Mk 12, 41-44 Eine arme Witwe gibt alles

Vers 41 Opferkasten-Beobachtung

Mk 12,41: Jesus setzte sich dem Opfer­kasten gegenüber und schaute zu, wie die Leute Geld in den Opferkasten legten. Und viele Reiche legten viel ein.

Jesus schaute zu

Ich schaue auf den göttlichen Blick Jesus. Er sieht nicht nur die Gesten, sondern auch die Herzen derer, die die Gaben darbringen. Worauf Menschen nicht achten, das sieht allein Gott.

Ich denke dabei an mich. Jesus schaut auf mich bis in die Tiefe des Herzens. Er schaut auf mein Herz und nicht auf äußerliche Gesten. Er weiß, dass meine Hingabe an ihn oft kümmerlich und schwach ist.

Doch er sieht mein tägliches Bemühen, Hingabe zu leben. Und sind wir untreu, so ist und bleibt er treu.

Unsere Hingabe mag unbeständig sein, Gottes Hingabe niemals. Max Lucado

Frage: Wie kann ich in meinem Alltag die Treue Gottes im Blick behalten und meine Hingabe ihm gegenüber bewusst leben?

Der Opferkasten (A)

In allen Religionen ist das Opfer eine grundlegende Geste des gläubigen Menschen. Dabei ist es eigentlich nicht Gott, der das Opfer bräuchte, denn wie sollte er sich davon beeindrucken oder gar manipulieren lassen?

Gott will auch keine Opfer, um die Menschen zu quälen oder ihnen gute Dinge vorzuenthalten. Der Sinn eines Opfers besteht oft darin, uns von schlechten Anhänglichkeiten und Bindungen zu lösen und auf unser eigentliches und wahres Ziel auszurichten.

Sinn eines christlichen Opfers ist folglich, den Menschen liebesfähig zu machen und ihn daran zu erinnern, dass sein Glück nicht im Nehmen und Raffen, sondern im Geben und Schenken besteht.

In der Ewigkeit zählt letztlich nicht, was wir abgestaubt, genossen und verbraucht haben, sondern es bleibt nur das, was jeder aus Liebe für Gott und die Mitmenschen getan hat.

Martin Baranowski

Frage: Wie könntest du in deinem Alltag kleine Gesten der Hingabe oder des Gebens bewusst einsetzen, um dein Herz mehr für Liebe und Mitgefühl zu öffnen?

Der Opferkasten (B)

Der Egoismus führt dazu, dass wir alle Dinge auf uns selbst beziehen und ständig um uns selber kreisen. Auf materieller Ebene wollen wir dann immer mehr und mehr besitzen und sind nicht bereit, irgendetwas loszulassen.

Wie gut, dass es Opferkasten, Klingelbeutel und Ähnliches gibt, die uns helfen, großzügig zu werden. Verzicht und Opferbereitschaft helfen, den eigenen Egoismus zu überwinden. Allerdings ist das nur eine Seite der Medaille, der erste Schritt.

Auf der anderen Seite befinden sich die vielen Menschen, für die wir auch Verantwortung tragen, ob wir es nun wissen oder nicht. Mein Leben lebe ich nicht nur für mich allein, es soll im Dienst der anderen stehen. Ein erfülltes Leben finde ich nur dann, wenn ich meinen Horizont für die vielen Menschen, denen ich helfen und dienen kann, ganz weit öffne.

Bertalan Egervári

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du deinen Horizont öffnen, um bewusster im Dienst anderer zu stehen und dabei inneren Frieden zu finden?

Vers 42 Zwei Scherflein einer Witwe

Mk 12,42: ‭Und es kam eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein, das ist ein Groschen.

Die zwei kleinen Münzen

Die Gabe der Witwe hat zwar materiell keine große Bedeutung, aber sie ist für Jesus wertvoll, weil sie Ausdruck eines offenen und großzügigen Herzens ist.

Gott hat weniger Gefallen daran, wenn wir nicht uns selbst, sondern nur etwas von unserem Überfluss geben, einfach nur um eine Pflicht zu erfüllen und das Gewissen zu beruhigen.

Er wünscht sich, dass wir unsere Hoffnung nicht auf materiellen Besitz und menschliche Sicherheiten setzen, sondern wirklich ihm vertrauen und für ihn leben.

Diese Haltung führt dann im Alltag dazu, dass wir nicht mehr ängstlich berechnen, sondern frei sind, um großzügig geben zu können.

Martin Baranowski

Frage: In welchen Bereichen deines Lebens könntest du lernen, mit offenem Herzen zu vertrauen und loszulassen?

Vers 43 Mehr als alle anderen

Mk 12,43: ‭Da rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gelegt als alle, die eingelegt haben.

Sie hat mehr gegeben als alle

Sie gab alles: Das Wunderbare an der Gabe dieser Witwe war, dass sie zwei Scherflein hatte und sie beide gab. Sie hätte vielleicht eine Münze für sich behalten, und niemand würde es ihr verübeln, wenn sie es täte. Stattdessen gab sie mit erstaunlicher Großzügigkeit.

Die Witwe wirft die letzten Münzen, die ihr verblieben sind, in den Opferkasten des Tempels. Aus materieller Hinsicht ist dieses Opfer wertlos, einen Cent gibt sie nach heutiger Rechnung. Aber ihre Tat enthält eine große Lehre.

Die Tatsache, dass Jesus seine Jünger zusammenruft und das betonte "Wahrlich, ich sage euch", verleiht der Handlung der Witwe eine besondere Bedeutung. Hatte Jesus kurz zuvor die Scheinheiligkeit der Schriftgelehrten gerügt, so wird er nun die Hingabe der Witwe als ein Vorbild tiefer Frömmigkeit herausstellen.

Alle christliche Frömmigkeit ist nur so viel wert, als sie die Hingabe unseres Willens an den Seinen enthält. Albert Schweitzer

Frage: Welche kleinen oder scheinbar unbedeutenden Gesten in deinem Leben könntest du mit voller Hingabe tun, um innere Großzügigkeit und spirituelle Tiefe zu leben?

Das ist die Mathematik des Himmels

Die Reichen gaben von dem, was sie zu viel hatten und behielten genug für sich zurück.

Die arme Witwe gab von dem, was sie zu wenig hatte, und behielt nichts für sich zurück.

Das zeugt von einer großen Liebe und einer tiefen Hingabe an Gott. Das machte ihr Opfer so großartig.

Auch heute gilt für uns: Wahres Christentum ist völlige Hingabe und zwar an den Herrn Jesus Christus.

Das innerste Wesen der Liebe ist Hingabe. Edith Stein

Frage: Wo in meinem Leben kann ich lernen, mit ganzem Herzen zu geben und mich vollständig der Liebe Gottes hinzugeben?

Wie geben wir?

Jesus sieht uns an, wenn wir geben, und er merkt, wie wir geben. Als Jesus hinschaut, ist er mehr daran interessiert, wie wir geben, als daran, wie viel wir geben.

Als Jesus sah, wie die Menschen gaben, studierte er keine Technik. Er schaut mehr auf Motiv und Herz. Jesu Grundsatz hier zeigt uns, dass vor Gott der Geist des Gebens den Wert des Geschenks mehr bestimmt als die Menge.

Gott will kein widerwillig gegebenes Geld oder Schuldgeld. Gott liebt den fröhlichen Geber.

Frage: Wann habe ich zuletzt aus ganzem Herzen gegeben, ohne auf die Menge oder den äußeren Wert zu achten?

Alles geben

Es gehört sehr viel dazu, so zu handeln, wie es die arme Witwe getan hat. Sie musste sich wohl auch einen Ruck geben, um das Opfer zu bringen.

Vor allem aber zeigte sie ein großes, geradezu grenzenloses Vertrauen auf die Vorsehung Gottes. Ganz Gott zu vertrauen und alles in seine Hände zu legen, verlangt uns wahnsinnig viel ab. Das schaffen wir normalerweise nicht von heute auf morgen.

Sicher hat die Witwe vieles mitgemacht, was sie lieber nicht erlebt hätte. Aber dadurch hat sie gelernt, ihr Leben ganz in die Hände Gottes zu legen. Letztlich muss jedes Vertrauen, das wir auf Dinge oder Menschen setzen und nicht auf Gott, früher oder später enttäuscht werden.

Je mehr wir auf Gott vertrauen, desto nachhaltiger kann er wirken und unser Leben zum Guten lenken.

Bertalan Egervári

Frage: Wo in meinem Leben könnte ich lernen, mehr loszulassen und mein Vertrauen ganz in Gottes Hände zu legen?

Vers 44 Alles gegeben zum Leben

Mk 12,44: Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt. Diese aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Sie hat von ihrer Armut gegeben

Die Witwe hat von ihrer Armut gegeben, ein schönes Paradox. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Gottes Vorsehung an einen bestimmten Platz in dieser Welt gestellt sind.

An diesem Platz aus unserer Armut heraus und selbst ganz zu geben, das ist christliches Leben. So geben wir Gott die Ehre.

Meine Hingabe wird dabei dann fruchtbar werden, wenn sie mit Herzen und in ihrer Ganzheit vollzogen wird. Die arme Witwe zeigt uns, dass es Gott nicht einfach um Gaben geht, sondern darum, dass der Mensch ihm sein ganzes Leben hingibt, sich selbst als Opfer darbringt.

Frage: Welche Bereiche deines Lebens könntest du heute ganz bewusst in Hingabe an Gott bringen, unabhängig von materiellem Besitz?

Die Witwe gibt ihr ganzes Leben

Sie gibt sich selbst. Sie gibt sich hin. Sie ist ein Sinnbild für Proexistenz, das Dasein für andere bis zur äußersten Konsequenz. So hat Jesus seinen eigenen Tod verstanden und gedeutet.

Am Wendepunkt des öffentlichen Wirkens Jesu hin zu seiner Passion steht diese Erzählung. Auf diese Weise wird diese Witwe zum Sinnbild für Christus, der sich nun aufmacht, sein Leben hinzugeben.

Frage: In welchen Momenten deines Lebens bist du bereit, dich vollkommen für andere hinzugeben, und was könnte das für dein eigenes spirituelles Wachstum bedeuten?

Die arme Witwe ist ein Beispiel wahrer Jüngerschaft

Wir sind die arme Witwe, weil wir das übertriebene Streben nach Zeitlichem hinwegwerfen. Wir sind die arme Witwe, weil unser Bräutigam Christus für uns den Tod ertrug. Wir sind die arme Witwe, weil wir alles loslassen, so dass Gott Wohnung in uns nehmen kann.

Heiligkeit im Alltag

Objektiv gesehen hat die arme Witwe, die Jesus lobt, sehr wenig zur Instandhaltung des Tempels beigetragen. Ihr Betrag wird wenig ausmachen und doch hat sie in den Augen Jesu den größten Beitrag geleistet.

Vielleicht denken wir auch oftmals, dass wir große Akte der Nächstenliebe, des Opfers und der „Selbstgeißelung“ vollbringen müssen, um in den Augen Gottes einen Beitrag zu leisten. Doch einfach seine alltäglichen Schwierigkeiten für Jesus zu tragen, das ist genauso ein Weg zur Heiligkeit.

Opfere ich meinen Alltag auf? Wenn die Kinder anstrengend sind? Wenn ich Stress im Job habe?

Michael Roidl

Frage: Wie kann ich in meinem täglichen Leben selbst die kleinen Herausforderungen als Ausdruck meiner Hingabe und meines Glaubens sehen?

Therese von Lisieux: Der Herr verlangt von uns keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit. Er braucht unsere Werke nicht, sondern allein unsere Liebe.

Franz von Sales: Was mich kümmert und was mich fordert ist das Heute. Das Heute gehört der Gnade Gottes und der Hingabe meines Herzens.

Hingabe ist: Dem Herrn geben, was ihm gehört. Corrie ten Boom

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