Achtsam im Jetzt leben

Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Achtsam im Jetzt leben

1 Eins nach dem anderen

Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit. Koh 3,1

Nimm dir am Beginn des Tages ein paar Augenblicke Zeit. Stell dir vor: Ich muss jetzt gar nichts tun, ich bin einfach ganz im Augenblick. Dieser Augenblick gehört mir. Ich lebe darin. Und wenn ich jetzt in meinen Tag gehe, dann versuche ich auch, ganz im Augenblick zu sein – ganz bei dem Gespräch, das ich gerade führe, ganz bei dem, was ich tue, ganz bei den Menschen, denen ich begegne. Ich lasse mich weder von Terminen noch von Aufgaben noch von Gedanken an später unter Druck setzen. Ich wende mich ganz dem Augenblick zu. Probiere das immer wieder aus. Du wirst spüren, dass du nicht unter Druck gerätst, dass die Zeit dich nicht auffrisst, sondern dass sie zu einer guten und erfüllten Zeit wird. Du tust eins nach dem anderen und bist ganz bei dem, was gerade ist.

2 Leben ist immer jetzt

Sorgt euch nicht um den morgigen Tag. Mt 6,34

Wenn wir uns genau beobachten, dann sind wir mit unseren Gedanken oft in der Zukunft. Wir kreisen um die Zukunft. Was bringt die Zukunft? Oft genug tauchen dann Ängste vor der Zukunft auf. Was könnte alles geschehen? Wenn wir uns dabei ertappen, dass wir mit unseren Gedanken ständig um die Zukunft kreisen, dann ist es gut, uns gleichsam zurückzurufen: Was morgen, was nächstes Jahr, was in ferner Zukunft sein wird, das liegt nicht in meiner Hand. Daher lohnt es sich nicht, darüber nachzudenken. Ich lebe jetzt und stelle mich dem Augenblick. Anselm Grün

Vertraue die die Zukunft Gottes Fürsorge an. Augustinus

3 Gott ist da

Der Herr, euer Gott, geht mit euch. Er hält immer zu euch und lässt euch nicht im Stich! Dtn 31,6

Gott ist mir nicht fern. Er wohnt in meinem Innersten. Ich bin in ihm geborgen. Es gibt nichts, was ich tun könnte, das diese Verbindung zerstört, keinen Ort, an den ich gehen könnte, an dem er nicht bei mir wäre. Viele meiner Sorgen entstehen aus dem Gedanken, ich sei von Gott getrennt. Doch diese Trennung ist eine Illusion. In Wahrheit bin ich nie allein. Gott ist gegenwärtig: jetzt, hier, in jedem Moment meines Lebens. Für ihn gibt es keine ausweglosen Situationen. Er ebnet meinen Weg und bringt Frieden in meine Unruhe. Sein Geist in mir stillt die Stürme, die mich bewegen. Was auch immer dieser Tag bringt – ich muss mich nicht fürchten. Gott ist mächtig, und er geht an meiner Seite. Ich bin unauflöslich mit meinem Schöpfer verbunden. Nichts kann seine Liebe von mir abwenden.

Ich darf darauf vertrauen: Ich bin gehalten, ich bin versorgt, und ich bin sicher – geborgen in Gottes liebevollen Armen.

4 Neues hat begonnen

Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen! 2 Kor 5,17

Manchmal tragen wir gestern noch mit uns herum: alte Fehler, Verletzungen oder Worte, die wir nicht vergessen können. Ich kenne das nur zu gut! Doch das alles ist Vergangenheit! In Gottes Gegenwart dürfen wir neu aufatmen. Jeder neue Tag ist eine Einladung, das Schwere loszulassen und neu anzufangen. Was gewesen ist, muss mich nicht gefangen halten. Durch Gottes Liebe darf ich vergeben: anderen und auch mir selbst. Seine Gnade ist größer als meine Schuld und stärker als meine Angst und all meine Vergangenheit. Darum will ich mein Herz öffnen, will Frieden empfangen statt Sorgen festzuhalten. Gottes Licht ist genau jetzt in mein Leben hinein. Nur in seiner Nähe finde ich Ruhe, Freiheit und neue Hoffnung. Alles, was war, darf ich ihm hinlegen und alles, was kommt, vertrauensvoll aus seiner Hand annehmen.

5 Gottes Wunder erkennen

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Wir wollen uns freuen und fröhlich sein in ihm! Ps 118,24

Wie leicht übersehe ich im Alltag das Gute, das mich umgibt – ein freundliches Wort, ein stiller Moment, ein unerwarteter Segen. Dabei ist jeder Tag ein Geschenk und jeder Augenblick voller Möglichkeiten, Gottes Nähe zu entdecken. Heute möchte ich bewusst hinschauen und dankbar annehmen, was mir geschenkt wird. In jedem Menschen begegnet mir ein Funke von Gottes Liebe. In jedem Moment kann etwas Wunderbares geschehen. Herr, öffne meine Augen für die Schönheit des Lebens, meine Ohren für die Wahrheit meines Herzens und meinen Geist für deine sanfte Berührung. Lass mich nicht achtlos an deinen Segnungen vorbeigehen. Schenke mir einen neuen Blick, damit ich die kleinen und großen Wunder dieses Tages erkenne.

6 Nicht sehen und doch glauben

Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nie gesehen habt. Obwohl ihr ihn nicht seht, glaubt ihr an ihn. 1 Petr 1,8

Das ist nämlich unsere gegenwärtige Situation: Wir sehen ihn nicht und können ihn trotzdem erkennen. Wie kann das sein? Weil wir seine Person nicht mehr spürbar und bewusst wahrnehmen. Wir können ihn nicht ansehen, nicht hören, uns nicht mit ihm unterhalten, ihm nicht von Ort zu Ort folgen. Dennoch erfreuen wir uns auf geistliche, unkörperliche, innerliche Weise, im Geist und real seines Anblicks und besitzen ihn: wir besitzen ihn realer und er ist uns gegenwärtiger, als es bei den Aposteln der Fall war in den Tagen seines irdischen Leibes, eben genau deshalb, weil dieser sein Leib jetzt geistlich, weil er unsichtbar ist. Wir sehen ihn nicht, wir erkennen seine Gegenwart nur aus dem Glauben heraus, denn er ist größer als wir und in uns gegenwärtig. Wir sind deshalb traurig, weil uns das Bewusstsein seiner Gegenwart fehlt, und wir freuen uns, weil wir wissen, dass wir ihn besitzen. Newman

7 Die Liebe Jesu Christi zu uns

Ich bin überzeugt: Nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Röm 8,38

Die Liebe Jesu Christi zu uns – was ist das? Ist sie uns nur ein Wort oder haben wir sie erfahren. Nur wer sie erfahren hat, kann den andern mit dieser Liebe wiederlieben.

Jesu Liebe: das ist die Liebe, die aus der Ewigkeit kommt und auf die Ewigkeit zielt. Sie hängt nicht an zeitlichen Dingen, sondern sie umfaßt uns, weil wir ewig sein sollen. Sie läßt sich durch nichts hindern, sie ist Gottes ewige Treue zu uns.

Jesu Liebe: das ist die Liebe, die keinen Schmerz, keinen Verzicht, kein Leiden scheut, wenn es dem andern hilft. Es ist die Liebe, mit der er uns allein um unsertwillen geliebt hat, dafür auf Erden den Spott und Haß der Menschen auf sich geladen hat und am Kreuze starb. Jesu Liebe ist Liebe, die das Kreuz auf sich nimmt.

Jesu Liebe: das ist die Liebe, die uns gilt so wie wir sind. Wie eine Mutter ihr Kind liebt so wie es ist und es je mehr liebt, je größere Not es ihr bereitet, weil sie weiß, daß es ihre Liebe braucht – so ist die Liebe Jesu zu uns. Er nimmt uns an, wie wir sind.

Bonhoeffer

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