Mt 25, 31-46 Gleichnis vom Endgericht: Auslegung und Andacht
Mt 25, 31-46 im Überblick: Dieser Text bietet eine Vers-für-Vers-Auslegung zum Gleichnis vom Endgericht in Matthäus 25, 31 bis 46. Erfahre, was die Passage bedeutet und wie sie deinen Glauben stärken kann.
Inhaltsverzeichnis
Vers 31 Kommen des Menschensohns
Mt 25,31: Wenn aber der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen.
Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt
Christus, unser König, wird kommen! Das Herz eines jeden Christen darf aufgrund dieser hoffnungsvollen Worte höher schlagen. Jede Mühe, jeder Kampf um Gerechtigkeit und Liebe in unserem Alltag hat einen Wert, wird gesehen und anerkannt.
Der Menschensohn wird in seiner Herrlichkeit kommen und seine Gerechten suchen. Er wird sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen und in Liebe regieren. Wie sehr sehnt sich unsere Welt nach Frieden und Gerechtigkeit! Das Wort Gottes schenkt uns die Hoffnung, diese endgültig im Reich Gottes zu finden.
Carmen Gallinger
Frage: Wo in meinem Leben sehne ich mich am meisten nach der Ankunft von Christi Frieden und Gerechtigkeit?
Vers 32 Scheidung der Völker
Mt 25,32: Und vor ihm werden alle Heidenvölker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.
Worum es wirklich geht
Jesus erinnert uns heute daran, worum es in unserem Leben eigentlich geht. Das Wesentliche sind eben nicht unsere alltäglichen Sorgen, unsere Aufgaben, unser Erfolg oder Ansehen.
Und auch nicht die Fehler der anderen, über die wir uns stunden- und tagelang aufregen können: der Autofahrer, der vor uns bummelt, die Mitbewohner, die das Treppenhaus nicht gefegt haben oder der Postbote, der so unzuverlässig ist.
Jesus sagt uns, dass unsere Zeit auf der Erde dafür da ist, dass wir lernen, Gott und den Nächsten zu lieben. Wenn wir das tun, werden wir uns wirklich entfalten. Dann werden wir erfüllte und gesegnete Menschen sein. Alles andere ist Nebensache.
Raphael Ballestrem
Frage: Wie kann ich heute konkret Liebe leben – gegenüber Gott, meinem Nächsten und mir selbst?
Unausweichlich
Für jeden Menschen kommt einmal der Zeitpunkt, an dem er Rechenschaft über sein ganzes Leben ablegen muss.
Die Unausweichlichkeit dieser Tatsache mag im ersten Moment beunruhigend wirken, aber es ist eine heilsame Unruhe.
Denn sie will mich aufwecken aus einem oberflächlichen und letztlich sinnlosen Dahinleben, aus einer gleichgültigen Lebenshaltung, die für meine Mitmenschen schädlich ist und die mich selbst meines ewigen Glücks mit Gott beraubt, wenn ich sie nicht rechtzeitig entschieden korrigiere.
Joachim Richter
Frage: Wann habe ich zuletzt ehrlich innegehalten und mein Leben im Licht der Ewigkeit betrachtet?
Vers 33 Schafe und Böcke
Mt 25,33: Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken.
Vers 34 Erbe für die Gesegneten
Mt 25,34: Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, und erbt das Reich, das euch bereitet ist seit Grundlegung der Welt!
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid
Jeder, der im Alltag versucht, die christlichen Werte authentisch zu leben, merkt schnell, dass es ein ständiger Kampf ist, der oft auch an den Kräften zehrt.
Wie oft stoßen wir an unsere Grenzen, wenn wir persönlich angegriffen werden, oder wenn wir auch nur versuchen, uns für einen der geringsten Brüder einzusetzen.
Der Kampf eines einzelnen Menschen wäre zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen den Segen des Vaters, seine treue und führende Hand stärkt uns immer wieder aufs Neue, um bis zur Ankunft des Königs wachsam bleiben zu können.
Carmen Gallinger
Frage: Wo spüre ich im Alltag den Kampf zwischen menschlicher Schwäche und göttlicher Stärke – und wie lade ich Gott ein, mitten in diesem Ringen bei mir zu sein?
Andacht von Benedikt XVI
Nehmen wir dieses Segenswort, das der Menschensohn am Tag des Gerichts an diejenigen richten wird, die seine Gegenwart unter den Niedrigsten seiner Brüder erkannt haben, in ein freies und von Liebe zum Herrn erfülltes Herz auf!
Brüder und Schwestern, dieser Abschnitt aus dem Evangelium ist wirklich ein Wort der Hoffnung, denn der König des Universums ist uns ganz nahe gekommen, hat sich zum Diener der Geringsten und der Niedrigsten gemacht.
Faßt Mut! Jesus hat sich mit dem Geringen, mit dem Kranken identifizieren wollen; er wollte euer Leiden teilen und hat in euch Brüder und Schwestern gesehen, um euch von allem Übel, von allem Leiden zu befreien!
Jeder Kranke, jeder Arme verdient unsere Achtung und unsere Liebe, denn durch ihn zeigt Gott uns den Weg zum Himmel.
Benedikt XVI
Frage: Wo erkenne ich heute in meinem Leben die Gegenwart Christi unter den Geringsten und wie öffne ich mein Herz für seine Liebe in ihnen?
Die Schafe zur Rechten
Die Schafe, die gerettet werden sollen, sind die Menschen, die anderen halfen, Barmherzigkeit zeigten, die Menschen in Not nicht die kalte Schulter zeigten.
Unser Herr lobt sie nicht aufgrund ihrer vielen Gebete, sondern eher für ihre guten Taten. Natürlich ist das Gebet wichtig. Aber es ist nicht genug. Christus möchte, dass sich unsere Liebe zu ihm in der Liebe zu anderen widerspiegelt.
Seltsamerweise werden viele der Geretteten nicht bemerkt haben, dass es eigentlich Christus war, dem sie geholfen haben.
Sehe ich Christus in denen, die Hilfe brauchen? Sehe ich Christus in meinen Familienmitgliedern? Meinen Mitarbeitern? In dem fordernden Chef? In dem unbeliebten Klassenkameraden? In dem stinkenden Bettler?
Frage: Wie kann ich im Alltag achtsamer Christus in den Menschen um mich herum erkennen und lieben?
Vers 35 Hilfe in der Not
Mt 25,35: Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben.
Der Hunger
Neben der direkten Bedeutung (z.B. Suppenküchen, Tafeln) steht der Hunger für die Sehnsucht des Menschen.
Bei meinen Begegnungen mit Menschen im Alltag, versuche ich stets unter die Oberfläche zu schauen und zu erahnen, was ihn beschäftigt, wonach er sich sehnt. Häufig läuft es auf das Eine hinaus: Hunger nach Liebe, nach Zuwendung und Bestätigung.
Nach bestem Wissen und Gewissen versuche ich dann teilnehmende Worte zu geben, die aufrichten.
Gebe Gott dir stets ein mitfühlendes Herz, das den Hunger des anderen erspürt und die Weisheit zu wissen, wie wir darauf antworten
Frage: Wo in mir selbst spüre ich diesen Hunger – und wie kann ich ihn mit Liebe nähren?
Mt 25,35: Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Der Durst
Ähnlich wie der Hunger, so ist auch der Durst ein Bild für die tiefste Sehnsucht des Menschen, der Durst nach Liebe, nach Leben, nach Lebendigkeit.
Das Wasser, das Jesus uns zu trinken gibt, ist sein Geist. (Joh 4,13) Er will in uns zu einer Quelle werden, die in uns sprudelt, die uns davor bewahrt, innerlich zu vertrocknen.
Der wahre Durst des Menschen ist der Durst nach Liebe. Und dieser Durst wird nie allein von Menschen gestillt werden, sondern nur, wenn Gottes Liebe in uns einströmt und in uns zur Quelle der Liebe wird, die nie versiegt und die unabhängig ist von der Liebe, die wir gerade durch Menschen erfahren oder nicht erfahren.
Gott Segen begleite dich. Er lasse dich von der Quelle des heiligen Geistes trinken, damit auch du für andere eine Quelle wirst, an der andere sich gerne niederlassen.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Durst nach Liebe – und wie kann ich mich heute neu für Gottes Quelle in mir öffnen?
Mt 25,35: Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen.
Der Fremde
Abgesehen von der politischen Brisanz (Thema Flüchtlinge) hat dieses Werk auch eine große Bedeutung in deinem Allerlei des Alltags, denn auch hier kommst du selbst im engsten Umfeld immer wieder in Situationen, in denen dir der andere in seinem Verhalten und seiner Person fremd ist.
Die Griechen haben das gleiche Wort für Fremder und Feind. Damit dein Fremder oder das Befremdliche am anderen nicht zu deinem Feind wird, sondern zum Freund, ist deine Gastfreundschaft so wichtig, nicht nur die häusliche, sondern vielmehr die seelische, offen zu sein für das, was da fremd ist.
Denn fremd ist dir das, was du nicht verstehst. Der Fremde stellt dein eigenes Lebensgebäude in Frage. Er zeigt dir neue Weisen, wie du leben könntest. Er fordert dich zu neuem Verstehen heraus.
„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“ (Hebr 13,2).
Herr Jesus Christus lasse dich in seinem heiligen Herzen wohnen. Es ist der Wohnort von dem aus du offen auf den anderen zugehen kannst.
Frage: In welchen Momenten habe ich schon Fremdes oder Unbekanntes als Chance erlebt, mein Herz und meinen Geist zu öffnen?
Vers 36 Beistand bei Krankheit und Haft
Mt 25,36: Ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir Kleidung gegeben.
Der Kleidungslose
Ich arbeite ja mit sehr vielen Leuten zusammen. Im Großen und Ganzen klappt das auch gut. Dennoch: Konflikte gehören zum Tagesgeschäft. Bei dir bestimmt auch.
Nacktsein hat in Bezug auf menschliche Beziehungen einen tieferen Sinn. Die Gefahr ist immer, dass der Nächste bloßgestellt wird, Gerüchte verbreitet werden, schlecht gemacht wird.
Einen solchen Menschen zu schützen, das ist ein Werk der Barmherzigkeit. Anstatt mitzureden und mit dem Finger auf andere zu zeigen, über die das oder jenes geredet wird, braucht es Mut, diesen Menschen zu schützen, sich vor ihn zu stellen, für ihn Partei zu ergreifen, auch mit dem Risiko, selbst ins Kreuzfeuer der Kritik zu geraten.
Oh Heiliger Geist, der du in uns wohnst, gib uns Mut für andere einzutreten, mit dem anderen den schützenden Mantel zu teilen.
Frage: Wann habe ich zuletzt den Mut gehabt, jemanden zu schützen, ohne auf mein eigenes Ansehen zu achten?
Mt 25,36: Ich war krank, und ihr habt euch um mich gekümmert.
Der Kranke
Besuchen kommt im Deutschen von suchen. Es geht nicht um oberflächlichen Kontakt, sondern darum, dass sich zwei Seelen berühren, ja den anderen zu suchen, um ihn wirklich zu finden, Interesse am Anderen zu haben, nicht gleichgültig zu sein.
Im Griechischen (episkeptomai) und Lateinischen (visitare) liegt der Akzent auf dem Sehen, Betrachten und Überlegen. Ich frage mich, was den anderen bewegt, wie es ihm wirklich geht, und schaue ihn geschwisterlich an.
Im Nächsten, das wissen wir, begegnen wir dem Herrn selbst. Deshalb sollen und dürfen wir leben, indem wir nach bestem Wissen, so gut es uns eben gelingt, mit ganzem, echtem und authentischem Herzen dem Gegenüber zuwenden.
Frage: Wie kann ich heute bewusst jemandem begegnen, um seine Seele wirklich zu berühren?
Mt 25,36: Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.
Der Gefangene
Neben der Haft im Gefängnis können Menschen auf vielfältige Weise gefangen sein: Abhängigkeiten, Sucht, Zwänge, Verhaltensweisen, im eigenen Körper, in verhärteten Lebenshaltungen, zum Beispiel die Angst, die hemmt und blockiert und mich zum Rückzug drängt, oder die Depression, gefangen in einem dunklen Kerkerloch ohne Licht.
Den anderen hier ernst zu nehmen, ihn nicht zu beurteilen, sondern ihn in seiner Not zu verstehen, den Blick zu schärfen für solche "Gefangenen-Situationen", den Nächsten hier nicht alleine zu lassen – darauf kommt es an.
Und: Was wir geben – Zeit, Geld, Zuwendung, körperlicher Einsatz – bekommen wir vielfach in anderer Weise geheimnisvoll zurück: "Alle Ausgaben, die wir uns machen, um Arme zu speisen, Kranke zu pflegen, Gefangene loszukaufen oder irgendwelche andere derartige Werke zu vollbringen, bedeuten keine Verringerung unseres Besitzes, sondern eine Mehrung. Nie kann bei Gott verloren sein, was getreue Liebe geopfert hat." (Leo der Große).
Ja, es ist so: Das, was ich dem Heiland schenke, gibt er mir verklärt und neu zurück. Das erlebe ich immer wieder von Neuem.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich, dass ich selbst gefangen bin, und welche kleinen Schritte könnten mich ein Stück mehr ins Licht führen?
Vers 37-38 Frage der Gerechten
Mt 25,37: Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist, oder durstig, und haben dir zu trinken gegeben?
Mt 25,38: Wann haben wir dich als Fremdling gesehen und haben dich beherbergt, oder ohne Kleidung, und haben dich bekleidet?
Vers 39 Wann besuchten wir dich?
Mt 25,39: Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis, und sind zu dir gekommen?
Andacht von Pater Wons
Aus der Perspektive der Ewigkeit wird der Wert meines Lebens allein durch das Gute beurteilt werden, das ich getan habe. In jeder Hilfeleistung, die ich der andern Person geleistet habe, ist für mich Segen verborgen (v. 34-36).
Worin sehe ich momentan mein größtes Glück? Von welchen Kriterien lasse ich mich in meiner Lebensführung leiten?
Nach unserem Erdenleben werden wir von Gott gerichtet werden. Die Frage an uns wird lauten: Was hast du dem Nächsten Gutes getan?
Wir sind eingeladen, die Nöte unseres Mitmenschen nicht zu übersehen und Hilfeleistung ihnen gegenüber nicht zu unterlassen. Wie viel Gutes können wir doch heute tun durch ein gutes Wort, ein Lächeln, eine gute Tat!
Frage: Welches kleine oder große Gute könnte ich heute bewusst in die Welt bringen, um Segen zu sein?
Verwunderung
Dieses aber sagen sie nicht aus Mißtrauen gegen die Worte des Herrn, sondern aus Verwunderung über eine solche Erhöhung und über die Größe seiner Majestät. Oder weil ihnen das Gute gering vorkommt, welches sie taten. Goldene Perle
Vers 40 Getan an den Geringsten
Mt 25,40: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!
Das war ein wichtiger Leitsatz von Mutter Teresa von Kalkutta
Sie hat Jesus wirklich in jedem Einzelnen seiner Armen gedient und ihn geliebt.
Ich begegne jeden Tag unterschiedlichen Menschen – meiner Familie, Freunden und Bekannten, Kunden, meinen Vorgesetzten und auch vielen Fremden.
Wie wäre es, wenn ich in jeder Begegnung die Stimme Jesu hören könnte: Ich bin es!?
In unseren Brüdern, den Menschen, müssen wir Christus sehen, der uns in ihnen begegnet. Kein menschliches Leben ist isoliert, sondern jedes ist mit allen anderen verflochten.
Keiner ist wie ein bezugloser Vers, alle sind wir Teil ein und derselben göttlichen Dichtung, die Gott unter Mitwirkung unserer Freiheit verfasst.
Frage: Wie kann ich heute in meinen Begegnungen bewusst Christus in den Menschen erkennen, die mir begegnen?
Andacht von Charles de Foucauld
Man muss geben, um dem so oft wiederholten Gebot Gottes zu gehorchen; man muss geben, um ihm ähnlich zu werden, der so freimütig gibt, um Jesus ähnlich zu werden, der so viel gegeben hat.
Man muss geben, weil die Liebe Gottes uns dazu verpflichtet, unsere Liebe zu ihm auf die Menschen, seine geliebten Kinder, zu übertragen.
Man muss aus Güte geben, um diese Tugend, die man um ihrer selbst willen lieben muss, zu üben und zu pflegen, weil sie eine der Eigenschaften Gottes ist, eine der göttlichen Schönheiten, eine der Vollkommenheiten Gottes und folglich Gott selbst.
Aber das mitreißendste aller Motive, zu geben, das uns vor allem antreibt – obwohl jedes andere schon mehr als genug wäre –, ist, dass alles, was wir dem Nächsten tun, wir Jesus selbst tun.
Das ist der Grund, der unser ganzes Leben verändert, erneuert, der alle unsere Handlungen, Worte und Gedanken lenkt und leitet.
Charles de Foucauld
Frage: Wie kann ich heute bewusst die Liebe Gottes durch mein Geben in meinem Umfeld spürbar werden lassen?
Andacht von Faustina
O mein Jesus, du weißt, welcher Anstrengungen es bedarf, um ehrlich und aufrichtig mit denen zu sein, vor denen sich unser Wesen sträubt oder mit denen, die uns bewusst oder unbewusst Leid angetan haben.
Menschlich gesehen ist das unmöglich. In solchen Augenblicken bemühe ich mich mehr denn je, in der entsprechenden Person Jesus zu entdecken und diesem Jesus zuliebe tue ich für die entsprechenden Personen alles.
Wisse, wenn du irgendeiner Seele etwas Gutes tust, nimmt es Jesus an, als würdest du das für ihn selbst tun.
Faustyna
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben lernen, Jesus in den Menschen zu erkennen, die mir schwerfallen?
Der geringste Bruder
Wenn wir dieses Evangelium lesen, identifizieren wir uns wohl meistens mit den Schafen oder den Böcken, also denen, die das Reich erben, oder auch denen, denen es verwehrt wird.
Aber wie wäre es, sich ausnahmsweise einmal mit denen zu identifizieren, die Christus als seine geringsten Brüder bezeichnet?
Frage dich: Wann und wonach bin ich im Leben hungrig? Wann und wonach bin ich im Leben durstig? Wann fühle ich mich fremd, so als hätte ich keine Heimat, als gehörte ich nirgendwo dazu? Wann fühle ich mich nackt, entblößt, gedemütigt? Welche körperliche, psychische, seelische Krankheit oder Wunde muss ich tragen? Wo fühle ich mich gefangen in der Unveränderbarkeit der Umstände, in meiner eigenen Schwäche, in der Lieblosigkeit der Welt?
Genau in dieser Armut spricht Christus, der König, zu dir: „Dort bin ich eins mit dir! Dort bist du Abbild von mir. Dort bist du meine Gegenwart in der Welt.“
Nimm dir einen Moment Zeit und bitte den Herrn, dir seine Gegenwart in deinem Leid, in deiner Armut zu offenbaren. Vielleicht kann es dir helfen, dich in Gedanken unter sein Kreuz zu stellen und seinen Hunger, seinen Durst, seine Einsamkeit, seine Demütigung, seine Versehrtheit, seine Gefangenschaft zu betrachten.
Maria Boeselager
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich Christus in meiner eigenen Schwäche oder Armut begegnen?
Der Wert des geringsten Bruders
Das Gericht des Herrn wird als eines beschrieben, bei dem die Liebe betrachtet und beurteilt wird, die jeder Mensch Christus in der Schwäche seines Nächsten entgegengebracht hat.
Mit diesem Gedanken im Kopf, stellt sich nun folgende Frage: Was ist die Aufgabe und der Wert des Schwachen, des „geringsten Bruders“ in diesem Szenario? Er ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und dem Menschen. Ob die Menschen das verstehen oder nicht, sie lieben Christus selbst, wenn sie den Schwachen und Armen lieben.
Daraus folgt nun auch die Frage: Wie kommst du darauf, deine Schwäche und Armut zu verbergen? Warum schämst du dich deiner Schwäche, warum bittest du nicht um Hilfe? Vorenthältst du so nicht deinem Nächsten die Möglichkeit, Christus lieben und dienen zu können? Ist es nicht, als würdest du das an dir verstecken, was das Abbild des Gekreuzigten ist?
Maria Boeselager
Frage: Wie offen bist du bereit, deine eigene Verletzlichkeit zu zeigen, damit Liebe und Mitgefühl zwischen dir und anderen wachsen können?
Jesus im Nächsten sehen
Mutter Teresa betete sehr viel, um immer mit Glauben und Liebe erfüllt zu sein. Sie war durchdrungen von der Überzeugung, dass wir Jesus erstens im Allerheiligsten begegnen und zweitens in den Ärmsten der Armen, ja in jedem leidenden Mitmenschen. "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, hielt Mutter Teresa mitunter die fünf Finger einer Hand hoch. An fünf Fingern sei das ganze Evangelium abzuzählen: "You did it to me!" (Das hast du mir getan.)
Lernen wir von dieser heiligen Frau.
Joachim Richter
Frage: Wie kann ich heute in meinem Alltag die Gegenwart des Göttlichen in den Menschen um mich herum wahrnehmen und darauf mit Liebe reagieren?
Gebet
Komm, Heiliger Geist, und schenke mir die Gnade, meine Schwäche und Armut durch deine Augen zu sehen.
Stell mich unter das Kreuz, und hilf mir, mich in meinem Leid mit Christus zu vereinen.
Gekreuzigter König, ich bringe dir meinen Hunger, meinen Durst, meine Einsamkeit, meine Demütigungen, meine Wunden, meine Gefangenschaft. Offenbare mir darin diese geheimnisvolle Einheit mit dir und schenke mir Trost.
Ich bitte dich, schenke mir die Kraft und den Mut, meine Schwäche und Armut vor meinen Mitmenschen nicht zu verstecken und ihnen genau darin ein Geschenk, als Abbild des Gekreuzigten zu sein.
Wo es mir möglich ist, will ich heute bewusst Masken fallen lassen, die meine Schwäche und Armut verbergen sollen.
Und so will ich auf dich schauen, gekreuzigter Jesus, mich mit dir vereinen und meinen Mitmenschen dienen.
Maria Boeselager
Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich meine Verletzlichkeit offenbaren und darin eine Brücke zu anderen Menschen bauen?
Andacht von Karl Rahner
Überall dort, wo der Mensch in wirklicher personaler Freiheit sich dem Nächsten öffnet, hat er immer schon, weil das alles schon umfangen ist von der Gnade Gottes, mehr getan als bloß gerade diesen Nächsten geliebt.
Er hat den Nächsten geliebt, und er hat im Nächsten schon Gott geliebt.
Nach der Lehre des Christentums ist die Nächstenliebe nicht bloß ein Gebot, das erfüllt werden muss, sie ist nicht bloß eine der vielen Verpflichtungen des Menschen und des Christen, sondern der Vollzug des Christentums schlechthin.
Karl Rahner
Frage: In welchen Momenten meines Lebens öffne ich mich so sehr für andere, dass ich im Anderen schon das Göttliche erkennen kann?
Jesus im Nächsten begegnen
Gott erwartet uns in jedem Menschen, dem wir begegnen. Das allein ist Grund genug zur Dankbarkeit.
Zu wissen, dass der Herr jene Kollegen, Freunde oder Verwandten nicht nur liebt, sondern in ihnen gegenwärtig ist, ermutigt uns, das Antlitz Jesu Christi in ihnen zu suchen.
Unsere Mitmenschen sind ein Geschenk Gottes. Gott fordert uns auf, Liebe, Verständnis und Frieden zu säen, wo immer wir sind.
Die Anstrengung, die ein Akt der Nächstenliebe manchmal mit sich bringt, ist es wert. Sie vereint uns mit unserem Herrn.
Manchmal reicht schon ein einfaches Lächeln – oft verändert es den Tag derjenigen, die es empfangen.
Vergiss nicht, dass es manchmal einfach notwendig ist, frohe Gesichter um sich zu haben. Josefmaria
Frage: In welchem Moment heute könntest du bewusst die Gegenwart Gottes in einem anderen Menschen wahrnehmen und ihm dadurch Freude schenken?
Anwesenheit Christi in allen Menschen
Die Standespflichten sind ein hoher Gottesdienst. Vinzenz von Paul bringt es ins Wort, als er zu seinen Schwestern sagt: Wenn ihr in der Anbetung in der Kapelle seid und es an der Haustüre läutet, dann lasst Christus im Sakrament zurück, um zu Christus an der Türe zu eilen.
Es ist ein Ausdruck der Priorität, die er der konkreten Nächstenliebe beimisst, auch wenn dies bedeutet, die Anbetung Christi im Sakrament zu unterbrechen, um Christus in der Not eines anderen Menschen zu begegnen.
Diese Aussage unterstreicht einen wichtigen Aspekt der christlichen Spiritualität, der die Verbindung von Gottesdienst und Nächstenliebe betont. Es geht nicht darum, die Anbetung zu vernachlässigen, sondern vielmehr darum, die Anwesenheit Christi in allen Menschen zu erkennen und darauf zu reagieren.
Frage: Wie kann ich heute Christus in den Menschen um mich herum bewusst wahrnehmen und ihm in meinem Handeln begegnen?
Vers 41 Fluch für die Linken
Mt 25,41: Dann wird er auch denen zur Linken sagen: Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!
Die Böcke zur Linken
Es macht Angst, darüber nachzudenken, dass die Verlorenen nicht notwendigerweise „böse Menschen“ waren. In diesem Evangelium tadelt der Herr sie nicht dafür, dass sie Böses getan haben. Er klagt sie nicht dafür an, dass sie Kriege begonnen, mit Drogen gehandelt oder Terroranschläge verübt haben.
Er tadelt sie vielmehr für die Unterlassungssünde, für Dinge, die sie nicht getan haben. „Du hast mir nicht zu essen gegeben... Du hast mir keine Kleidung gegeben.“
Wir halten uns vielleicht für gute Christen, weil wir nicht bei unserer Steuererklärung betrügen, keine pornographischen Filme ansehen oder die Sonntagsmesse nicht verpassen. Aber Taten der Nächstenliebe sind der eigentliche Schlüssel. Wir sollten diese Dinge tun, ohne die anderen zu vernachlässigen.
Edward McIlmail
Frage: Wo in meinem Leben habe ich Möglichkeiten übersehen, Liebe und Mitgefühl zu zeigen, und wie könnte ich diese bewusst wahrnehmen?
Vers 42 Verweigerte Hilfe
Mt 25,42: Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben;
Ein neues Herz
Selbst wenn wir die Nöte des anderen wahrnehmen, fehlt uns oft der Ansporn zum Anpacken. Da spüren wir in uns immer wieder unseren Egoismus.
Wenn wir unseren Egoismus klein halten und besiegen wollen, müssen wir uns ganz bewusst dafür entscheiden. Und wir müssen den Herrn um seine Gnade bitten, um ein neues Herz.
Gott möchte uns ein Herz aus Fleisch geben und er will das Herz aus Stein aus unserer Brust nehmen (vgl. Ez 36,26).
Wenn Jesus so viele Kranke geheilt, Brot vermehrt und Toten das Leben zurückgeschenkt hat, dann kann er auch mir und dir ein liebendes Herz geben.
Raphael Ballestrem
Frage: Wie offen bin ich dafür, mein Herz bewusst von Egoismus zu lösen und es mit Liebe zu füllen?
Vers 43 Keine Aufnahme, kein Trost
Mt 25,43: ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt; ohne Kleidung, und ihr habt mich nicht bekleidet; krank und gefangen, und ihr habt mich nicht besucht!
Vers 44 Frage der Verdammten
Mt 25,44: Dann werden auch sie ihm antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder ohne Kleidung oder krank oder gefangen gesehen und haben dir nicht gedient?
Vers 45 Nicht getan am Geringsten
Mt 25,45: Dann wird er ihnen antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan!
Das hast du mir nicht getan
Dieser Satz hat mich immer im Herzen getroffen. Denn hier spüre ich, dass Jesus anders wahrnimmt als die meisten Menschen in der Kirche – auch einige Verkündiger. Ich würde nämlich verkünden: „Da hast du Böses getan“.
Aber Jesus traut uns viel mehr zu: „Da hast du das Gute nicht getan“. Gott geht es darum, dass wir aktiv Gutes tun und darin unseren Lebenssinn finden.
Und nicht aktiv Gutes zu tun, ist schon zu wenig. Den Traurigen nicht zu trösten, ist schon zu wenig. Dem Leidenden nicht zu helfen, ist schon zu wenig.
Was für ein Maßstab. Es ist der Maßstab der Liebe: Wer wirklich liebt, der tut Gutes, auch denen, die er nicht gut kennt; und sogar denen, die er nicht sympathisch findet.
Gott will von uns, dass wir aktiv Gutes tun. Und Unterlassung ist Sünde. „Ich bekenne, dass ich GUTES UNTERLASSEN HABE…“
Das traut uns Jesus zu. Mut, er gibt die Kraft dafür.
Was willst du heute Gutes tun? Entscheide dich! Er gibt die Kraft dazu.
Klaus Einsle
Frage: Welche kleinen Schritte könntest du heute bewusst tun, um Liebe in deinem Leben aktiv werden zu lassen?
Vers 46 Ewige Strafe vs. ewiges Leben
Mt 25,46: Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.
Eingehen in das ewige Leben
Es ist aber das ewige Leben unser höchstes Gut und das Endziel der Stadt Gottes. Dieses ist das ewige Leben, dass sie dich, den wahren Gott, erkennen.
Denn diese Anschauung wird uns als das Endziel all unserer Bemühungen und als die ewige Vollendung der Freuden verheißen, wovon Johannes sagt: Wir werden ihn sehen, wie er ist.
Frage: Wie verändert die Vorstellung, Gott wirklich zu erkennen, deine Perspektive auf dein eigenes Leben und deine täglichen Entscheidungen?