Tugend der Klugheit

Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Tugend der Klugheit

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1. Klugheit – eine wichtige Tugend 

Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Mt 7:24

In der Bibel ist Klugheit ein häufiges Thema. Klugheit meint nicht Intelligenz oder Schlauheit. Der Kluge ist nicht der Vielwisser, sondern der, der das Wesentliche erkennt, bedenkt und danach handelt.

Als Tugend bezeichnet sie die Fähigkeit zu angemessenem Handeln im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung aller für die Situation relevanten Faktoren, Handlungsziele und Einsichten, die der Handelnde kennen kann.

Knapper formuliert: Klugheit ist die Gabe, richtig zu entscheiden, nicht unbedingt durch hoch komplexe Überlegungen, sondern vielmehr aus der Klugheit des Herzens. Es gibt keine bessere und erstrebenswertere Klugheit als die Einfalt des Herzens.

Klug ist, wer die Wirklichkeit sieht, wie sie ist, wer auf den Grund der Dinge sieht. Klug ist allein, wer die Wirklichkeit in Gott sieht. Bonhoeffer

Frage: Wie kann ich heute bewusst auf die Stimme meines Herzens hören, um kluge Entscheidungen zu treffen?

2. Klugheit ist vorausschauend

Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen. Mt 25:4

Das lateinische Wort für Klugheit ist prudentia und meint Voraussicht. Klugheit handelt nicht impulsiv, sondern schaut voraus und bedenkt mögliche Konsequenzen.

Klug ist nur der, der den größeren Horizont hat, wie die klugen Jungfrauen, die vorausschauend genügend Öl für die Lampen mitnehmen. Die klugen Jungfrauen sehen sich vor. Sie schauen über den Augenblick hinaus und bedenken die Zukunft. Die törichten Jungfrauen leben nur in den Augenblick hinein.

Lebe vorausschauend. Achte in deinem Leben darauf, dass du nicht überstürzt handelst.

Die Klugheit wird euch geduldig machen mit euch selbst und mit den anderen. Phil 2,12

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du heute schon Entscheidungen treffen, die dich in der Zukunft schützen und stärken?

3. Klugheit ist praktisch

Verhaltet euch klug. Eph 5:15

Klug ist nur die Einsicht, die zur Tat wird. Die gute Absicht reicht für ein gutes Handeln nicht aus, es muss in die Tat umgesetzt werden.

Ich überlege mir zum Beispiel, wie ich heute konkret mit einer Person umgehen kann, die mir Schwierigkeiten bereitet. Klugheit überlegt, welche Handlungen zu welchem Ergebnis führen werden und wählt die Handlung aus, die zum gewünschten Ziel führt.

Mit diesen Überlegungen und im Gebet gehe ich dann in diese Begegnung. Das ist praktische, vorausschauende Klugheit, die verhindert, dass ich allein durch meine Stimmungen und Leidenschaften bestimmt werde. Jeder Tag bietet hier zahlreiche Möglichkeiten.

O Tage der Arbeit und des Einerleis, ihr seid gar nicht so eintönig für mich, denn jeder Augenblick verschafft mir neue Gnaden und neue Möglichkeiten, Gutes zu tun. Faustina

Frage: Welche kleine Handlung heute könnte deine Einsicht in die Tat umsetzen und inneren Frieden fördern?

4. Klugheit ist Erkenntnis der Wirklichkeit

Klugheit ist Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Thomas v. Aquin

Um klug zu handeln, muss ich mich darin üben, das, was da ist, möglichst genau wahrzunehmen. Klugheit hat immer mit Wahrheitserkenntnis zu tun. Nur dann kann ich entscheiden, was in einer bestimmten Lage das Richtige, das Gute ist.

Klugheit, Wahrheit und Gutheit hängen unmittelbar zusammen. Wenn ich jemandem Gutes tun will, muss ich zuerst erkennen, was für diesen Menschen wirklich gut ist.

Und wenn es Streit gibt, reicht es meist nicht aus, schlicht zur Versöhnung aufzurufen. Vielmehr ist es notwendig, die Wirklichkeit zu erfassen: verschiedene Meinungen, Ursachen und Hintergründe.

Frage: Wie offen bin ich wirklich dafür, die Wahrheit hinter den Situationen meines Lebens zu erkennen, auch wenn sie unbequem ist?

5. Klugheit ist hörend

Ihr Einfältigen, werdet klug. Spr 8:5

Dein Wort macht mich klug. Psalm 119, 104

Wenn wir weise, wenn wir klug werden wollen, dann brauchen wir ein hörendes Herz. Ein hörendes Herz ist wach, interessiert, aufnahmefähig, schaut in Ruhe hin und nimmt wahr, was geschieht, ohne sofort zu urteilen, ohne schon Bescheid zu wissen.

Klugheit und ein hörendes Herz sind nicht trennbare Geschwister. Die wahre Klugheit bleibt stets hellhörig, offen für die Eingebungen Gottes.

Frage: Wie offen ist mein Herz wirklich für die stillen Hinweise und Impulse, die mich führen wollen?

Gebet: Heiliger Geist, erleuchte mein Herz und lass mich das Wort Gottes verstehen. Jesus sei immer in deinen Gedanken, in deinem Herzen und vor deinen Augen.

6. Klugheit ist demütig

Haltet euch nicht selbst für klug! Röm 12:16

Achte darauf, dass deine Klugheit demütig ist. Umstände, die für Entscheidungen wichtig sind, können oft schwer abgeschätzt werden.

Als Tugend der Entscheidung beinhaltet die Klugheit immer auch das Risiko der Fehlentscheidung. Nicht der ist klug, der niemals irrt, sondern der, der es fertigbringt, seine Fehler zu berichtigen und dabei auch die Möglichkeit in Kauf nimmt, zehnmal neu zu irren, anstatt sich in bequemes Nichtstun zu flüchten.

Das größte Hindernis auf dem Weg zur Klugheit ist daher die Überheblichkeit, die meint, schon alles zu wissen. Wer sich für wissend hält, der hört nicht mehr hin. Der nimmt nicht mehr wahr.

Kennst du einen, der sich selbst für weise hält?  Für einen Dummen ist mehr Hoffnung als für ihn. Spr 26:12

Frage: In welchen Momenten habe ich die Demut, meine eigenen Irrtümer zu erkennen, und wie kann ich daraus wachsen?

7. Sei klug und vertraue allein dem Herrn

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl. Ps 1:3

Der Schlüssel zur Klugheit ist ein hörendes Herz, das die Welt wahrnimmt und Gott ernst nimmt. Allein darauf kommt es an, dass wir klug sind und darin allein ihm vertrauen. Alles andere wird er richten.

Wenn wir auf Gottes Wort hören, handeln wir klug, dann sind wir wie ein Baum, der nah am Wasser gepflanzt ist. Die Wasserbäche aber sind die Vergebung und die Gnade in Jesus Christus.

Durch ihn und die Freude an seinem Gesetz bringen wir Frucht zur rechten Zeit: in der Zeit des Leidens Geduld, in der Zeit der Prüfung den Glauben und in der Zeit des Glückes die Freude.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute mein Herz noch mehr öffnen, um Gottes Führung wahrzunehmen und in allen Zeiten Frucht zu tragen?

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