Mt 11, 25-27 Lobpreis des Vaters
Inhaltsverzeichnis
Mt 11, 25 Lobpreis des Vaters
Mt 11,25: Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast!
Mt 11:25: Danach sprach Jesus das folgende Gebet: O Vater, Herr des Himmels und der Erde, ich danke dir, dass du die Wahrheit vor denen verbirgst, die sich selbst für so klug und weise halten. Ich danke dir, dass du sie stattdessen denen enthüllst, die ein kindliches Gemüt haben.
Was sagt uns Jesu Gebet über Gott und über uns selbst?
Zunächst sagt es uns, dass Gott sowohl Vater als auch Herr der Erde und des Himmels ist. Er ist Schöpfer und Urheber all seiner Schöpfung, der erste Ursprung von allem und höchste Autorität. Gleichzeitig erweist er all seinen Kindern liebevolle Fürsorge und Güte. Alle Vaterschaft und Mutterschaft leitet sich von ihm ab (Epheser 3,14-15).
Stolz und maßlose Selbstliebe
Jesu Gebet enthält auch die Warnung, dass Stolz uns von der Liebe und Erkenntnis Gottes fernhalten kann.
Was macht uns unwissend und blind für die Dinge Gottes? Sicherlich intellektueller Stolz, Herzenskälte und Sturheit des Willens schließen Gott und sein Reich des Friedens, der Freude und der Gerechtigkeit aus.
Stolz ist die Wurzel allen Übels und der stärkste Einfluss, der uns zur Sünde treibt. Er besiegt zuerst das Herz und macht es kalt und gleichgültig gegenüber Gott. Es verschließt auch den Geist für Gottes Wahrheit und Weisheit für unser Leben.
Was ist Stolz? Es ist die übermäßige Selbstliebe auf Kosten anderer und die übertriebene Wertschätzung der eigenen Bildung und Bedeutung.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich Stolz, der mich von Gottes Liebe trennt, und wie kann ich mein Herz öffnen?
Einfachheit des Herzens
Jesus stellt intellektuellen Stolz der kindlichen Einfachheit und Demut gegenüber. Die Einfachen im Herzen sind wie „Kinder“ in dem Sinne, dass sie rein und ohne Vortäuschung sehen und ihre Abhängigkeit sowie ihr Vertrauen in den Größeren, Weiseren und Vertrauenswürdigeren anerkennen. Sie suchen eines – das „Summum Bonum“ oder das größte Gut, das Gott selbst ist.
Einfachheit des Herzens ist stets mit Demut verbunden, der Königin der Tugenden, denn Demut neigt das Herz zu Gnade und Wahrheit. So wie Stolz die Wurzel aller Sünde und des Bösen ist, so ist Demut der einzige Boden, in dem die Gnade Gottes Wurzeln schlagen kann. Nur sie schafft die richtige Haltung gegenüber Gott und erlaubt ihm, als Gott, alles zu wirken.
Gott widersteht den Stolzen, aber den Demütigen schenkt er Gnade (Sprüche 3,34; Jakobus 4,6). Nur wer im Herzen demütig ist, kann wahre Weisheit und Verständnis für Gott und seine Wege erlangen.
Frage: Wie könntest du in deinem Alltag dein Herz bewusst für Gottes Gnade öffnen und dich ihm in Einfachheit und Demut anvertrauen?
Andacht von Spurgeon
Es war des Herrn Jesu Gewohnheit und Leben, mit Seinem Vater zu reden. Und wie dies mit dem Herrn Jesus auf der Erde der Fall war, so sollte es auch mit uns der Fall sein. Darum wollen wir uns die wichtige Lehre aneignen, die sich aus dem angeführten Beispiel aus dem Leben Jesu für uns ergibt.
Möchten auch wir diesen stillen Herzensumgang mit dem Vater pflegen und Ihm oft antworten! Welch ein Vorrecht ist doch die innige Gemeinschaft unserer Seelen mit dem Vater! Es ist ein Geheimnis, das der Welt verborgen ist und eine Freude, von welcher selbst der nächste unserer Freunde nichts weiß.
Frage: Wie oft nehme ich mir bewusst Zeit, um in stiller Begegnung mit Gott zu sein und Seine Gegenwart in meinem Herzen zu spüren?
Jesus preist den Vater
Zu Beginn dieser Bibelstelle kann Jesus nicht anders, als den Vater zu preisen. Das Lob ist die Gebetsform, die am unmittelbarsten Gott anerkennt. Das Lob besingt Gott um seiner selbst willen. Es erweist ihm Ehre, nicht nur wegen seiner Taten, sondern weil er ist (KKK 2639); weil er unendlich groß, liebevoll, barmherzig, geduldig, mächtig ist.
Welchen Teil nimmt der Lobpreis in meinem Gebet ein? Wie sehr muss es Gott gefallen, wenn wir ihn loben und preisen, weil er ist, wie er ist.
Mathias Reimer
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich die Größe Gottes am deutlichsten, und wie kann ich sie in meinem Alltag mit Lob und Dankbarkeit ausdrücken?
Gott preisen
Wie schön ist es, den Herrn zu preisen! Jesus dankt seinem Vater aus ganzem Herzen. Er lobt und preist ihn für seine Güte, seine Weisheit und seine Liebe.
Wann habe ich Gott zum letzten Mal gepriesen? Ich möchte einstimmen in das Lob Jesu. Es tut unwahrscheinlich gut, Gott zu preisen; seine Größe, seine Fürsorge, seine Barmherzigkeit zu loben. Es macht uns frei von uns selbst und richtet unseren Blick auf das Wichtige.
Magdalena Sczuka
Frage: In welchen Momenten meines Lebens spüre ich besonders die Einladung, Gott aus tiefstem Herzen zu preisen, und wie verändert dies meine Sicht auf mich selbst und andere?
Ein Herz der Liebe
Wie schön sind diese Zeilen, in denen Jesus zu seinem Vater spricht! Da erscheint so deutlich diese kindliche Liebe Jesu zu seinem Papa. Er kennt seinen Vater durch und durch und liebt ihn unendlich.
Das bringt ihn dazu, ihn ganz spontan vor den Jüngern zu loben. Er bemerkt, wie gegenwärtig sein himmlischer Vater in seinem Leben ist.
Diese gegenwärtige Liebe ist das Fundament, auf das Jesus sein ganzes Leben baut. Jesus erfährt tief in seinem Herzen die Liebe des Vaters.
Diese Erfahrung lässt in seinem eigenen Herzen die gleiche Liebe auflodern. Welch ein schönes Herz Jesus hat, so voller Liebe!
Frage: Wie erlebst du die Gegenwart und Liebe Gottes in deinem eigenen Leben?
Du hast all das den Unmündigen offenbart
In der deutschen Übersetzung heißt es „Unmündige“, was ziemlich negativ klingt. Im Englischen sind es „little children“ (kleine Kinder), denen sich Gott offenbart, im Französischen „les tout-petits“ (Kleinkinder), im Spanischen „los más pequeños“ (die Kleinsten), im Polnischen „ludziom prostym“ (den einfachen Menschen).
Es sind die Kleinen, die Einfachen, die Kinder, denen sich Jesus offenbaren möchte. Wenn ich bete, mit ihm spreche, darf ich also einfach sein; dann bin ich eingeladen, meine Masken, die ich mir als Erwachsener aufgesetzt habe, abzulegen, und einfach Kind zu sein vor Ihm.
Frage: Welche Masken halte ich noch fest, die mich daran hindern, mein inneres Kind in der Gegenwart Gottes zu spüren?
Das Verborgene
„…weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.“
Wenn wir alles mit unserer menschlichen Vernunft verstehen und erklären wollen, bleibt dann kein Raum mehr dafür übrig, dass Gott sich dem Herzen offenbaren kann. Ein Raum ist nur empfänglich, wenn es dort Platz und eine gewisse Leere gibt.
Gott will ins Herz, ins Verborgene eintreten. Selbstgerechtigkeit und Hochmut nehmen Gott diesen Platz weg. Wenn wir ehrlich sind, möchten wir doch oft, dass Gott sich an unsere Weisheit und unsere Gerechtigkeit anpasst, oder?
Ilona Kies
Frage: Welche inneren Leerstellen in mir könnten ich bewusst freimachen, damit etwas Größeres ins Herz eintreten kann?
Den Unmündigen geoffenbart
Unmündigkeit meint hier Demut. Die Demut, sich selbst nicht für so „weise und klug“ zu halten, dass man meint, Gott nicht zu brauchen und allein zurechtzukommen. Uns wird hiermit eine positive Haltung der einfachen Offenheit vorgeschlagen. Die Offenheit, uns von Gott beschenken zu lassen. Anzunehmen, was aus seiner Hand kommt. Ihn sich uns offenbaren zu lassen. Mathias Reimer
Zur Demut
Oft geht es im geistlichen Leben nicht darum, Neues zu entdecken, sondern unser Fundament zu vertiefen. Genau dazu lädt uns Christus heute ein.
Was ist die Grundlage unserer Beziehung zu Gott? Die Demut. Echte, authentische Demut. Die tiefe Erkenntnis, dass Gott allein Gott ist und nicht ich.
Demut ist die Grundlage, auf die alles aufbaut. Im Gegensatz dazu wurde Stolz schon durch die ganze Kirchentradition hindurch als Wurzel aller Sünde identifiziert. Hinter jeder Sünde steht letztlich versteckt die stolze Annahme, dass ich—und nicht Gott—weiß, was das Beste für mich ist.
In welchen Bereichen meines Lebens regiert noch mein eigener Stolz? Wo meine ich, dass ich es besser weiß und Gott eigentlich gar nicht brauche?
Nils Benedikt Schäfer
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich heute einen Schritt in echte Demut wagen und mich Gottes Führung anvertrauen?
Frei sein zu empfangen
Demut macht uns letztlich frei, alles von Gott als Geschenk zu empfangen. Genau dazu lädt uns Christus im Evangelium ein.
Oft sind es die Weisen und Klugen, denen die tiefe Schönheit des Glaubens verborgen bleibt, weil sie meinen, sie könnten sie selbst erkennen. Die Kleinen jedoch wissen, dass sie echte Herzenserkenntnis nicht aus eigener Kraft erlangen, sondern nur als Geschenk empfangen können.
Wie es in den Psalmen heißt: Gott verbirgt sich vor den Stolzen und offenbart sich den Demütigen. Das ist ein grundlegendes Gesetz des geistlichen Lebens. Je demütiger ich bin, desto mehr erkenne ich Gott und empfange seine Freude im Heiligen Geist.
Je stolzer und unabhängiger ich bin, desto weniger Raum gebe ich Gott, um in mir zu wohnen und zu wirken.
Nils Benedikt Schäfer
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich mehr Demut zulassen, um die Gegenwart Gottes tiefer zu erfahren?
Mt 11, 26 Gottes gnädiger Wille
Mt 11,26: Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir.
So ist es wohlgefällig gewesen vor dir
Diese Worte folgen seiner Danksagung an Gott, dass er die göttlichen Wahrheiten den „Unmündigen“ offenbart, während sie den Weisen verborgen bleiben.
Diese Stelle betont Gottes souveränen Willen. Jesus akzeptiert und preist Gottes Entscheidung, den Demütigen Einsicht zu schenken.
Es ist eine Einladung zur kindlichen Offenheit und Abhängigkeit von Gott, anstatt sich auf eigene Weisheit zu verlassen. Theologisch verweist der Vers auf Gottes gnädiges Handeln, das nicht durch menschliche Leistung verdient wird.
Wer sich wie ein Kind Gott anvertraut, erfährt seine Offenbarung. Dies steht im Einklang mit Jesu Botschaft: Demütige werden erhöht, Stolze erniedrigt.
Frage: Wie kannst du heute deine Haltung öffnen, um Gottes Weisheit und Führung auf eine demütige, kindliche Weise zu empfangen?
Mt 11, 27 Offenbarung durch den Sohn
Mt 11,27: Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater; und niemand erkennt den Vater als nur der Sohn und der, welchem der Sohn es offenbaren will.
Vater und Sohn sind eins
Dadurch, dass er allein den Vater kennt, gibt er zu verstehen, dass er gleichen Wesens mit ihm sei, als wollte er sagen: Wie soll man sich wundern, wenn ich der Herr von Allem bin, da ich etwas Größeres habe? Nämlich den Vater zu kennen und gleichen Wesens mit ihm zu sein. Goldene Perle
Und der, dem es der Sohn offenbaren will
Die Kenntnis vom Vater ist das höchste Gut, das der Mensch besitzen kann, weil sie der tiefsten Sehnsucht im menschlichen Herzen nach Glück entspricht.
Der heilige Thomas von Aquin sagt uns, dass Glück die Erkenntnis ist, dass wir das Gut besitzen, das wir suchen. Wir nennen die vollkommene Kenntnis des Guten, das wir besitzen, „Himmel”, der unser letztes Ziel in unserem Leben ist.
Wem würde Jesus den Vater nicht offenbaren wollen? Gab es jemals einen Menschen, dem Jesus nicht wünschte, den Vater zu kennen und im Himmel zu sein? Die Taten Jesu ‐ seine Predigten, seine Opfer und sein Tod am Kreuz ‐ zeigen, dass er den Vater jedem offenbaren will.
Doch gefällt es ihm, Sie und mich auszuwählen, ihm dabei zu helfen, dieses Ziel zu erreichen. Wünschen wir uns wirklich, dass jeder den Vater kennt und in den Himmel kommt? Unser Handeln wird bereits diese Frage für uns beantworten.
Shawn Aaron
Frage: Wie offen bin ich dafür, den Vater in meinem eigenen Leben zu erkennen und andere auf diesem Weg liebevoll zu begleiten?
Andacht von Irenäus von Lyon
Der Herr lehrte uns, dass niemand Gott kennen kann, wenn Gott ihn nicht belehrt; anders gesagt: Wir können Gott nicht ohne Gottes Hilfe erkennen. Es ist aber der Wille des Vaters, dass wir ihn erkennen.
Der Sohn dient vom Anfang bis zum Ende dem Vater, und ohne ihn kann niemand Gott erkennen. Denn die Erkenntnis des Vaters ist der Sohn.
Deshalb sagt der Herr: „Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren wird.“ Die Formulierung „offenbaren wird“ bezieht sich nicht nur auf die Zukunft, so als hätte das Wort erst begonnen, den Vater zu offenbaren, nachdem es aus Maria geboren war. Die Formulierung hat vielmehr eine allgemeine Bedeutung und bezieht sich auf die gesamte Zeit.
Von Anfang an offenbart der Sohn, der in der Schöpfung, die er selbst geschaffen hat, gegenwärtig ist, den Vater allen, denen der Vater sich offenbaren will, und zwar wann er will und wie er will. In allem und durch alles gibt es nur einen Gott Vater, ein göttliches Wort, einen Geist und ein Heil für alle, die an ihn glauben.
Der Sohn offenbart den Vater all jenen, von denen der Vater erkannt werden will, „so wie es ihm gefällt“. Deshalb sagte der Herr zu seinen Jüngern: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
Frage: Welche Wege, die der Sohn uns zeigt, öffnen dir persönlich heute die Tür, den Vater in deinem Leben zu erkennen?
Andacht von Cyrill von Jerusalem
Glauben musst du an den einen und einzigen Sohn Gottes, unsern Herrn Jesus Christus, Gott, erzeugt aus Gott, Leben, erzeugt aus dem Leben, Licht, erzeugt aus dem Lichte. Ähnlich ist er in allem dem Erzeuger.
Nicht in der Zeit hat er das Sein erhalten, sondern vor aller Ewigkeit ist er ewig vom Vater in unfassbarer Weise geboren worden. Er ist die Weisheit Gottes und die persönliche, wesenhafte Kraft und Gerechtigkeit.
Er sitzt zur Rechten des Vaters vor aller Ewigkeit. Denn nicht ist er, wie einige geglaubt haben, nach seinem Leiden gewissermaßen von Gott gekrönt worden, nicht hat er wegen seiner Geduld den Thron zur Rechten erhalten, sondern seitdem er ist – er ist aber ewig erzeugt –, hat er die königliche Würde und thront mit dem Vater, da er, wie gesagt, Gott, Weisheit und Kraft ist.
Er regiert zugleich mit dem Vater und hat alles um des Vaters willen erschaffen. Nichts fehlt ihm zur göttlichen Herrlichkeit. Er kennt den Erzeuger, wie er vom Erzeuger gekannt wird.
Um es kurz zu sagen, denke an das Wort, das in den Evangelien geschrieben ist: „Niemand kennt den Sohn außer der Vater, und niemand kennt den Vater außer der Sohn“ (Mt 11,27).
Cyrill von Jerusalem
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben die tiefe Verbundenheit mit dem Göttlichen spüren, die jenseits von Zeit und Raum existiert?