Mk 9, 33-37 Jünger streiten, wer der Größte ist

Vers 33 Streit um Rangordnung

Mk 9,33: Und er kam nach Kapernaum; und als er zu Hause angelangt war, fragte er sie: Was habt ihr unterwegs miteinander verhandelt?

Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? 

Es geschieht sehr oft, dass wir Christus nahe sein wollen, aber gleichzeitig erfahren wir, dass in uns Egoismus und Ichbezogenheit vorherrschen. Die Apostel werden dabei ertappt, wie sie darüber streiten, wer von ihnen wohl der Größte sei.

Sie mussten noch lernen, so wie Christus zu werden: zu lieben, sich für den anderen aufzuopfern, nichts für sich selbst zu suchen. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein” (Joh 12,24).

Wie oft müssen wir diese wesentliche Wahrheit über die Nachfolge Christi neu lernen. Wie schnell passiert es uns, dass wir egoistisch handeln!

Frage: In welchen Momenten spüre ich meinen eigenen Egoismus am stärksten, und wie könnte ich bewusst Christus’ Haltung der Liebe und Hingabe in mein Leben einladen?

Vers 34 Schweigen der Jünger

Mk 9,34: Sie aber schwiegen; denn sie hatten unterwegs miteinander verhandelt, wer der Größte sei.

Wer ist der Größte?

Wir ertappen uns häufig dabei, dass wir, ebenso wie die Jünger, danach trachten, der oder die Größte zu sein. Die Gesellschaft ermutigt uns, alles zu tun, was verspricht, erfolgreich zu sein, Spitze zu sein. Häufig verlieren wir in dem Kampf um Erfolg die Sicht auf Christus und schieben ihn schließlich auf den zweiten Platz ab.

Wenn mir wirklich daran gelegen ist und ich mich ehrlich mühe, kann Christus zur wichtigsten Person in meinem Leben werden. Trotz meiner schwachen Neigungen kann er die Nummer Eins in meinem Leben werden.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens setze ich Christus bewusst an erste Stelle, und wo könnte ich ihm mehr Raum geben?

Ursache des Streits

Der Streit der Jünger über den Vorrang schien aber dadurch entstanden zu sein, weil sie sahen, daß Petrus, Jakobus und Johannes allein auf den Berg geführt und ihnen dort etwas Geheimes anvertraut worden sei, und auch, weil dem Petrus nach Matthäus die Schlüssel des Himmelreiches verheißen worden waren. Goldene Kette

Handeln wir nicht genauso?

Die Reaktion der Jünger auf Jesu Leidensankündigung ist, gelinde gesagt, völlig unangemessen. Während Jesus davon spricht, dass er Zurückweisung und Tod willig annehmen wird, streiten sich die Apostel über Vorteile und Privilegien.

Es ist leicht, deshalb auf sie herabzublicken, aber handeln wir nicht genauso? Wie oft suchen wir unseren Vorteil, auch wenn das bedeutet, dass wir dafür andere klein machen?

Diese Haltung beeinträchtigt unsere Beziehung zu Gott. Wir müssen unsere Herzen ändern.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens halte ich an egoistischen Vorteilen fest, statt mein Herz für Gottes Weg zu öffnen?

Die Ausrichtung meines Herzens

Worauf zielen eigentlich meine täglichen Bemühungen ab? Was erhoffe ich mir von meiner Anstrengung? Anerkennung meiner Freunde, Familie und Mitarbeiter? Mehr Einfluss in meinem Umfeld? Endlich ein etwas angenehmeres Leben führen zu können?

Heute scheinen im Evangelium zwei Welten aufeinanderzutreffen. Jesus offenbart den Jüngern die Sehnsucht seines Herzens, uns das ganze Ausmaß seiner Liebe in der Passion zu offenbaren. Die Jünger hingegen offenbaren in ihrer Unterhaltung ihre Sehnsucht nach menschlicher Größe und Ruhm.

Vielleicht lächeln wir zu schnell etwas überheblich über die Unterhaltung der Apostel. Doch bin ich wirklich so anders? Wenn ich ganz ehrlich in mich selbst hineinschaue: Worauf ist mein Herz ausgerichtet?

Frage: Welche Sehnsucht meines Herzens ist größer – die nach äußerem Erfolg oder nach tiefer, liebevoller Verbundenheit?

Jesus ist der Größte

Wer ist Diener wie du, Jesus? Wer ist der Letzte gewesen wie du, Jesus?

Und doch hast du bewirkt, was wir heute den Urknall nennen, dieser erste Moment der Geschichte des Universums, in dem die vorher unendlich konzentrierte Energie mit einem Mal auseinanderstrebte. Je mehr die Wissenschaft darüber sagen kann, desto größer strahlt deine Kraft!

Wie faszinierend ist deine Macht, die sich hinkniet und die Füße der Apostel wäscht; deine Macht, die mir die Sünden immer und immer wieder in jeder Beichte vergibt; deine Macht, die mich gesund macht und mir meine Komplexe nimmt; deine Macht, die sich in Bethlehem klein wie ein Baby gemacht hat.

Leonhard Maier

Frage: Wie könntest du im eigenen Leben lernen, diese demütige und zugleich schöpferische Kraft in kleinen alltäglichen Momenten zu erkennen und zu leben?

Vers 35 Letzter als Erster

Mk 9,35: Wer der Erste sein will soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.

Natürlich ist Jesus der Größte

Als er also zuletzt und Diener sagte, beschrieb er sich wirklich selbst und er drückte seine Natur genau aus. Er war wirklich der Erste und hat sich um unsertwillen zum Letzten von allen und zum Diener aller gemacht.

In einem Spruch der Wüstenväter heißt es

Wenn du einen Jüngling siehst, der mit seinem eigenen Willen zum Himmel hinaufsteigt, dann halte seinen Fuß und ziehe ihn auf die Erde, denn das andere nützt ihm nichts.

Zur Demut

Als demütige Menschen bleiben wir geerdet. Das was wir sind, sind wir doch nur Dank seiner Güte und Gnade und häufig auch durch Menschen, die er uns auf unseren Lebensweg schickt. Der Wunsch, alles durch sich selbst sein zu wollen, ist ein falscher Stolz.

Lektion in Demut

Er sagte, dass sie dann die Ersten wären, wenn sie freiwillig den niedrigsten Dienst auf sich nehmen und für andere statt für sich selbst leben würden.

Er stellte ihnen ein Kind vor und umarmte es. Er betonte, dass Liebe, die in seinem Namen den am wenigsten Geachteten erwiesen wird, eine große Tat ist. Das ist, als ob man diese Liebe Jesus selbst erweist, ja, sogar Gott dem Vater.

O gepriesener Herr Jesus, deine Lehren prüfen mein fleischliches Herz und stellen es bloß. Brich mein Ich und lebe du durch mich.
MacDonald

Frage: Wie kann ich heute mein eigenes Ich loslassen, um Liebe und Dienst für andere zu leben, so wie es in diesem Text beschrieben wird?

Andacht von Kristel Köhler

Er selbst spricht gerade noch – und das schon zum zweiten Mal – von seinem kommenden Schicksal, das durch Auslieferung, Leiden, Tod und Auferstehung gekennzeichnet ist, sie selbst aber kreisen nur um sich selbst.

Der Dialog der Jünger über Rangfolge und Bedeutung widerspricht diametral dem, was sie an ihrem Lehrer in diesen Tagen wahrnehmen: Er geht seinen Weg, ohne sich in den Mittelpunkt zu spielen, er sucht nicht das Bad in der Menge, er wendet sich denen zu, die Hilfe benötigen und von anderen ausgeschlossen werden.

Er verweilt bei Heiden und Sündern und streitet mit den religiösen Wortführern. Wenn Jesus vom „Diener“ spricht, dann hat er genau dieses Verhalten im Blick: Eines, das sich auf das Wohl der anderen, aber nicht auf das eigene fokussiert.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens könnte ich das Wohl anderer über mein eigenes stellen, ohne mich selbst zu verlieren?

Bemerkenswert

Dass sie im Gehen wegen des Vorranges stritten, er aber sitzend sie Demut lehrte. Denn die Vornehmen haben Mühe, die Demütigen Ruhe. Da nun der Herr die Gedanken seiner Jünger sah, suchte er das Verlangen nach Erhebung durch die Demut zu heilen und ermahnte sie zuerst durch das einfache Gebot der Demut, dass sie den Vorrang nicht suchen sollten. Goldene Kette

Andacht von Papst Franziskus

Wenn du der Erste sein willst, dann musst du nach ganz hinten gehen, der Letzte sein und allen dienen. Mit diesem lapidaren Satz leitet der Herr eine Umwälzung ein: Er kehrt die Kriterien um, die bestimmen, was wirklich zählt.

Der Wert eines Menschen hängt nicht mehr von der Rolle ab, die er spielt, vom Erfolg, den er hat, von der Arbeit, die er ausübt, vom Geld auf der Bank; nein, nein, davon hängt er nicht ab. Seine Größe und sein Erfolg werden in den Augen Gottes mit einem anderen Maßstab gemessen: sie werden am Dienst gemessen.

Nicht an dem, was man hat, sondern nach dem, was man gibt. Willst du der Erste sein? Diene. Das ist der Weg.

Papst Franziskus

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du heute bewusst mehr dienen, um wahrhaftig zu wachsen?

Andacht von Papst Franziskus (B)

Heute scheint das Wort „Dienst“ ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, verschlissen durch den Gebrauch. Aber im Evangelium hat es eine präzise und konkrete Bedeutung.

Dienen ist keine höfliche Floskel: Es bedeutet so viel wie, es Jesus gleichzutun, der in einer knappen Zusammenfassung seines Lebens sagte, er sei gekommen, „nicht um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45). Das ist, was der Herr gesagt hat.

Wenn wir Jesus also nachfolgen wollen, dann müssen wir den Weg gehen, den er selbst vorgegeben hat, den Weg des Dienens. Unsere Treue zum Herrn hängt von unserer Bereitschaft zum Dienen ab. Und das, so wissen wir, kostet, denn es „schmeckt nach Kreuz“.

Aber während unsere Fürsorge und Hilfsbereitschaft den anderen gegenüber zunehmen, werden wir innerlich freier, Jesus immer ähnlicher. Je mehr wir dienen, desto mehr spüren wir die Gegenwart Gottes.

Vor allem, wenn wir denen dienen, die uns den Gefallen nicht erwidern können, den Armen, deren Schwierigkeiten und Nöte wir uns mit zärtlichem Mitleid annehmen: und da entdecken wir, dass wir auch unsererseits von Gott geliebt und angenommen werden.

Papst Franziskus

Frage: Wie könnte ich heute bewusst einen Moment des Dienens leben, der mich innerlich öffnet und mir Gottes Gegenwart spüren lässt?

Der Erste und der Letzte

Jesus meint es sehr ernst damit. Er spricht sogar davon, dass man in seiner Nachfolge nur groß sein kann, erst der Erste wird, wenn man bereit ist, der Letzte zu sein; bereit ist, ganz unten zu stehen, der Diener aller zu sein.

Er selbst hat sich an diesen Platz gestellt, sich zum Fußwäscher gemacht. Das heißt nicht, dass alle Christen immer die schmutzigsten Arbeiten tun müssen. Aber es heißt schon, dass wir innerlich stets bereit sein müssen, aus Liebe allen Menschen zu dienen, auch wenn das Überwindung kostet.

Auch ein Staatspräsident oder Millionär soll sein Leben als einen Dienst verstehen. Und hin und wieder ist es sehr "gesund", mal wirklich einen demütigen Dienst zu tun, um Christi Wort ernsthaft zu befolgen und das alles nicht zu vergessen.

Konstantin Ballestrem

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich demütig dienen, um meine Haltung zu anderen und zu Gott zu vertiefen?

Vers 36 Kind als Beispiel

Mk 9,36: ‭Und er nahm ein Kind und stellte es mitten unter sie; und nachdem er es in die Arme genommen hatte, sprach er zu ihnen:

Vers 37 Aufnahme Jesu

Mk 9,37: ‭Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Tiefgehende Symbolhandlung

Jesus stellt ein kleines Kind in die Mitte und damit die Vorstellung seiner Jünger auf den Kopf. Ein kleines Kind – was ist das schon? Klein eben, abhängig, hat kein Stimmrecht, ist schutzlos und wehrlos.

Jesus nimmt es in die Arme, gibt ihm Halt, Schutz und Sicherheit – und sagt: so sollt auch ihr euch verhalten. Eine Symbolhandlung, die verdeutlicht und in die Pflicht nimmt: Groß ist nicht der, der reich ist, der tolle Kleider hat, ein teures Auto fährt, der einen guten und angesehenen Posten innehat, der immer umjubelt wird, zu dem alle aufsehen müssen.

Groß ist vielmehr der, der auch das Kleine achtet und es nicht verachtet. Das heißt: Groß ist der, dem andere Menschen grundsätzlich nicht egal sind, so bedeutungslos und unscheinbar sie auch sein mögen und so wenig man selbst dafür bekommen mag – selbstlos eben.

Wahre Größe kommt nicht durch Haben, Anhäufen oder bloßes Sein. Wahre Größe kommt aus dem Da-Sein füreinander und der gelebten Sorge umeinander, nicht nur im eigenen engeren Umfeld, sondern auch darüber hinaus.

Frage: Wo in meinem Leben kann ich bewusst das Kleine achten und mich selbstlos für andere einsetzen, ohne auf Anerkennung oder Gegenleistung zu warten?

Beispiel des Kindes

Das Beispiel des Kindes dient als Zeichen für all die Menschen, die in der damaligen Gesellschaft einen geringen bis gar keinen Rang haben. Den Niedrigen soll die Aufmerksamkeit der Jünger zugewandt sein. Sie sollen wertgeschätzt werden, nicht diejenigen, die sich durch Geld, Macht und Einfluss ohnehin alle Aufmerksamkeit erkaufen können.

Jüngerschaft bedeutet eben, sich nicht selbst nach vorne zu drängeln, sondern anderen den Vortritt zu lassen.

Frage: In welchen Bereichen meines Lebens könnte ich lernen, anderen den Vortritt zu lassen und Wertschätzung bewusst zu schenken?

Kindliches Vertrauen

Der Erfolg in unserem religiösen Leben beginnt mit unserem kindlichen Vertrauen auf Gott. Jesus stellt ein Kind vor die Jünger und fordert sie auf, dieses kindliche Vertrauensverhältnis und seine Einfachheit vor den Eltern zu betrachten. Ebenso sollen auch wir vor Gott, unserem himmlischen Vater, wie Kinder werden.

Wende ich mich an unseren Herrn, wenn ich in Not bin und wenn ich eine Freude, die ich erfahren durfte, jemandem mitteilen will?

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich mein Vertrauen auf Gott noch mehr wie ein Kind leben und seine Nähe bewusst erfahren?