Psalm 44
Klagelied des Volkes
Auslegung und Andacht

Psalm 44 im Überblick: Der 44 Psalm im Detail erklärt. Erfahre, welche Kernbotschaft in diesem Psalm steckt und wie du sie leben kannst.

Andacht zu Psalm 44

Psalm 44 gehört zu den bewegendsten „Klagepsalmen“. Er beschreibt die Spannung zwischen Gottes früheren Taten und einer gegenwärtigen, schmerzhaften Niederlage, die das Volk trotz seiner Treue erlebt.

  • ​Rückblick auf Gottes Treue: Der Psalm beginnt mit der Erinnerung daran, dass Gott sein Volk in der Vergangenheit gerettet hat. Dies dient als Fundament für das Vertrauen in schweren Zeiten.
  • ​Die Klage über das Schweigen Gottes: Das Volk leidet, obwohl es nicht vom Glauben abgefallen ist. Diese Ehrlichkeit zeigt uns, dass wir Gott auch unsere Verwirrung und unseren Schmerz über unerklärliches Leid bringen dürfen.
  • ​Der Ruf nach Erlösung: Trotz der Not endet der Psalm mit einem dringenden Appell an Gottes Gnade. Der Fokus liegt nicht auf der eigenen Leistung, sondern auf der unverdienten Güte Gottes.

​Fazit: Psalm 44 lehrt uns, dass Glaube auch in dunklen Phasen bestehen darf, in denen wir keine Antworten haben. Er ist ein Gebet für alle, die trotz ihrer Treue zu Gott tiefe Krisen durchmachen.

Ps 44, 1-4 Erinnerung an die Großtaten Gottes

Vers 1-2 Ohren hörten deine einstigen Taten

Ps 44:1: Dem Vorsänger. Von den Söhnen Korahs. Ein Maskil.

Ps 44,2: O Gott, mit unseren eigenen Ohren haben wir es gehört, unsere Väter haben es uns erzählt, was du für Taten getan hast zu ihrer Zeit, in den Tagen der Vorzeit!

Vom Hören

Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört. Wir haben es nicht nur gehört, sondern auch beachtet, mit gespanntester Aufmerksamkeit und herzlicher innerer Anteilnahme gehört.

Vom Erzählen

Was wir mit den Ohren hören, wirkt viel stärker auf uns als was wir mit den Augen lesen. Das sollten wir beachten und jede sich bietende Gelegenheit nutzen, das Evangelium von unserm Herrn mit der lebendigen Stimme zu verkündigen, denn das ist das weitaus wirksamste Mittel zu seiner Verbreitung.

Andacht zu Psalm 44,2

Erinnerungen sind kostbar – besonders, wenn sie uns von Gottes Wirken erzählen. Die Geschichten unserer Eltern und Großeltern über Gottes Treue in schweren Zeiten geben Halt, wenn wir selbst uns fragen: Wo ist Gott heute?

Vielleicht spüren wir ihn gerade nicht, aber das heißt nicht, dass er nicht wirkt. Psalm 44 lädt uns ein, auf das zu hören, was Gott schon getan hat.

Es stärkt den Glauben, wenn wir sehen, wie treu er war – und es schenkt Hoffnung, dass er es auch heute ist.

Erzähl weiter, was du mit Gott erlebt hast. Deine Geschichte könnte der Glaube eines anderen werden.

Frage: Wie kannst du heute die Spuren von Gottes Treue in deinem Leben neu entdecken und weitergeben?

Vers 3 Vertriebst Völker

Ps 44:3: Du hast mit deiner Hand die Heidenvölker vertrieben, sie aber gepflanzt. Du hast Völker zerschmettert, sie aber ausgebreitet.

Andacht von Augustinus

Wer sind die Völker, die die Hand Gottes vertrieben hat? Es sind die Götzen, die Dämonen und der Geist des Stolzes, der die Herzen der Menschen beherrschte! ​Wer ist die Pflanzung Gottes? Es sind die Demütigen, die an Christus Glaubenden!

Vers 4 Deine Rechte rettete

Ps 44:4: Denn nicht mit ihrem Schwert haben sie das Land gewonnen, und nicht ihr Arm hat ihnen geholfen, sondern deine rechte Hand und dein Arm und das Licht deines Angesichts; denn du hattest Wohlgefallen an ihnen.

Dein Arm hat ihnen geholfen

Dieser Vers reflektiert eine tiefgreifende Erkenntnis:

Der Erfolg und das Wohlstand Israels kommen nicht durch menschliche Anstrengungen oder militärische Stärke, sondern durch Gottes direkte Unterstützung und Gnade.

Die Menschen erkennen an, dass es Gottes Schutz, seine Macht und sein Wohlwollen sind, die sie erhalten haben.

Diese Einsicht fördert Demut und Dankbarkeit, da sie verstehen, dass ihre Segnungen letztlich auf Gott zurückzuführen sind.

In unserer eigenen Lebensrealität könnte dies bedeuten, dass wir uns bewusst machen, wie oft wir im Stillen auf Gottes Hilfe angewiesen sind, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind.

Frage: Wie oft erkenne ich im Alltag die verborgene Unterstützung, die mich trägt, und wie verändert dieses Bewusstsein meine Haltung gegenüber meinen Erfolgen?

Ps 44, 5-9 Bekenntnis des Vertrauens

Vers 5 Mein König

Ps 44:5: Du bist derselbe, mein König, o Gott. Gebiete du Rettung für Jakob!

Rettender König

Weil Gott allein König ist, kann nur er die Rettung gebieten. Befiehlt er sie, geschieht sie auch. Und er rettet, damit wir uns ihm als König unterwerfen.

Das Wissen um die völlige Abhängigkeit von Gott ist unerlässlich. Das Sich Verlassen und Vertrauen auf eigene Macht ist nicht gut. Denn vertrauen oder sich verlassen gehört allein Gott zu.

Je weniger Vertrauen wir in uns selber oder irgendetwas außer Gott setzen, desto gewisser ist, dass unser Glaube an Gott aufrichtig ist.

Frage: Wie spüre ich in meinem Alltag die Balance zwischen meinem eigenen Handeln und dem Vertrauen auf die Führung Gottes?

Vers 6 Mit dir zertreten wir die Gegner

Ps 44:6: Durch dich wollen wir unsere Feinde niederstoßen. In deinem Namen wollen wir unsere Widersacher zertreten.

Unsere Feinde

Wer sind unsere eigentlichen Feinde? Es sind nicht primär die Menschen aus Fleisch und Blut, sondern die unsichtbaren Mächte – der Teufel, die Dämonen und die Sünden unseres eigenen Fleisches. Aus eigener Kraft können wir diesen Feinden nicht standhalten. Wer aber 'in Gott' steht und das Horn der Demut und des Kreuzes erhebt, der stößt die Versuchungen des Teufels wie Spreu im Wind davon. Nicht wir siegen, sondern die Gnade Gottes in uns. Andacht von Augustinus

Vers 7 Vertrauen auf Gottes Sieg

Ps 44,7: Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, und mein Schwert kann mir nicht helfen.

Ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen

Dieser Vers drückt eine tiefe Demut und ein starkes Vertrauen auf Gottes Hilfe aus.
Der Beter erkennt, dass menschliche Mittel wie Waffen und strategische Fähigkeiten letztlich nicht über den Erfolg oder Schutz entscheiden können.

Stattdessen betont er, dass nur Gott die wahre Quelle der Rettung und des Schutzes ist. Diese Einsicht lehrt uns, unsere Abhängigkeit von materiellen und weltlichen Mitteln zu relativieren und unser Vertrauen auf Gott zu setzen.

In schwierigen Zeiten sind es nicht unsere eigenen Stärken oder Ressourcen, die uns retten, sondern allein Gottes Eingreifen und Unterstützung.

Frage: Wie kann ich lernen, mein Vertrauen mehr auf das Spirituelle als auf meine eigenen Kräfte zu setzen?

Vers 8 Du rettest uns

Ps 44:8: Sondern du rettest uns von unseren Feinden und machst zuschanden, die uns hassen.

Du rettest uns

Wer sind die wahren Bedränger, von denen Gott uns gerettet hat? Es sind nicht die sichtbaren Feinde, sondern die Dämonen, die uns durch die Sünde gefangen hielten! Aus dieser Knechtschaft konnte uns kein menschlicher Arm, kein Gesetz und kein eigener Verdienst befreien. Gott hat uns gerettet, indem er seinen einzigen Sohn sandte. Das Perfekt 'du hast gerettet' offenbart das vollendete Werk des Kreuzes: Als wir noch hilflos und Sünder waren, hat Christus uns erkauft. Alles Heil ist reine, unverdiente Gnade – wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!

Standhaftigkeit im gegenwärtigen Leiden

Warum gedenkt die Seele mitten in der Bedrängnis dieser vergangenen Rettung? Damit der Glaube nicht wanke! Wenn du gerettet bist von der ewigen Verdammnis, wie sollte Gott dich in den kleinen, zeitlichen Trübsalen dieser Welt vergessen? Er, der dich von deinen größten Feinden – dem Tod und der Sünde – gerettet hat, wird auch das Werk vollenden, das er in dir begonnen hat.

​Vers 9 Rühmen in Gott

Ps 44,9: In Gott rühmen wir uns alle Tage, und deinen Namen loben wir ewiglich.

Dank und Lobpreis

Unser Dank und Lobpreis sollen beständig zum Herrn aufsteigen. Selbst wenn wir keine neuen Liebestaten erfahren, sollten wir dennoch den Herrn preisen für das, was er an seinem Volk bisher vollbracht hat.

Lasst uns den hohen und erhabenen Lobgesang erklingen lassen, indem wir uns an die ewige Liebe erinnern, die uns erwählt hat, um einen teuren Preis erlöst zu werden und uns schließlich mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt.

Was vermögen wir wider ihn? Nichts. Was vermögen wir ohne ihn? Nichts. Ist er nicht für uns, ist alles wider uns. Doch ist er für uns, wer kann dann wider uns sein?

Frage: Wie spüre ich heute die Kraft der ewigen Liebe, die mich trägt, auch wenn ich selbst nichts zu leisten vermag?

Ps 44, 10-23 Klage über Verworfenheit

Vers 10 Verworfen, beschämt

Ps 44:10: Und doch hast du uns verworfen und zuschanden werden lassen und bist nicht ausgezogen mit unseren Heerscharen.

Umschwung im Psalm

In diesem Vers vollzieht sich der dramatische Umschwung im Psalm: Nach dem triumphalen Rückblick auf Gottes große Rettungstaten in der Vergangenheit (VV. 2–9) prallt der Betende nun hart auf die bittere Gegenwart

Vers 11 Flucht vor Feinden

Ps 44:11: Du hast uns zurückweichen lassen vor dem Feind, und die uns hassen, haben sich Beute geraubt.

Vers 12 Wie Schlachtschafe zerstreut

Ps 44:12: Du hast uns wie Schafe zum Fraß hingegeben und hast uns unter die Heiden zerstreut.

Schafe zum Fraß

​In diesem Vers erreicht das Bild der Hilflosigkeit Israels seinen Höhepunkt. Das Auserwählte Volk vergleicht sich mit einer Herde, die vom Hirten nicht mehr beschützt, sondern dem Schlachter und den reißenden Wölfen preisgegeben wird.

Das Bild drückt eine völlige Entwürdigung aus: Israel ist für die feindlichen Mächte kein gleichwertiger Gegner mehr, sondern bloße Nahrung („zum Fraß“). Es verdeutlicht das Entsetzen darüber, dass Gott, der eigentliche „Hirte Israels“ (vgl. Ps 23,1; Ps 80,2), seine eigene Herde wehrlos ausliefert.

Du hast uns hingegeben

Augustinus sieht in den „Schlachtschafen“ die prophetische Ankündigung der Apostel, Märtyrer und der gesamten streitenden Kirche: Warum werden die Heiligen mit 'Schlachtschafen' verglichen? Ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, leistet keinen Widerstand, es beißt nicht, es flucht nicht, es murrt nicht. So gingen die Märtyrer in den Tod: Sie vergelteten Böses nicht mit Bösem, sondern überwanden das Schwert durch sanftmütiges Erdulden. Gott hat seine Kirche nicht hingegeben, um sie zu vernichten, sondern um sie zu verherrlichen! Wie das Weizenkorn in die Erde fallen und sterben muss, um viel Frucht zu bringen, so wurde das Blut der Schlachtschafe zum Samen der Kirche. In ihren Wunden erstrahlt die unüberwindliche Geduld Christi.

Unter die Heiden zerstreut

Sieh die wundersame Fügung Gottes! Die Feinde meinten, sie zerstreuten die Christen, um das Gedächtnis des Namens Christi von der Erde auszulöschen. Doch was bewirkte diese Zerstreuung? Wie Funken, die in ein trockenes Feld geworfen werden, so trugen die zerstreuten Gläubigen das Feuer des Glaubens in alle Welt! Durch die Verfolgung wurden die Apostel und Gläubigen aus Jerusalem in alle heidnischen Länder getrieben. Wo immer die 'Schlachtschafe' hin zerstreut wurden, wandelten sich die Heiden und wurden selbst zu Schafen der Weide Christi. Die Wut der Verfolger wurde so unwissend zum Werkzeug der weltweiten Ausbreitung der Kirche. Andacht von Augustinus

Vers 13 Volk spottbillig verkauft

Ps 44:13: Du hast dein Volk um ein Geringes verkauft und hast nicht viel dafür verlangt.

Radikalität der Theologie

Der Vers ist eine kühne Anklage des Glaubenden: Gott wird vorgeworfen, dass ihm sein eigenes Volk gleichgültig geworden sei. Es ist der Ausdruck tiefster Verlassenheit – die Katastrophe wird nicht als Strafe für Sünden gedeutet (wie sonst oft im Alten Testament), sondern als unverständliches, wertloses Preisgeben durch Gott selbst.

Augustinus erkennt in diesem Vers das Geheimnis des Leidens Christi und der Märtyrer:

Wer wurde ohne Preis verkauft? Zuerst unser Herr Jesus Christus! Judas verkaufte ihn für dreißig Silberlinge – einen lächerlichen, spottbilligen Preis für den Schöpfer des Universums. Er gab sich hin ohne irdischen Gewinn, um uns durch sein eigenes Blut zu erkaufen.

So geschieht es auch den Gliedern seines Leibes: Gott gibt die Märtyrer in die Hände der Verfolger. Für die Welt erscheinen sie wertlos, dahingerafft ohne Entschädigung. Aber warum tut er das? Weil der wahren Preis nicht hier auf Erden gezahlt wird! Der Tauschwert für das Leiden der Heiligen ist kein irdischer Gewinn, sondern die unvergängliche Krone des ewigen Lebens. Gott gibt ihren Leib dem zeitlichen Tod hin, um ihre Seele für die Ewigkeit zu verherrlichen.

Wenn du siehst, dass der Gottlose triumphiert und der Gerechte scheinbar 'spottbillig' leidet, ohne dass Gott eingreift, dann verzweifle nicht. Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Wenn der Herr für dreißig Silberlinge verkauft wurde, erstaune nicht, wenn auch du von der Welt verachtet wirst. Gott verkauft dich nicht, um dich zu verlieren, sondern um dich durch die Bewährung des Glaubens zu bewahren.

Vers 14 Schimpf, Spott, Hohn

Ps 44:14: Du hast uns der Beschimpfung unserer Nachbarn ausgesetzt, dem Spott und Hohn derer, die uns umgeben.

Dem Spott ausgesetzt

Warum lässt Gott es zu, dass die Seinen zum Spott der Welt werden? Nicht um sie zu vernichten, sondern um sie zu läutern! Solange die Welt uns schmeichelt, besteht die Gefahr, dass wir die Welt lieben. Wenn uns die Welt aber verachtet, verhöhnt und ausstößt, lernen wir, unsere Hoffnung allein auf den Himmel zu setzen.

Der Spott der Nachbarn ist das Mittel, durch das Gott uns von der Erdenliebe entwöhnt. Er lässt zu, dass man uns verhöhnt, damit wir uns nicht an die Bequemlichkeit dieser Welt klammern, sondern den Heimatort suchen, wo kein Schimpf mehr existiert.

Vers 15 Kopfschütteln

Ps 44:15: Du hast uns zum Sprichwort unter den Heiden gemacht, dass die Völker den Kopf über uns schütteln.

Kopfschütteln

Gedenke der Passanten unter dem Kreuz! Sie schüttelten ihre Köpfe und riefen: 'Der du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst!' Sie schüttelten den Kopf über die vermeintliche Ohnmacht des Erlösers.

Sie wussten nicht, dass eben diese Schwachheit die Welt erlöste! So schütteln die Machthaber und Gottesverächter auch heute noch den Kopf über die Geduld der Märtyrer und die Sanftmut der Kirche. Sie meinen, die Sanftmütigen seien schwach, während sie in Wahrheit die Überwinder der Welt sind. Das Kopfschütteln der Welt ist das Kennzeichen dafür, dass der Glaubende nicht nach dem Geist dieser Welt lebt. Andacht von Augustinus

Vers 16 Tägliche Schande

Ps 44:16: Alle Tage ist meine Schmach vor mir, und Scham bedeckt mein Angesicht.

Schmach vor mir

Blicke auf das Haupt, auf deinen Herrn Jesus Christus! Gab es einen Tag in seiner Passion, an dem die Schande nicht vor ihm war? Von den Ohrsfeigen im Palast des Hohenpriesters über den Spott der Soldaten, die Dornenkrone, den Purpurmantel bis hin zur Entblößung am Holz des Kreuzes: Die Schmach der Welt umgab ihn ununterbrochen.

Vers 17 Vor Stimme des Lästerers

Ps 44:17: Wegen der Stimme des Spötters und Lästerers, wegen des Feindes, des Rachgierigen.

Wer ist die Stimme des Spötters?

Es ist die Stimme derer, die den gekreuzigten Christus verachten und zu den Christen sagen: 'Wo ist euer Gott? Schaut, ihr leidet, ihr werdet verfolgt, ihr sterbt – wo ist eure Rettung?

Genau diese Stimme ertönte unter dem Kreuz, als die Vorübergehenden den Kopf schüttelten und riefen: 'Hat er auf Gott vertraut, so rette er ihn nun!' Wie der Herr diese Schmähung ertragen hat, so hört sie auch seine Kirche, wann immer die Gottlosen über die Schwachheit der Gläubigen triumphieren

Vers 18 Nie vergaßen wir dich

Ps 44,18: Dies alles ist über uns gekommen, und doch haben wir dich nicht vergessen, noch treulos gehandelt gegen deinen Bund.

Treue zu Gott im Leid

Vielfältig beschreibt der Beter das Leid, das ihm widerfährt, und dennoch bezeugt er seine Treue zu Gott im Leid.

Können wir mitten in großer Not Gott mit liebendem Gehorsam anhangen, dann steht es wohl gut um uns. Menschen, die Gott um des irdischen Lohnes willen dienen, den sie von ihm zu bekommen hoffen, werden ihn bald verlassen, wenn sich Drangsal und Verfolgung erheben.

Aber nicht so der aufrichtige Christ. Er kann seines Gottes nicht vergessen, auch wenn ihn Unglück um Unglück trifft, eins schlimmer als das andere.

Frage: Wie kann ich in meinen eigenen Herausforderungen lernen, Gott mit beständiger Liebe zu vertrauen, auch wenn der Weg schwer wird?

Vers 19 Herz und Schritte wichen nie ab

Ps 44,19: Unser Herz hat sich nicht zurückgewandt, noch sind unsere Schritte abgewichen von deinem Pfad.

Herz nicht zurück gewandt

Das Herz der Wahren aber weicht nicht zurück! Es bleibt bei Gott, auch wenn die Welt zusammenbricht. Wer Gott um Gottes willen liebt, dessen Herz hängt an der ewigen Heimat, nicht an den wechselnden Gütern dieser Erde. Das ist das Herz der Märtyrer: Mitten im Feuer wandten sie sich nicht von Christus ab

Wichtigkeit der Ausdauer

Es nützt nichts, gut zu beginnen, wenn man auf halbem Wege stehen bleibt oder umkehrt. Denke an Lot’s Frau: Sie blickte zurück und erstarrte. Wer die Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist nicht tauglich für das Reich Gottes. Der Pfad Gottes verlangt stetiges Voranschreiten. Wenn Bedrängnis kommt, frage nicht: 'Warum ich?', sondern bete: 'Herr, erhalte meine Schritte auf deinem Pfad!' Andacht von Augustinus

Vers 20 Zermalmt

Ps 44:20: Dennoch hast du uns zermalmt am Ort der Schakale und uns mit Todesschatten bedeckt.

Zermalmt

Gott lässt zu, dass wir an diesem Ort gedemütigt werden. Warum? Damit wir uns nicht in der Wüste häuslich einrichten! Wenn die Welt süß und friedlich wäre, würden wir die Heimat im Himmel vergessen. Die Demütigung am Ort der Trübsal weckt die Heimsehnsucht nach dem himmlischen Jerusalem.

Vers 21 Kein fremder Gott angerufen

Ps 44:21: Hätten wir den Namen unseres Gottes vergessen und unsere Hände ausgestreckt zu einem fremden Gott,

Das Vergessen des Namens

Der „Name“ Gottes verkörpert seine Offenbarung, seine Gegenwart und seine Bundesbeziehung zu Israel. Das „Vergessen“ im alttestamentlichen Sinn meint nicht ein bloßes Gedächtnisloswerden, sondern die praktische Absage an das Bündnis und die Missachtung seiner Gebote.

Was bedeutet es, die Hände zu einem fremden Gott auszustrecken?

Es bedeutet, seine Hoffnung auf verfängliche Hilfsmittel, auf die Macht der Welt, auf Geld, Lüge oder menschliche Gunst zu setzen. Ein 'fremder Gott' ist alles, was du anstelle des schöpferischen Gottes zu deinem Fundament machst.

Die Prüfung des gereinigten Glaubens

​Augustin hebt den vorausgehenden Kontext hervor (die Unschuld des Volkes):
​
Sie sagen: 'Dies alles ist über uns gekommen, und doch haben wir dich nicht vergessen.' Das ist der wahre Glaube! Den Teufel zu ertragen, während man von Gott getröstet wird, ist leicht. Aber im Ort der Schakale zu stehen, vom Schatten des Todes umhüllt zu sein und dennoch nicht von Gott zu weichen – das ist die Krone der Märtyrer. Hier erweist sich, dass der Beter Gott um Gottes willen liebt, nicht um der Belohnungen auf Erden willen.

Vers 22 Gott erforscht Herzen

Ps 44:22: würde Gott das nicht erforschen? Er kennt ja die Geheimnisse des Herzens.

Er kennt ja die Geheimnisse des Herzens

Dieser Vers drückt aus, dass Gott unsere tiefsten Gedanken und Motive kennt, selbst wenn wir sie vielleicht vor anderen verbergen.

Er ermutigt dazu, aufrichtig zu sein und die Beziehung zu Gott zu pflegen, ohne sich zu verstellen oder etwas zu verbergen.

Er erinnert daran, dass Gott uns durch und durch kennt und uns dennoch annimmt und liebt.

Gleichzeitig fordert er dazu auf, diese Beziehung in Ehrlichkeit und Vertrauen zu führen.

Frage: Wie offen und ehrlich gestaltest du deine Beziehung zu Gott oder zu dir selbst, wenn niemand sonst zusieht?

Vers 23 Um deinetwillen täglich geschlachtet

Ps 44,23: Ja, um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag. Wie Schlachtschafe sind wir geachtet.

Die Gemeinde erleidet Verfolgung

Der Vers wird von Paulus in Römer 8,36 angeführt, um die Tatsache zu belegen, dass die Gemeinde Gottes zu allen Zeiten Verfolgung erfahren hat.

Die Kirche trägt die Bezeichnung Schafe oder Herde nicht nur, um ihre große Unschuld zu zeigen – dass sie niemandem Gewalt oder Unrecht zufügt, still, sanftmütig und freundlich ist –, sondern auch, um deutlich zu machen, wie sie dem Kreuz, mancherlei Anfechtungen, Trübsal, Angst und Not ausgesetzt ist und wie sie oft von anderen niedergetreten wird.

Frage: Wie kann das Bewusstsein von Leid und Verfolgung in deinem Glaubensleben zu innerer Stärke und Wachstum führen?

Ps 44, 24-27 Erlöse uns um deiner Güte willen!

Vers 24 Wach auf, Herr!

Ps 44,24: Herr, erhebe dich! Warum schläfst du? Wache auf und verstoße uns nicht für immer!

Herr erhebe dich

Dass der Psalmist noch immer betet, ist ein Beweis dafür, dass über den Erschütterungen des Leides sein Glaube nicht aufgehört hat.

Nicht in der trotzigen Haltung des Haderns mit Gott, wohl aber im demütigen Geist des Flehens und Forschens dürfen wir Gott über das Warum fragen, wenn seine Führungen geheimnisvoll sind.

Frage: Wie kannst du in Zeiten des Zweifelns deinen Glauben so bewahren, dass du offen bleibst für die verborgene Weisheit hinter den Herausforderungen?

Vers 25 Warum verbirgst du dich?

Ps 44,25: Warum verbirgst du dein Angesicht und vergisst unser Elend und unsere Bedrängnis?

Andacht von Augustinus

Warum verbirgt Gott sein Angesicht? Nicht um uns zu verwerfen, sondern um unser Verlangen zu entzünden! Solange das Kind alles sofort erhält, lernt es nicht, die Hand des Vaters zu suchen. Wenn Gott sich verbirgt, weckt er in der Seele die Sehnsucht nach seinem Licht. Er entzieht das spürbare Trösten, damit wir lernen, ihn nicht um seiner Gaben willen zu lieben, sondern um seiner selbst willen. Er verbirgt sein Angesicht vor den Augen des Fleisches, damit das Auge des Herzens geschärft werde.

Vers 26 Ende im Staube

Ps 44,26: Unsere Seele ist in den Staub gebeugt und unser Leib klebt am Erdboden.

Der Leib klebt am Boden

Ich werde so stark am Irdischen und bloß Menschlichen festgehalten, dass ich mich aus eigener Kraft nicht losreißen und aufraffen kann. Ich bin auf Gottes Eingreifen angewiesen und rufe darum mit Ernst, mit Ehrfurcht und mit Glauben: Stehe auf und hilf uns! Der Beter bindet die Erhörung seiner Bitte nur noch an Gott und an Gottes Treue. Er hat verstanden, dass Gott alles, was er uns an Gutem tut und gibt, um seinetwillen tut. Er tut uns Gutes, weil er ist, wie er ist, nicht weil wir was wir sind.

Vers 27 Bitte um Hilfe und Erlösung

Ps 44,27: Mache dich auf und komm uns zu Hilfe, und erlöse uns um deiner Gnade willen!

Mache dich auf, hilf uns! 

Ein kurzes, aber liebliches und kräftige Gebet, geradeswegs aufs Ziel gehend, deutlich, einfach, dringend; so sollten unsere Bitten sein.

Und erlöse uns um deiner Gnade willen

Das ist der letzte Anlauf, mit dem der Beter Gott bestürmt. Was er erbittet, ist Erlösung, und der Grund, auf den er seine Bitte stützt, ist nunmehr nichts anderes als Gottes Gnade. Das ist die höchste Kunst des Betens, sich auf Gottes Gnade zu berufen. Spurgeon

Hier geht's zu einer Auslegung von G. de Koning zu Ps 44

Das war eine Christliche Bibel - Auslegung, Kommentar, Andacht, Impuls, Erklärung, Bedeutung bzw. Predigtzum Psalm Ps 44

➡️ Hier geht's zu Ps 43

➡️ Hier geht's zu Ps 45