Mk 9, 30-32 Zweite Leidensankündigung
Inhaltsverzeichnis
Vers 30 Zug durch Galiläa
Mk 9,30: Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Und er wollte nicht, dass es jemand erfuhr.
Er wollte nicht, dass es irgendjemand erfuhr
Das lag wahrscheinlich daran, dass Jesus nicht wollte, dass sich die galiläische Menge an ihn klammert und diese wichtige Reise nach Jerusalem behindert.
Vers 31 Leidensankündigung
Mk 9,31: Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen ausgeliefert; und sie werden ihn töten, und nachdem er getötet worden ist, wird er am dritten Tag auferstehen.
Ausgeliefert und getötet
Die Evangelien berichten von drei Augenblicken, in denen Jesus seinen Jüngern die Passion ankündigt. Bei allen drei wird vermerkt, dass sie nicht verstanden, was er damit meinte.
Der Weg zur Königsherrschaft geht für ihn durch Leiden und Kreuz. Damit kam er bei ihnen nicht durch. Das ist verständlich. Wir verbinden Leiden und Kreuz eher mit Niederlage als mit königlichem Triumph. Etwas in uns will das nicht verstehen, nicht einmal davon hören.
In der gerade beendeten Osterzeit haben wir gefeiert, dass Jesus eben durch seine Unterwerfung unter Leiden und Tod dieselben besiegt hat. Der Weg des Jüngers kann kein anderer sein.
Konstantin Ballestrem
Frage: Wo in meinem Leben könnte ich lernen, dass wahre Kraft und Durchbruch oft durch das Annehmen von Schmerz und Herausforderung entstehen?
Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert
Jesus zieht weiter auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem. Hat er vorher zur Menge gesprochen, so möchte er nun mit seinen Jüngern allein sein und sie über sein Leiden und seinen Tod belehren. Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten.
Das zeigt, dass Jesus nicht ein hilfloses Opfer von Mächten war, die außerhalb seiner Kontrolle lagen. Er lieferte sich selber aus – dem Plan seines Vaters liebevoll gehorsam.
Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich lernen, bewusst loszulassen und dem Fluss des Lebens mit Vertrauen zu folgen?
Drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen
Obwohl Jesus über sein Leiden und seinen Tod spricht, schließt er mit einer hoffnungsfrohen Botschaft. Sein Leiden ist nur der notwendige Auftakt für seinen glorreichen Triumph. "Drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen."
Die Verben ausgeliefert werden und getötet werden stehen im Passiv. Sie deuten Handlungen an, denen Jesus ausgesetzt sein wird. Aber das Verb auferstehen hat eine aktivische Bedeutung.
Jesus lässt zu, dass er ausgeliefert und getötet wird, aber er hat die göttliche Macht, sein Leben wieder zu nehmen. Er bleibt immer der Souverän seines Schicksals.
Anton Vogelsang
Frage: Welche Momente in deinem Leben haben dich dazu eingeladen, die Kontrolle loszulassen und dennoch auf deine innere Stärke zu vertrauen?
Die 2.Leidensankündigung eröffnet eine Reihe von Jüngerbelehrungen
Rangstreit unter den Jüngern, Umgang mit fremden Exorzisten, Warnung vor Verführung und Mahnung zur Einigkeit. Der Evangelist reflektiert hier Gemeindeprobleme
Andacht von Kristel Köhler
Mit der Betonung des Belehrens der Jünger wird Jesus deutlich in seiner Rolle als Lehrer akzentuiert und die Jünger in ihrer Schülerrolle dargestellt. Sie sollen direkt und mit Freimut (Mk 8,32) erzählt bekommen, wie Jesu weiterer Weg aussehen wird und welche Bedeutung seiner Sendung zukommt.
Anders als in der ersten Leidensankündigung wird nun das Ausgeliefertsein ins Zentrum gerückt. Der Menschensohn wird von den Menschen, also von Seinesgleichen, ausgeliefert – ein typisches Wort, das im Neuen Testament mit den Passionsereignissen verknüpft ist. Es umfasst die gesamte Bandbreite von Verrat, Verkauf, Verleugnung, falscher Anklage und allem, was Jesus im Zuge seines Leidensweges von Menschen angetan wird.
All diese Handlungen gipfeln in der Tötung des Gottessohnes, der als Mensch zu den Menschen gesandt wurde. Dem passiven Ausgeliefertsein und der Tötung folgt das aktive Auferstehen vom Tod. Der Menschensohn stellt sich den Bedrohungen der Menschen nicht aktiv entgegen, sondern erleidet sie. Dennoch bleibt er der Aktive, indem er den Tod besiegt und von ihm aufersteht.
Frage: Welche persönlichen Herausforderungen oder Widerstände in deinem Leben könnten dich daran erinnern, dass Loslassen und Vertrauen Teil eines größeren, spirituellen Prozesses sein können?
Vers 32 Unverständnis der Jünger
Mk 9,32: Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.
Sie aber verstanden das Wort nicht
In der volkstümlichen Vorstellung der Juden zur Zeit Jesu stellte der erwartete Messias einen charismatischen Führer dar, der berufen war, das Volk von der fremden Herrschaft zu befreien und eine neue politische Ordnung zu errichten.
Vor diesem Hintergrund erscheint es nur allzu verständlich, dass die Apostel ungemein verstört reagierten, als Jesus ihnen seinen Leidensweg ankündigte. Die Hoffnung auf einen irdischen Messias war so fest in den Aposteln verankert, dass sie die Worte des Herrn gleich beiseite schoben und sich mit einer Frage beschäftigten, die sie tief bewegte: Wo würde jeder von ihnen im zukünftigen Reich seinen Platz finden, und wem würde Jesus die größte Autorität verleihen?
Frage: Wie offen bin ich dafür, den Weg des Dienens und der Demut anzunehmen, auch wenn er anders aussieht, als ich es mir vorgestellt habe?
Nichtverstehen der Jünger
Dieses Nichtverstehen hatte seinen Grund nicht so sehr in der Langsamkeit des Geistes, als vielmehr in der Liebe zum Erlöser. Sie waren noch fleischlich gesinnt und mit dem Geheimnis des Kreuzes unbekannt, sodass sie nicht glauben konnten, dass der, welchen sie als wahren Gott erkannt hatten, sterben könnte.
Da sie ihn oft bildlich reden hörten, wollten sie aus Furcht vor dem Eintreten seines Todes auch in dem, was er von seiner Auslieferung und seinem Leiden unverhüllt sprach, eine bildliche Bezeichnung erkennen.
Goldene Perle
Frage: In welchen Momenten meines Lebens habe ich das Unfassbare nicht wahrhaben wollen, obwohl mein Herz spürte, dass es zur Erkenntnis führen könnte?
Andacht von Bertalan Egervári
Es scheint undenkbar, dass das Leben Jesu, des Sohnes Gottes, der Wunder wirkt, der immer für alles eine Lösung und einen Ausweg findet, auf solche Weise enden soll.
Wie schwer kann es auch für uns sein, den Plan Gottes für unser Leben zu akzeptieren, wenn er ähnlich schwer ist wie sein Plan für Jesus.
Wir brauchen vor allem Offenheit, um alles aus der liebenden Hand des Vaters annehmen zu können. Wir brauchen viel Glauben, um seine Nähe auch im Leid zu erkennen.
Und schließlich: Scheuen wir uns nicht, den Herrn im Gebet über seine Pläne mit uns zu befragen. Er wird uns helfen, sie anzunehmen, und uns auf den rechten Weg führen.
Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, Gottes Plan auch dann anzunehmen, wenn er meinem eigenen Verständnis widerspricht?
Sie scheuten sich, ihn zu fragen
Es ist wunderbar zu sehen, dass im Evangelium nichts beschönigt wird. Die Apostel geben hier ehrlich zu, dass sie den Sinn der Worte Jesu nicht verstanden hatten und auch, dass sie sich nicht trauten, ihn darüber zu befragen.
Jesus wusste das und hat sie dennoch deswegen nicht gemaßregelt. Jesus „zaubert“ unsere Schwäche nicht hinweg. Wir dürfen schwach sein, und er löst auch diese Schwäche nicht einfach auf. Er nimmt sie an. Er begleitet uns.
Diese Liebe ist das eigentliche Geheimnis Jesu. Die Jünger wussten sich von Jesus geliebt, und darum sind sie ihm gefolgt. Jesus liebt uns – liebt mich – mit der gleichen Liebe.
Frage: Wo in meinem Leben spüre ich die bedingungslose Liebe Jesu, und wie könnte ich ihr noch mehr Raum geben?
Dich, Jesus, verstehen
Du hast deinen Jüngern alles sehr deutlich erklärt. Auch mir hast du alles offenbart. Doch ich habe den Sinn deiner Worte noch nicht verstanden.
Du redest von Auferstehung und ewigem Leben: Doch ich kann mir darunter kaum etwas vorstellen.
Und das macht meine Gebetszeit so spannend: Denn ich habe so vieles, was ich dich fragen möchte – über die Lage unserer Kirche, über die einst so Eifrigen, die von dir abgefallen sind, über den Sinn der Krankheit in meinem Leben.
Es ist sehr befreiend, mit dir das einmal besprechen zu können.
Leonhard Maier
Frage: Wo begegnest du in deinem Leben der Hoffnung auf Auferstehung – und wie verändert sie deinen Blick auf das, was schwer ist?