Mt 21, 1-11 Einzug in Jerusalem - Auslegung
Inhaltsverzeichnis
Vers 1 Einzug in Jerusalem
Mt 21,1: Als sie sich nun Jerusalem näherten.
Einzug in Jerusalem
Der Palmsonntag ist das große Portal, das uns in die Karwoche eintreten lässt. Mögen besonders zwei Grundstimmungen diese Tage beherrschen: der Lobpreis, wie bei denen, die Jesus in Jerusalem mit ihrem „Hosanna“ empfangen haben, und der Dank, weil Jesus uns in dieser Karwoche von neuem das denkbar größte Geschenk machen wird: Er wird uns sein Leben schenken, seinen Leib und sein Blut, seine Liebe.
Auf ein so großes Geschenk müssen wir in angemessener Weise antworten, das heißt mit dem Geschenk unserer selbst: unserer Zeit, unseres Gebetes, unseres tiefen, liebevollen Verbundenseins mit Christus, der für uns leidet, stirbt und aufersteht.
Die Kirchenväter haben ein Symbol in der Geste gesehen, die Mäntel vor dem Herrn auszubreiten: Vor Christus müssen wir unser Leben, unser ganzes Sein ausbreiten, in einer Haltung der Dankbarkeit und der Anbetung.
Frage: Wie kann ich in dieser Karwoche mein Leben bewusst vor Christus ausbreiten und ihm meine Zeit, Liebe und Hingabe schenken?
Beginn der Karwoche
Die Karwoche beginnt mit dem Einzug in Jerusalem, den wir am Palmsonntag feiern. Das ist keine historische Gedenkfeier, denn dieser Palmsonntag ist nichts Vergangenes, das wir nostalgisch sentimental schauspielerisch feiern, nein: wie der Herr damals auf dem Esel in Jerusalem einzog, so kommt er in der demütigen Gestalt von Brot und Wein immer neu zu uns.
Die Kirche begrüßt den Herrn in der heiligen Eucharistie als den, der jetzt kommt, der in ihre Mitte getreten ist. Und sie begrüßt ihn zugleich als den, der immerfort der Kommende bleibt und uns auf sein Kommen zuführt.
Wir gehen auf ihn zu. Er kommt uns entgegen.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens nehme ich die Gegenwart des Kommenden bewusst wahr und öffne mich ihm?
Vers 2-4 Auftrag der Jünger
Mt 21,2: Geht in das Dorf, das vor euch liegt, und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; die bindet los und führt sie zu mir!
Die bindet los und führt sie zu mir!
In Matthäus 21,2 sendet Jesus zwei Jünger in ein Dorf, um eine Eselin mit ihrem Fohlen zu holen. Dies geschieht vor seinem Einzug in Jerusalem, der als Erfüllung der Prophetie aus Sacharja 9,9 gedeutet wird: Der Messias kommt sanftmütig auf einem Esel.
Die Wahl des Esels betont Jesu Demut und seinen friedvollen Herrschaftsanspruch im Gegensatz zu weltlichen Königen, die auf Pferden in den Krieg zogen. Zudem zeigt die genaue Erfüllung der Prophezeiung Jesu göttliches Wissen und seine Souveränität über die Ereignisse.
Diese Stelle ruft Gläubige dazu auf, sich Jesus in Demut zu nähern und ihm gehorsam zu dienen, wie es die Jünger taten, indem sie seinen Auftrag ohne Zögern ausführten.
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Raum für Demut und vertrauensvollen Gehorsam gegenüber dem Göttlichen schaffen?
Mt 21,3: Und wenn euch jemand etwas sagt, so sprecht: Der Herr braucht sie!, dann wird er sie sogleich senden.
Mt 21,4: Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist, der spricht:
Vers 5 Sanftmütig auf dem Esel
Mt 21,5: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir demütig und reitend auf einem Esel, und zwar auf einem Füllen, dem Jungen des Lasttiers.
Jesus ist mein König
Der Einzug auf einem Esel unterstreicht Jesus königlichen Anspruch, ein Königtum, das ganz anders ist: bescheiden und demütig. Jesus Weg führt ans Kreuz: Der Esel ist ein Lasttier. Jesu Weg ist ein schwerer Weg. Glauben bewahrt nicht vor Problemen, auch nicht vor Leid! Dennoch: Wer seine Last mit Jesus trägt, wird spüren, dass er zugleich Kraft zum Tragen schenkt.
Jesus kommt zum Menschen durch mich: Lass mich dein Esel sein, Christus, auf dem du zu all diesen Menschen kommst.
Bischof Helder Camâra
Frage: Welche Last könnte ich heute vertrauensvoll in Jesu Hände legen, um selbst zu spüren, wie Kraft daraus erwächst?
Vers 6 Gehorsam der Jünger
Mt 21,6: Die Jünger aber gingen hin und taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte,
Gehorsam
Die Jünger handeln im Vertrauen, ohne Fragen zu stellen. Ihr Gehorsam verdeutlicht das Prinzip des Glaubens: Gottes Wege sind nicht immer sofort verständlich, aber Vertrauen führt zum Segen.
Für Christen heute bedeutet dies, dass echter Glaube sich in Gehorsam gegenüber Christus ausdrückt, auch wenn Gottes Pläne nicht immer sofort erkennbar sind.
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich lernen, Gott mehr zu vertrauen, auch wenn ich den Weg noch nicht vollständig verstehe?
Vers 7 Esel und Fohlen gebracht
Mt 21,7: und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider auf sie und setzten ihn darauf.
Wir sollen wie der Esel sein
Wir sollen wie der Esel sein, der Christus trägt. Der Esel ist kein edles Tier, aber er erfüllt treu seine Aufgabe. Auch wir sind oft unscheinbar oder schwach, doch Gott möchte uns gebrauchen, um Christus in die Welt zu tragen.
Wenn wir Jesus dienen, liegt unsere Würde nicht in uns selbst, sondern darin, wen wir tragen. Der Esel steht für Demut, Verfügbarkeit und stille Treue. In ihm können wir uns selbst sehen: berufen, Jesus zu tragen – in unseren Worten, Taten und unserem Leben.
So wird unser Alltag zum heiligen Weg, auf dem Christus sichtbar wird.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich still und demütig Christus tragen, ohne dass es jemand außer Gott sieht?
Vers 8 Kleider auf dem Weg
Mt 21,8: Aber die meisten aus der Menge breiteten ihre Kleider aus auf dem Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
Ausgebreitete Kleider
Für uns als geistliche Handlung bedeutet die Geste des Ausbreitens der Kleider folgendes: Wir dürfen und sollen unser Leben, unser ganzes Sein vor ihm ausbreiten. Auf das Geschenk seiner Lebenshingabe antworten wir mit dem Geschenk unserer selbst: unserer Zeit, unseres Gebetes, unseres tiefen, liebevollen Verbundenseins mit Christus, der für uns leidet, stirbt und aufersteht.
Das Ausbreiten der Kleider war weiter die traditionelle Gebärde der Inthronisation des Königs. Jesus ist und kommt als König. Breite täglich neu dein Leben vor unserem König aus!
Frage: Welche Aspekte meines Lebens darf ich heute bewusst vor Christus ausbreiten, um ihm mein tiefstes Selbst zu schenken?
Vers 9 Hosanna dem Sohne Davids
Mt 21,9: Und die Volksmenge, die vorausging, und die, welche nachfolgten, riefen und sprachen: Hosianna dem Sohn Davids! Gepriesen sei der, welcher kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
Hosianna
Der Herr billigt es, dass die Kinder Hosanna dem Sohne Davids singen. Er will also, dass wir Ihn preisen.
Es genügt Ihm nicht, dass wir Ihm danken, Ihn um Verzeihung, um Gnade bitten: die drei Worte: „Danke, Verzeihung, Herr, hilf!“ sind zwar unerlässlich und müssen uns allezeit im Herzen und auf den Lippen sein; sie genügen indessen nicht, um so zu beten, wie wir beten sollen.
Wir sollen ihn auch loben. Loben heißt, seine Bewunderung und damit seine Liebe ausdrücken; denn die Liebe ist unzertrennlich mit einer großen Bewunderung verbunden.
Gott loben heißt, sich zu seinen Füßen in Worten der Bewunderung und Liebe verströmen, heißt, Ihm in allen Formen immer wieder sagen, dass Er unendlich vollkommen, unendlich liebenswert ist, dass Er unendlich geliebt wird, dass seine Schönheit ebenso grenzenlos ist wie unsere liebende Bewunderung.
Charles de Foucauld
Frage: Wie kann ich heute in meinem Leben Momente finden, in denen ich Gott nicht nur danke, sondern Ihn aus tiefster Bewunderung und Liebe lobe?
Die Erwartungen der Jünger
Am Anfang verstehen die Jünger vielleicht nicht, warum Jesus um eine Eselin und ihr Fohlen bittet. Aber als die Gefährten oben auf dem Ölberg ankommen und auf einmal vom Glanz des gegenüberliegenden Tempels geblendet werden, als sie den Jubel der Menschenmengen und die erhobenen Palmzweige sehen, fängt ihr Herz wie wild zu schlagen an.
Vielleicht würde Petrus sogar gern nach vorne laufen und "Macht Platz für den Sohn Davids!" rufen. Aber es ist gar nicht nötig. Die Menschen selbst, die von Lazarus und all den anderen Wundern gehört haben, heißen Jesus in triumphaler Weise willkommen.
Die alte Prophezeiung ist endlich erfüllt: "Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Benoît Terrenoir
Frage: Welche Prophezeiungen oder Zeichen in deinem eigenen Leben spürst du als Wegweiser auf deinem spirituellen Weg?
Vers 10 Erregung in der Stadt
Mt 21,10: Und als er in Jerusalem einzog, kam die ganze Stadt in Bewegung und sprach: Wer ist dieser?
… erbebte die ganze Stadt
Wer ist nicht bewegt, einen Gott zu sehen, der sich uns auf ganz einfache Weise als König vorstellt? Wer sind wir, dass wir dieses große Geschenk verdienen?
Christus lehrt uns, dass der Weg zur Ausbreitung seines Reiches der einfachste ist: so zu sein, wie wir sind, unsere Kleinheit zu akzeptieren und uns von ihm verwandeln zu lassen.
Christus kommt in Einfachheit gekleidet, also müssen wir in all den gewöhnlichen Momenten unseres Lebens aufmerksam sein, denn Christus geht vorbei. Und wenn wir einfache Augen haben, werden wir in der Lage sein, ihn zu erkennen, in welcher Form auch immer er kommt.
Sebastian Jasiorkowski
Frage: In welchen alltäglichen Momenten öffnest du dein Herz, um das Göttliche zu erkennen?
Vers 11 Jesus, der Prophet aus Nazareth
Mt 21,11: Die Menge aber sagte: Das ist Jesus, der Prophet von Nazareth in Galiläa!
Das ist Jesus, der Prophet von Nazareth in Galiläa
Diese Aussage zeigt, dass das Volk Jesus als von Gott gesandten Propheten anerkennt, aber seine wahre Identität als Messias und Sohn Gottes noch nicht vollständig versteht. Die Menge preist ihn mit „Hosianna“ (V. 9), doch ihre Vorstellung vom Messias ist oft politisch geprägt. Sie erwarten einen Befreier von der römischen Herrschaft, nicht unbedingt den leidenden Gottesknecht.
Dieser Vers unterstreicht auch die Bedeutung Nazareths: Jesus stammt aus einer unscheinbaren Stadt, was zur Erfüllung prophetischer Aussagen (z. B. Jesaja 53) über den demütigen Ursprung des Messias passt.
Frage: In welchen Bereichen deines Lebens erkennst du vielleicht Gottes Wirken, auch wenn du seine Pläne noch nicht vollständig verstehst?