassen und auf Gottes Plan zu vertrauen, auch wenn du ihn nicht immer verstehst.
  • Freue dich: Die „große Freude“ gilt auch dir – sie erinnert dich daran, im Alltag die Hoffnung und Liebe Jesu zu entdecken und weiterzugeben.

Verkündigung der christlichen Freude

Es geht um die christliche und nicht um die von äußeren Umständen abhängige weltliche Freude.

In unserem Leben wird es immer Leid und Schwierigkeiten geben. Wenn wir in der christlichen Freude wachsen, können wir diesem Leid auf eine Weise begegnen, die uns nicht verbittern lässt. Wir erleben Not, ohne dass sie uns verhärtet. Wir erleben Kummer, ohne daran zu zerbrechen.

Die Frage ist nicht: Wie kann ich den Schwierigkeiten entgehen? Sie lautet: Wie kann ich trotz – oder sogar wegen – dieser Schwierigkeiten in der wahren Freude leben?

Die Art und Weise, wie wir all dem Negativen in unserem Leben begegnen und dabei ganz eng mit Jesus verbunden sind, ist enorm wichtig und entscheidend.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich lernen, inmitten von Schwierigkeiten tiefer in der Freude und Nähe zu Jesus zu wachsen?

Andacht von Benedikt XVI

Weihnachten ist das Fest der Geschenke geworden, um Gott nachzuahmen, der sich uns selber geschenkt hat. Lassen wir unser Herz, unsere Seele, unsere Gedanken davon berühren.

Das wahre Weihnachtsgeschenk ist die Freude, nicht die teuren Geschenke, die Zeit und Geld kosten. Wir können diese Freude auf ganz einfacher Weise mitteilen: durch ein Lächeln, durch eine nette Geste, durch ein wenig Hilfe, durch Vergebung.

Wenn wir den anderen die Freude bringen, dann wird die Freude, die wir geschenkt haben, wieder zu uns zurückkehren. Versuchen wir vor allem, die tiefste Freude zu bringen, die Freude, Gott in Christus kennengelernt zu haben.

Bitten wir darum, dass in unserem Leben diese Gegenwart der befreienden Freude Gottes sichtbar werde.
Benedikt XVI

Frage: Welche kleinen Gesten der Freude könnten heute mein Herz und das Herz anderer spürbar berühren?

Vers 11 Retter ist geboren

Lk 2,11: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, Christus, der Herr.

Andacht für dein Leben

  • Erkenne: Jesus ist dein Retter, der dir Hoffnung und Frieden bringt, selbst in schwierigen Zeiten. Vertraue darauf, dass seine Geburt dein Leben verändert hat.
  • Teile: Diese frohe Botschaft ist nicht nur für dich. Gib die Liebe und Freude, die du durch Jesus erlebst, an andere weiter und zeige ihnen, wie sehr sie von Gott geliebt werden.

Wache auf! Erinnere dich daran, dass Gott kommt!

Nicht gestern, nicht morgen, sondern heute, jetzt!

Der einzige und wahre Gott ist kein Gott, der im Himmel weilt, ohne sich für uns und unsere Geschichte zu interessieren, sondern er ist der Gott-der-kommt.

Er ist ein Vater, der nie aufhört, an uns zu denken, und der mit äußerster Achtung unserer Freiheit wünscht, uns zu begegnen und zu uns zu kommen.

Er will in unsere Mitte kommen und unter uns wohnen, er will bei uns bleiben. Zu seinem Kommen drängt ihn sein Wille, uns vom Bösen und vom Tod zu befreien, von allem, was unser wahres Glück verhindert.

Gott kommt, um uns zu retten.
Benedikt XVI

Frage: Wo in meinem Leben öffne ich heute mein Herz für das Kommen Gottes?

Vers 12 Das Zeichen

Lk 2,12: Und das sei für euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln ge­wickelt, in der Krippe liegend.

Gottes Zeichen ist das Einfache

Nichts Wunderbares, nichts Außergewöhnliches und Großartiges wird den Hirten als Zeichen gegeben. Nur ein Kind werden sie sehen, das wie Menschenkinder der mütterlichen Fürsorge bedarf und in Windeln gewickelt ist; ein Kind, das im Stall geboren wurde und deshalb statt in einer Wiege in einer Futterkrippe liegt.

Das Zeichen Gottes ist das Kind, in seiner Hilfsbedürftigkeit und Armut. Nur mit dem Herzen werden die Hirten sehen können, dass in diesem Kind die Verheißung des Propheten Jesaja wahr geworden ist, die wir in der ersten Lesung gehört haben: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft“ (Jes 9, 5).

Auch uns ist kein anderes Zeichen gegeben. Auch uns lädt der Engel Gottes durch die Botschaft des Evangeliums ein, uns mit dem Herzen auf den Weg zu machen und das Kind zu sehen, das in der Krippe liegt. Gottes Zeichen ist das Kind. Gottes Zeichen ist es, dass er sich für uns klein macht.

Das ist die Weise, wie er herrscht. Er kommt nicht mit äußerer Macht und Größe. Er kommt als Kind – unbewehrt und unserer Hilfe bedürftig. Er will uns nicht mit Macht überwältigen. Er nimmt uns unsere Furcht vor seiner Größe. Er bittet um unsere Liebe: Darum wird er Kind.

Nichts anderes will er von uns als unsere Liebe, durch die wir von selbst lernen, in seine Gesinnungen, in sein Denken und Wollen einzutreten – mit ihm mitzulieben und mit ihm auch die Demut des Verzichts zu erlernen, die zum Wesen der Liebe gehört. Gott hat sich klein gemacht, damit wir ihn verstehen, ihn annehmen, ihn lieben können.

Benedikt XVI

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben das Kleine, Schwache oder Unscheinbare als Träger von Gottes Zeichen erkennen und annehmen?

Vers 13 Himmlische Heerscharen

Lk 2,13: ‭Und plötzlich war bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Lobende Engel

Diese Szene zeigt die enge Verbindung zwischen Himmel und Erde. Gottes Heilsplan wird durch Jesus verwirklicht, und die Engel bezeugen seine Bedeutung. Ihr Lobpreis – „Ehre sei Gott in der Höhe“ – betont, dass die Geburt Jesu Gottes Herrlichkeit offenbart und den Menschen Frieden bringt.

Diese Verse laden dazu ein, sich dem Lob der Engel anzuschließen und über die Bedeutung von Jesu Geburt nachzudenken. Sie ist Ausdruck von Gottes Liebe und ein Grund zur Freude für die ganze Welt.

Frage: Wie spürst du in deinem eigenen Leben die Verbindung zwischen göttlicher Liebe und deinem persönlichen Frieden?

Vers 14 Ehre sei Gott und Friede

Lk 2,14: ‭Herrlichkeit ist bei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, und unter den Menschen Gottes Wohlgefallen!

Andacht für dein Leben

  • Finde Frieden: Nimm dir Zeit, um Gottes Gegenwart im Alltag zu spüren und in schwierigen Momenten auf seine Führung zu vertrauen.
  • Ehre Gott: In deinen Worten und Taten zeige Dankbarkeit und Anerkennung für seine Gaben, besonders in deinen Beziehungen und Entscheidungen.

Frieden der Welt

Jetzt ist also unser Friede nicht verheißen, sondern gesandt; er ist nicht aufgeschoben, sondern gewährt; er ist nicht vorhergesagt, sondern verwirklicht. Der Vater hat sozusagen einen Sack voller Barmherzigkeit auf die Erde gesandt, einen Sack, der in der Passion platzen wird, damit sich der Preis unseres Loskaufs ergießt, den er enthält; ein Sack, der zwar klein, aber ganz voll ist.

Tatsächlich, ein Kind ist uns geschenkt, aber in diesem Kind wohnt die ganze Fülle der Gottheit.
Bernhard von Clairvaux

Mein Gott! Wie viele heilige Gefühle lässt diese Geburt in unseren Herzen aufkommen! Franz von Sales

Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du die Gegenwart von Frieden oder göttlicher Barmherzigkeit bereits spürbar erlebt?

Katechese

Die Engel, die den Hirten von Bethlehem die Geburt des Messias verkündeten, lobten Gott für dieses große Ereignis. Sie feierten den Beginn des Sieges der Liebe Gottes über den Hass in der Welt. Zugleich zeigen sie uns, wie wir den wahren Frieden finden können: Alle, die Gott die Ehre geben und nicht mehr um die eigene Anerkennung streiten, erfahren den tiefen Frieden Gottes.

Bei jeder Sonntagsmesse beten oder singen wir: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden!“ – Eine Einladung zur persönlichen Überlegung: Ehre ich Gott durch mein Leben, oder kämpfe ich noch um meine eigene Anerkennung und werde sofort traurig oder ärgerlich, wenn ich von anderen nicht gelobt oder bemerkt werde? Bin ich in der Lage, Gott für alles zu danken?

Samariter-Fluhm

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag mehr Raum für Gottes Liebe und Frieden schaffen, anstatt nach eigener Anerkennung zu streben?

Andacht von Gregor der Große

Laßt uns frohlocken. Denn heute ist uns der Heiland geboren!

Darf doch dort keine Trauer aufkommen, wo das Leben selbst zur Welt kommt, das die Furcht vor dem Tode nimmt und uns durch die Verheißung ewigen Lebens mit Freude erfüllt.

Er blieb, was er war, und nahm an, was er nicht war. Wäre er nicht wahrer Gott, so brächte er keine Erlösung, wäre er nicht wahrer Mensch, so böte er uns kein Beispiel.

Darum wird auch von den jauchzenden Engeln bei der Geburt des Herrn gesungen: Ehre sei Gott in der Höhe! Darum wird auch den Menschen auf Erden, die guten Willens sind, Friede verheißen.

Wie sehr muß sich da menschliche Niedrigkeit über dieses unbeschreibliche Werk der göttlichen Liebe freuen, wenn die heren Engel darüber in solchen Jubel ausbrechen!

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Freude und den Frieden spüren, die diese Geburt des Heilandes verkörpert?

Quelle ist die Zuwendung Gottes

Gottes liebende Zuwendung gibt uns Orientierung und Motivation im Handeln für unsere Mitmenschen in Wort und Tat.

Die Zuwendung Gottes hat in Jesus Christus eine menschliche Gestalt gefunden. Er will, dass alle Menschen seine Liebe erfahren. Deshalb wollen wir Zuwendung leben.

Der Mensch mit seiner Würde, seinen Bedürfnissen, Wünschen und Nöten steht für uns im Mittelpunkt. Jeder Mensch hat eine unantastbare Würde und Einmaligkeit, die ihm von Gott gegeben ist. Darum wird jede Person von uns gleichermaßen geschätzt.

Jeder Mensch ist ein einmaliger Mensch und tatsächlich, für sich gesehen, das größte Kunstwerk aller Zeiten. Thomas Bernhard 

Frage: Wie kann ich heute die Liebe und Zuwendung Gottes in meinem eigenen Handeln spürbar werden lassen?

Herrlichkeit Gottes

Gott ist herrlich. Gott ist reines Licht, Leuchten der Wahrheit und der Liebe. Er ist gut. Er ist das wahrhaft Gute, der Gute schlechthin.

Die Engel, die um ihn sind, geben zunächst einfach die Freude über die Wahrnehmung von Gottes Herrlichkeit weiter. Ihr Singen ist Ausstrahlen der Freude, die sie erfüllt. Bei ihren Worten hören wir gleichsam in die Klänge des Himmels hinein.

Da ist keine Frage nach Zwecken dahinter, sondern einfach das Erfülltsein vom Glück der Wahrnehmung der reinen Helligkeit von Gottes Wahrheit und Liebe. Von dieser Freude wollen wir uns anrühren lassen: Es gibt die Wahrheit. Es gibt die reine Güte. Es gibt das reine Licht.

Gott ist gut, und er ist die letzte Macht über allen Mächten. Darob sollten wir in dieser Nacht mit den Engeln, mit den Hirten einfach froh werden.

Frage: Welche Momente in meinem Leben lassen mich die reine Helligkeit von Wahrheit und Liebe spüren?

Friede auf Erden

Mit der Herrlichkeit Gottes in der Höhe hängt der Friede auf Erden unter den Menschen zusammen.

Wo Gott nicht in Ehren steht, wo er vergessen oder gar geleugnet wird, da ist auch kein Friede.

So ist Christus unser Friede und hat Frieden verkündet den Fernen und den Nahen (vgl. Eph 2, 14.17).

Wie sollten wir nicht in dieser Stunde zu ihm beten:
Ja, Herr, künde uns auch heute Frieden, den Fernen und den Nahen.

Benedikt XVI

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben heute Gottes Frieden spürbar werden lassen, sowohl für mich als auch für die Menschen um mich herum?

Vers 15 Aufbruch der Hirten

Lk 2,15: Und es geschah, als die Engel von ihnen weg in den Himmel zurückgekehrt waren, da sprachen die Hirten zueinander: Lasst uns doch bis nach Bethlehem gehen und die Sache sehen, die geschehen ist, die der Herr uns verkündet hat!

Andacht für dein Leben

  • Erinnere dich, wie die Hirten dem Engel folgten, und suche in deinem Alltag Gottes Stimme, selbst wenn sie unerwartet erscheint.
  • Handle mutig, wie die Hirten zum Stall eilten; lasse dich von Gottes Ruf leiten und vertraue darauf, dass es zu etwas Großem führt.

Nach Bethlehem gehen

So sagten die Hirten und das taten sie auch. Auch wir, Herr, wollen nach Betlehem kommen.

Der Weg ist heute noch genauso mühsam: Da muss der Gipfel des Egoismus überwunden werden, man darf dabei nicht in die Schluchten der Weltlichkeit und des Konsumismus abgleiten.

Ich will nach Betlehem kommen, Herr, weil du dort auf mich wartest. Und dort will ich verstehen, dass du, der du in einer Krippe liegst, das Brot meines Lebens bist. Ich brauche den zarten Duft deiner Liebe, um auch selbst gebrochenes Brot für die Welt zu sein.

Herr, nimm mich auf deine Schultern, du guter Hirte: Von dir geliebt, werde auch ich lieben und meine Brüder und Schwestern an der Hand nehmen können. Dann wird Weihnachten sein, wenn ich zu dir sagen kann: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.“

Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf, mich auf den Weg zu dir zu machen, und wie kann ich diesem Ruf folgen?

Laßt uns hinübergehen nach Bethlehem

Trans-eamus heißt es in der lateinischen Bibel: hinüber-gehen, den Überschritt, das „Trans“ wagen, mit dem wir aus unseren Denk- und Lebensgewohnheiten herausgehen und die bloß materielle Welt überschreiten auf das Eigentliche hin, hinüber zu dem Gott, der seinerseits zu uns herübergekommen ist.

Wir wollen den Herrn bitten, dass er uns das Überschreiten unserer Grenzen, unserer eigenen Welt schenke, dass er uns helfe, ihm zu begegnen, besonders in dem Augenblick, in dem er sich selbst in der heiligen Eucharistie in unsere Hände und in unser Herz hineinlegt.

Vers 16 Finden von Maria, Josef und Kind

Lk 2,16: ‭Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend.

Sie gingen eilends

Die Hirten eilten. Heilige Neugier und heilige Freude trieb sie.

Bei uns kommt es wohl sehr selten vor, dass wir für die Dinge Gottes eilen. Gott gehört heute nicht zu den eilbedürftigen Wirklichkeiten. Die Dinge Gottes haben Zeit, so denken und sagen wir.

Und doch ist er das Wichtigste, der allein letztlich wirklich Wichtige. Warum sollte nicht auch uns die Neugier befallen, näher zu sehen und zu erkennen, was Gott uns gesagt hat?

Bitten wir ihn, dass die heilige Neugier und die heilige Freude der Hirten in dieser Stunde auch uns anrühren, und gehen wir so freudig hinüber nach Bethlehem – zum Herrn, der auch heute neu zu uns kommt. Amen.
Benedikt XVI

Frage: Welche „heilige Neugier“ könnte mich heute dazu führen, Gottes Gegenwart bewusster wahrzunehmen?

Kind in der Krippe

Schauen wir in der Krippe auf dieses kleine Kind, das uns die Arme entgegenstreckt, das uns so sehr liebt, das aus Liebe unter uns wohnt und das all seine Taten aus Liebe vollbringt.

Und lieben wir es, bitten wir es, dass wir ihm nachfolgen können und in allem so wie er von der Liebe geleitet sind. Tun wir dieselben Werke wie er, aus den gleichen Beweggründen, aus reiner Liebe.

Folgen wir ihm aus Liebe in seiner Armut nach. Folgen wir ihm in seiner Einsamkeit aus Liebe nach. Folgen wir ihm aus Liebe in seiner Herabwürdigung nach. Folgen wir ihm aus Liebe in der Kargheit und Buße nach, die mit der Krippe beginnt.

Beten wir und betrachten wir aus Liebe mit ihm seinen Vater. Segnen wir mit ihm aus Liebe die Menschen.

Das erste, in dem wir ihm nachfolgen und ihn nachahmen sollen, ist die Liebe. Das erste, was uns ins Auge fällt, der beständige Gegenstand unserer Kontemplation, ist die Liebe, welche das Wesen selbst unseres Seligen Herrn Jesus ist.

Charles de Foucauld

Frage: Wie kann ich in meinem täglichen Leben die Liebe, die ich in diesem Kind sehe, bewusst weitergeben und verkörpern?

Kind in der Krippe

Schauen wir auf das Kind in der Krippe, das wir lieben.

Schauen wir auf das Kind, wohlwissend aber, daß wir vor einem Geheimnis stehen. Wir müssen dieses Geheimnis durch den Glauben annehmen und, ebenfalls durch den Glauben, seinen Sinn vertiefen.

Dazu ist die demütige Haltung nötig, die einer christlichen Seele eigen ist: nicht das Bestreben, die Größe Gottes auf die ärmliche Ebene menschlichen Begreifens und Deutens zu beschränken, sondern die Einsicht, daß dieses Geheimnis in seiner Dunkelheit Licht ist, das das Leben der Menschen erhellt.

Er ist der Erhabene, der sich erniedrigte, um uns, die Niedrigen, zu erhöhen. Augustinus

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Raum schaffen, um die Geheimnisse und das Licht, das sie bringen, wirklich zu erkennen und anzunehmen?

Das Kindlein in der Krippe ist wirklich Gottes Sohn

Gott ist nicht ewige Einsamkeit, sondern ein Kreis der Liebe in Hingabe und Zurückschenken: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Gott ist so groß, daß er klein werden kann.
Gott ist so mächtig, daß er sich wehrlos machen kann und als wehrloses Kindlein auf uns zugeht, damit wir ihn lieben können.

Gott ist so gut, daß er auf seinen göttlichen Glanz verzichtet und in den Stall herabsteigt, damit wir ihn finden können und so seine Güte auch uns berührt, uns ansteckt, durch uns weiterwirkt.

Das ist Weihnachten: Gott ist einer von uns geworden, damit wir mit ihm sein, ihm ähnlich werden können. Er hat das Kind in der Krippe zu seinem Zeichen gewählt: So ist er. So lernen wir ihn kennen.

Und über jedem Kind steht etwas vom Strahl dieses Heute, von der göttlichen Nähe, die wir lieben und der wir uns beugen sollen – über jedem Kind, auch über dem ungeborenen.

Benedikt XVI

Frage: Welche Spuren der göttlichen Nähe erkenne ich in meinem Leben, und wie kann ich sie bewusst weitergeben?

Das Zeichen Gottes ist das Kind

Nichts Wunderbares, nichts Außergewöhnliches und Großartiges wird den Hirten als Zeichen gegeben. Nur ein Kind werden sie sehen, das wie Menschenkinder der mütterlichen Fürsorge bedarf und in Windeln gewickelt ist.

Ein Kind, das im Stall geboren wurde und deshalb statt in einer Wiege in einer Futterkrippe liegt. Das Zeichen Gottes ist das Kind, in seiner Hilfsbedürftigkeit und Armut. Auch uns ist kein anderes Zeichen gegeben.

Auch uns lädt der Engel Gottes durch die Botschaft des Evangeliums ein, uns mit dem Herzen auf den Weg zu machen und das Kind zu sehen, das in der Krippe liegt. Gottes Zeichen ist das Einfache. Gottes Zeichen ist das Kind. Gottes Zeichen ist es, dass er sich für uns klein macht.

Das ist die Weise, wie er herrscht. Er kommt nicht mit äußerer Macht und Größe. Er kommt als Kind – unbewehrt und unserer Hilfe bedürftig. Er will uns nicht mit Macht überwältigen. Er nimmt uns unsere Furcht vor seiner Größe. Er bittet um unsere Liebe: Darum wird er Kind.

Nichts anderes will er von uns als unsere Liebe.
Benedikt XVI

Frage: Wo in meinem Leben darf ich die Größe in der Einfachheit erkennen und die Hilfsbedürftigkeit anderer mit offenem Herzen annehmen?

Vers 17 Erzählen des Gehörten

Lk 2,17: ‭Nachdem sie es aber gesehen hatten, machten sie überall das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

Andacht für dein Leben

  • Sprich mutig über deine Erfahrungen mit Gott, so wie die Hirten die Botschaft weitertrugen. Teile das, was du erlebt hast, auch wenn es nicht jeder sofort versteht.
  • Lass dich von der Freude leiten, die du durch deine Beziehung zu Gott empfindest. Wie die Hirten begeistert von Jesus erzählten, kannst auch du andere ermutigen, an ihn zu glauben.
  • Parallelstellen zu Lk 2,17: Lk 2,10-12

Sie eilen

Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend. Lasst uns nicht träge sein, wenn es darum geht dem Herrn Jesus zu begegnen.

Sie missionieren

Nachdem sie es aber gesehen hatten, machten sie überall das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Die Begegnung mit dem Herrn Jesus drängt nach außen, will teilen. Das ist der Kern der Mission.

Vers 18 Staunen der Hörer

Lk 2,18: Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde.

Sie erzeugen Verwunderung

Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde. Gottes Botschaft versetzt uns ins Staunen. Wer nicht mehr staunen kann, der entfernt sich vom Glauben.

Verwunderung ist ein roter Faden im LK-Evangelium

Es kommen viele Stellen vor, wo das Volk verwundert war, staunte. Wir versuchen heute immer, alles im wissenschaftlichen Sinne zu durchschauen und „Wahrheit“ empirisch zu ermitteln.

Die Gefahr ist, darauf hat auch Einstein hingewiesen, dass das Staunen verloren geht, die Verwunderung. Die Verwunderung ist ein ganz wichtiger Teil in der Gottesbeziehung.

Die Verwunderung ist auch in meinem Begreifen von Weihnachten ein zentraler Punkt. Worüber staunst, verwunderst du dich, wenn du das Wirken Gottes in deinem Leben betrachtest?

Frage: Wann hast du zuletzt innegehalten, um das Wunder in deinem eigenen Leben bewusst wahrzunehmen?

Vers 19 Maria bewegt Worte im Herzen

Lk 2,19: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Andacht für dein Leben

  • Bewahre im Herzen: Nimm dir Zeit, über die Erfahrungen und Begegnungen deines Lebens nachzudenken, um Gottes Wirken darin zu erkennen.
  • Bewege im Gebet: Bring deine Gedanken, Sorgen und Freuden immer wieder vor Gott, damit er sie ordnet und dir Orientierung schenkt.

Das Schweigen Mariens

Dieses Schweigen sagt uns, dass auch wir die Stille brauchen, wenn wir etwas bewahren wollen. Es ist notwendig, schweigend die Krippe zu betrachten.

Denn vor der Krippe stehend entdecken wir von neuem, dass wir geliebt sind, und dort verkosten wir den unverfälschten Sinn des Lebens.

Im schweigenden Betrachten lassen wir zu, dass Jesus zu unserem Herzen spricht: dass seine Kleinheit unseren Hochmut überwindet, dass seine Armut unser Schwelgen stört, dass seine Zärtlichkeit unser verhärtetes Herz anrührt.

Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms.

Papst Franziskus

Frage: Wann habe ich zuletzt bewusst innegehalten, um die Stille in meinem Herzen zu spüren, und was könnte sie mir über mein eigenes Leben und meine Verbindung zu Gott offenbaren?

Maria schweigt

Das Evangelium offenbart uns heute, dass die Größe Marias nicht darin besteht, dass sie eine außergewöhnliche Tat vollbringt, sondern dass sie schweigt, während die Hirten, nachdem sie die Ankündigung der Engel erhalten hatten, nach Bethlehem eilen (vgl. Lk 2,15-16).

Das Schweigen der Mutter ist ein schöner Zug. Es ist kein einfaches Fehlen an Worten, sondern ein Schweigen, das von Staunen und Anbetung erfüllt ist angesichts der Wunder, die Gott wirkt.

„Maria“, so merkt der heilige Lukas an, „bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (2,19). Auf diese Weise schafft sie in ihrem Inneren Raum für den, der geboren wurde; in der Stille und Anbetung stellt sie Jesus in den Mittelpunkt und bezeugt ihn als Erlöser.

Maria, die Mutter der Stille; Maria, die Mutter der Anbetung.
Papst Franziskus

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben Stille und innere Anbetung üben, um Raum für das Göttliche zu schaffen?

Drei Kräfte ihres Wesens wurden hier in Anspruch genommen

Erstens, ihr Gedächtnis: sie behielt alle diese Worte.

Zweitens, ihre Liebe: sie behielt sie in ihrem Herzen.

Drittens, ihr Verstand: sie bewegte sie, so dass Gedächtnis, Liebe und Verständnis bei dieser gottgeliebten Frau ganz mit dem beschäftigt waren, was sie gehört hatte.

Ihr Lieben, bedenkt recht, was ihr alles von unserem Herrn Jesus gehört habt und was Er für euch getan hat. Macht eure Herzen zu einem goldenen Mannakrüglein, um darin das Andenken an das himmlische Brot zu bewahren, womit ihr in vorigen Tagen gespeist worden seid.

Sammelt in eurem Gedächtnis alles, was ihr von Christus je empfunden, gehört oder geglaubt habt, und dann haltet Ihn für ewige Zeiten mit tiefsinniger Liebe fest. Liebet die Person eures Herrn und Heilandes!

Vers 20 Rückkehr der lobenden Hirten

Lk 2,20: Und die Hirten kehrten wieder um und priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

Andacht für dein Leben

  • Vertrauen auf das, was Gott tut: Du bist eingeladen, das zu erleben, was Gott für dich vorbereitet hat. Sei offen und vertraue darauf, dass er dich auch in schwierigen Momenten führt.
  • Zeugnis geben: Wie die Hirten, kannst auch du von den guten Taten Gottes in deinem Leben berichten. Dein Glaube kann anderen ermutigen und Hoffnung schenken.

Frohlocken der Hirten

Alle aber frohlockten bei der Geburt Christi, nicht menschlicher Weise, wie sich die Menschen über ein neugeborenes Kind zu freuen pflegen, sondern über die Gegenwart Christi und den Glanz des göttlichen Lichtes.

Daher folgt: Und die Hirten kehrten zurück, verherrlichten und loben Gott in Allem, was sie vernommen hatten.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Gegenwart des Göttlichen wahrnehmen und feiern?

Was war der Grund ihres Lobes?

Sie lobten Gott für alles, was sie gehört hatten: die große Freudenbotschaft, dass ihnen ein Heiland geboren wurde.

Handeln wir auch so wie diese Hirten? Lasst uns einen Dankespsalm für all das anstimmen, was wir von Jesus und Seinem Heil gehört haben.

Die Hirten lobten Gott auch für das, was sie gesehen hatten. Wenn ihr den Herrn Jesus mit dem von Gott geschenkten Gesicht des Glaubens geschaut habt, dann lasst keine Spinnweben mehr auf den Saiten eurer Harfen hängen!

Frage: Welche Freude oder Erkenntnis von Jesus möchte ich heute in meinem Herzen besonders lobend feiern?

Rückkehr der Hirten in ihren Alltag

Die Hirten haben diesen Glauben, erstaunlicherweise und sicher nur mit Gottes Hilfe. Sie erzählen von ihren Erlebnissen und gehen dann zurück in ihren Alltag, Gott dankend für alles, was ihnen geschenkt wurde.

Wir dürfen annehmen, dass ihr Leben genauso ablief wie vorher – und dass doch alles ganz anders geworden war. Für die allermeisten Menschen verändert die Begegnung mit Jesus Christus nicht die äußeren Lebensumstände, es sei denn, Gott schenkt dafür eine besondere Berufung.

Jemand, der im Erwachsenenalter eine Bekehrung erlebt, kann, was gut war, äußerlich genauso weiterleben wie vorher. Aber sein inneres Leben, seine Sicht auf die Welt, wird völlig erneuert – und darauf kommt es an!

Beate Scheilen

Frage: Wie könnte eine innere Erneuerung in meinem eigenen Leben aussehen, unabhängig von äußeren Veränderungen?