Mk 4, 26-29 Vom Wachsen der Saat
Inhaltsverzeichnis
Vers 26 Gottesreich wächst von selbst
Mk 4,26: Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft
Der Ackerboden Gottes
Bevor der Sämann den Samen sät, bereitet er den Acker für die Saat vor. Unsere Seele ist der Ackerboden Gottes. Wie sieht unser Ackerboden aus? Ist er bereit für den Samen, den Gott in unsere Seele ausstreuen möchte?
Haben wir den Boden unserer Seele durch das Gebet vorbereitet und durch die Beichte gereinigt, damit das Unkraut – unsere Sünden und Nachlässigkeiten, Neid, Egoismus, Stolz – den Samen Gottes nicht ersticken?
Der heilige Petrus schreibt: „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!” Wenn wir das tun, kommt Christus durch unser Leben und unser Zeugnis immer mehr in die Welt.
Gott sorgt nicht nur dafür, dass die Saat in uns wächst, sondern auch dafür, dass sie auf dem guten Boden Frucht bringt; dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach, wie die Evangelisten schreiben.
Frage: Wie bereit ist mein Herz, Gottes Samen zu empfangen, und welche Hindernisse darf ich loslassen, um innerlich fruchtbar zu werden?
Realität
Jesus hat mich auf einen bestimmten, keinen abstrakten Acker gestellt. Auf meinem Acker gibt es konkrete Pflanzen, um die ich mich kümmern soll, er hat sie mir anvertraut und niemand anderem.
An erster Stelle gilt es, das anzunehmen, was mich umgibt. Mich selbst mit meinen Talenten, Ecken und Kanten, die Menschen, die er in meine unmittelbare Umgebung gestellt hat, und die Umstände, die mein tägliches Umfeld ausmachen.
In diesen Dingen wird die Realität offenbar. Sie kann mir mehr oder weniger gefallen, aber über eines kann ich mir sicher sein: Sie ist ein Geschenk an mich und durch all diese Personen und Dinge möchte mich Jesus lehren, die Realität anzunehmen.
Raphael Meyer
Frage: Welche „Pflanzen“ in meinem Leben habe ich bisher übersehen, und wie könnte ich beginnen, sie bewusst zu pflegen?
Annehmen der Saat
Dieses Annehmen der Saat auf meinem Acker hat den Zweck, reiche Frucht hervorzubringen. Es ist meinerseits kein resigniertes, passives Nichtstun und Vermeiden, sondern viel mehr etwas zutiefst innerlich Aktives!
Ich bin doch oft der Erste, mit dem ich mich nicht zurechtfinde. Aber auch mit den anderen finde ich mich oftmals nicht zurecht, wenn sie nicht so sind, wie ich es mir vorstelle, oder mit den Umständen, bei denen ich mir manchmal wünschte, „Hätte ich doch nur…“ oder „Wäre das doch…“
Mich selbst und die Personen, die mich umgeben, anzunehmen, gibt mir die Möglichkeit der tätigen Liebe. Man liebt nicht im Abstrakten, sondern im Konkreten. Die Realität bildet den ganz konkreten Acker, in dem ich die Liebe Fleisch werden lassen kann, damit sie zu einem großen Gewächs wird und eines Tages in ihren Zweigen die Vögel des Himmels nisten können.
Raphael Meyer
Frage: Wie kann ich heute die Liebe im Konkreten leben, sowohl mir selbst als auch den Menschen um mich herum gegenüber?
Vers 27 Bauer schläft, Saat wächst
Mk 4,27: und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same keimt und geht auf, ohne dass er es weiß.
Zum Gleichnis
Denn der Same ist das Wort des Lebens, die Erde die menschlichen Herzen, und das Schlafen des Menschen ist der Tod des Erlösers. Es wächst der Same zur Nacht und am Tage, weil nach dem Tode Christi die Zahl der Gläubigen durch Glück und Unglück sich mehr im Glauben ausbreitete und im Werk befestigte. Goldene Perle
Pflanzen und wachsen lassen
Wenn ein Bauer Samen pflanzt und sie in der Nacht wachsen, wenn er die Samen am Morgen aufgehen sieht, hat er gerade als Partner mit Gott gearbeitet. Der Mensch hat getan, was er tun konnte – den Samen pflanzen; und Gott hat getan, was nur er tun kann: den Samen wachsen lassen.
Gottes Wort wirkt
Dies zeigt, dass das Wort Gottes unsichtbar in uns wirkt. Gott versprach, dass sein Wort den Zweck erfüllen würde, für den er es sendet (Jes 55:11). Wenn du also das Wort hörst, wirkt es in dir – sogar während du schläfst. Es wirkt in dir spirituell auf eine Weise, die für unsere Augen unsichtbar ist.
Vers 28 Erde bringt Frucht nacheinander
Mk 4,28: Denn die Erde trägt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre.
Worte von Franziskus
Wir dürfen zuversichtlich sein, weil das Wort Gottes ein schöpferisches Wort ist, dazu bestimmt, das volle Korn in der Ähre zu werden.
Wenn dieses Wort aufgenommen wird, bringt es gewiss seine Frucht, denn Gott selbst lässt es keimen und reifen auf Wegen, die wir nicht immer nachvollziehen können, und auf eine Weise, die wir nicht kennen (vgl. V. 27).
All dies lässt uns begreifen, dass es immer Gott ist – es ist immer Gott –, der sein Reich wachsen lässt. Deshalb bitten wir so sehr: Dein Reich komme. Er ist es, der es wachsen lässt.
Der Mensch ist sein einfacher Mitarbeiter, der das schöpferische Wirken Gottes betrachtet, sich daran erfreut und geduldig dessen Früchte erwartet.
Frage: In welchen Bereichen meines Lebens darf ich darauf vertrauen, dass Gottes Wirken wächst, auch wenn ich den Weg nicht sehe?
Gott sorgt sich um uns
Wer im Garten arbeitet, der weiß, dass die Pflanzen von alleine wachsen und man nicht wirklich etwas dafür tun muss. Die Kraft dazu kommt von der Pflanze und vom Boden selbst.
Doch spricht man auch immer wieder von Gärtnern mit einem grünen Daumen. Sie pflegen die Pflanzen mit Fürsorge, gießen sie, rupfen das Unkraut und schenken ihnen Aufmerksamkeit. Sie helfen der Pflanze beim Wachsen.
So wirkt auch Gott in unserem Leben. Er führt uns, begleitet uns und hilft der Pflanze der Heiligkeit in unserem Herzen zu wachsen. Das merken wir oft nicht, und dennoch können wir Gott Vater in vielen Momenten immer wieder begegnen. Und jedes Mal lässt er uns tiefer eindringen in seine Liebe.
Jonathan Fuhr
Frage: In welchen Momenten spürst du die stille Gegenwart Gottes in deinem eigenen „Garten“ des Lebens?
Ein fruchtbares Warten
Jesus spricht wieder über einen Sämann, aber diesmal betrachtet er die Dinge, die nach der Saat geschehen. Nach der Saat folgt ein fruchtbares Warten.
Nicht immer hat Jesus im Kontakt mit den Menschen eine schnelle Veränderung erlebt. Aber er wusste, dass das Wort, das er in den Menschenherzen gesät hatte, fruchtbar werden würde.
Vielleicht habe auch ich schon einmal erlebt, wie bei mir oder einer anderen Person ein Gespräch oder eine Begegnung erst mit der Zeit etwas bewirkt hat. Dann war es ein fruchtbares Warten.
Eva Gloserová
Frage: Welche Erfahrungen in meinem Leben zeigen mir, dass Geduld und Vertrauen in den Lauf der Dinge zu innerer Fruchtbarkeit führen können?
Vers 29 Reife bringt die Sichel
Mk 4,29: Wenn aber die Frucht es zulässt, schickt er sogleich die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Gott kommt, um zu ernten
Der Tag der Ernte kommt, es ist der Tag, an dem wir vor den Herrn treten – nach unserem Leben.
Gott möchte ernten und er möchte reichlich ernten, denn die Frucht dieses Baums ist das ewige Leben.
Und diese Frucht wächst dadurch, dass wir uns der Liebe des Herrn aussetzen, seine Liebe in unser Herz hineinlassen.
Leben wir jeden Tag in dem Bewusstsein, dass dieser Moment der Ernte kommen wird. Es ist ein Moment der Freude, weil die Liebe Gottes immer ganz füllt und erfüllt.
Jonathan Fuhr
Frage: Wie kann ich heute bewusst mein Herz für die Liebe Gottes öffnen, damit die Frucht meines Lebens sichtbar wächst?
Bilder
Die Sichel ist der Tod oder das Gericht, welches Alles abschneidet; die Ernte ist das Weltende.