Mk 10, 1-12 Über Ehe und Scheidung: Auslegung und Andacht

Mk 10, 1-12 im Überblick: Eine fortlaufende Erklärung von Markus 10, 1 bis 12. Verstehe die Aussagen über Ehe und Scheidung und ihre Relevanz für deinen Alltag.

Vers 1 Aufbruch nach Judäa

Mk 10,1: Und er brach auf von dort und kam durch das Land jenseits des Jordan in das Gebiet von Judäa. Und wieder kamen die Volksmengen zu ihm, und er lehrte sie wieder, wie er es gewohnt war.

Jenseits des Jordan

Jesus lehrt jenseits des Jordan.

Jenseits des Jordan lag für das in der Wüste wandernde Volk Israel das gelobte Land, in dem sie vor der Sklaverei Ägyptens in Sicherheit waren und unter Gottes Schutz leben durften.

Das soll zeigen, dass das, was Jesus hier lehrt, den Menschen den Weg in das neue Reich weist – jenseits der Sklaverei des Bösen, in die Freiheit der Gotteskinder, in die neue Schöpfung, in eine Welt, die ganz nah am Herzschlag Gottes ist.

Und der Herzschlag Gottes ist die Liebe.

Dorit Wilke-Lopez

Frage: Wo spüre ich heute den Herzschlag Gottes in meinem Leben – und lasse ich mich von seiner Liebe leiten?

Vers 2-3 Frage zur Ehescheidung

Mk 10,2: Und die Pharisäer traten herzu und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen?

Da kamen die Pharisäer und fragten

In den verschiedenen Evangelien sehen wir, wie Menschen zu Jesus kommen, um ihn um ein Wunder zu bitten, ihm zuzuhören und ihm Fragen zu stellen.

Der große Unterschied zu den Pharisäern liegt nicht darin, dass sie das überhaupt tun, sondern wie sie es tun. Die Haltung ihrer Herzen ist eine ganz andere, denn sie kommen nicht zu ihm, um zu lernen, sondern um Jesus auf die Probe zu stellen.

Auch wir müssen also nicht nur unsere Handlungen, sondern auch die ihnen zugrundeliegenden Beweggründe und Einstellungen prüfen.

Daniel Flores Mondragon

Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich, wenn ich Gott begegne – suche ich Erkenntnis oder Bestätigung?

Mk 10,3: Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?

Vers 4 Scheidebrief erlaubt

Mk 10,4: Sie sprachen: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben und seine Frau zu entlassen.

Bezug auf Dtn

Sie berufen sich auf das mosaische Gesetz (5. Mose 24,1), das eine Regelung für Scheidung vorsah. Doch Jesus macht in den folgenden Versen deutlich, dass dies nur eine Zugeständnis an die Hartherzigkeit der Menschen war.

Er verweist auf den ursprünglichen Schöpfungswillen Gottes, wonach Mann und Frau untrennbar verbunden sein sollen. Damit kritisiert Jesus eine zu laxe Haltung zur Scheidung und ruft zur Treue in der Ehe auf.

Seine Lehre betont den göttlichen Bund der Ehe und die Verantwortung, die mit ihr einhergeht.

Frage: Wo erlebe ich in meinem Leben die Herausforderung, Treue und Verbundenheit im Sinne des göttlichen Willens zu leben?

Vers 5 Herzenshärtigkeit als Grund

Mk 10,5: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wegen der Härte eures Herzens hat er euch dieses Gebot geschrieben.

Hartherzigkeit

Das gilt nicht nur, aber auch für die Frage der Ehescheidung. Sie war Brauch geworden in Israel. Es gab auch eine Regel dazu, wie sie abzulaufen hatte. Aber hieß das, dass sie Gott gefällt? Dass sie dem ursprünglichen Wesen und der Berufung des Menschen entspricht?

Jesus sagt, nein. Es war eine Regel, die mit der Hartherzigkeit des Menschen umzugehen versuchte, nicht ein Ideal. Jesus richtet unsere Augen aber auf das Ideal. Auf die wunderbare Berufung des Menschen. Und lädt uns ein, unsere Hartherzigkeit zu überwinden, nicht nach weniger zu streben als dem großen Plan der Liebe Gottes.

Konstantin Ballestrem

Frage: Wo erkenne ich in meinem eigenen Leben Spuren von Hartherzigkeit – und wie könnte ich mich mehr dem großen Plan der Liebe Gottes öffnen?

Vers 6 Schöpfung: Mann und Frau

Mk 10,6: Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau erschaffen.

Der Mensch ist auf Beziehung hin geschaffen

Nicht der einzelne Mensch ist Ebenbild Gottes, sondern der Mensch in seiner Hinordnung auf ein Gegenüber. So wie Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist Beziehung ist und nur in dieser Beziehung zu denken ist. So ist auch der einzelne Mensch auf Beziehung auf ein Miteinander geschaffen.

Wenn Gott feststellt „es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (Genesis 2,18), dann nimmt er im Menschen das wahr, was auch für ihn selbst gilt: Beziehung ist der Anfang des Seins und das Wesen des Daseins.

Die Ebenbildlichkeit des Menschen äußert sich in seiner Beziehungsfähigkeit und Beziehungsbedürftigkeit. Wenn wir uns von jeder Form von Bindung und Aufbau von Kommunikation, von Bezug zu anderen lossagen, dann lösen wir uns von unserer Gottebenbildlichkeit.

Kristell Köhler

Frage: Wie lebst du deine Gottebenbildlichkeit in deinen Beziehungen und Begegnungen mit anderen Menschen?

Vers 7 Verlassen der Eltern

Mk 10,7: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen.

Bezug auf Genesis

Sie greift auf 1. Mose 2,24 zurück und betont, dass die Ehe eine göttlich eingesetzte Verbindung ist.

Der Ausdruck „verlassen“ bedeutet nicht, dass Eltern unwichtig werden, sondern dass der Ehebund Vorrang hat.

Das „Anhängen“ beschreibt eine tiefe, dauerhafte Einheit, die über bloße Emotionen hinausgeht. Es geht um eine Lebensgemeinschaft, in der sich beide Partner einander verpflichten.

Jesus betont dies im Kontext der Unauflöslichkeit der Ehe, indem er die ursprüngliche göttliche Ordnung hervorhebt. Damit widerspricht er der damaligen Praxis der leichten Ehescheidung.

Frage: Wie kann ich in meinen Beziehungen die göttliche Tiefe und Beständigkeit leben, die Jesus in dieser Ordnung aufzeigt?

Vers 8 Ein Fleisch

Mk 10,8: So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.

Ein Fleisch

Das gemeinsame Leben kommt vom rechten Weg ab, wenn wir zwar vor Gott eins sind und nicht mehr zwei, wir aber kaum gemeinsame Zeit verbringen.

Zeiten mit Genussfaktor – das festigt das Band der Ehe, neben den vielen täglichen Herausforderungen in Arbeit und Familie.

Gemeinsame Erlebnisse, Gespräche, eine längere Umarmung, kurze Streicheleinheiten, einen Kuss zur Begrüßung u.a. sind Ausdrucksformen der Liebe, wo unsere im Körper wohnende Seele spürt, dass sie geliebt ist.

Wir kommen nicht allein mit Worten aus… Gemeinsame Zeit und Berührungen sind unverzichtbar wichtig und geben Kraft.

Frage: Wo und wie kann ich heute Liebe so ausdrücken, dass meine Seele und die meines Partners spüren, dass Gott mitten unter uns wirkt?

Welch Heiliger Bund

Welch ein süßer und heiliger Bund ist es, wenn zwei Christen gemeinsam dasselbe Joch tragen (vgl. Mt 11,29), geeint in der gleichen Hoffnung, in der gleichen Sehnsucht, in der gleichen Zucht, im gleichen Dienst! Beide sind Kinder desselben Vaters, Diener desselben Herrn, sind ein Fleisch (vgl. Mt 19,5) und ein Geist.

Sie halten gemeinsam Fürbitte und Anbetung, fasten gemeinsam, belehren, ermutigen und ertragen einander. Ihr trefft sie gemeinsam in der Kirche, gemeinsam am Tisch des Herrn. Sie teilen gleicherweise Armut und Überfluss, Verfolgung und Trost miteinander. Zwischen ihnen gibt es keine Geheimnisse, keine Ausflüchte, sondern unverbrüchliches Vertrauen, gegenseitige Hilfsbereitschaft, nichts, was Kummer machen könnte.

Wenn sie Kranke besuchen oder Notleidenden helfen, brauchen sie das nicht voreinander zu verheimlichen; sie geben Almosen, ohne sich voreinander rechtfertigen zu müssen; sie opfern ohne schlechtes Gewissen und gehen ungehindert ihren täglichen Pflichten nach. Bei ihnen gibt es keine verstohlenen Kreuzzeichen, kein ängstliches Grüßen, keine stummen Danksagungen.

Aus ihren Kehlen, die so frei sind wie ihre Herzen, steigen Hymnen und Lieder empor; sie wetteifern einzig darin miteinander, wer das Lob Gottes am besten singt. Christus freut sich über diese Einheit, und solchen Eheleuten sendet er seinen Frieden. „Wo zwei in seinem Namen versammelt sind“, da ist auch er zugegen (vgl. Mt 18,20). Und wo er ist, da ist kein Platz für den Feind unseres Heiles.

Frage: Wie lebe ich selbst die Einheit mit dem Menschen, den Gott mir anvertraut hat – und spiegelt sich darin die Gegenwart Christi wider?

Vers 9-11 Gott hat gefügt

Mk 10,9: Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!

Andacht von Kristell Köhler

Die Verbindung von Mann und Frau in der Ehe bildet die Verwiesenheit der Menschen aufeinander ab.

Aber die Notwendigkeit des Menschen, in Beziehung zu treten, zeigt sich auch in Freundschaften, im Paarsein, in Familie – in allen Gemeinschaften, die wir Menschen bilden.

Der Hinweis Jesu darauf, dass der Mensch nicht trennen darf, was Gott verbunden hat, gilt nicht allein der Verbindung zwischen Mann und Frau, die im Evangelium im Fokus steht. Sie gilt für die Bedürftigkeit eines Gegenübers.

Jesus sagt: Das, wie Gott euch als Menschen geschaffen hat, das löst nicht auf. Trennt euch nicht voneinander ab, seid und lebt Beziehung – weil ich Beziehung bin.

Frage: Wo in meinem Leben bin ich eingeladen, Beziehung neu zu leben – zu mir selbst, zu anderen und zu Gott?

Mk 10,10: Und seine Jünger fragten ihn zu Hause nochmals darüber.

Mk 10,11: Und er sprach zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe ihr gegenüber.

​Vers 12 Gleiches Recht für Frauen

Mk 10,12: Und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und sich mit einem anderen verheiratet, so bricht sie die Ehe.

So bricht sie die Ehe

Wir müssen uns damit abfinden, dass die Ehe als Versprechen an Gott, unseren Ehepartner und die Welt ein verbindliches Versprechen ist und nicht nach eigenem Ermessen gebrochen werden kann. Es gibt bestimmte Fälle, in denen Gott zulässt, dass die Verheißung aufgelöst wird, aber es liegt an Gott und nicht an uns.