Mt 10, 1-15 Berufung und Sendung der Apostel
Inhaltsverzeichnis
Vers 1 Vollmacht der Zwölf
Mt 10,1: Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister, sie auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.
Zum Abschnitt Mt 10,1-15
Matthäus 10,1-15 beschreibt die Aussendung der zwölf Apostel. Jesus gibt ihnen Vollmacht über unreine Geister und Krankheiten.
Er sendet sie zunächst nur zu den verlorenen Schafen Israels, um das nahe Reich Gottes zu verkünden. Ihre Mission soll in völliger Abhängigkeit von Gott geschehen – ohne Geld oder Vorräte.
Jesus fordert sie auf, in würdigen Häusern zu bleiben und den Frieden dorthin zu bringen. Falls eine Stadt sie ablehnt, sollen sie den Staub von ihren Füßen schütteln – ein Zeichen des Gerichts.
Die Passage betont Vertrauen auf Gottes Versorgung, die Ernsthaftigkeit der Botschaft und die Konsequenzen der Ablehnung. Sie zeigt, dass Nachfolge und Mission mit Entbehrungen, aber auch mit göttlicher Autorität verbunden sind.
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben den Ruf, ganz auf Gottes Führung zu vertrauen, auch wenn Unsicherheit oder Ablehnung droht?
Jesu Besitz sein
Wie schön klingt dieses Detail in der Heiligen Schrift, wo es heißt, dass Jesus zu "seinen" und nicht zu "den" Aposteln sprach.
Hier wird unterstrichen, was die Quelle der Freude eines jeden Christen ist. Wir gehören ihm.
Inmitten einer Welt, wo Rebellion und Unabhängigkeit als Schlüssel zum Glück, zur Freiheit verkündet werden, erfahren wir doch immer wieder, dass der wahre Schlüssel zur Freiheit und zum tiefen Glück die Hingabe an Christus und das Vertrauen auf ihn sind.
Fabiola Marton
Frage: In welchen Momenten spüre ich, dass wahre Freude und Freiheit aus meiner Verbundenheit mit Christus entstehen?
Jesus rief seine zwölf Jünger
Jesus kennt die Seinen und vertraut ihnen. Er ruft sie zusammen, um ihnen einen Auftrag zu geben.
Jeder einzelne dieser Jünger hat eine eigene Persönlichkeit. Jeder ist einzigartig in seinem Charakter, in seinem Wesen und in der Beziehung, in der er zu Jesus steht.
Wie stehe ich in meiner Beziehung zu Jesus? Habe ich auch schon einmal vernommen, dass er mich gerufen hat? Wie habe ich darauf geantwortet?
Auch heute ruft Jesus noch die Menschen in seine Nachfolge und beruft Apostel für die Welt. Bin ich mir dessen bewusst?
Svenja Nonnenmacher
Frage: Welche leisen Einladungen von Jesus spüre ich in meinem Leben, und wie reagiere ich darauf?
Er gab ihnen Vollmacht
Das Wirken kommt von Gott. Diese Stelle aus dem Evangelium vermittelt uns ein paar grundlegende Prinzipien des geistlichen Lebens und des Lebens im Glauben.
Das erste Prinzip: Die Kraft kommt von Gott. An sich sind die Apostel einfache Menschen – Fischer, Zöllner, Berufstätige. Sie haben keine Wunderkräfte. Aber Jesus verleiht ihnen diese Vollmachten. Von nun an werden sie Dämonen austreiben, Krankheiten heilen, ja sogar Tote wieder lebendig machen. Diese Kraft und Vollmacht kommt allein von Gott.
Das ist eine wichtige Lehre: Wollen wir im Reich Gottes etwas bewirken, werden wir das nie aus eigener Kraft tun, sondern immer nur, wenn Gott uns dazu bevollmächtigt.
Klaus Einsle
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die Kraft Gottes, die über meine eigene Stärke hinaus wirkt?
Das Geschenk der Gemeinschaft
Um seiner Sendung Breitenwirkung zu geben, beruft Jesus Apostel, das heißt, Botschafter. Dass er genau zwölf Apostel beruft, deutet an, dass er aus ihnen ein neues Volk schaffen will, das ihm gehört, so wie das Volk Israel aus zwölf Stämmen besteht.
Dieses neue Volk ist die katholische, also allumfassende, apostolische, das heißt, auf die zwölf Apostel zurückgehende Kirche. Er beruft die Apostel nicht als Einzelkämpfer, sondern er will eine Gemeinschaft.
So wie Gott in seiner Dreifaltigkeit in sich Gemeinschaft ist, so schafft er auch den Menschen als Gemeinschaft – Mann und Frau und das gemeinsame Kind, das aus ihrer Liebe entsteht. Und auch der Weg zurück zur himmlischen Heimat beim dreifaltigen Gott wird in Gemeinschaft gegangen, im Gottesvolk der Kirche.
Man kann nicht allein glauben. Und wer glaubt, ist nie allein. Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie dankbar bin ich für die kirchliche Gemeinschaft?
Frage: In welcher Weise erlebe ich selbst die Verbindung zu meiner geistlichen Gemeinschaft und wie nährt sie meinen Glauben?
Berufene und Boten
Die Sendung von Jüngern zu den Menschen, das Weitersagen der Heilsbotschaft, ist ein Herzensanliegen Jesu. Bis in unser Heute setzt sich diese Sendung bei uns fort. Wir sind als Boten des Evangeliums unterwegs.
Bevor wir allerdings Boten sind, sind wir wie damals die Apostel Berufene, berufen bei Jesus zu sein, mit ihm zu gehen und von ihm zu lernen. Wer im Namen Jesu Bote des Evangeliums sein will, der muss zuerst mit Jesus leben, der muss immer wieder auf ihn schauen und von ihm lernen.
Nur so ist es möglich, Gesandter Jesu Christi zu sein, Sprachrohr seiner Botschaft, Bote seiner Liebe und Werkzeug seines Friedens. Jesus rief nicht nur die Zwölf. Er gab ihnen auch die Macht, das zu tun, wozu er sie berufen hatte. Dasselbe Prinzip gilt auch heute noch: Wen Gott beruft, den rüstet Gott aus. Die Ausrüstung mag vor Beginn des Dienstes nicht vollständig offensichtlich sein, aber sie wird auf dem Weg offensichtlich sein.
Frage: Wo spüre ich persönlich die Berufung, die Liebe und die Führung Jesu in meinem eigenen Leben?
Vers 2 Namen der Apostel
Mt 10,2: Die Namen der zwölf Apostel aber sind diese: der erste Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes.
Beim Namen gerufen
Gott, ich sehe, dass du die Apostel beim Namen rufst.
Ich glaube dir, dass du auch mich beim Namen gerufen hast und mir heute wieder einen Auftrag gibst.
Öffne meine Ohren für das, was du mir sagen willst.
Ich möchte meinen Alltag so gestalten, dass ich ihn für dich lebe.
Dorit Wilke-Lopez
Frage: In welchen Momenten meines Tages kann ich bewusst wahrnehmen, dass Gott mich persönlich anspricht?
Apostel Andreas
Andreas war der Bruder des Simon Petrus und wie dieser von Beruf Fischer. Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief. Zuvor war er Anhänger Johannes des Täufers.
Er starb als Märtyrer auf folgende Weise: In Patras heilte Andreas nach der Überlieferung Maximilla, die Frau des Statthalters Ägeas, und bekehrte sie zum Christentum. Er riet ihr zu ehelicher Enthaltsamkeit. Daraufhin, dem Statthalter gegenübergestellt, konnte er diesen in einer ausführlich berichteten Disputation nicht vom Christentum überzeugen.
Der Statthalter ließ Andreas geißeln und zu besonderer Pein und langsamem Tod an ein X-förmiges Kreuz binden. Zwei lange Tage hängend, predigte Andreas dem Volk.
Frage: Welche Haltung oder innere Stärke könnte ich aus der Geschichte von Andreas für meinen eigenen Lebensweg lernen?
Apostel Jakobus
Jakobus war der Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome sowie der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Beide gehörten zu den erstberufenen Jüngern.
Jakobus zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Getsemani anwesend waren.
Während die Apostelgeschichte ausführlich vom Wirken Petrus und Johannes berichtet, wird von Jakobus lediglich seine Hinrichtung durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 erwähnt, verbunden mit einer Verfolgung anderer Christen. Jakobus war somit der erste Märtyrer unter den Aposteln.
Attribute: als Pilger
Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Momente finden, in denen du Mut und Treue zu deinen Überzeugungen zeigst, selbst wenn es schwer wird?
Apostel Johannes
Der Apostel Johannes, nach der Überlieferung Verfasser des vierten Evangeliums und dreier Briefe, war ein Bruder Jakobus’ des Älteren und stammte aus Betsaida, wo sein Vater Zebedäus die Fischerei betrieb.
Johannes war kaum jener sanfte Jüngling, den uns die christliche Kunst gemalt hat; er hatte wie sein Bruder ein heftiges Temperament. Jesus nannte die beiden „Donnersöhne“. Zunächst war Johannes Jünger des Täufers gewesen, dann folgte er Jesus.
Das besondere Vertrauen, das Jesus zu ihm hatte, zeigte sich darin, dass er ihm sterbend seine Mutter anvertraute (Joh 19, 26–27). Nach dem Zeugnis des Johannes-Evangeliums war er der einzige Jünger unter dem Kreuz, wo Jesus ihn als seinen Lieblingsjünger bezeichnete.
Mit Petrus war er auch der erste, der nach der Nachricht der Frauen zum leeren Grab Jesu eilte. In der Frühphase der Urgemeinde in Jerusalem war Johannes zusammen mit Petrus die prägende Gestalt. Paulus zählte Johannes, seinen Bruder Jakobus und Petrus zu den Säulen der Urgemeinde (Galaterbrief 2, 9).
Frage: Welche Rolle könnte Vertrauen und Hingabe in meinem eigenen Leben spielen, wenn ich mich den Herausforderungen des Glaubens oder der persönlichen Entwicklung stelle?
Vers 3 Philippus bis Matthäus
Mt 10,3: Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Lebbäus, mit dem Beinamen Thaddäus;
Apostel Philippus
Philippus, der zunächst dem Jüngerkreis um Johannes den Täufer angehörte, wurde von Jesus zum Jünger berufen. Er führte dann Nathanael als weiteren Jünger in den Kreis um Jesus ein.
Vor der Speisung der Fünftausend stellte Jesus ihn auf die Probe (Joh 6, 5 - 7). Griechen, die Jesus sehen wollten, wandten sich an Philippus (Joh 12, 21 - 22).
Er nahm am Abendmahl in Jerusalem teil und wurde dabei von Jesus gerügt, weil er dessen Sendung offenbar noch immer nicht verstanden hatte (Joh 14, 8 - 9).
Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Nach lokaler Tradition wirkte Philippus – nachdem Paulus dort offenbar keine Gemeindegründung gelungen war – seine letzten beiden Lebensjahre in Athen und starb dort als Märtyrer.
Frage: Welche Aspekte von Philippus’ Leben und seinem Weg als Jünger regen dich dazu an, über deine eigene Bereitschaft nachzudenken, einem Ruf zu folgen, auch wenn du den gesamten Weg noch nicht verstehst?
Apostel Bartholomäus
Von vielen Bibelinterpreten wird er mit Nathanael identifiziert. Er wurde demnach aus dem Kreise der Jünger Johannes des Täufers am Jordan von Philippus unter seinem israelitischen Namen Nathanael von Kana zu Jesus geführt.
Dieser erkannte ihn als Mann, in dem kein Trug ist, denn er hatte gesehen, wie du unter dem Feigenbaum warst – das heißt als einen, der schon einen hohen Grad geistlicher Weisheit erreicht hat (Joh 1, 45–48).
Als Nathanael wird er noch bei der Erscheinung des Auferstandenen am See Gennesaret bezeichnet (Joh 21, 2), in der Berufung der Apostel aber als Bartholomäus.
Bartholomäus soll später in Indien, Mesopotamien und vor allem in Armenien gepredigt haben, wo er auch das Martyrium erlitt. Seine Reliquien wurden nach der Insel Lipara und nach Benevent überführt; Kaiser Otto III. ließ sie nach Rom übertragen und auf der Tiberinsel beisetzen.
Frage: Welche inneren "Feigenbäume" in meinem Leben könnten mir helfen, meine eigene spirituelle Weisheit zu erkennen und zu vertiefen?
Apostel Thomas
Thomas war bis zu seiner Berufung als Jünger Fischer.
Berühmt wurde Thomas durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesu und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: Mein Herr und mein Gott! Damit erkannte er als erster der Jünger die göttliche Natur Christi (Joh 20, 24 - 29).
Attribute daher: dem Auferstanden an die Wundmale fassend.
Nach der Legende soll er später in Indien missioniert haben und dort als Märtyrer gestorben sein. Im 3. Jahrhundert wurden seine Reliquien nach Edessa überführt. Ephräm der Syrer (vgl. 9. Juni) hat ihn durch Hymnen verherrlicht.
Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du selbst das Unfassbare erfahren, das dich an das Göttliche erinnert?
Apostel Matthäus
Er war Zöllner in Kafarnaum, wahrscheinlich im Dienst des Herodes Antipas. In der Berufungsgeschichte bei Markus heißt er Levi, Sohn des Alphäus (Mk 2,14; vgl. Lk 5,27), bei Matthäus 9,9 und in den Apostellisten wird er einfach Matthäus genannt.
Nach seiner Berufung gab Matthäus für Jesus und seine Begleitung ein Festessen, bei dem Jesus zu den Pharisäern sagte: „... Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“
Später soll Matthäus in Äthiopien, Parthien und Persien das Evangelium gepredigt haben. Seine Reliquien werden in Salerno verehrt.
Frage: Welche Menschen oder Erfahrungen in meinem Leben rufen mich vielleicht, über meine gewohnten Wege hinaus zu wachsen?
Apostel Jakobus, der Sohn des Alphäus
Ob er derselbe ist wie der „Bruder des Herrn“ (Gal 1,19) und der Verfasser des Jakobusbriefs, wird von der heutigen Forschung mit guten Gründen bezweifelt.
Die römische Liturgie scheint jedoch bei dieser Gleichsetzung zu bleiben. Jakobus, „der Bruder des Herrn“, das heißt ein Verwandter Jesu, hat in der Kirche von Jerusalem eine führende Rolle gespielt und beim sogenannten Apostelkonzil in Jerusalem ein wichtiges Wort zur Frage der Aufnahme der Heiden gesprochen (Apg 15,13-21).
Nach der Überlieferung starb er im Jahr 62 als Märtyrer.
Frage: Welche Rolle könnte ein Mensch wie Jakobus in meinem eigenen spirituellen Weg spielen, wenn ich seine Hingabe und seinen Mut reflektiere?
Vers 4 Thaddäus bis Judas
Mt 10,4: Simon der Kananiter, und Judas Ischariot, der ihn auch verriet.
Apostel Simon
Simon mit dem Beinamen „der Eiferer“ gehörte vermutlich zu der kämpferisch-nationalistischen Gruppe der Zeloten (Mt 10,4; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,14). Im Übrigen wissen wir von ihm nicht mehr, als dass er zum Kreis der Zwölf berufen wurde.
Später soll er in Ägypten und Persien gepredigt und in Persien zusammen mit Judas Thaddäus das Martyrium erlitten haben. Dieser Judas Thaddäus wird in Lk 6,16 und Apg 1,13 „Judas des Jakobus“ genannt, was wahrscheinlich als „Sohn (nicht Bruder) des Jakobus“ zu verstehen ist. Welcher Jakobus hier gemeint ist, wissen wir nicht.
Auch Judas scheint aus nationalistischen Kreisen zu stammen und in Jesus zunächst einen politischen Messias, einen nationalen Befreier, erwartet zu haben.
Frage: Wie könnte es deine eigene Haltung zu Macht, Engagement und spirituellem Vertrauen verändern, wenn du deine Erwartungen loslässt und dich auf den tieferen Sinn einer Aufgabe einlässt?
Vers 5 Aussendung an Israel
Mt 10,5: Diese zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Begebt euch nicht auf die Straße der Heiden und betretet keine Stadt der Samariter;
Ein Paradox?
Ruft Jesus die Apostel zu sich oder sendet er sie zu den Kranken und Bedürftigen? Den gleichen scheinbaren Widerspruch lesen wir in Joh 1,18: "der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht". Am Herzen des Vaters ruhen und gleichzeitig Kunde bringen?
Jesus lehrt uns das Geheimnis des Apostolats. Es gibt eben nur einen APOSTEL: Jesus, und dann viele "Apostel". Die Nähe zu dem Gesandten und vor allem die Einheit mit ihm geben uns die Kraft in der Sendung und auch die Vollmacht, von der Jesus spricht.
Frage: Wie spüre ich die Einheit mit Jesus in meinem eigenen Leben, und wie könnte sie mich befähigen, anderen zu dienen?
Vers 6 Verlorene Schafe suchen
Mt 10,6: geht vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Geht zu den verlorenen Schafen
Das verlorene Schaf…
Jesus sendet seine Jünger zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Wie oft sind wir selbst auch verlorene Schafe. Und der Herr lässt uns nicht im Stich.
Es gibt ein sehr schönes Bild, das ein Schaf zeigt, das über eine Klippe gestürzt ist, und Jesus, den guten Hirten, der fast fällt, um das Schaf zu retten, das sich in ein paar Dornen im Felsen verfangen hat. So handelt Jesus mit uns. So groß ist seine Liebe zu uns. Er scheut keine Mühe, um uns aus den Klauen des Feindes unserer Seelen zu ziehen, uns vor dem zu retten, der will, dass wir zugrunde gehen.
Heute gibt es viele verlorene Schafe, die Gott dort suchen, wo er nicht ist, die sich vom Hirten abwenden und deshalb leichte Beute für die Wölfe sind, die ihnen ihr Leben rauben und sie verschlingen wollen.
Frage: Wo in meinem Leben habe ich mich vielleicht vom Hirten entfernt, und wie kann ich seine Nähe heute bewusst suchen?
Vers 7 Botschaft vom Himmelreich
Mt 10,7: Geht aber hin, verkündigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen!
Geht aber hin
Steh auf und geh! Wir sind gesandt, gerade in diese Zeiten hinein. Keine Angst, wir sind nicht allein.
Lassen wir uns motivieren und begreifen wir, Teil der Sendung Jesu zu sein. Seine Jünger. Gesandt, um das Reich Gottes zu verkünden. Christsein bedeutet: gesandt zu sein!
Von Gott zu den Menschen, die ihn noch nicht kennen oder erfahren haben. Gott will zu den Menschen. Gott will zu den Menschen und wir dürfen, ja, sollen seine Vollmacht in Anspruch nehmen.
Beginnen wir im Kleinen. Fangen wir dort an, wo Gott uns hingestellt hat. Leben wir die Ordnung, die Normalität Gottes: ein fester Wille zur Versöhnung, ein heilsamer Moment echter Aufmerksamkeit, ein Wort des Trostes oder ein Lächeln. Das ist Sendung.
Ellen Charlotte Petermann
Frage: Wo in meinem Alltag kann ich heute Gottes Sendung in kleinen, aber wirkungsvollen Momenten leben?
Gespräch mit Christus: Herr, ich möchte gerne das Meine tun, damit du durch mich wirken kannst. Denn die Sendung ist aktuell und vollzieht sich heute wie damals.
Macht euch auf den Weg
Die Apostel sollen sich auf den Weg machen. Das Reich Gottes kann nicht aus dem bequemen Sessel heraus verbreitet werden. Wir dürfen nicht warten, weil die Welt Christus braucht. Wir dürfen die sich bietenden Gelegenheiten nicht auslassen und hoffen, dass jemand anderes die Initiative ergreift.
„Geht” bedeutet, unser Herz und unsere Augen denen zu öffnen, die hungrig sind nach Christus, gerade auch unseren Familienmitgliedern und Arbeitskollegen, die nach seiner Macht und Gnade hungern.
„Geht” heißt in unserer Zeit, zu denen zu gehen, die Christus noch nicht kennen, damit sein Reich sich ausbreitet. Wir dürfen nicht den bequemen Weg gehen, wir müssen auch in jene Bereiche hineinwirken, die den Sinn für die Würde der menschlichen Person verloren haben ‐ besonders in der Medizin, dem Rechtswesen, der Politik und der Bildung.
Um all das bittet uns der König. Welche Antwort gebe ich meinem König?
Frage: Wo in meinem Leben ruft mich Gott gerade hinaus, um seine Liebe mutig zu teilen?
Das Himmelreich ist nahe
Das Reich Gottes ist nahe. Das ist die Botschaft, die Jesus verkündet hat. Das Reich Gottes ist uns näher als wir denken.
Gott verbirgt sich zum Beispiel in unserem Mitmenschen. Und jedes Mal, wenn wir unseren Nächsten lieben, lieben wir auch Gott in ihm.
Auch der Advent erinnert uns daran, wie nahe Gott uns ist und dass er uns nie verlässt.
Das Reich Gottes ist uns aber letztlich nahe, weil Jesus uns nahe ist. Während viele andere Religionen und Lehren Gottesvorstellungen haben, die ihn weit weg von uns Menschen wähnen, ist unser Gott ein Gott, der uns nahe ist.
So ist also das Reich Gottes uns nahe. Und das Reich Gottes ist auch in uns – jedes Mal, wenn wir uns bemühen, in der Gnade des Herrn zu sein.
João Paulo Jäger
Frage: Wo in deinem Leben spürst du heute die Nähe Gottes, und wie öffnest du dich dafür, diese Nähe bewusst wahrzunehmen?
Das Himmelreich ist nahe
Die Jünger sollen den Menschen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes bringen. Es ist keine Theorie oder Vertröstung auf ein Jenseits, sondern schon im Diesseits erfahrbare Wirklichkeit.
Die Wunder und Heilungen sollten dies unterstreichen, aber waren nicht das Ziel.
Das Reich Gottes wird sich auch in einer finsteren Welt durchsetzen, durch mutige Jünger.
Frage: Wie kann ich heute den Mut finden, das Reich Gottes in meinem eigenen Umfeld sichtbar werden zu lassen?
Jesus ist das Himmelreich!
An dieser Bibelstelle erkennen wir, was Jesus mit dem Himmelreich meint. Jesus tritt der Sünde und dem Bösen und allen seinen Folgen entgegen und gibt seinen Jüngern den gleichen Auftrag.
Er ist der Erste und der Letzte, der diese Aufgabe erfüllt. Ja, er ist die Erfüllung überhaupt. Dort, wo er ist und wirkt, ist Jesus selber das Himmelreich.
Wenn er also sagt, dass das Himmelreich nahe ist (an anderer Stelle wird er sagen "Das Himmelreich ist mitten unter euch"), dann meint er damit, dass er nahe ist und wirkt. Wo in deinem Leben ist Jesus nahe und wo wirkt er? Dort breitet sich sein Reich gerade aus.
Klaus Einsle
Frage: Wo spüre ich die Nähe und das Wirken Jesu in meinem Leben, und wie öffne ich mein Herz dafür, dass sein Reich weiter wächst?
Vers 8 Heilen und Austreiben
Mt 10,8: Heilt Kranke, reinigt Aussätzige, weckt Tote auf, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es!
Heilt Kranke
Neben dem Auftrag zur Verkündigung werden die Jünger auch beauftragt, zu heilen. Es geht darum, die Menschen heil zu machen, sie zu befreien, von dem, was sie bedrückt, fesselt, krank und kaputt macht.
Die bösen Geister haben auch heute viele Gesichter. Gelebter Glaube beinhaltet nicht nur Askese, sondern immer auch eine befreiende und heilende Seelsorge.
Jesus gibt ihnen diese Vollmacht. Nicht nur ein Wort, nicht nur eine Lehre, sondern wirksame Macht empfangen die Apostel.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die Notwendigkeit von Heilung und Befreiung, und wie kann ich selbst ein Werkzeug dafür sein?
Umsonst habt ihr es empfangen
Christus folgt einer ganz anderen Logik als wir. Wir finden unsere Erfüllung nicht, indem wir uns selbst Gnaden oder Freuden verschaffen, sondern indem wir uns verschenken. Im Weggeben werden wir selbst glücklich.
Wenn wir Gottes Gnade in unserem Leben empfangen, ist es unsere Aufgabe, sie weiterzugeben. Darin besteht die Logik des Geschenks. Oft fällt es uns schwer, weil es eine immer neue Aufgabe beinhaltet, die wir weder kontrollieren noch planen können.
Gottes Gnade ist Geschenk, Aufgabe und Hingabe. Wir sind nie die Besitzer. So wie wir sie empfangen, sind wir eingeladen, sie auch weiterzugeben.
Frage: Wo in meinem Leben kann ich Gottes Gnade heute bewusst weitergeben, auch wenn es ungeplant oder herausfordernd ist?
Verkündigung durch Taten
Verkünden, dass Gott nahe ist. Aber wie soll man das tun?
Im Evangelium empfiehlt Jesus, nicht viele Worte zu machen, sondern viele Gesten der Liebe und der Hoffnung im Namen des Herrn zu vollbringen.
Nicht viele Worte, sondern Gesten:
„Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8).
Das ist der Kern der Verkündigung: das unentgeltliche Zeugnis, der Dienst.
Frage: Welche kleinen Gesten der Liebe und Hoffnung könntest du heute bewusst für andere vollbringen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten?
Vers 9 Ohne Geldbeutel
Mt 10,9: Nehmt weder Gold noch Silber noch Kupfer in eure Gürtel,
Gott ist unsere Sicherheit
Wenn Jesus jemanden beruft, für sein Reich zu arbeiten, dann muss diese Person ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen; sich an keine anderen Sicherheiten klammern: kein Gold, keine Vorratstasche, keine Schuhe, kein Wanderstab, kein Bauen auf die eigenen Stärken, keine Suche nach Anerkennung oder Macht.
Er will unsere ganze Sicherheit sein. Den Blick auf ihn gerichtet, indem wir ihn zum Zentrum unseres Lebens machen, sollen wir ihm folgen, in Einfachheit.
Annika Bauer
Frage: Wo suche ich noch meine Sicherheit außerhalb von Jesus – und wie könnte ich lernen, mich ganz auf ihn zu verlassen?
Vers 10 Ohne Vorrat reisen
Mt 10,10: keine Tasche auf den Weg, auch nicht zwei Hemden, weder Schuhe noch Stab; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.
Vertrauen auf die göttliche Vorsehung
Unser Erlöser wollte ihnen die Vorsehung Gottes nahe bringen und sie lehren, darauf zu vertrauen. Christen müssen immer leichtes Gepäck haben.
Die Jünger sollen nichts mitnehmen außer einem Wanderstock. Die Jünger sollen erfahren, wie es ist, sich ganz auf die Güte der Menschen und letztlich auf die Vorsehung Gottes zu verlassen.
Ob Gott wirklich Quelle und tragender Grund des Lebens ist, das soll man ablesen können an denen, die ihn verkündigen.
Übertragen heißt das "Nichts mitnehmen" auch: Geh zu den Menschen so wie du bist. Sei du selbst! Gib dich selbst! Sag, was du glaubst! Verstecke dich nicht hinter Rollen oder Scheinidentitäten. Sei innerlich arm und verlasse dich allein auf Gott.
Frage: Was bedeutet es für dich persönlich, mit „leichtem Gepäck“ durchs Leben zu gehen und dich im Vertrauen ganz Gott zu überlassen?
Keinen Wanderstab
Es geht nicht darum, für die Reise vollständig ausgerüstet zu sein. Wir werden niemals vollständig dafür vorbereitet sein, das Königreich Christi weiter zu verbreiten.
Wir müssen unser Bestes tun und uns auf seine Vorsehung und sein Wirken in den Seelen verlassen. Wir verlassen uns auf ihn, nicht auf uns selbst. Das wird ihn noch mächtiger wirken lassen.
Wie der heilige Paulus sagt: „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2 Kor 12,10). Unser Wanderstab ist das Kreuz und die Auferstehung Christi.
Frage: Wo in meinem Leben darf ich meine eigene Schwachheit annehmen, damit Christus darin seine Stärke entfalten kann?
Vers 11 Würdige Häuser suchen
Mt 10,11: Wo ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf hineingeht, da erkundigt euch, wer es darin wert ist, und bleibt dort, bis ihr weiterzieht.
Erkundigt euch, wer es darin wert ist
Sie sollen sich nicht wahllos niederlassen, sondern gezielt nach Menschen suchen, die offen für Gottes Botschaft sind. Diese „Würdigen“ sind Menschen, die gastfreundlich sind und Gottes Wort mit aufrichtigem Herzen aufnehmen.
Das Bleiben an einem Ort symbolisiert die Beständigkeit und Vertiefung der Gemeinschaft. Es geht nicht nur um Unterkunft, sondern um geistliche Verbindung. Die Jünger sollen keine Unruhe verbreiten, sondern in Frieden wirken.
Dies lehrt auch uns heute, unsere Botschaft an die Menschen zu richten, die bereit sind, sie anzunehmen, und nicht zwanghaft zu missionieren.
Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben, dass Beständigkeit und innerer Frieden mir helfen, Gottes Botschaft tiefer zu leben und weiterzugeben?
Vers 12 Friedensgruß beim Eintritt
Mt 10,12: Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßt es mit dem Friedensgruß.
Verkündigung im Alltag
Jesus schickt die Jünger nicht in Synagogen oder auf den Marktplatz, sondern in die Häuser. Die Familien waren die Keimzelle für die Ausbreitung des Evangeliums. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Die wenigsten von uns sind berufen, sonntags in der Kirche zu predigen, aber jeder von uns hat die Möglichkeit, in seinem Alltag in den kleinen Begegnungen Zeugnis für seinen Glauben zu geben.
Wir können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen!
Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Zuhause oder in meinen alltäglichen Begegnungen Gottes Nähe erfahrbar machen?
Vers 13 Friede bleibt oder kehrt zurück
Mt 10,13: Und wenn das Haus es wert ist, so komme euer Friede über dasselbe. Ist es aber dessen nicht wert, so soll euer Friede wieder zu euch zurückkehren.
Wünscht Frieden
Gott ist ein Gott des Friedens.
Innerer Friede ist eines der ersten und klarsten Anzeichen dafür, dass etwas von Gott kommt.
Der Böse kann uns zwar auf alle möglichen Weisen versuchen und täuschen, er kann sogar in Engelsgestalt in überirdischem Licht erscheinen. Aber er kann unserer Seele keinen Frieden schenken.
Wenn wir uns unsicher sind, ob ein Gedanke, eine Eingebung, von Gott kommt oder nicht, dann achten wir einmal auf den Zustand unserer Seele. Bringt der Gedanke Frieden oder Verwirrung mit sich? Gottes Gaben hinterlassen keine Verwirrung.
Auch geht es nicht um fühlbaren Frieden. Dieser stellt sich in der Regel ein, wenn wir gerade keine Probleme oder Sorgen haben und alles nach unseren Plänen verläuft. Doch Gott schenkt einen Frieden, der auch inmitten von widrigen Umständen in der Seele herrschen kann.
Bertalan Egervári
Frage: Wann hast du zuletzt diesen tiefen, göttlichen Frieden in dir gespürt – jenseits dessen, was äußere Umstände dir bieten konnten?
Unfrieden, Zwietracht, Streit, Feindschaft
Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.
Vielleicht kommen uns die Worte des Auferstandenen in den Sinn, der oft wiederholt: „Der Friede sei mit euch“, oder der Friedensgruß des Priesters bei der heiligen Messe.
Jesus hat alles vollbracht: Sünde und Tod sind besiegt. Wir sind mit Gott versöhnt. Unser Erlöser lebt.
Fabiola Marton
Frage: Wo in meinem Leben möchte ich heute den Frieden Christi tiefer einlassen und weitergeben?
Vers 14 Staub von Füßen schütteln
Mt 10,14: Und wenn euch jemand nicht aufnehmen noch auf eure Worte hören wird, so geht fort aus diesem Haus oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen!
Schüttelt den Staub von euren Füßen.
Dieser Ausdruck klingt für mich im ersten Moment hart. Also es kann ja sein, dass die Menschen sie nicht sofort aufnehmen und ihre Worte vom Evangelium nicht hören wollen, aber deshalb sollen sie direkt den Staub abschütteln und weiter gehen?
Ja, genau das möchte er von ihnen! Nicht zu viel Zeit an dem Ort verbringen, wo man weder die Apostel, noch deren Werke, noch Gottes Wort hören will. Es gibt noch so viele Menschen, die das Wort mit Freuden aufnehmen werden.
Jeder bekommt die gleiche Chance. Der eine ergreift sie, der andere nicht. Und dieser muss dann auch mit den Konsequenzen leben. Jesus ist direkt, aber gerecht. Nutze deine Chance und mach die Augen auf!
Svenja Nonnenmacher
Frage: Wo in meinem Leben halte ich noch fest, obwohl es Zeit wäre, den Staub abzuschütteln und weiterzugehen – im Vertrauen, dass Gott mich zum richtigen Ort führt?
Vers 15 Gericht über Unbußfertige
Mt 10,15: Wahrlich, ich sage euch: Es wird dem Land Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als dieser Stadt.
Schwere der Zurückweisung
Dies zeigt die Schwere der Zurückweisung des Evangeliums: Wer es hört und ablehnt, trägt größere Verantwortung.
Gottes Geduld ist groß, aber wer die Verkündigung Jesu verachtet, stellt sich bewusst gegen Gott.
Der Vers betont somit die Dringlichkeit der Umkehr und die Bedeutung der Annahme der göttlichen Botschaft für das Heil.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich den Ruf zur Umkehr und wie antworte ich auf die Einladung Gottes, sein Wort anzunehmen?