Mk 15, 21-41 Die Kreuzigung Jesu

Vers 21 Simon von Kyrene

Mk 15,21: Und sie zwangen einen Vorübergehenden, der vom Feld kam, Simon von Kyrene, den Vater von Alexander und Rufus, ihm das Kreuz zu tragen.

Simon von Kyrene

Nach der Geißelung wurde das Opfer gezwungen, den schweren Querbalken seines eigenen Kreuzes zur Hinrichtungsstätte zu tragen. Dieser Balken wog ca. 50 kg. Was Simon von Kyrene hier tun musste, wird zum Vorbild für uns.

Im Tragen unseres oft schweren Kreuzes haben wir Anteil am Kreuz Jesu. Dieses Kreuztragen ist nicht abgehobenes spirituelles Gefasel, sondern wird von uns allen in seinem Schmerz im ganz konkreten Leben gelebt.

Zum Beispiel muss ich heute auf einer Beerdigung von einem ehemaligen Schüler Abschied nehmen, den ich sehr lieb hatte. Ich spüre den schweren Balken auf der Schulter seiner Mutter.

Pater Pio: Schaut, alle kommen und wollen von ihrem Kreuz befreit werden. So wenige kommen und bitten um Kraft, es zu tragen!

Theresia von Avila: Bete nicht um leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken.

Frage: Wo in meinem eigenen Leben spüre ich den schweren Balken, und wie kann ich in diesem Moment offen bleiben für Mitgefühl und Trost?

Vers 22 Golgatha

Mk 15,22: ‭Und sie brachten ihn auf den Platz Golgatha, das heißt übersetzt Schädelstätte.‭

Zum Hintergrund

Die aufrechten Balken wurden oft an einer sichtbaren Stelle außerhalb der Stadtmauern neben einer Hauptstraße dauerhaft befestigt. Vor diesem Tag ging Jesus wahrscheinlich viele Male an dem sehr aufrechten Menschen vorbei, an dem er hängen würde.

Vers 23 Myrrhenwein abgelehnt

Mk 15,23: Sie gaben ihm Myrrhenwein zu trinken, aber er nahm ihn nicht.

Jesus verweigert den Myrrhenwein

Die Soldaten boten Jesus mit Myrrhe vermischten Wein an. Das war eine Art Droge, die seine Sinne benebeln sollte. Er war jedoch entschlossen, die Sünden der Menschheit bei vollem Bewusstsein zu tragen, und wollte das Getränk deshalb nicht annehmen. MacDonald

Dieser Kelch Myrrhenwein mit seiner betäubenden Wirkung hätte Ihn ein wenig vor der Grenze zur äußersten Qual zurückgehalten und darum verschmähte Er ihn. Er wollte nicht abbrechen bei allem, was Er für Sein Volk unternommen hatte zu erleiden. Spurgeon

Vers 24 Kreuzigung und Losen

Mk 15,24: ‭Dann nagelten sie ihn an das Kreuz. Seine Kleider teilten sie unter sich auf und bestimmten durch das Los, was jeder bekommen sollte.

Dann nagelten Sie ihn an das Kreuz

So schreibt der Evangelist Markus von der Kreuzigung Jesus. Wie viel mehr Schmerzen musste unser Herr Jesus Christus am Kreuz erleiden und aushalten. Mit durchbohrten Händen und Füßen hing er sechs Stunden lang festgenagelt am Holzkreuz.

Über Stunden hinweg gemartert, gefoltert, gequält, musste er unter den Schmerzen leiden. Das betäubende Getränk, eine Mischung aus Wein und Myrrhe, das ihm die Soldaten zuvor geben wollten, lehnte er ab (Mk. 15,34).

Unerträglich waren die Schmerzen. Am Mittag, zur dritten Stunde, starb Jesus, der Christus.

Dies geschah in Erfüllung der Prophezeiung in Psalm 22: Sie teilen meine Kleider unter sich auf, und um meine Kleider werfen sie das Los (Ps 22:18).

Frage: Welche persönlichen Lasten oder Schmerzen trägst du heute, und wie könntest du in ihnen die Nähe oder Stärke Christi spüren?

Vers 25 Die dritte Stunde

Mk 15,25: Es war aber die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

Durch den Kreuzesbaum wird das Heil vorgebildet

Der erste Baum war der der Erkenntnis des Guten und Bösen (Gen. 2); der zweite Baum war nun der der Erkenntnis des Guten und des Lebens für uns.

Das Ausstrecken der ersten Hand nach dem Baume ergriff den Tod; das Ausstrecken aber der zweiten fand das Leben, welches verloren war.

Auf diesem Holze gelangen wir über das stürmische Meer zu dem Meer der Lebenden; denn durch sein Kreuz vernichtete Christus unser Kreuz und tötete durch seinen Tod unseren Tod.

Goldene Perle

Frage: Welche Entscheidungen in deinem Leben führten dich näher zu Leben und Erkenntnis, und wo könntest du noch bewusster danach streben?

Zur Kreuzigung

Obwohl die Römer die Kreuzigung nicht erfunden haben, perfektionierten sie sie als eine Form der Folter und Todesstrafe, die darauf ausgelegt war, einen langsamen Tod mit maximalen Schmerzen und Leiden herbeizuführen.

Vers 26 Aufschrift der Schuld

Mk 15,26: Und die Inschrift, die seine Schuld anzeigte, war darüber geschrieben: Der König der Juden.‭

Jesus unser König

Euer König bleibt derselbe, es ist der gekreuzigte Herr Jesus Christus, unter dessen Herrschaft ihr überall wohl geborgen seid. Er bleibt euer König, solange ihr ihn haben wollt.

Seid also unbesorgt, nichts wird euch fehlen. Sorgt nur dafür, dass ihr in der Liebe und Treue wachset. Haltet euch dicht an seiner Seite, dann wird alles recht werden.

Laßt euch alles von ihm lehren, laßt euch in allem von ihm beraten. Er ist der treue Freund, der mit euch gehen wird, der euch lenken wird, der sich um euch annehmen wird.

Von ganzem Herzen bitte ich ihn um diese Gnade.
Franz von Sales

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens spürst du heute das Bedürfnis, Jesus ganz bewusst an deiner Seite zu wissen?

Vers 27-29 Zwei Räuber

Mk 15,27: ‭Und mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.‭

Unter Räubern

Diese Szene unterstreicht die völlige Erniedrigung Jesu. Er stirbt nicht nur als Verurteilter, sondern auch unter Verbrechern, was seine Identifikation mit Sündern betont (Jes 53,12).

Die Platzierung zwischen den Räubern kann symbolisieren, dass er als Mittler zwischen Gott und den Menschen steht. Später zeigt einer der Gekreuzigten Reue (Lk 23,40–43).

Die Stelle erfüllt alttestamentliche Prophezeiungen und verdeutlicht Jesu freiwilliges Leiden. Sie lädt dazu ein, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie wir auf Christus reagieren: mit Spott, Gleichgültigkeit oder Glauben?

Frage: In welchen Momenten meines Lebens erkenne ich die Gegenwart Christi zwischen den Herausforderungen und Schwierigkeiten, die ich erlebe?

Vers 28 Schrift erfüllt

Mk 15,28: ‭Da wurde die Schrift erfüllt, die spricht: Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden.‭

Vers 29 Lästern der Vorübergehenden

Mk 15,29: ‭Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf und sprachen: Ha, der du den Tempel zerstörst und in drei Tagen aufbaust,

Vers 30 Ruf zur Selbstrettung

Mk 15,30: ‭rette dich selbst und steige vom Kreuz herab!

Andacht der Goldenen Perle

Der Teufel aber trieb sie an, zu sagen, er sollte vom Kreuze herabsteigen.

Denn weil er wusste, daß durch das Kreuz das Heil zustande kam, wollte er Christus wiederum versuchen, damit er, wenn er vom Kreuze herabstiege, gewiß wäre, daß er nicht wahrhaft der Sohn Gottes wäre, und so das Heil, das vom Kreuz kommt, vernichtet würde.

Da er aber der wahre Sohn Gottes war, stieg er nicht herab; denn hätte er herabsteigen müssen, so wäre er vom Anfang an nicht hinaufgestiegen.

Aber weil er sah, daß auf diese Weise das Heil gewirkt werden müsse, erduldete er die Kreuzigung und vieles andere, um sein Werk zu vollenden.

Frage: Wie kannst du in deinem eigenen Leben Geduld und Standhaftigkeit üben, um etwas Wertvolles oder Heilvolles zu bewirken?

Spott der Vorübergehenden

Wenn das Kreuz die Liebe Gottes offenbart, so offenbart es auch die Verdorbenheit des Menschen. Die Vorübergehenden nahmen sich die Zeit, den Hirten zu verspotten, als er für die Schafe starb: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige herab vom Kreuz.

Das ist die Sprache rationalistischen Unglaubens. Wir glauben nur, was wir sehen. Steige herab vom Kreuz, mit anderen Worten: Nimm den Anstoß des Kreuzes weg, und wir werden glauben.

Sie behaupteten, sie würden glauben, wenn er vom Kreuz herunterkäme, aber wir glauben, weil er oben blieb.

Frage: Wo in meinem Leben fordere ich von Gott, dass er sich meinen Erwartungen anpasst, anstatt dass ich mich seiner Liebe öffne?

Vers 31 Spott der Hohenpriester

Mk 15,31: ‭Gleicherweise spotteten aber auch die obersten Priester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten!‭

Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten!‭

Diese Worte verdeutlichen die Ironie des Kreuzesgeschehens. Die religiösen Führer sehen Jesu scheinbare Hilflosigkeit als Beweis dafür, dass er nicht der Messias ist.

Doch genau in seinem Leiden und Sterben erfüllt Jesus seine Mission: Er rettet andere, indem er sich selbst nicht rettet. Sein Opfer ist nicht Zeichen der Schwäche, sondern der höchsten Liebe.

Die Spötter verkennen den göttlichen Plan, während Jesus gerade durch seine Selbsthingabe die wahre Erlösung bringt.

So lädt dieser Vers zur Reflexion ein: Wahre Größe zeigt sich nicht in Macht, sondern in selbstloser Liebe.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens könntest du selbstloses Handeln über persönliche Sicherheit oder Macht stellen?

Vers 32 Hohn der Mitgekreuzigten

Mk 15,32: Der Christus, der König von Israel, steige nun vom Kreuz herab, damit wir sehen und glauben! Auch die, welche mit ihm gekreuzigt wurden, schmähten ihn.

Oh wunderbar

Um wie viel wunderbarer ist es, daß ein Toter auferstehen kann, als daß ein noch Lebender vom Kreuz herabsteige? Um Geringes habt ihr gebeten, da Größeres geschah

Vers 33 Finsternis im Land

Mk 15,33: ‭Als aber die sechste Stunde anbrach, kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.‭

Kam eine Finsternis

Diese dreistündige Finsternis symbolisiert göttliches Gericht und Trauer über den Tod Jesu. Sie erinnert an die Finsternis über Ägypten (2. Mose 10,21–22) und kündigt das kommende Heil an.

Theologisch steht sie für die Trennung Jesu von Gott, als er die Sünden der Welt trägt. Die Dunkelheit verdeutlicht auch die Bedeutung seines Opfers: Jesus stirbt nicht nur als Mensch, sondern als leidender Messias, der die Strafe der Sünde auf sich nimmt.

Gleichzeitig verweist sie auf den kosmischen Charakter dieses Geschehens – die gesamte Schöpfung reagiert auf den Tod des Gottessohnes.

Frage: Welche persönlichen oder spirituellen „Dunkelstunden“ in deinem Leben könnten dich tiefer mit dem Sinn von Opfer, Loslassen oder göttlicher Nähe verbinden?

Vers 34 Ruf der Gottverlassenheit

Mk 15,34: Um drei Uhr schrie Jesus laut: Eloi, Eloi, lema sabachtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Jesus betet hier den großen Psalm 22, der mit diesem Vers beginnt

So nimmt er alle an der Verborgenheit Gottes leidenden Menschen dieser Welt in sich hinein. Er trägt den Notschrei der Welt vor das Herz Gottes selber hin. Die ganze Passion ist in dem Psalm gleichsam vorab geschildert: die öffentliche Demütigung, der Hohn und das Kopfschütteln der Spötter, die Schmerzen, der entsetzliche Durst, das Durchbohren der Hände und Füße und das Verlosen der Kleider.

Aber nicht nur die Passion, sondern auch die Gewissheit der Erhörung, die sich zeigen wird in der Auferstehung, ist im Psalm enthalten. Der Ruf in der äußersten Not ist zugleich Gewissheit der göttlichen Antwort, Gewissheit des Heils – nicht nur für Jesus selbst, sondern für viele.

Frage: Wie kann ich in meinem eigenen Leben die Gewissheit göttlicher Antwort spüren, auch wenn ich mich in Not oder Leid befinde?

Andacht von Papst Franziskus (A)

In der tragischsten Stunde erlebt Jesus das Gefühl, von Gott verlassen zu sein. Nie zuvor hatte er den Vater mit dem allgemeinen Namen Gott angerufen. Um uns die Wucht dieses Ereignisses zu vermitteln, gibt das Evangelium den Satz auch auf Aramäisch wieder.

Dieser ist der einzige von den Sätzen, die Jesus am Kreuz gesagt hat, der uns in der Originalsprache überliefert ist. Das reale Ereignis ist die extreme Erniedrigung, also die Verlassenheit durch seinen Vater, die Verlassenheit durch Gott.

Der Herr leidet aus Liebe zu uns so sehr, dass es für uns schwierig ist, es überhaupt zu begreifen. Er sieht den Himmel verschlossen, er erlebt die bittere Grenze des Lebens, den Schiffbruch der Existenz, den Zusammenbruch jeder Gewissheit: er schreit dieses „Warum“ schlechthin. „Du, Gott, warum?“

Frage: Wann habe ich selbst Momente der Verlassenheit oder des Zweifelns erlebt, und wie könnte ich in solchen Zeiten das Vertrauen in eine höhere Liebe oder einen tieferen Sinn neu entdecken?

Andacht von Papst Franziskus (B)

Der verlassene Christus bewegt uns dazu, ihn in den Verlassenen zu suchen und zu lieben. Denn bei ihnen handelt es sich nicht allein um Bedürftige, sondern auch um ihn, den verlassenen Jesus, denjenigen, der uns gerettet hat, indem er bis in die Tiefen unseres Menschseins hinabgestiegen ist.

Der verlassene Jesus fordert uns auf, Augen und ein Herz für die Verlassenen zu haben. Für uns, die Jünger des verlassenen Herrn, darf niemand ausgegrenzt und niemand sich selbst überlassen werden; denn – denken wir daran – die Abgelehnten und Ausgeschlossenen sind lebendige Bilder Christi, sie erinnern uns an seine verrückte Liebe, an seine Verlassenheit, die uns aus aller Einsamkeit und Trostlosigkeit rettet.

Schwestern und Brüder, bitten wir heute um diese Gnade: Den verlassenen Jesus lieben zu können und Jesus in jedem verlassenen Menschen lieben zu können.

Papst Franziskus

Frage: Wo in meinem Leben kann ich heute bewusst die Augen für die Verlassenen öffnen und die Gegenwart Christi erkennen?

Vers 35 Elias-Missverständnis

Mk 15,35: Und etliche der Umstehenden, die es hörten, sprachen: Siehe, er ruft den Elia!‭

Siehe, er ruft den Elia!‭

Dies geschieht, als Jesus am Kreuz ausruft: „Eloi, Eloi, lama asabthani?“ (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?). Die Umstehenden missverstehen seine Worte und denken, er rufe den Propheten Elia, den sie mit der endzeitlichen Rettung Israels in Verbindung bringen.

Diese Reaktion zeigt Unkenntnis, aber auch die damalige Erwartung, dass Elia als Vorläufer des Messias wiederkommen würde (vgl. Maleachi 3,23).

Theologisch verdeutlicht der Vers das Missverständnis um Jesu wahre Identität. Sein Ruf ist kein Hilferuf an Elia, sondern das Erfüllen von Psalm 22, das auf sein Leiden und die Erlösung der Welt hinweist.

Frage: In welchen Momenten meines Lebens fühle ich mich von Gott verlassen, und wie kann ich in diesen Zeiten auf seine Gegenwart vertrauen?

Vers 36 Essig auf dem Schwamm

Mk 15,36: ‭Einer aber lief und füllte einen Schwamm mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt! Lasst uns sehen, ob Elia kommt, um ihn herabzunehmen!‭

Bezug zu Psalm 69

Theologisch verweist die Szene auf Psalm 69,22, wo der leidende Gerechte mit Essig getränkt wird. Sie unterstreicht Jesu Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeiungen.

Gleichzeitig verdeutlicht sie seine Verlassenheit und den Unglauben seiner Umgebung. Doch sein Leiden führt zur Erlösung: Durch das Kreuz offenbart sich Gottes Heilsplan, der sich in der Auferstehung vollendet.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens hast du die Erfahrung gemacht, dass aus Leid tiefe Einsicht oder Heilung erwachsen kann?

Vers 37 Jesu Todesschrei

Mk 15,37: ‭Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied.‭

Jesus am Kreuz

Ich überlege vor allem, wer der ist, der so hangend erhöht ist, und sehe durch die Inschrift, dass es Jesus von Nazaret, der König der Juden, ist.

Ist das also, sage ich, der große Jesus, der so viele Wunder gewirkt, sein ganzes Leben gepredigt und Akte der Tugend gemacht hat? Ist das der Sohn des ewigen Gottes, der der Herr des Himmels und der Erde ist? Und wieso hängt er nun am Kreuz? Konnte er nicht auf tausend ehrenhaftere Arten sterben, die sanfter und erträglicher sind, wenn er schon sterben wollte?

Man muss wohl sagen, dass dieser Tod eine bestimmte verborgene Schönheit besitzt, da er vom Sohn Gottes selbst gewählt wurde. Welcher Bewunderung wird oder kann dieses Wunder würdig sein?

Ich betrachte die Haltung des Erlösers, an der ich höchste Güte und Sanftmut sehe. Seine Augen sind durch die Schmerzen keineswegs getrübt und durch die Kränkungen nicht erzürnt. O wie gütig ist dieses Lamm! Wer wird mir die Gnade geben, dass ich inmitten von Mühen und Kränkungen ebenso sein kann?

Frage: In welchen Momenten meines Lebens kann ich lernen, mit solcher Güte und Sanftmut auf Schwierigkeiten zu reagieren?

Vers 38 Vorhang zerrissen

Mk 15,38: Der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei.

Bild des zerissenen Vorhangs

Das war eine Tat Gottes, die zeigen sollte, dass durch den Tod Christi von nun an der Zugang in das Heiligtum Gottes das Vorrecht aller Gläubigen ist. Nun war ein neues, großartiges Zeitalter angebrochen. Es sollte ein Zeitalter der Nähe zu Gott und nicht der Ferne von ihm sein. MacDonald

Der Vorhang des Tempels zerriß, das heißt, der Himmel öffnet sich. Gleichzeitig verweist es auf einen lebendigen Tempel, nämlich den Leib Christi, bei dessen Leiden sein Kleid, also sein Leib, zerrissen wurde.

Das Zerreißen des Schleiers des Tempels bedeutete, dass der Mensch nun freien Zugang zum Thron der Gnade durch das Kreuz hatte. Bezeichnenderweise wurde der Schleier von oben bis unten zerrissen, wodurch die Trennungsmauer zwischen Gott und Mensch aufgehoben wurde. Gott selbst hat den Schleier vom Himmel her zerrissen, und nicht der Mensch von der Erde.

Frage: Wo spüre ich in meinem eigenen Leben die Einladung, den Zugang zu Gottes Gnade bewusst zu betreten?

Vers 39 Bekenntnis des Hauptmanns

Mk 15,39: ‭Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, sah, dass er so schrie und verschied, sprach er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!‭

Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!‭

Dies ist ein entscheidender Moment im Evangelium, da ein heidnischer Soldat als erster offen Jesus als Sohn Gottes bekennt.

Sein Ausruf zeigt, dass Jesu Tod nicht als Niederlage, sondern als Offenbarung seiner göttlichen Identität verstanden werden kann. Der Hauptmann, der wahrscheinlich viele Hinrichtungen gesehen hatte, war von Jesu Art zu sterben tief beeindruckt.

Dies unterstreicht die Kraft des Kreuzes als Zeichen göttlicher Liebe und Offenbarung.

Diese Szene betont zudem die universale Bedeutung Jesu: Nicht nur Juden, sondern auch Heiden erkennen ihn als Gottes Sohn – ein zentrales Motiv des Markusevangeliums.

Frage: Welche Momente in deinem Leben haben dir bewusst gemacht, dass tiefe Wahrheit und Liebe oft an unerwarteten Orten oder durch unerwartete Menschen offenbar werden?

Vers 40-41 Frauen als Zeuginnen

Mk 15,40: ‭Es sahen aber auch Frauen von ferne zu, unter ihnen waren auch Maria Magdalena und Maria, die Mutter des jüngeren Jakobus und des Joses, sowie Salome,

Es sahen aber auch Frauen von ferne zu

Ihre Anwesenheit zeigt ihre Treue und ihr Mitgefühl, während viele Jünger geflohen waren.

Diese Szene hebt die Rolle der Frauen als stille, aber standhafte Zeugen des Leidens Jesu hervor. Sie stehen für Treue in schwierigen Zeiten und symbolisieren, dass das Evangelium auch durch diejenigen getragen wird, die gesellschaftlich oft übersehen wurden.

Ihre spätere Rolle bei der Auferstehungsverkündigung unterstreicht, dass Gott oft diejenigen erwählt, die nicht im Mittelpunkt stehen. Die Frauen sind somit Vorbilder für Glauben, Mut und Hingabe.

Frage: Welche stillen Treuen in Ihrem Leben inspirieren Sie dazu, in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben?

Mk 15,41: ‭die ihm auch, als er in Galiläa war, nachgefolgt waren und ihm gedient hatten, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.