Burnout und Beziehung
Christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Burnout und Beziehung
Inhaltsverzeichnis
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1. Burnout kommt nicht nur von Streß
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Mt 19,19
Von Lehrern wusste ich es, zuletzt habe ich es von Priestern gelesen, auch im Privaten bin ich damit konfrontiert: Burnout. Warum brennen wir aus? Bislang dachte ich, es sei schlicht der Stress.
Stressreduktion ist aber einfacher gesagt als getan, besonders wenn zum Beispiel Mitarbeiter krank sind und man deren Arbeit auffangen muss.
Dieses Jahr habe ich ein tolles Buch von Dr. Mirriam Prieß gelesen: „Burnout kommt nicht nur von Stress.“ Lesenswert!
Grundthese: Nicht jeder Mensch, der Stress hat, landet im Burnout. Die entscheidende Rolle spielt vielmehr, dass wir die Beziehung zu uns selbst, zur Umwelt und zu Gott verlieren und ein Leben fern unsrer selbst führen.
Was das konkret bedeutet, darum soll es die Tage gehen.
Frage: Wo in meinem Leben habe ich vielleicht den Kontakt zu mir selbst, zu meiner Umwelt oder zu Gott verloren, ohne es bewusst zu merken?
2. In Beziehung mit Jesus sein
Werdet stark, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid! Eph 6:10
Du bist äußeren Stress-Umständen nie restlos ausgeliefert, sondern kannst deine Widerstandskraft stärken.
Klar: Stress kann auftreten, wenn es nicht so läuft, wie du es willst. Aber: Nicht immer dann, wenn es nicht so läuft wie gewollt, muss Stress unbedingt auftreten! Darin liegt unsere Eigenverantwortung.
Stärken wir unsere Widerstandskraft, sind wir mit uns selbst und den anderen im echten Kontakt. So gehen wir mit Stress anders um. Darin liegt unsere Kraft und Chance.
Neben vielen, vielen anderen Dingen wird unsere Kraft vor allem durch die Beziehung zu Jesus gestärkt. Hören wir ihn, wenn er uns ruft.
Frage: Wie kann ich heute bewusst meine innere Widerstandskraft stärken und offen für die Führung durch Jesus bleiben?
3. In Beziehung mit sich selbst
Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Joh 14,20
Suche die Beziehung mit dir selbst! Halte inne und frage, wer du bist und was du willst. Der innere Dialog ist unerlässlich. Wenn wir den Kontakt zu uns selbst verlieren, dann funktionieren wir nur noch.
Flüchte dich nicht in die Opferrolle, steck den Kopf nicht in den Sand, indem du alles auf die Umstände schiebst. Erkenne stattdessen deine Bedürfnisse und vertrete sie.
Und erkenne die Krise, zum Beispiel eine Burnout-Gefährdung, auch als Chance. „Gott spricht zu uns durch Misserfolge und Krisen, um uns aufzuwecken, zur Besinnung zu bringen und vor der Selbstzerstörung zu retten.“ (Faustina)
Die Krise als Chance neu zu entdecken, bedeutet, zu erkennen, worauf es im Kern ankommt: Beziehung. Die Beziehung zu mir selbst und die Beziehung zu Jesus sind eine Einheit, weil wir in ihm und er in uns ist.
Daher: Lebe die Beziehung zu Jesus und sei im Dialog mit dir selbst.
Frage: In welchen Momenten spüre ich am stärksten, dass meine Beziehung zu mir selbst und zu meinem Glauben im Einklang ist?
4. In Beziehung mit den Anderen
Petrus aber sah ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an. Apg 3:4
Eine wundervolle Stelle für Beziehung in der Apostelgeschichte. Das Sich anschauen erzeugt eine Nähe. In dieser Nähe bewegst du dich permanent in einem Spannungsfeld zwischen inneren Bedürfnissen und äußeren Anforderungen.
So ist es nicht verwunderlich, dass der meiste Stress Beziehungsstress ist. Umso mehr müssen wir auf die Qualität dieser Beziehungen achten. Hört sich simpel an, aber ich weiß durch meine Teamarbeit, dass wir oft monologisieren und im scheinbaren Gespräch nicht wirklich beim Nächsten sind. Das lässt uns leer werden und ausbrennen.
Wenn mir das passiert, schaue ich dem anderen bewusst in die Augen. Das hilft, um wieder ganz bei mir und ganz beim anderen zu sein. Bedenke: Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht.
Frage: Wie würde sich mein Umgang mit anderen verändern, wenn ich jeden Moment als heilig und bewusst wahrnehme?
5. Das Käfermodell
Der Herr ist meine Stärke. Ps 28:7
Es gibt sechs entscheidende Lebensbereiche: Beruf, Familie, Gesundheit, soziale Kontakte, Hobbys und Glaube.
- Achte auf ein Gleichgewicht zwischen allen Lebensbereichen. Nicht nur der Job ist wichtig!
- Schaue, ob es in einem Bereich Konflikte gibt. Diese haben immer Vorrang. Alles andere wäre Flucht oder Verdrängung.
- Wissenschaftlich nachgewiesen: Ein starker Lebensbereich, zum Beispiel der Glaube, wirkt sich positiv auf die anderen Lebensbereiche aus. Top! Der Herr ist meine Stärke.
- Bei alledem immer wieder: Vermeide Schuldzuweisungen an dich oder andere. Es ist eine Frage deiner Verantwortung. Es sind nicht die äußeren Bedingungen, über die du dich erschöpfst, sondern es ist dein Umgang damit.
Frage: In welchem Lebensbereich könntest du heute bewusst mehr Stärke entwickeln, um dein gesamtes Gleichgewicht zu fördern?
6. Störungen haben Vorrang
Geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Mt 18:15
Lerne, Störungen in den verschiedenen Lebensbereichen rechtzeitig anzusprechen und zu klären, um Konflikten vorzubeugen. Wir können ausbrennen, weil wir Dingen zu lange ihren Lauf gelassen haben. Das Ergebnis ist oft eine Scheinharmonie, und der schwellende Konflikt schlägt später umso stärker zurück.
Lösungsorientiertes Denken ist für mich ein entscheidender Ansatz. Häufig ist es meine eigene Überzeugung, dass eine Lösung unmöglich erscheint. Dennoch glaube an eine Lösung. Der Weg dahin führt nur über echte und klare Kommunikation – sei es im Beruf, in der Beziehung oder anderswo – und über das Gebet zum Heiligen Geist um Lenkung.
Atme in mir, Heiliger Geist!
Frage: Welche ungesprochenen Konflikte trägst du in dir, die durch offene Kommunikation und spirituelle Führung Heilung finden könnten?
7. Die Macht der inneren Realitäten (1)
Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. 2. Kor 3:17
Seit unserer Kindheit werden wir geprägt. Durch diese Prägung entstehen innere Realitäten, die mächtig sein können.
Eigenes Beispiel: In meiner Familie habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Streit oder Konflikt häufig nicht ausgetragen wurde, sondern man sich anschweigte. (Heute, Gott sei Dank, ist das nicht mehr so.)
In meinem Erwachsenenleben erkannte ich, dass ich dann gestresst wurde, wenn Konflikte unausgesprochen blieben – Magenkrämpfe! –, in unbewusster Erinnerung an die alte Ohnmacht.
Wenn du diese Prägung erkennst, kannst du dich kraft des heiligen Geistes daraus befreien. Ich habe es mittlerweile gelernt, Konflikte offen anzusprechen. Immer wieder: Sehe dich nie als Opfer deiner Kindheit oder der Umstände, sondern erkenne deine eigene Verantwortung zur Veränderung.
Frage: Welche inneren Muster aus deiner Kindheit spürst du noch, die dich heute in deinem Leben beeinflussen, und wie könntest du sie mit Bewusstsein und Liebe transformieren?
8. Die Macht der inneren Realitäten (2)
Durch Christus seid ihr dazu berufen, frei zu sein. Gal 5:13
Stress entsteht nie durch eine Situation an sich, sondern durch deren subjektive Bewertung, die wesentlich durch unsere Prägung beeinflusst wird.
Darum noch ein persönliches Beispiel: Ich habe im Alter von 15 Jahren ein Jahr meine Oma mitgepflegt. Ich habe dadurch viel Selbstbestätigung durch die Übernahme von Verantwortung für die Familie bekommen. Aus dieser Erinnerung ist die Selbstdefinition „Ich bin für andere da“ entstanden.
Ich fühlte mich schnell dazu verpflichtet, Aufgaben zu übernehmen, und konnte nur schwer nein sagen. Wenn du diese Prägung erkennst, kannst du dich in Christus daraus befreien, denn seine nie vergehenden Worte führen in diese Freiheit. Ich habe es mittlerweile gelernt, auch nein zu sagen und mich nicht für alles verantwortlich zu fühlen.
Frage: Welche alten Prägungen tragen vielleicht noch unbewusst Verantwortung auf deine Schultern, und wie könntest du sie in Christus loslassen?
9. Fehlender Umgang mit Emotionen
Der Herr gab dem Menschen den Verstand, um seine innersten Gedanken und Gefühle zu durchleuchten. Spr 20:27
Du bist eine tickende Zeitbombe, wenn du nicht in Kontakt mit deinen Gefühlen bist. Tust du es nicht, entsteht ein innerer Konflikt, wodurch sich Druck und Anspannung massiv erhöhen.
Der innere Konflikt beginnt dort, wo du gegen deinen eigenen Willen handelst. Das brennt dich aus. Es wiegt umso schwerer, mit sich selbst nicht mehr zurechtzukommen, als mit den äußeren Umständen nicht zurechtzukommen.
Gefühle zu ignorieren und den inneren Dialog abzubrechen, ist ein sicherer Weg in das eigene Aus.
Frage: Welche Gefühle verdrängst du gerade, und wie würde es sich anfühlen, ihnen bewusst Raum zu geben?
10. Lasse los was war
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Meister Eckhart
Verarbeite die Vergangenheit, die in der Gegenwart und in der Zukunft ein Hindernis ist, und lasse sie dann ruhen. Verabschiede dich von dem, was nicht war, und ziehe einen Strich unter das Gewesene.
Blicke nach vorne und auf das, was jetzt möglich ist. Finde heraus, was du jetzt wirklich brauchst. Du bist immer nur der, der du jetzt bist, und nicht der, der du einmal warst.
Jedes Defizit in der Vergangenheit bleibt ein Defizit. Jede Wunde bleibt eine Wunde oder wird bestenfalls zur Narbe. Die einzige Chance, die du hast, ist im Hier und Jetzt das voll zu leben, was dir heute entspricht.
Frage: Welche alte Last könntest du heute loslassen, um freier deinem wahren Selbst zu begegnen?
11. Entspanne regelmäßig
Da sagte Jesus zu ihnen: Kommt, wir gehen an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und wo ihr euch ein wenig ausruhen könnt. Mk 6,31
Sorge für regelmäßige Entspannungszeiten. Mindestens einmal am Tag solltest du das bewusste Gefühl der Entspannung erfahren. Plane bewusst Pausen in deinen Alltag ein. Achte darauf, erholsamen und ausreichenden Schlaf zu bekommen. Urlaub ist ebenso wichtig – gönn dir diese Auszeit! Ebenso solltest du auf deine Ernährung achten. Der Mensch ist, was er isst: Ausgewogen essen und die wichtigen Vitamine nicht vergessen.
Durch diese Entspannungsphasen bewahrt Gott dein Leben. Das deutsche Wort bewahren stammt vom althochdeutschen wara und bedeutet „Aufmerksamkeit, Acht, Obhut, Aufsicht“. Es drückt aus, dass wir aufmerksam und behutsam mit unseren physischen und psychischen Energien umgehen.
Frage: Wie kannst du heute bewusst auf deine innere und äußere Balance achten, um deine Energie zu bewahren?
12. Lerne, nein zu sagen
In jedem NEIN steckt ein JA für den eigenen Freiraum. Anselm Grün
Lerne, Nein zu sagen – nicht nur zu anderen, sondern auch zu dir selbst, und erkenne deine Grenzen an. Setze Prioritäten und vertrete diese.
Ja, Menschen dürfen Erwartungen an mich haben. Aber ich habe die Freiheit, auf diese Erwartungen zu reagieren. Ich entscheide, welche Erwartungen ich erfülle und gegenüber welchen ich mich abgrenze.
Wenn ich diese innere Freiheit habe, werde ich nicht aggressiv gegenüber den Menschen sein, die Erwartungen haben. Ich respektiere ihre Ansprüche. Aber ich muss diese Ansprüche nicht erfüllen. Ich tue das, was ich für richtig halte.
Sicher: Der Nächste kann dadurch verletzt oder enttäuscht werden, und ich selbst kann durch das Nein abgelehnt werden. Nicht die Ansprüche sind das Problem, sondern unsere Reaktion darauf.
Wir müssen die innere Freiheit wiedergewinnen. Dann können wir gelassener mit den Ansprüchen umgehen.
Frage: Welche Erwartungen kann ich heute loslassen, um meine innere Freiheit zu stärken?
13. Schluß mit dem Ärger
Du lässt dich vom Ärger mitreißen. Hiob 15:12
Höre auf oder minimiere es zumindest, dich über dich oder andere zu ärgern. Mache dir folgenden Grundsatz zu eigen: keine Energie in die Verärgerung, sondern in die Veränderung!
Dazu ein Wort von Franz von Sales:
Alles, was uns da in den Weg kommt, kann uns Anstoß sein, das Gleichgewicht zu verlieren und hinzufallen: bald ist es ein Ärger, bald ein Gerede, bald schlechte Laune, in der uns kein Mensch etwas recht machen kann. Dann wieder ekelt uns der Beruf an, weil wir in einem Anfall von Schwermut glauben, daß wir doch nichts leisten. Kurz, alles Mögliche kommt da in unserer seelischen Kleinwelt vor.
Wenn ich in eine Situation komme, in welcher der innere Impuls des Ärgers in mir aufsteigt, lenke ich diesem Impuls entgegen, entscheide mich bewusst dafür, im Frieden Jesus zu bleiben und überlege, was ich nun tun kann. Das hilft nicht immer, aber sehr, sehr häufig.
Frage: Wie kannst du in deinem Alltag bewusster den Frieden bewahren, anstatt in Ärger zu verfallen?
14. Lebe, lebe, lebe !
Ich aber bringe Leben und dies im Überfluss. Joh 10:10
Ein Mensch, der gesund bleiben will, muss sich in seinem Leben beheimatet fühlen. Sich mit sich und bei den anderen zu Hause zu fühlen ist das elementare Lebensgefühl.
Dann kann ich immer wieder rasten und ruhen, regenerieren und entspannen. Lebe!
Denn je mehr du in deinem Leben funktionierst, desto weniger kommst du auf deine Kosten. In dem Moment, in dem du anfängst zu funktionieren, hörst du auf zu leben. Du drehst dir selbst den Lebens-Hahn zu und bewegst dich auf der reinen Ausgabenseite.
Frage: Wann habe ich das letzte Mal bewusst aufgehört zu funktionieren, um einfach nur zu leben und anzukommen?
Das war eine christliche Auslegung, Kommentar und Andacht zum Thema Burnout